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burtstage zu erweisen. Haß ist ansteckend. Ich hab's erfahren, aber auch die Liebe. Dann vergitzt man alles, was man je an Haß erfahren hat!" i£r war besonders guter Stimmung, plauderte angeregt bei der Früh­stücks- und Mittagstafel, bedeutsame Zeitfragen wurden eingehend er­örtert. So manche Stunde kürzte er sich durch das Lesen der Erinne- Brungen einiger Generale des ersten Napoleon, für den er stets viel Interesse gehabt. An Gästen aus der Nachbarschaft fehlte es nicht, ihm waren die Mahlzeiten nach alter germanischer Sitte immer willkommen; auch hier gab er sich einfach und liebenswürdig, schätzte jedes gute Wort und nicht minder jeden guten Scherz. Als er bei dieser Gelegenheit ein­mal erwähnte, daß er während der letzten Nacht schlaflose Stunden gehabt, fragte ihn die hübsche, elegante Gattin des in der Nähe be­güterten Oberst o. Goldammer, ob er dann an die großen Taten der Weltgeschichte gedacht. Bismarck:Gott bewahre! Da dachte ich mir aus, wie schön dieser oder jener Platz sein wird, sobald das junge Laub

Der folgende Tag war also derschwerste", er brachte den Besuch des Kaisers der den Fürsten im Namen der Armee beg udwunschen wallte. Infanterie, Kavallerie, Artillerie auf dem an den fürstlichen Pa« stoßenden Acker. Als der Wagen mit dem Fürsten, derwiedeimm Kürassieruniforrn trug, erschien, sprengte der Kaiser m gestreck em Galopp auf ihn zu, dem Fürsten mit einigen Worten die Hand / 'chend. Zur linken Seite des Wagens, der langsam unter dem Sp'el aller Kapellen an den Truppen vorüberfuhr, ritt der Kaiser. 2« der Mitte d gib

mürbeVa«»tberWatete seine' beglückwünschenden Worte | an Bismarck sie schließend:Und nun empfangen Ew D"^)laucht meine ~ Seburtstagsqabe, ein Schwert, die vornehmste Waste der Germanen, dabei überreichte er einen goldenen Barsch. Bismarck verließ Wagen, den Mantel abwerfend, fest und sicher schritt er °uf den Kaiser tu, an ihn einige Dankesworte richtend. Dann wandte sich der Kaiser zu den Truppen:Kameraden, der Fürst von Bismarck, Herzog v

ii ^«ad) d^sem°bewegtei?^ge trat etwas Ruhe ein. Der Fürst nahm

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Allmählich legte die Ortschaft festlichen Schmuck an. Fahnen, Wimpel, Banner, Girlanden, alles sehr schlicht. Auch das Schloß wurde bekränzt. Der Mittag des 25. März brachte die erste Feierlichkeit: die Landtags­und Reichstagsabgeordneten trafen aus Berlin ein. Man stand in Grup­pen auf dem Bahnsteige umher, um nach dem Park zu gehen, wo der Empfang durch den Fürsten stattfinden sollte. Plötzlich ein Drängen und Fragen: Fürst Bismarck ist unerwartet erschienen. Ragend die Gestalt, voll Gröhe und Frische, auf dem Haupt der stählerne Helm, zur linken Seite der Pallasch mit der rechten Hand sich auf einen derben Naturstock tützend, über der Uniform den hechtgrauen Mantel mit gelben Ans­chlägen und breitem Pelzkragen. So kam er hoch aufgerichtet einher- , geschritten. Sofort umringte ihn ein enger Kreis meist persönlich Be- i annter, von denen er einzelne mit festem Händedruck begrüßte. Durch­dringend blickten seine großen blauen Augen, sie schweiften suchend um­her merkten die Lücken:Ach, so mancher meiner alten Freunde ist gestorben, ich finde ihn nicht mehr in Ihren Reihen!" Nach kurzer Pause: Aber man erkennt ja die Herren heute gar nicht wieder! Warum haben Sie Zylinder auf? Das ist man in Friedrichsruh gar nicht gewohnt, Sie kommen ja hier in eine Wildnis! Nun, jedenfalls freut es mich, daß ich die Herren hier schon auf meinem Gebiet begrüßen durste, und nun können wir wohl gehen!" Aus die Bemerkung, daß man noch den Zug mit den Reichstagsmitgliedern erwarte, meinte er lächelnd:3a, dürfen die denn?"

Die eigentliche Begrüßung fand kurz danach im Park statt. Bismarck, jetzt den Mantel offen, daß man das Eiserne Kreuz erster Klasse und den Pour le m6rite mit den Schwertern bemerkte, ergriff nach den Reden der drei Präsidenten das Wart, zunächst stockend, dann m tief= wirkender Weise seinen nationalen Gefühlen Ausdruck gebend. Als er von feinen verstorbenen Mitarbeitern sprach, mit denen er das Verdienst teile,vor allem mit meinem hochseligen ..." versagte ihm die Stimme. Man merkte ihm seine innere Bewegung an, in seinen Zugen zuckte es, schwer atmete seine Brust, er suchte seiner Rührung Herr zu werden, die stark auf uns überging. Endlich fand er die Fassung wieder und fuhr fort ..alten Herrn, dem Kaiser Wilhelm."

Während die Mehrzahl, von den Grafen Herbert und Wilhelm ge­führt, durch den Park wanderte, blieb ich mit einigen bekannten Abge­ordneten nahe dem Eingang des Schlosses. Nach einem halben Stünd­chen erschien Graf Rantzau und sagte:Wenn einige Herren noch em- treten wollen ..." Und ob wir wollten! Wir gelangten m das ®or= gemach des großen Speisezimmers, in welchem an langem Tische noch die Geladenen versammelt waren. Bismarck sah an der Spitze unb ent= ' lockte der langen Pfeife mächtige Rauchwolken. Das Frühstück war schon i zu Ende, manche der Gäste standen auf, andere blieben noch sisien Der getreue Kammerdiener Pinnow hatte uns entdeckt und brachte kühlen Champagner. Graf Bill ging mit der Zigarrenkiste umher und be­dachte auch uns. Dann gesellte sich S chw e ni n ge r (Bismarcks Leib- i arzt) zu uns, auf eine Frage nach dem Befinden des Fürsten erwiderte - er:Ich sagte ihm immer, wenn er einmal klagt: .Durchlaucht sollen froh sein, daß Sie noch klagen können st Es sind ja kleine Leidem Er­kältungen, bei seinen häufigen Spaziergangen und Fahrten nichtzu vermeiden. Er vermißt sehr, daß er nicht mehr zu Pferd steigen und durch den Forst streifen kann." , . ,

Plötzlich stand Fürst Birmarck in der Tur, Schwemnger lächelnd fra­gend:Nun, habe ich gut bestanden, duce medico? Aber vor dem morgigen Tag fürchte ich mich, der wird der schwerste.

Präsident v. Köller trat zum Fürsten, sich verabschiedend, Bismarck erinnerte daran, daß er in diesem Jahr auch sem ö0jahriges Iubtla

, als Parlamentarier begehe. Denn er habe 1845, in der Anfangszeit feiner parlamentarischen Tätigkeit, ein Referat erstatten müssen: »Eswar nicht sehr aufregend und wichtig, über die Verteilung von To^streu in der i Sorigenbenanftalt zu Uedermünbe!" Die Stimme war weich und warm s von eigentümlichem Zauber, nichts von Effekt, von beabsichtigter Wirkung

letzten Plätzchen gefüllt, eine erbrüdenbe Fülle, :, Gutgemeintes, Gefchmadvolles unb Gefchmack-

fchlechtes Herz, guter Magen.

seine gewohnte Lebensweise wieder auf. Bis zur neunten, manchmal auch zehnten Morgenstunde blieben die weißen Fensterläden feines zu ebener Erde gelegenen Schlafgemaches und des benachbarten Arbeits­zimmers fest geschloffen. Frühstüd und Mittagessen wurden zu den gewohnten Zeiten eingenommen. Der Fürst sprach hierbei den Speisen roader zu und verschmähte auch nie den nötigenAusguß" am Tage der Parlamentarier zum Frühstück zwei Flaschen köstlichen Rieslinger, bann noch einige Gläser Sekt. Bis zur elften Abenbstunbe blieb er auf, wenige Minuten brauchte er zum Auskleiben, alles ging kurz, militärisch.

In biefen Zwischentagen trafen ununterbrochen aus allen Weltteilen Geschenke ein; Kisten türmten sich auf Kisten unb würben von ben flinken Hänben junger Forstbeamten ausgepackt. Salb waren meh­rere Gemächer bis zum letzten Plätzchen gefüllt, eine erbrüdenbe Fülle,

Wertvolles unb Nichtiges, Gutgemeintes, Gefchmadvolles unb Geschmack­loses bunt burdjeinanber. Bismarck besichtigte mehrmals bie Gaben. Bei einer ihn barftellenben Statuette äußerte er:Gut gemeint, aber nicht ähnlich! Merkwürbig, baß mich die Künstler immer ohne Unterlippe darstellen, das ist falsch; sie ist bei mir ausgesprochen vorhanden, nicht zu sehr, denn das würde Eigensinn bedeuten der war mir immer fremd, wenn ich bessere Ansichten fand, als die meinen!" Einmal bemerkte er:Diesmal stimmt es nicht, daß sich die Dankbarkeit zurück­zieht, wenn man seine Pflicht getan hat." Und ein andermal;Mir geht es mit dieser Ueberschwemmung von Liebe und Anerkennung fast wie jenem englischen Prinzen, der sich den Tod wenigstens durch Ertränken in Malvasier auswählen durfte!"

Als seine Blicke auf ein mit einem Lorbeerkranz umwundenes Bild feiner Gemahlin fielen, betrachtete er es lange, bann wanbte er sich mit Tränen in ben Augen ab, unb verließ rasch bas Zimmer. Besondere Depeschen wurden ihm vorgelegt, die wichtigsten beantwortete er sofort selbst. Viel Vergnügen bereitete ihm ein Drahtgruß aus Frankfurt an der Oder:Sechs Seminaristinnen, die heute ihr Examen machen, senden ihre ehrerbietigsten Glückwünsche zum Geburtstag unb bitten Ew. Durch­laucht, für sie ben Daumen halten zu wollen." Unb nicht minber eine Postkarte mit zwei Mark Nachnahme, auf der ein Bremer Maschinen­bauer gratulierte;im Namen drei durstiger Kehlen."

Die gute Saune des Fürsten hielt in diesen Tagen, in denen ihn die Gesichtsschmerzen verschonten, an, ebenso fein Appetit. Am 28. März frühstückte er dreimal, gelegentlich der Abreise der Halberstädter Kü­rassiere, der Ankunft des Prinzen Heinrich unb des Besuches des Groß­herzogs von Baden. Als ihm Schweninger Vorwürfe machte, sagte Bis- marck scherzend:Mauvais coeur, bon estomac"* unb fragte, nachdem er den Austern alle Ehre angetan:Wo sind denn die Kiebitzeier ge­blieben, sie sind doch gestern eingetroffen?" Nachdem man sie gebracht hatte, verschwand schnell ein Dutzend. Mit dem 6jährigen Sohn Walde- mar des Prinzen Heinrich plauderte er in reizender Weise, erzählte ihm aus feiner Kinderzeit:Ich habe schon beim Sieg von Waterloo ge­schrien, denn da war ich drei Monate alt, da schreit man am meisten! Und er berichtete ihm des weiteren aus seiner Schulzeit und wie er mit Freunden durch das alte Berliner Schloß gelärmt sei und allerhand Schabernack dort getrieben habe.

Nun war der 1. April gekommen, mit linder Luft und Sonnenschein. Der Fürst war, wie gewöhnlich, gegen neun Uhr aufgestanden. Der erste Gratulant, schon am Bett, war Professor Schweninger, der mit einigen hübschen Versen 80 La France-Rosen überreichte.Bleiben Durchlaucht heute nur eine halbe Stunde länger liegen", hatte er gebeten, aber Bis­marck war dem Wunsche nicht gefolgt. Im Laufe des Vormittags be- iditiqte er mehrmals bie herrlichen Blumenfpenben, bie auf ber Rasen- lache vor bem Schloß ausgebreitet waren. Mit einem leisen Seufzer agte er zu Oberförster Lange:Ich wollte, es wäre erst Abend!

Und dieser Wunsch war durchaus zu verstehen. Erst empfing er, wah­rend unter den Fenstern des Speifesaales Militärkorps konzertierten, eine Abordnung der Greifswalder Jäger, bei denen er einst als Einjäh­riger gedient und eine feines Süraffierregiments von Seydlitz. Um ein Uhr mittags erschienen bann in langen Zügen die Rektoren ber b e u t (dien Hochschulen in ihren farbigen Talaren und Ornaten; und auch diesem Empfang konnte ich, obwohl der Zutritt streng verboten war, im Nebengemach beiwohnen. Aus die Glückwunschrede des Rektors ber Berliner Universität, Professor Psi ei der er, antwortete Bismarck nicht feierlich, was ihm überhaupt nicht lag, fonbern mehr plaubernb, in einem behaglich-gemütvollen Tonfall, mit feinem Humor unb hebens- roürbiqer Ironie. Nur einmal nahm feine Stimme einen lebhafteren Klang an, als er sagte:Wenn ich keine Feinde hätte, würde ich auch keine Freunde haben, das Leben ist Kampf in der ganzen Schöpfung und ohne innere Kämpfe kommen wir zuletzt beim Ehinefentum an unb versteinern. Ohne Kampf kein Leben, nur muß man in allen Kämpfen, fobalb die nationale Frage auftaucht, doch immer einen Sammelpunkt haben, und der ist für uns das Reich!" - ...

Die größte Huldigung und, wie ich erfuhr, die denkbar größte Freude bereitete an diesem Tage dem Fürsten die deutsche Studenten- schäft. Ihrer 6000 waren herbeigeeilt, zum Teil aus weiter Ferne, um dem greifen Fürsten persönlich gegenüberzustehen, um ihre Dankbar­keit und Verehrung zu bezeugen. Gleich nach dem Empfang der Rek­toren drangen fchmetternde Musikklänge durch den Park und schimmerte es buntfarbig zwischen den Bäumen. Bald sah man auf den zum Schloß ansteigenden Rasenflächen ein hin- und herwogendes Meer juqendlich- fräftiqer Gestalten, aus deren Augen hell und heiß ine Begeisterung lobte. Nahe der Veranda die 1200 Chargierten; die Sanne glitzerte über Öie Stickereien der Cerevise, über die Schärpen und Klingen ber Narade- schläger und umwob mit goldenem Schimmer die Banner und Fahnen.

Plötzlich verstummt das Stimmengewirr:De r F ur st de r F ü r st !" Festen Schrittes war er, im blauen Kurassier-WaUenrock, bis rur Ballustrade getreten. Da brauste der Jubel auf, fo geroalfia so stür­misch war noch keiner im Sachfenwald erklungen Und down chm misch­ten sich das Geklirr der Schläger und die Tuschs der Musikkorps. Der