Gießener Zamilienbliitter
Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Jahrgang M3 Freitag, den 1-September - Nummert
September-Morgen.
Von Eduard Mörik«.
Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fliehen.
Hans Gillemer.
Eine Erzählung von Lily Hohenst« in.
Der Name Hans Gillemer steht in keiner Künstlerchronik, Selbst der geschwätzig« Sandrart verschweigt ihn. Und vielleicht wäre jede Spur von |ein«m Dasein so hineingeronnen in das Unmaß verweslichen Staubes, das keiner mißt, hätte nicht Matthes Dotzheimer, der Chronist der Stadt Mainz, um die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts eine kurze Notiz gegeben über den merkwürdigen Fall eines Malers, der von einer gutzahlenden Kundschaft weg ganz plötzlich verschwindet, einfach untertaucht — verschollen bleibt.
Danach wäre der Gillemer — sofern wir die Notiz auf ihn beziehen dürfen — ein rechter Schmierer gewesen. Das ist einer, der den Leuten zu Gefallen malt, wie sie es haben wollen und was sie haben wollen, unbekümmert um das ungeschriebene Gesetz, das den wahren Künstler bindet. Er hätte denn auch, wie es mit solchen Menschen so geht, sein hübsches Auskommen gehabt; was man allerdings seiner Kleidung und dem Wirrwarr in seiner Herberge mit den umgestürzten Staffeleien, den angeschlagenen Tellern und den Käserinden am Boden nicht weiter habe ansehen können. Möglich sei es wohl, daß er seine Dukaten in den Elenüsgassen zurückließ, die er fast täglich mit einem Skizzenheft unter dem Arm aufsuchte, der eindrucksvollen Köpse wegen. Aber verbürgt sei derlei nicht. Es ging nur ein großes Wundern los unter den Mainzern, als auf einmal die stämmige Gestalt mit dery schwarzen Pelz am alten scharlachroten Rock nicht mehr auf den Straßen gesehen ward. Man dachte erst an eine« Unglücksfall. Aber als man die Tür der Herberge erbrach, fand sich der ganze Hausrat zerbrochen am Boden und in dem kalten üamin ein verkohlter Rest von Malerleinwand. Das Wundern und Rätselraten dauerte nicht allzu lange, denn da sind ja immer neue Dinge, sie den Leuten die Mäuler aufreihen. Der Mann blieb verschollen. Und Dotzheimer, der den Fall etwa ein Jahrzehnt später erzählt, so nebenbei ils eins der vielen Zeichen einer toten Zeit, führt nicht einmal einen Namen an. Vielleicht war der Name da schon vergessen.
Und verschollen geblieben wie der Mann, der ihn trug, wäre gewiß »uch der Name, hätte sich nicht vor einiger Zeit im Archiv eines rheini- chen Klosters ein sonderbares Schriftstück gefunden, das, wenn man so logen will, die Beichte eines Menschen darstellt, „Hans Gillemer" ist das Schriftstück gezeichnet, und so mag es wohl angehen, seinen Inhalt mit der lvrzen, namenlosen Notiz des Dotzheimer in einen Zusammenhang zu »ringen. Wie und wann das Blatt ins Klosterarchiv gekommen ist, wird jedenfalls immer unergründlich bleiben.
Der Gillemer ist, seiner eignen Aussage in dem Schriftstück nach, guter 3eute Kind gewesen. Mit vierzehn Jahren ist er in die Lehre zum Kaspar sternbaldner gekommen, der damals seiner Kurfürstlichen Gnaden Hofmaler gewesen ist. Die Stadt wird nicht genannt. Aber wenn wir das Be- enntnis des Gillemer und den Hinweis des Dotzheimer zusammenrücken, oird es ja wohl Mainz gewesen sein.
Hans Gillemer ist bald der Lieblingsschüler des alten Sternbaldner '«wesen. Der war ein guter Meister, selber ein Schüler des Elsheimer. tnb wenn so eigentlich fast gar nicht von ihm auf die Nachwelt gekommen i t, so darf man auch dies wohl den wirren Zeitläuften intt ihrem Un- >«wiß von heute dein und morgen mein zuschreiben. Der Sternbaldner iutte an dem jungen Gillemer bald einen Narren gefressen. Das mag ja ilaublich sein bei einem rechten, guten Menschen, wenn er so das Heransachsen einer Kraft mitansieht, die stärker ist als die eigne. Was mir blber versagt bleibt ..., der da wird's erreichen! So hat sich der Stern- chldner gesagt. Denn er war einer, dem das ungeschriebene Gesetz im &lut gelebt hat.
Das war der große Augenblick für den jungen Gillemer, als ihm einmal eine Werkstattarbeit über die Maßen geglückt war und der alte Geister nur, statt allen Lobens, ihm die Hände auf die Schultern legte frid leise sagte: „Hans, vergiß das nie: von Gott ist's dir geschenkt!" Der Gillemer ist erst rot geworden und dann blaß.
, 2m Jahr darauf bekam er seinen Zunftbrief. Er hat seine eigne Werk- Jntt ausgemacht, und der Kurfürst hat das erste Tafelbild des neuen -Leisters erworben, eine „Muhe auf der Flucht". Cs soll ein gutes Bild l-wesen sein, ein Meisterbild, und der Kurfürst hat es in irgendeinem Uner Schlösser über dem Betstuhl aufhängen lassen. Es ist dann irgend
wie verlorengegangen, das einzige wahre Bild des Hans Gillemer. Wie der Gillemer später selbst.
Nach dem guten Anfang kam schlechte Zeit. Der Kurfürst hat den Sternbaldner für ein paar Jahre seinem Vetter, dem Herzog von Württemberg, nach Stuttgart ausgeliehen, weil der einen reifem Künstler suchte, als wie er sie im eignen Land damals hatte. Vielleicht ist oem Gillemer auf die Art ein Holt verlorengegangen. Der Kurfürst hat sich nicht weiter um ihn gekümmert — man kann ja nicht wissen, was an so einem Hof für Intrigen spielen. Also, der Gillemer stand auf einmal allein mit seiner Werkstatt und mit seinem Können und war auf die Aufträge aus der Bürgerschaft angewiesen.
Er hat auch bald den ersten Auftrag gehabt. Cs war ein „Kindermord von Bethlehem", den er da für eine fromme Patriziersfrau malen sollte, die einen Knaben verloren hatte. Der Gillemer hat sich mit aller Liebe und von ganzem Herzen in die Arbeit gestürzt. Aber als das Bild fertig war und er vor der Bestellerin in der Werkstatt den Vorhang von der Leinwand zog — mit einem klopfenden Herzen, voll bescheidenem Stolz in der Haltung und doch den ganzen Rausch feiner Schaffenstage noch im Blick —, da ist die Frau enttäuscht zusammengesahren und hat dann kalt gesagt, daß sie das Bild so nicht nehmen kann. Daß er’s übermalen müsse.
Da strahlte nämlich am dunklen Nachthimmel, unter dem all das Erdengrausen da vor sich geht, hellglühend der Stern von Bethlehem! Das war so ein Einfall gewesen. Uno den Gillemer hatte es überlaufen, als ihm der Einfall kam. Es steht ja nichts davon in der Schrift, daß der Stern von Bethlehem über die Christnacht hinaus geleuchtet habe. Und wenn wir so dem Weg der Geschichte nachblicken, dann scheint es auch glaublich, daß er mit dieser einen Nacht für immer erloschen ist. Nun, dem Gillemer war's halt gewesen, als müsse ein jeder sein eignes Gefühl und fein eignes ergriffenes Schaudern nachspüren, mit dem er den Stern da mitten in die schwarze Weltnacht gesetzt hatte, das Fanal von droben. Der Dame war's nicht recht. Mit dem Verstoß gegen die Schrift hätte sie. sich ja allenfalls noch abgefunden. Sie hatte das überhaupt zuerst für einen ganz gemeinen Stern gehalten.
Aber da war nun die Frau da im Vordergrund, die Hauptgestalt, um die das ganze Geschehen herumkomponiert ist. Die Frau spürt es ja gar nicht, wie ihr der rohe Herodesknecht das Bübchen aus den Armen reißtl Sie blickt ja gebannt, wie in einer Verzückung erstarrt, zu dem glühenden Fanal empor, mit dem Gesicht einer Seligen! Den Gillemer hatte es überlaufen, als ihm der Einfall kam. Und es war ihm da, als hätte er in seinem Herzen, ganz leise und friedlicher schon, das Herz der Mutter schlagen gefühlt, die bei ihm ein Bild des Kindesmordes bestellt batte, weil ihr eigner Knabe an einer Seuche, wie sie so der Krieg nach sich zieht, gestorben war. Aber der Gillemer sollte das Bild übermalen. Es war nicht die Szene aus der Heiligen Schrift, die man ausgemacht hatte.
Der Gillemer dachte nicht daran, das Bild zu übermalen. In dem Bild war fein Herz. Er laß ein paar Wochen vor der Staffelei auf einem Schemel. Bald war der Vorhang aufgerissen, bald verdeckte der Vorhang das Bild, aber der Gillemer sah jede ekstatische Bewegung und jeden Helldunkeln Farbton in seiner Seele. Das Bild war gut. Die Frau verstand nichts.
Nach vielen Wochen ging der Gillemer am Rathaus vorüber, um die Mittagsstunde, wenn die Ratssitzung geschlossen wird. Er wollte dem Stadtkämmerer begegnen. Der war ein reicher Mann und ein Kunstfreund. Als der Stadtkämmerer unter dem Portal erschien, zog der Gillemer das Barett vom dunklen Haar und trat mit ehrerbietiger Gebärde einen Schritt vor. Der Stadtkämmerer sprach ihn leutselig an, und dann ging er mit in die Werkstatt. Er besah sich das Bild. Er schüttelte den Kopf, zuckte die Achseln. Dann ging er.
Tag für Tag ging der Gillemer um die Mittagsstunde am Rathaus vorüber, an der Dompropstei, an den Häusern der reichen Handelsherren. Er ging vergebens. Als ihm das Wasser am Hals stand, klopfte er bei der Patrizierssrau an, die einst das Bild bestellt hatte. „Wie wollt Jhr's haben?", sagte der Gillemer nur, rauh und feindlich. Dann übermalte er den lebendigen Stern mit einem alltäglichen Mond, und die Frau im Vordergrund bleckte jetzt die Zähne gegen den Kriegsknecht Mit einer verbissenen Wut malte er das Blecken der Zähne hin. Und die Hände der Frau sorgten sich mütterlich im letzten Lebensaugenblick noch um die feuchten Windeln des aufgespießten Knöbleins. Die Patriziersfrau nahm das Bild und zahlte den ausgemachten Preis. Der Gillemer lachte und bleckte die Zähne dabei. Die Hälfte des Geldes versoff er.
Kurz darauf glückte es, daß ihm der Abt vom St. Veitskloster eine „Speisung der Fünftausend" in Arbeit gab. Für den Saal, in dem das Bettelvolk [ein Fressen verabfolgt bekommt. Der Gillemer ging in die Elendsgassen und brachte volle Mappen heim. Er zeigte dem Abt den Karton, in Stolz und Erwartung. Da saß sie selber, die Bettelgesellschaft, in all ihrer etetn Aussätzigkeit zu Füßen des Herrn. Der Herr speiste sie, und jeder wurde satt. Jeder trug einen Abglanz des Herrn auf seinem grindigen Gesicht, das gestern noch voller Gemeinheit gewesen war.
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