der Zuruf der Führer klingt, das Erdreich knirscht, wenn der Pslug es in fl6r6ObeflehtSberl3uQaUteer6toten Bauern über das Oedland die lange cherbstnacht hindurch Sie ziehen über den chugel, verschwinden, kehren wieder um und kommen zurück. Sie legen lange, schworzglan^enbe Fur- chpn über das Feld und werden nicht müde bte ganze Nacht. Sie werden aroü und gröber und sremd wie die Gestalten alter Vorzeit, wenn sw hinter dem^ Hügel verschwinden; sie werden vertraut und kommen fast brüderlich nahe/wenn sie im Ebenen anlangen und die Psluge abermals roen3mn'$3inter d°es"letz°en^Kriegsjahres fanden die ^^scheninernem
Nach eln«Mette verschwand es, kam aber in der Nacht wieder und man hörte seinen Hufschlag und sein Wiehern noch lange. Zuletzt verschwand es nach den Moorwiesen hin, die hinter dem Dorfe lagen.
Nur das war da: Ein fremdes Tier, das bei Nacht über die Dorfstr°he lief wieherte und die Hufe gegen den gefrorenen Boden warf. Mir aber, der'ick inzwischen in diesem Dorf angekommen war, klang das, was ich in der Nacht hörte, ohne Ueberlegen und ohne äußere Gedankenverbindung wie der Hufschlag des apokalyptischen Tieres, das über bte Straßen tii?r Borger Ruf^d^r Jugend, die an bas Alter gebunden ist, nach anderer Juaend die sie hinter den Hügeln weih, wo die Dörfer liegen, oder. Die toten Bauern, dis sich ausmachen, dem neuen Menschen zu helfen, daß aus Oedland wieder guter Acker wird; zuletzt: Das Bild des geschlagenen Tieres, hinter dem sich ein anderes und stärkeres Bild erhebt. Und bamit ist aea'eiat was ich als Ergebnis meiner Untersuchung gesagt haben Lchte: Die Landschaft, von der ich versucht habe, so kurzw,emöglich au berichten, hat ein Recht, aus die Offenbarung durch das Wort zu bränaen weil sie stark genug ist, bas Bttb zum Sinickilb zu machen, bas Zufällige unb Befonbere ins Gleichnishafte unb Allgemeingültige zu erheben. _____________
lichen Horchposten kam. Damals gehörte das noch zu den Aufgaben der Pioniere, der Frontmäbchen für alles. Denn die Ha^>granaten waren ber Infanterie noch nicht vertraut, unb ohne diese Wurfgeschosse kann man nicht auf vorgeschobenem Posten wachen.
EsMar gleich brei Uhr nachts, als ber Gefreite Muller und ich aus dem Unterstand herauskrochen. Langsam tappten wir uns durch den Schützengraben. Zitternde Nebelfetzen hingen darin und trieben ein trüaerttckes Spiel mit den Augen des Suchenden.
Diüller stieß wieder mal mit dem Fuß gegen die Wand des Grabens. Dann machte er halt und sagte: „Hier ist das Loch zum Durchkriechen
„Pioni^re^eid^ihrs?", hörten wir unfern Leutnant fragen.
„Ablösung für Horchposten zur Stelle", meldeten wir uns.
Der Leutnant stand auf dem Schützentritt und schaute über die Deckung weg ins Borgelände. Er wandte sich zu uns um. „kommen Sie mal rauf an die Brüstung. Sehen Sie halblinks die fünf dunkien Sckat- ten die sich gegen den Himmel abheben? Ja? Schon, bas sind die fünf Erlen die Sie vom Tage her genau kennen. Hundert Meter Ontsernung etwa." Er schüttelte lächelnd den Kopf. „Na ja, eben tanzen bte Baume etwas hin und her. Das macht ber Nebel. Wenn Sie weiter vorn sind, werben Sie ein klareres Bilb haben. Ihre Aufgabe ist, breihig bis vierzig Meter vorzukriechen zum Lauscherposten und von dort aus zu beobachten, ob hinter biesen Bäumen — vielleicht auch bavor —, ob ba also nicht ein Stollen ober ein Laufgraben vorgetrieben wrrd. Be einem Stollen mühten Sie zeitweise einen Lichtschein aus denLustschächten wahrnehmen. In der Hauptsache verla (en Sie sich auf Ihr Dhr- bas täuscht sich am wenigsten. Merken Sie sich genau»die verdach- tiqen Stellen, damit unsere Minenwerfer diese Bet Tage kaputtschteßen können. Droht Gefahr schon für heute nacht, dann sofortige Meldung durch den einen von Ihnen. Möglich, daß die Ruffen stch im Schutze des Nebels heranzupirfchen fachen um uns zu überrumpeln. Uebrigens, wenn hier hinter Ihnen manchmal gefchoffen wird, — bas fmb tu t- ichüffe, bamit bie Ruffen Ihre Nähe nicht ahnen. — Na, s ist Zeit zur Ablösung. Machen Sie Ihre Sache gut."
Wir legten uns zu Boden unb quetschten uns durch die Oessming, währen» ber Leutnant nach mal eindringlich sagte: „Alle Sinne an- fnannen Sie wissen was es gilt." — Müller voran, ich hinterher, so »oben 'wir uns geduckt durch die kaum einen Meter tiefe Sappe vor. Wir mußten achthaben, daß wir nicht über die Felsblocke stürzten, die da stellenweise den Weg versperrten. Das hätte uns einer russischen Patrouille verraten können.
Dann fühlten wir, wie der Graben tiefer wurde. „Kameraden, sew ihr's", so flüsterte es vor uns. . .
3a ja, die Ablösung." Wir stießen auf die zwei Pioniere, die die lebten drei Stunden in dem kastenförmigen Erdloch gewacht hatten.
Na endlich", meinte der eine. „Also, geseh'n Ham wir nischt, außer paar Gespenstern. Das war wohl Nebel. Daran muh man stch gewoh? nen. Hier die Handgranaten, vierzehn Stück. Wiedersehn, Kameraden.
„Wiedersehn." Der abgelöste Doppelposten verschwand nach hinten.
Müller meinte: „Wie machen wir das, wenn die Russen stürmen wollen? Gib Obacht: jeder wirft noch rasch drei Handgranaten, uns bann — was hast de, was kannst de — zurück zum Graben. Platt auf dem Bauch, damit wir nicht noch ne Kugel von unfern Leuten abfrtegen.
Verstanden." . m
Ist recht Müller. — Sag mal, wie war das gestern Nacht drüben bei dem Lauscherposten zwei, wie der dort Handgranaten geworfen hat/ Meinst du, daß die Russen ba stürmen wollen?"
Das war nur eine Russenpatrouille. Sonst hätten heute Morgen mehr Tote bagelegen. Zwei Tote für vier Handgranaten — da tonnen bie Rußkis nicht dick gesät gewesen sein. Unb bu wecht doch in was für Kolonnen sie kommen, wenn sie nachts stürmen. Vielleicht wirb? aber biese Nacht anbers. Daß bas gestern nur em kleines Vorspiel war.
„Der Leutnant hat heute unserm Vize erzählt, bte hatten drüben Verstärkung erhalten." v ’h
„Weiß ich. — Jetzt mal Ruhe. Du legst bas Ohr auf den Boden, und ich will ausschauen. Der Nebel nimmt ab."--
, Hörst du etwas?" fragte Müller nach , einer Viertelstunde.
Nein nur wie mein Puls schlägt. Das kommt wohl vom Liegen. Ich "richtete mich auf. „Ah, der Nebel hat sich verzogen Wie nahe wir bie zerfetzten Bäume jetzt vor uns haben. So schwarz und traurig sehn bi Bäume aus. Der Baum links mit seinen abgeschlagenen Aesten stehl aus wie ein ungeschlachteter Riese. Der eine Ast, der noch halb ba t|t, stellt die Keule dar", flüsterte ich langsam und versonnen. Ich sah zum Himmel, an dem paar Sterne in spärlichem Glanz zu sehen waren. „Wie verträumt die Sterne ausschauen." .
Müller wurde ärgerlich: „Du träumst. Mensch, red nicht so viel. Der Gefreite wandte sich nach der anderen Seite, als wollte er sich mt einem Ruck von einem Banne befreien, der auch über ihn Gewalt 3« gewinnen begann. . ,
Vielleicht eine halbe Stunde hatten mir Umschau gehalten, ohw etwas Verdächtiges zu entdecken. Da blieben plötzlich unsre Blicke ,tan in ber Gegend der Bäume hängen. Dort hoben sich Gestalten unb duckten sich wieder. Da huschte es hin und her in grauem, fahlem Schimmer.
Müller streckte den Kopf weit vor. „Junge, siehst bu 5? Ist das nu was? Ober alles Nebel?" .
„Es kommt näher", flüsterte ich. „Es ffeigtjmmer hoher. Es HE schon in ben Aesten. Es muh wohl Nebel sein." „
„Das wohl schon. Aber was ba brinnen herumtanzt — —.
Schon waren nur noch bie Spitzen ber Baume zu sehen. Em dick Nebelschwaben wälzte sich heran unb verschlang Straucher und Erdbiom- „Wie ein Leichentuch", erschauerte ich.
„Das kann's schon werben" gab Muller zuruck. „Wenn bie Rußt» brinstecken, so sehn mir sie erst grabe vor unsrer Nase. Unb ber öefrei hielt ben Kopf unoermanbt an ben Ranb bes Grabens.
Bum! Tschsch! Hinten im Graben hatte man den nahenden Nebe. au bemerkt unb eine Leuchtkugel abgeschofsen. Die stieg in bie Hohe
Dämmerung.
Von vr. O ml gl ah.
Der Tag mar heih. Nun fällt ber Abenb ein. Von Westen streicht die Luft, schmermütig-lau, durch wilden Wein.
Das Blumenbeet, noch eben glüh und grell, wird grau.
Am Anger, fern, verklingt ein Karussell.
Und schweigt, wie von der Dämmerung verschlungen.
Es schweigen alle lieben Vogelzungen. Nur eine Ammer, einsam auf dem Dach, ruft klagend ber versunknen Sonne nach. Unb burch bas Fenster, wo Geranien stehen, hör' ich ber Mutter alte Wanbuhr gehen.
Auf Horchposten.
Erzählung von Karl Ruckelshausen.
Voriges Jahr, auf bem letzten Pioniertag, ba sah mir mal ein Kame- rab gegenüber, ber hatte zwar schon recht graue Schlafen, aber feine Augen blitzten noch jung. Unb als er zu erzählen begann, da lag em besonderer Klang in seiner Stimme. War es deshalb, daß wir ihm gespannt lauschten, oder trug auch der Inhalt dazu bei? Der Kamerad er- $ ^3a ja Feuertaufe, das ist ein Wort von Kraft und Klang. Und erzählt ein Kamerad von seiner Feuertaufe, bann erleben wir stets em gut Stück Kampfes im Herzen mit. Dann fühlen wir auch, wie em Neuling zum Frontsoldaten heranreift — in Lärm unb Not bes Kampfes.
Mir aber fallt wahrhaftig nichts ein, bas sich nach einer richtigen Feuertaufe anhört, fo nach Trommelfeuer, Maschinengewehr-Geknatter und Sprungauf-marfch-marfch! Gewiß, derartiges habe ich erlebt, auch damals in den ersten Wochen an ber Front. Aber das hat man mit all ben anberen Kameraden zufammen durchgemacht und auch wieder vergessen bis auf einen schwachen Schimmer der Erinnerung. Bei einer echten Feuertaufe aber kommt es darauf an, daß es einem ewig m Herz und Hirn haftet, so stark und heiß, als wäre es gestern geschehen.
Nur ein einziges Erlebnis aus der ersten Frontzeit rumort mir noch im Blut herum; aber bas war keine Feuertaufe, fonbern eine einsame Nebeltause. So ’ne besondere Art von Nebeltaufe mit Lichtesfekten. Ja, schön, davon will ich gern erzählen.
3m ersten Kriegswinter war das. Vor Warschau, bei Sochaczew. Da hatte un re 25. Reservedivision kurz vor Abblasen ber Osfensive noch einige hunbert Meter ßanb jenseits bes Flusses Bzura erobert unb sicherte sich nun hn Stellungskrieg biesen Brückenkopf burch Stachel- braht, Spanische Reiter, elektrisch zu enttabenbe Minen unb Sappen. Auch zwei Brücken hatten wir Pioniere gebaut. Die Russen aber gönnten uns dies Ausfalltor für bie nächste Offensive nicht, und sie schossen mit so dicken Kalibern, daß die Fontänen haushoch aus ber Bzura auf- fliegen. Auch nächtliche Massenstürme ber Russen waren damals nicht selten. Aber unsere Infanteristen waren auf ber Hut. Unb wo die Rußkis durch bie Uebermadjt ihrer Sturmkolonnen in unfern Graben ein- brangen, ba würben sie mit bem Kolben niedergemacht.
<so abwechslungsreich ging's zu, als ich, ein junger Kriegsfreiwilliger, zum ersten Mal mit einem erfahrenen Kameraben zusammen auf nächt-


