Ausgabe 
1.9.1933
 
Einzelbild herunterladen

*

hatte, war nicht darunter.

Oie Kapitulation von Sedan.

Nach dem Bericht eines französischen Offiziers.

Von Karl Alexander Prusz.

Diele Erinnerungen an die Kapitulation von Sedan am 2. September 1870 sind besonders bemerkenswert durch die Charakterisierung Frankreichs, wie Bismarck sie zum Ausdruck brachte.

Bor rund 50 Jahren erschienen herausgegeben von einem unge­nannten höheren sranzösischen Offizier-dieR6cits militaires in denen interessante Einzelheiten aus dem Kriege 1870/71 enthalten sind. Unter diesen befindet sich der Bericht eines französischen Offiziers, der den Kapi­tulations-Verhandlungen am Abend des 2. September >m preußischen Hauptquartier be,gewohnt hat. Der Verfasser ein Kapitan d Or s e t hat seine Wahrnehmungen kurz daraus in Stettin, wohin er als Kriegs­gefangener gebracht worden war, niedergefchrieben.

Die an der Verhandlung teilnehmenden Personen waren folgender­maßen gruppiert: Mitten im Zimmer stand ein viereckiger Tischmit roter Tischdecke. An einer der Seiten dieses Tisches saß General v. Mol t k e, mit Bismarck zu seiner Linken und General v. Blumenthal zu seiner Rechten. An der entgegengesetzten Seite sah General Wimpffen allein ganz vorn, hinter ihm, saft im Schatten, die Generale C a st e l n a u und F a u r e, sowie die anderen französischen Offiziere. Außerdem waren sieben oder acht preußische Osfiziere anwesend, von denen der eine sich an den Kamin stellte und alles, was gesprochen wurde, notierte.

Nachdem man sich gesetzt hatte, herrschte eine Weile Stillschweigen. Man merkte, daß General W i m p f s e n nicht recht wußte, wie er die Besprechung einleiten sollte. Aber da M o l t k e keine Miene verzog, ent­schloß er sich zu beginnen:Ich möchte die Kapitulationsbedingungen er­fahren", sagte er,die S. M der König von Preußen noch zu bewilligen geneigt ist." _ _ ... ..

Diese sind sehr einfach", erwiderte Moltke,das ganze Heer ist mit Wasfeu und Bagage kriegsgesangen. Den Offizieren bleiben ihre Waffen

Der Abt lachteDas ist ja recht schön, Hans, was du dir da ausgedacht bait und wenn die Zeiten andere wären, könnten mir s >a auch^ >rgend- roohin hängen. Aber wir brauchen nun einmal ein Bild sur den ^reKaal. Meinst du denn die Leute mögen da ihren eignen Jammer sehen. h, KÄwwi d" Un AP--«'. Mal -w-.fch-«-, mn, Reute ablenkt von ihrem eignen Gestank! Der tsiuemer jentte

Kons u^d atmete in Stößen. Nach zwei Wochen ging er mit seinem Malierin ins Kloster und hieb die Sache gleich auf die Wand hm. 3n ein !aa/Wochen Der Abt lachte und sagte: °So ist's recht, du bist gelehrig, ^"^Da^Bild gefiel Die Bürger kamen ins Kloster und besahen sich das Bild Li? ain'gen dann fr* davon Soweit sie ii? fS.nns Gillemer Austräge. Hans Gillemer lachte.Wie wollt Ihr st Nicht dieses Rot? Mehr Himbeer? Gewiß! Der Mantel der Maria, Korn- blume oder Vergißmeinnicht? Sagt nur genau, wie Ihr s haben wollt. Hans Gillemer hatte immer Arbeit. Am Abend ging er m ^e E end goffen. Und er setzte nie einen Namenszug aus em Bild. Er hatte leinen ®rUmerboäer fünf Jahre gingen so hin. Da kam der alte Sternbaldner aus dem Württembergischen zurück, weil dort seine Arbeit sorgfältig getan war Das erste war, daß er nach dem Gillemer fragte.E, ,a. Meister, 7us den könnt Ihr stolz sein! Der ist der gesuchteste Maler m der ganzen Gegend!" Der alle Sternbaldner sah sich das eine uud /mdre Bild serrns ehemaligen Schülers an, und sein Gesicht wurde hart. Am andern Mittag

-- d."

fcÄ WLA: WM®.«« hatte nur das eine Zimmer sür sich gebraucht. Er wmkte le'den^aftUch dem alten Lehrer, zog ihn nach sich in den Raum. An den Wano n standen Bilder, viele gute Bilder. All die Bilder, die er in den letzten Jahren gemalt hatte, standen da noch einmal. So, rote er ste hatte malen müssen' Er stieß die Bilder, die ungerahmt, nur auf den Keilrahmen ge- snannt umherstanden, vor den Sternbaldner hin. ,,Das da , keuchte der Gillemer,das da, das wird einmal zeugen für mich, spater einmal roenn die Menschen einmal wieder em Verstehen haben werden ...! Der alte Meister legte ihm, Schweigen gebietend die Hande aufbie Schultern. Ganz leis sagte er, mit einem Zittern m der Stimme.Hans ... Hans.. weißt du, was du geworden bist? Ein Schweinehund bist du geworden. Der Gillemer wurde erst blaß und dann rot. ffi(.

In der Nacht, die dann kam, muß es gewesen sein, daß der Gillemer

seinen Hausrat zerschlug und seine Bilder im stamm verkohlen Ueh. Bann d hat keiner ihn mehr gesehen. Nur der Dotzheimer berichtet noch in einer Anmerkung im Anhang seiner Chronik von dem obdachlosen Gesindel aus all den vom Krieg zerstörten Dörfern und Flecken, das sich in den Waldern des Taunus umhertrieb und die Handelsstraßen nach Mainz unb 5r<int- furt unsicher machte. Gefährliche Kerle seien darunter gewesen^ die schon nicht mehr für die Notdurft des Lebens, sondern um ber Freude am Menschenblut willen ihr Handwerk ausgeübt. Es hat auch ein Mainzer Handelsherr damals einen gewaltigen Schreck erlitten, als ein öer nur von einem spärlichen Häuflein Reisigen geleitet war, eines Abends im Wald in der Nähe von Königstein von einem Haufen Fried­loser angefaUen ward. An der Spitze ein stämmiger Kerl m einem zer­setzten scharlachroten Rock mit fuchsigfchillerndem schwarzen Pelzbesatz Der Kerl sah dem Handelsherrn ins Gesicht, und da mußte irgend etwas Merk^ würdiges in ihm vorgehen. Denn eh noch die Reisigen ihre Musketen schußbereit gemacht hatten, ging ein Ruck durch den Mann, daß er nut einem Handwinken feiner Schar Halt gebot, und zwischen den Stammen ver­schwand Auf die Beschwerde des Handelsherrn hm ließ denn auch der Kurfürst ein Fähnlein Söldner aufsitzen und die Walder fegen. Die Söldner singen eine ganze Bande. Der stämmige Kerl, der sie angeführt

|d,CSo[ort^ergriff Bismarck, der eine Bewegung des Zweifels gemadjl hatte als er die nach der» Meinung des Generals Wimpffen zwischen Frankreich und Deutsthlaud bestehende Freundschaft rühmen horte, da» ^,Jch unterbreche Sie hier, General! Nein, Frankreich ist daMb- roelches es immer gewesen. Frankreich hat den Krieg gewollt, und Kaise Napoleon hat den Krieg erklärt, um (eine Dynastie jefter zu begründe^ Wir wissen wohl, daß der vernünftige Teil Frankreichs nicht zum Krieg trieb. Wir wissen wohl, daß ebensowenig die Armee das uns femblickM Element in Frankreich war. Der Teil Frankreichs, der zum Kriege tr et war vielmehr derjenige, welcher die verschiedenen Regierungen etnjef uni) w ed^r beseitigt. Der Pöbel und die Journaille (Bismarck unterstrch mit Betonung diese Worte) verdienen eine Strafe! Wer weiß, was n°« geschehen wird? Vielleicht wird sich bei Euch eine jener Regierungen kor (tituieren, welche willkürlich Gesetze schassen Eine solche Regierung wurd« die Kapitulation nicht anerkennen. Wir wollen Frieden, aber «nen baue hasten Frieden, und zwar unter den Bedingungen, die Ihnen be3<1°) worden sind. Das Los der Waffen hat die besten Soldaten d,e besten Os h ziere der sranzösischen Armee in unsere Hande gegeben fie frenmUtflim Freiheit zu setzen, hieße den Krieg verlängern. Nem, General, we chm Anteil ihr auch an Ihrer persönlichen Gage nehmen, so

auch unsere Meinung von Ihrer Armee sein mag, so können wir Gesuch doch nicht willfahren und die Bedingungen abandern.

Nun gut", erwiderte General Wimpffen mit Wurde.Mir ist es möglich, eine solche Kapitulation zu unterzeichnen. Wir werden den Ka . I ^Jetzt°nahm'General Castelnau das Wort und sagte mit zögernd-^ Stimme:Ich glaube, daß der Augenblick gekommen ist, um die BotzuM des Kaisers zu überbringen."

.Bitte - wir hören Ihnen zu", war Bismarcks Erwiderung.

Der Kaiser", suhr Castelnau fort,hat mich beauftragt, Seiner A-w stät dem Könige von Preußen zu bemerken daß er ihm «men Deg^ bedingungslos übersandt und sich ihm persönlich auf GnadeundUngn^ ergeben habe. Er tat dies aber in der Hoffnung, daß der König, v einer so vollständigen Verzichtleistung gerührt, diese vollauf würdigen , I der französischen Armee eine ehrenvolle Kapitulation bewilligen

Ist das alles?" fragte Bismarck erstaunt.

,J3a". erwiderte Castelnau. . cAmert

Wessen Degen hat eigentlich Napoleon Übergeben? Ist es das Sch^, I Frankreichs ober sein eigener Degen? Wenn es das Schwert F ^, ist, so könnten die Bedingungen erheblich modifiziert werden und Iyr chast hätte eine äußerst ernste Bedeutung." r ,

Es ist nur der Degen des Kaisers , antwortete Eastelnam S(!1 In diesem Falle", sagte schnell Moltke, ändert das nichts a

Bedingungen der Kaiser wird selbstverständlich für seine Pers erhalten, was er irgend wünschen wird."

als Beweis der Achtung für den von ihnen gezeigten Mut, aber sie sind Srieasaefangen« wie die Unteroffiziere und Soldaten.

wimpffen bezeichnete diese Bedingungen als sehr hart und machte Gegenvorschläge, doch Moltke blieb kühl und antwortete, daß er an den BedinMngen nichts ändern könne. Darauf führte W.mpffen aus, daß Großmut ^von deutscher Seite die Wirkung haben wurde die Wiederher­stellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den beiden Landern zu erleichtern roährenb die Aufrechterhaltung harter Bedingungen den Haß der Franzosen unversöhnlich machen würde. Diesmal übernahm Gras

^Jhre Beweisführung, General, erscheint auf bem ersten Blick be­gründet, sie ist aber tatsächlich unhaltbar. Man darf. id)on °U9em^,'ten im Leben nur selten auf Dankbarkeit rechnen niemals auf die Dank- barkeit eines Volkes! Man kann an die Erkenntlichkeit eines Souverams glauben, allenfalls auch noch an die feiner Familie und unter gewissen Voraussetzungen kann man sein volles Vertrauen darem setzen aber, ick? wiederhole es, man darf nichts von der Dankbarkeit einer Nation erwarten. Wenn das französische Volk ein Volk wie andere Volker wäre, wenn es feftbegrünbete Institutionen besähe, wenn es rote das unjnge Ehrfurcht und Achtung vor feinen Einrichtungen besähe, wenn bet Thron (eines Souverams sicher begründet stunde, (o könneni w w an bie Erkenntlichkeit des Kaisers glauben und ihr einen geroi((en Ißert bei- rne sen Aber in Frankreich sind seit achtzig Jahren die Regierungssysteme ch wenig darnchast, so zahlreich gewesen, sie haben m t emer so besremd- lichen Schnelligkeit gewechselt, daß man in Nichts auf Ihr Land rechnen konn und daß es ein Akt der Torheit wäre, wenn etn Nachbarvolk aus bie Freundschaft irgendeiner französischen Regierung Hoffnungen grün­dete: Und außerdem wäre es sinnlos zu glauben, daß 31^^61^ uns ]e unsere Erfolge verzeihen könnte. Euer Volk ist reizbar, neidisch, eifersuch tig und von maßlosem Stolze. Seit zwei Jahrhunderten hat Frankreich

I dreißigmal Preuhen den Krieg erklärt D°utschland, verbesierte L,s- ! marck sich,und diesmal, wie immer, entsprang die Kriegserklärung der I ffifprhidit meil Sthr UNS nidjt ben (Sieg von Sabotoa verzeihen tonntet,

und doch'h7tte Sad°^ Euch nichts gekostet und Euren Ruhm n keiner Weife beeinträchtigt. Allein Ihr glaubtet, daß der Kriegsruhm etwas sei worauf Ihr allein Anrecht hättet. Ihr habt uns Sadowa nicht vergeben ,u können geglaubt. Ihr werdet uns niemals Seien oer-

I reiben! Wenn wir jetzt Frieden schlöffen, in fünf, in zehn Jahren, sobald Ihr Euch stark genug fühltet, würdet Ihr den Krieg wieder aufnehmen. Das wäre der ganze Dank, den wir von der französischen Nation zu er­warten hätten. Unser Volk ist im Gegensatz zu dem Euren ehrlich und friebliebenb, nicht von Eroberungssucht verzehrt und nur nad)

Zuständen verlangend. Wir wollen unseren Kindern den Frieden sichem und um dies zu können, müssen wir zwischen uns und Euch em Slot«, einschieben. Wir bedürsen eines Landstriches und eines Festungsgürtels,, der uns dauernd gegen die Angriffe Frankreichs schützt. rx^rnb l®

Hierauf entgegnete Wimpffen, daß wie Frankreich und England, auch Frankreich und Deutschland die besten Freunde wieder werden konn­ten® Die französische Nation sei überhaupt nicht so kriegerisch, wie -s nacht . den Versen einiger Dichter und den Auslassungen gewisser Zeitungen e