mit ebensolchem Piloten zwecks weiterer Ueberführung des Fracks /- nichts! Meine Maschine wurde in die Halle gestellt, und .ch hab. 8<f Ed der° Zollre°visir,Äam ich den Frack zum erstenmal zu Gesicht: säuberlich verpackt lag er in einem schonen Lederkoffer und obendrauf em zusammengeklappter Zylinderhut. Die ganze Pracht kam am nächsten Tag mit genau 24 Stunden Verspätung mit einer italienischen Derkehrs- maschine in Rom an. Ich übrigens auch. In Rom gab es dann em großes Festmahl, und der Großindustrielle erzählte, daß sich Mussolini sehr über seine Erzählung von dem verhinderten Frack gefreut hatte.
Der ganze Flug hat aber sogar eine Pointe.
Der liebe Gott hat nämlich in weiser Voraussicht auch PO-Zuge geschaffen. Hätte man den Frack am Sonntagmorgen um 8 Uhr m einem solchen ausgegeben, dann wäre er am Montagmittag um 1 Uhr rechtzeitig in Rom gewesen.
Krebs und Strahlung.
Von Professor Dr. Otto T e u t s ch l ä n d « r, Institut für Krebsforschung, Heidelberg.
In jüngster Zeit begegnet man immer wieder der Behauptung, dah sogenannte Erdstrahlen die Hauptursache oder kurzweg die Ursache der Krebskrankheit seien. Ein Stettiner Arzt, Dr. Hager, sieht in den Erdstrahlen sogar „das bisher vergeblich gesuchte spezifische Agens, den spezifischen Reiz der Krebskrankheit". Da spezifische Reize solche sind die bei vorhandener Empsänglichkeit des Körpers eine bestimmte Krankheit direkt, d. h. nach mehr oder weniger kurzer, nach Art des Reizes bestimmter Einwirkungsdauer, Hervorrufen und ohne welche die Krankheit nicht entstehen kann, heißt das, auf die Strahlen angewandt, daß jeder empfängliche Mensch und ebenso jedes empfängliche Tier, wenn sie Strahlen dauernd ausgesetzt werden, früher oder später krebskrank werden müßten. ,, . , _ ,
Dem widersprechen die Erfahrungstatsachen: In zahlreichen Laboratorien wird Krebs bei Mäusen durch Teerpinselung experimentell erzeugt. Der Krebs entsteht dabei nur an den gepinselten Stellen und stets nur bei den gepinselten Tieren, nicht bei den anderen, die als Tiere derselben Zucht sicherlich nicht weniger empfänglich sind als jene.
Wären die Erdstrahlen wirklich spezifische Krebsstrahlen, so mußten sie in ollen Laboratorien, in welchen Krebs erzeugt wird, vorhanden jein, und nicht gepinselte Tiere gleichfalls, wenn auch später als die anderen, erkranken. Dieses ist nun keineswegs der Fall. Auch ist bisher noch nid)t bewiesen, dah die zahlreichen Krebslaboratorien aller Welt ausgerechnet an Stellen erbaut wurden, die möglichst konzentrierten Erdstrahlen ausgesetzt sind. Jedenfalls wäre das ein wunderbarer ZufallI Aehnliches läßt sich auch bezüglich der beruslich erworbenen Krebsbildungen wiederholen: Es gibt Betriebe, in welchen Krebs bei den Arbeitern häufig auftritt. In diesen Betrieben erkranken aber nur ganz bestimmte Leute und zwar nur diejenigen, welche mit ganz bestimmten Schädlichkeiten bei Ausübung ihres Berufes in Berührung kommen. Während andere Arbeiter derselben Fabrik oder benachbarter anderer Betriebe, solange sie nicht der Schädlichkeit ausgesetzt werden, krebsfrei bleiben, im anderen Falle aber ebenfalls erkranken.
Die Erdstrahlen als spezifische, kurzweg als Ursache des Krebses anzusprechen, ist also zweifellos unrichtig! Es gibt keine spezifische" Krebs st rahlen, ebensowenig wie es einen spezifischen Krebs- erreget gibt!
Das spezifische Moment, dessen Vorhandensein gleichbedeutend ist mit der Krebsentstehung, entsteht sehr wahrscheinlich im Körper selbst infolge einer Stoffwechsel st örnng, die durch langdauernde Einwirkung sehr verschiedener Schädlichkeiten Zustandekommen kann. Diese Schädlichkeiten erzeugen den Krebs aber nicht direkt, sondern bloß mittelbar. Da auch Strahlen verschiedener Art diese indirekt krebserzeugende Rolle spielen können, wie Röntgen-, Radium- und ultraviolette Strahlen, kämen, nach dem augenblicklichen Stand unserer Kenntnisse, auch die Erdstrahlen vielleicht als mittelbar krebserzeugende äußere Ursache in Frage wie zahlreiche andere, besonders die in gewissen Berufen einwirkenden Schädlichkeiten. Aber selbst das ist nicht bewiesen.
Die Todesstrahlenapostel geben als Beweisgründe an, daß die Wünschelrute in den Händen der Rutengänger im Bereiche sogenannter Krebs- Häuser ausschlägt, wie über Strahlen aussendenden Wasserläufen. Gegen die Beweisführung ist folgendes einzuwenden: Ein Krebshaus würde nur dann feinen Namen verdienen, wenn 1. einwandfrei, d. h. in allen Fällen der mikroskopische Beweis gebracht würde, daß wirklich Krebsfälle vorgelegen haben; 2. dah die Krebsbildung nach Sitz und Art auf eine gleichartige Schädlichkeit Hinweisen; 3. dah die Krebse nach ihrer Entstehungszeit tatsächlich in dem Hause erworben wurden und nicht erst daselbst zum Tode führten: 4. dah diese Krebsbildungen bloß durch den verlängerten Ausenthalt, das Wohnen in dem Hause, erworben wurden, d. h. dah das Wohnen der Schädlichkeit Gelegenheit gab, genügend lange einzuwirken, um eine Krebsbildung zu erzeugen. Andere Faktoren wie etwaige Vererbung und Altersbereitschast müssen ausgeschlossen werden. Endlich müßte bewiesen werden, dah in dem Hause vorhandene Strahlenenergie tatsächlich Krebs zu erzeugen vermag. Dies könnte, wie ich vor längerer Zeit vorgeschlagen habe, durck, Tierexperimente leicht bewiesen werden. Da von manchen Strahlenglkudigen die Erdstrahlen mit den ultravioletten Strahlen identisiziert werden und solche bei Versuchstieren im Experiment Krebs erzeugten, wäre der Nachweis der Strahlenwirkung dann erbracht, wenn etwa Mäuse, die in Drahtkäsigen an „gefährlichen" Stellen gehalten wären, Hautkrebs bekämen. In Ladorato- riumsexperimenten konnte nämlich bei andauernder ultravioletter Bestrahlung stets nur Hautkrebs hervorgerufen werden.
Keiner einzigen diefer Anforderungen an die Beweisführung ist bisher genügt worden. Der Beweis dafür, daß es infolge von „Erdstrahlen" Krebshäuser, -straßen usw. gibt, steht also noch aus, und folange dieser Beweis nicht erbracht ist, ist es geradezu unverantwortlich, die Bevölkerung zu beunruhigen.
St. Nepomuks Vorabend.
Don 3. W. von Goethe.
Lichtlein fchwimmen aus dem Strome, Kinder fingen auf der Brücken, Glocke, Glöckchen fügt vom Dome Sich der Andacht, dem Entzücken.
Lichllein schwinden, Sterne schwinden;
Alfa löste sich die Seele Unfres Heilgen, nicht verkünden Durst er anvertraute Fehle.
Lichtlein schwimmet! spielt ihr Ätnberl Kinder-Chor, oh! singe, singe!
Und verkündiget nicht minder Was den Stern zu Sterne« bringe.
Perugia.
Bon I. B. Mall« a.
sieht mich das
Perugia, die Hauptstadt der Provinz Umbrien, liegt auf einem Au«, täufer des Apennin, dreihundert Meter über dem Tibertal und fast ebenso hoch über der Bahnstation.
„He, fahren wir!" rufe ich der altertümlichen, einspännigen Droschke zu, die im Schatten des Stationsgebäudes ihr Dasein verträumt. Erst ; ■ - - Pferd verdutzt an, dann der Kutscher; weit und breit bin
ich der einzige Fremde. .
„Zu welchem Hotel, mein Herr?" fragte mich der Mann aus dem Bock und blinzelt schadenfroh zu den Hotelautos hinüber, die auf der anderen Seite des kleinen Platzes stehen.
„Ich brauche kein Hotel. Sie bringen mich zu dem allen Brunnen aus dem Domplatz, warten dort eine halbe Stunde, und dann sahren wir wieder zur Station zurück." .... o- > _
„Nein, nein!" wehrt der Kutscher mißtrauisch ab. „Die Fremden müssen im Hotel wohnen, da kann ich Ihnen nicht Helsen.
„Verstehen Sie mich doch recht! Ich will der Fontana Maggiore nur einen kleinen Besuch abstatten. Dieser herrliche Brunnen ist einer der schönsten Italiens und weltbekannt."
„Mein Herr! Nennen Sie das Hotel, in dem Sie wohnen wollen —
"^„Jch^ahre mit dem nächsten Zug weiter nach Assisi! Ich will den Brunnen doch nur wiedersehen, ich habe mich vor Jahren in ihn ver- n°rrmit so was dürfen Sie mir nicht kommen, mein Herr! Ich bin ein alter Mann und will nichts mit der Polizei zu tun haben. Soll ich Ihnen vielleicht ein Hotel empfehlen?"
„Nein! Mischen Sie sich doch nicht in meine Angelegenheiten! Fahren Sie mich sofort zum Domplatz, und dort warten Sie, bis ich den Brunnen photographiert habe!" , _
„Ach so! Sie find gar kein Fremder! Sie sind ja ein Photograph! Da kann ich doch mit meinem Gaul mit aufs Bild kommen, als Andenken für meine Hinterbliebenen. Sie machen doch auch Ansichtskarten?
„Nein, das nicht! Ich schreibe nur ein Buch über Italien — mit vielen Bildern..."
„Um fo besser! Da können Sie mich doch den Fremden empsehlen, die nach Italien kommen. Sie braunen doch nur nach mir zu fragen, auch meine Nummer genügt."
Unterwegs setzte er dem Pferd einen alten Damenhut auf, der seitlich zwei Löcher für die Ohren hatte; auch besorgte er kleine Bestellungen. Einige Male lieh ich den Wagen selber halten, um den weiten Blick in das fruchtbare Tal zu genießen.
Zwei Stunden nach meinem Eintreffen in Perugia hielten wir durch die Porta Nuova unferen Einzug in die Stadt. Das Auto oder die elektrische Straßenbahn hätte die Strecke von vier Kilometern rasch und fachlich bewältigt; was tut man aber nicht alles für einen Schimmer von Romantik!
Don der Treppe des Palazzo del Municipio, unter dem eifernen Greis, bem Wappentier von Perugia, erlebe ich die Vision einer mittelalterlichen Stadt; die Arbeitslosen, die den prächtigen, dreischaligen Brunnen, die Fontana Maggiore, gelangweilt umsäumen, fügen sich durch Gang und Haltung in das allgemeine Bild. Schon fallen lange, düstere Schatten über den Platz; nur die Fassade des Domes leuchtet noch in warmen
Hier herrschte im 15. Jahrhundert das Geschlecht der Baglioni, von deren blutigen ©reueltaten im Kamps gegen die mächtige Familie Oddi die Chroniken anschaulich berichten.
„Die Baglionen waren eines von jenen Häusern, deren Herrschaft sich nicht zu einem förmlichen Fürstentum durchgebildet hatte, sondern mehr nur in einem städtischen Primat bestand und aus großem Familien- reichtum und tatsächlichem Einfluß auf die Aemterbesetzung beruhte. Innerhalb der Familie wurde einer als Gesamtoberhaupt anerkannt; doch herrschte tiefer, verborgener Haß zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Zweige. Ihnen gegenüber hielt sich eine gegnerische Adelspartei unter Anführung der Familie Oddi; alles ging (um 1487) in Waffen, und alle Häuser der Großen waren voller Bravi (gelungene Banditen); täglich gab es Gewalttaten; ja bisweilen lieferten sich die Bravi verschiedener Häuser Schlachten auf offener, Piazza. Endlich müssen die Oddi Perugia verlassen, und nun wird die Stadt eine belagerte Feste unter der vollendeten Gewaltherrschast der Baglionen, welchen auch der Dom als Kaserne dienen muß. Komplotten und UebetfäUen wird mit


