Sehnsucht.

Don Friedrich von Schiller.

Ach, aus dieses Toles Gründen, Die der kalte Rebel drückt. Könnt ich doch den Ausgang finden, Oh, wie fühlt ich mich beglückt! Dort erblick' ich schöne Hügel, Ewig jung und ewig grün!

Hätt ich Schwingen, hält ich Flügel. Nach den Hügeln zog ich hin.

Harmonien hör ich klingen, Töne süßer Himmelsruh, Und die leichten Winde bringen Mir der Düste Balsam zu;

Goldne Früchte seh ich glühen, Winkend zwischen dunkelm Laub, Und die Blumen, die dort blühen. Werden keines Winters Raub.

Ach, wie schön mutz sich's ergehen Dort, im erogen Sonnenschein, Und die Lust aus jenen Höhen, O wie labend muß sie fein!

Doch mir wehrt des Stromes Toben, Der ergrimmt dazwischen braust: Seine Wellen find gehoben, Daß die Seele mir ergraust

Einen Nachen seh ich schwanken. Aber ach! der Fährmann fehlt Frisch hinein und ohne Wanken, Seine Segel sind beseelt.

Du muht glauben, du mutzt wagen, Denn die Götter leihn kein Pfand; Nur ein Wunder kann dich tragen In das schöne Wunderland.

Begegnung mit dem Teufel.

Eine Geschichte von Frank F. Broun.

Don Frank F Braun erschien im letzten Jahrgang der mit groher Spannung gelesene RomanDas Halsband"

Sie waren allein hinter der gepolsterten Tür eines Raumes in der Gesandtschaft. Der alte Herr sprach eindringlich; er mußte die Warnung aus sicherer Quelle erhalten haben.So lange niemand wußte, wo sich die Papiere befanden, bestand natürlich keine Gefahr, daß Sie in Ihrer Privatwohnung daran arbeiteten, lieber Herr Lanes Jetzt ist das leider betanntgeroorben und man deutet mir an, datz auch die Macht, die ein dringendes Interesse hat, zu erfahren, um welche Dokumente es sich [ handelt, nichts unversucht lassen wird, sich dieses Wissen zu verschaffen."

Der junge Laries vermochte zu lächeln.Exzellenz fürchten wirklich, daß man es wagen wird

,Lch fürchte gar nichts, lieber Laries, ich bin lediglich vorsichtig, ;la)enn ich Sie bitte, die Papiere gleich morgen hierher zu liefern, roo mir sie im Tresor sicherstellen werden"

Laries verbeugte sich Gegen so klar formulierte Wünsche war kein Widerspruch angebrachtAus morgen denn", sagte der alte Herr und streckte die Hand vor, die Laries ergriff.Aus morgen, Exzellenz."

Lories ging nach Hause Es war schon spät am Abend; da außerdem t in leichter Regen *>l, befanden sich viele Fußgänger unterwegs. Die s Strotze, in der Laries ein einstöckiges Haus mit seinem Dienerehepaar »ewohnte, lag verlassen Die kleinen Billen blieben dunkel hinter ihren Borgärten; auch sein Haus lag ohne Licht

Die Gittertür fiel ihm aus der Hand und schlug hallend hinter ihm j Ins Schloß. Er erschrak. An der Hausmauer war ein Schatten aufgetaucht ind sofort wieder verschwunden. Zögernd blieb er stehen. Einbrecher? ®r verwies sich Natürlich mußte er sich getäuscht haben Aber die Zeitungen waren in diesen Monaten voll von Berichten über Der- kedjertaten; die Warnung seines Vorgesetzten fiel ihm ein; vielleicht war auch ein bißchen richtige Feigheit dabei Laries ging nicht weiter, lonbern trat hinter einen Baum der da im Garten stand Das war icnfinnig, ein bißchen Ueberlegung hätte ihm das sagen müssen, aber er überlegte noch nicht Er handelte instinktiv. Selber ohne Waffe, wollte er ud;t überraschten Einbrechern eine Zielscheibe bieten.

Er wartete eine Minute, vielleicht war es auch eine viel kürzere Zeit Der Schatten an der Mauer war verschwunden. Aber wie er so lauschend stand, meinte er in der weichen Gartenerde Tritte zu ver­nehmen . . heranschleichende Tritte Er sprang zurück, bereit, zu fliehen unb die Polizei auf alle Fälle zu benachrichtigen, aber er tarn nicht mehr i«r Ausführung seines Vorhabens. Wie aus dem Boden gewachsen, jtanb eine bunfle Gestalt vor ihm Ein Revolverlauf glänzte matt in t orgerecfter Hanb, unb eine Stimme befahl:Bleiben Sie stehen!" Karies gehorchteWer finb Sie?" verlangte ber frembe Mann zu Diffen Er war nun schon nicht mehr allein, ein zweiter Unbekannter mar in Laries Rücken aufgetaucht.

Lories sah die Männer an Er kannte sie nicht. Er gab nicht sofort Antwort Jetzt hatte jo nichts mehr Eile Einbrecher, was suchten sie? Bestellte politische Arbeit? Ging es um die Geheimpapiere?

Er gewann feine Kaltblütigkeit zurück, die ihn auf Augenblicke vor­hin so schmählich verlassen hatte Diese Leute kannten auch ihn nicht. Das war seine große Chance, die er sofort begriff und auch ergriff? Sind Sie ber Bewohner bes Hauses?" fragte er zurück

Die beiben Männer warfen sich einen Blick zu. Der große Dunkle sagte hart:Was suchen Sie hier?" Das war eine neue Frage als Antwort Der Kleine trat drohenb näher

Gelassen sagte Laries: ,Hch wollte in bies Haus gelangen." Er lächelte ein wenig zu dieser schlichten Wahrheit.

Wohnen Sie etwa hier?"

Rein, aber Ihre Frage beweist mir, daß auch Sie hier fremd sind, sonst hätten Sie das nicht fragen müssen Ich bin dafür, wir decken jeder ein wenig natürlich unsere Sorten auf, ehe uns hier in fremdem Garten ein Schupo überrascht Auch Sie wollten dem Haus einen Besuch abftatten, nicht wahr? Dorf ich vorsichtig fragen: Handelt es sich in Ihrem Falle um die Gemälde ober um den Gelbschrank?"

Wir sind keine gewöhnlichen Diebe."

Aber Sie wollten einfteigen?"

Vielleicht."

Das ist nicht mehr nötig. Wenn Sie mir die Gemälde und ein Drittel des gefundenen Bargeldes überlassen wollen, werde ich Ihnen die Türe öffnen Ich habe alle Schlüssel; wenigstens hoffe ich, daß Glaskarl Öen richtigen Schlüsselbund erwischt hat."

Sie haben die Schlüssel zu diesem Haus, zu allen Zimmern?"

Sogar zu allen Schranken, soweit sie ber Besitzer verschlossen hält. Glaskarl hat ben Herrn in ber Mona-Lisa-Bar betrunken gemacht unb" Laries schloß mit einer nicht ganz deutlichen Bewegung.

Getötet?" stieß ber Dunkle heraus

Ich weiß es nicht", geftanb Laries. Er spürte, wie er hier Respekts­person wurdeGlaskarl macht das auf eigene Faust. Ich habe nur den Auftrag, die Gemälde zu holen."

Sie stehen alle drei wortlos Da ist nichts mehr zu sagen. Laries ergreift entschlossen ben Schlüsselbunb unb geht voran. Er probiert erst einen falschen Schlüssel, bann kommt er hinein. Die beiben Fremben folgen mißtrauisch bichtauf.

Er schleicht mit ihnen in bas Eßzimmer Die beiben lasten ihre Blendlaternen leuchten, aber Laries dreht einfach die Deckenbeleuchtung an.Die Fenstervorhänge schließen dicht", sagt er,und der Besitzer kommt noch lange nicht noch Hause." Sein Lochen scheint den beiden zynischWollen Sie noch einem Plan vorgehen? Wissen Sie, wo Geld liegt?"

Wenn Sie uns den Schreibtisch dort im Nebenzimmer offnen und eine kleine Kassette mit Dokumenten uns überlasten, räumen wir das Feld unb losten Sie allein"

Also boch! Die alte Exzellenz hat recht gehabt!In ber Kassette befindet sich Schmuck?"

Nein Wahrhaftig nur Papiere. Für Sie ganz wertlose Dokumente!" Laries pfeift dann durch die ZähneWoher wollen Sie das wissen?" Die beiden starren ihn entsetzt an Solche Frage erschrickt sie. Laries lenkt dann auch sofort einWenn es wahr ist, daß die Kassette nur Papiere enthält, sollen Sie sie haben Sonst wirb geteilt!"

Ja gewiß Versuchen Sie ben Schreibtisch zu öffnen Der Doku­mentenkasten muß barin fein"

Lories schließt ben Schreibtisch auf. Er greift hinein in seine oberste Schublabe unb faßt ben Revolver, ber ba liegt Ein gemachtes Grinsen überzieht sein GesichtFein" lagt er,Waffen finb teuer unb schwer zu hoben " Damit steckt er ihn ein Die beiben Fremben, sicherlich nur politische Abenteurer, keine Berufseinbrecher, stehen babei. Sie können nichts tun Dieser wüste Mensch hat bie Führung übernommen.

Laries aber, bie gelabene Wafse griffbereit in ber Tofche, blüht auf. Dies ist eine Komobie, bie nicht ohne Gefahr gestellt wirb Aber ber Reiz, sie zu Enbe zu bringen, ohne bas plumpe .Hänbe hoch!" bas politische Ausemanberfetzungen bringen müßte, überwiegt ganz unb gar Er schließt bas Seitenfach auf, finbet tastend feine Brieftasche und schlägt sie auf Sie enthält fein Bargeld Schmunzelnd steckt er alles ein und fucht weiter Aßes ist bestes TheaterDiesen Behälter suchen Sie?"

Die beiden stürzen sich sofort auf ben verschlossenen Stohlkosten. Lories tritt zurück Er lehnt sich gegen bie WonbOeffnen Sie ihn", befiehlt er,ich muß wissen baß Sie mich nicht übertölpeln." Er hat bie Hönbe hinter seinem Rücken In dieser Sekunde gellt eine Klingel durch bas nachtstille Haus Zwei, drei Sekunben bauert es, bann be­greift Laries mit gut gespieltem Erstaunen unb Schreck, daß er den Klingelknopf an ber Wonb eingebrückt hat

Die beiben Unbekannten stehen erstarrt. Mit einem Panthersatz ist Lories bei ihnen unb packt bie Kassette.Fliehen!" ruft er, ,wir teilen brausten!" Sein nächster Sprung bringt ihn roieber an bie Wonb und bas Licht verloscht Er stößt, treibt bie beiben vor sich her.

Haben Sie bie Kosfette?"

jawohl, Kassette unb Gelbtasche!", versichert er.

Durch bie Halle roieber, genau wie sie hereingekommen finb Hinaus bann in ben Garten Die beiden sind draußen; sie laufen noch bis auf bie Straße, bie zum Glück menschenleer liegt Dort bleiben sie stehen unb schauen sich um. Wo ist ihr Komplice? Laries steht in ber Tür seines Haufes Er hat jetzt keine Angst mehr vor einer Kugel Mitten im Licht steht er. benn bas ganze Haus scheint plötzlich erleuchtet zu fein. Die beiben starren entgeistert auf ihn unb er hebt spöttisch grüßend bie HanbSie sinb Anfänger, meine Herren!" ruft erSo wirb kein rechtes Ding gebreht!" Mit einem Gelachter wirft er bie schwere Tür zu, knirschenb breht sich ein Schlüssel herum

Zwei bunfle Gestatten haben es eilig, baoonzukommenWer war jener?" fragt der Kleinere, unb ber Hagere. Dunkle, antwortet« knir­schend:Der Teufel!" Dann schluckt sie die Dunkelheit.