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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
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Jahrgang 1933
Montag, den 30. Januar
Nummer 9
Winternacht.
Bon Gottfried Keller.
Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt. Still und blendend lag der weiße Schnee. Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt, Kein« Welle schlug im starren See.
Aus der Tief« stieg der Seebaum auf, Bis sein Wipfel in dem Eis gefror. An den Aesten klomm die Nix heraus. Schaute durch das grüne Eis empor.
Auf dem dünnen Glase stand ich da, Das die schwarze Tiefe von mir schied; Dicht ich unter meinen Füßen say Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.
Mit ersticktem Jammer tastet sie An der harten Decke her und hin, Ich vergeß das dunkle Antlitz nie. Immer, immer liegt es mir im Sinn.
Alpenflug.
Ein« lustige Geschichte von Elly Beinhorn.
Copyright 1932 by I. L. A„ Wien.
Wenn man einen Lusthansa-Piloten um die Beförderung eines Frackes bittet, wird er bedauernd den Kopf schütteln, denn Flugzeuge haben etwas gegen Kleidungsstücke. Aber das habe ich erst viel später erfahren.
Schon die Vorgeschichte dieses Unternehmens war recht komisch. An einem Sonntag wurde ich durch den Telephonanruf meines ehemaligen Fluglehrers geweckt, der mich ohne Einleitung fragte, ob ich Luft und Schneid hätte, nach Rom zu fliegen. Ich fuhr aus den Kissen hoch und hatte erst zu tun, um mich zu überzeugen, daß es sich nicht um einen verspäteten Faschingsscherz handelte. Nachdem ich das begriffen hatte, sagte ich: Ja, aber...
Man braucht genau wie im Auto, bei Auslandsflügen ein „Triptik", das ich natürlich nicht hatte. Und dann Streckenkarten, möglichst Maß- stab 1:300 000. Beides war in der kurzen Zeit nicht zu besorgen, denn erstens war es Sonntag, zweitens mußte ich spätestens am Montag, nachmittag um 17 Uhr in Rom sein.
Die Sache mit dem Frack war nämlich so: Ein deutscher Großindustrieller war in Italien, um dort ein Werk seines Konzerns einzurichten. Er hatte um eine Audienz bei Mussolini ersucht, und sie war ihm über Erwarten schnell bewilligt worden. Die Einladung traf am Samstagabend ein und lautete auf Montag, 18 Uhr. Der Großindustrielle war in Rom, sein Frack aber in Berlin. Verkehrsflugzeuge flogen Sonntags nicht — also ein Sportflieger! Der war ich.
Nun könnte man noch fragen: gibt es in Rom keine Schneider? Sicher- llch! Aber mein Großindustrieller war eigensinnig. Er wollte seinen gewohnten Frack haben.
Also jetzt — Sonntag vormittag zehn Uhr — kam Tempo in bi« Sache. Reizendes Telephongespräch mit dem italienischen Konsulat über Einflugerlaubnis ohne Triplik (bewilligt), Krach wegen des Kartenmate- rials, das nicht aufzutreiben war, aber bald nach dem ersten Anruf war ich draußen in Staaken, machte meine Maschine für einen längeren Ueberlandflug klar, und wartete auf den Frack.
Es schlug 12, und ich wurde langsam nervös; immerhin waren 1500 Kilometer in eineinhalb Tagen zu fliegen. Da, Telephonanruf: Herr Beinhorn wird gewünscht! Ich gehe an den Apparat und sage, daß ich aber ein Fräulein bin. Großes Erstaunen bei dem Direktor des Konzerns am andern Ende der Leitung, aber er versprach, sich zu beeilen, und eine Viertelstunde später stand er, völlig unrasiert, mit dem Festkleid seines Chefs an meiner Maschine und es ging endlich los.
Die erste Etappe war Berlin—Dresden. Meine Maschine hat einen Aktionsradius von zirka 500 bis 600 Kilometer. In Dresden mußte ich zwischenlanden, weil Staaken keine Zollstation hat. Die Etappe verlief ganz normal; ich bekam meinen Betriebsstoff und Karten bis Wien. Südlich von Prag ist die Orientierung nicht ganz einfach, weil man am Boden eigentlich gar keine markanten Orientierungspunkte hat. Aber der Kompaß genügt bei gutem Wetter vollkommen. In Wien landete ich als erstes, selbstfliegendes, weibliches Wesen und wurde entsprechend herzlich begrüßt. Für die nächste Etappe bis Klagenfurt war es schon zu spät.
Jetzt kommt ein dunkler Absatz. Es wurde nämlich abends „gedroht".
egal! — aber ich muß den Wienern einen Vorwurf machen. Sie behaupten: vom Heurigen wird man nur luftig, aber man hat am nächsten Tag keinen schweren Kopf. Das stimmt nicht.
Montag früh war ich um 6.30 Uhr auf dem Flugplatz, konnte aber wegen des Nebels erst um 8.30 Uhr starten. Ich wollte bis Venedig durchfliegen. Bald hinter Wiener-Neustadt passierte ein kleines Malheur. Ich flog der Bahn nach, die über den Semmering und dann weiter durch das Murtal führt. Auf einmal war in einem Knick die Bahn verfchwun- den. Ich dachte in meiner Harmlosigkeit natürlich nicht an Tunnels und suchte in der angefangenen Richtung weiter, die auch mit dem Kompaß- kurs übereinftimmte. Da war's geschehen: ich lag in einem „Sack-Tal". Nach der nächsten Biegung richtete sich ganz nah vor mir eine 2000 Tiefer hohe Felswand auf, und ich war doch nur 1200 Meter hoch. O Schreck, die fehlende Höhe ließ sich nicht schaffen. Zurück! Mer die beiden Felsseiten, zwischen denen ich flog, standen so nahe ... keine andere Möglichkeit ... also Vollgas, die Maschine aus den Flügel gestellt und herumgezogen. Und siehe da, es ging! Ja, wenn man da keine Erfahrung hat, verschätzt man sich ungeheuer in der Breite einer Schlucht, und man hat da einen kleinen Moment ... Angst.
Ich flog wieder an den Punkt zurück, an dem ich die Bahn verloren hatte, aber sie war nicht wiederzufinden. Also höher gehen, Kompaßkurs fliegen!
Langsam kletterte ich auf 2500 Meter hinauf — höher kam ich nicht, denn dummerweise stimmte mein Propeller nicht ganz. Er gab keine volle Motorleistung her, und das ausgerechnet zu einem Alpenslug — und ich flog Süd-Süd-West über die Berge. Es war schon ein sehr schöner Eindruck! Auf allen Gipfeln Schnee, und die Sonne schien. Unten feine menschliche Ansiedlung, bei mir nur das Geräusch des Motors... Ganz flüchtig kam mir der Gedanke, was fein würde, wenn mir plötzlich der Motor „verreckte", wie man im Fliegerjargon sagt, und ich in dieser Felseneinsamkeit notlanden müßte. Aber alles ging gut, und später im Murtal sah die Bodenbeschaffenheit schon viel hoffnungsvoller aus. Ich ging bis auf 50 Meter herunter, die Bewohner liefen auf das Motorgeräusch aus ihren Häusern und staunten die kleine, weißblaue Maschine an, es wurde eifrig heraus- und hinuntergewinkt — es war einfach herrlich! Ich überflog Villach, Klagenfurt, den Wörther See, ach, ich fühlte mich so wohl ... sicher auch der Frack hinter mir, aber da. plötzlich setzte ein Zylinder aus. Das hört sich nun sehr einfach an, ist aber entschieden unangenehm. Der Fünf-Zylinder-Motor hat mit vier Zylindern nicht mehr genügend Leistung, um die Maschine auf gleicher Höhe zu hatten. Das ist bitter, wenn man nur 50 Meter hoch ist und kein paffendes Gelände unter sich hat.
Mein Schutzengel funktionierte. Im letzten Augenblick erwischte ich ein Plateau und landete. Die Maschine stand fünf Meter vor einigen Bäumen, die eine Fläche am Boden, die andere hoch in der Luft.
Es war aber nichts passiert, nur daß ich den laut Karte in den dunkel gezeichneten Bergen ebenfalls braunen, italienischen Grenzstrich schon passiert hatte. Das begriff ich, als einige Jungens fjerangelaufen kamen und lebhaft gestikulierend, auf mich einsprachen. Mein italienifdjer Wortschatz war sehr klein. Ich habe nur gesagt: Motore caputto! Was mit strahlendem Lächeln quittiert wurde.
Und dann kamen immerzu Menschen. Und ein Soldat, und noch -fünf Soldaten, und ein Offizier, und noch fünf Offiziere. Das war umsym- pathifch. Ich hatte doch meine Papiere nicht in Ordnung, kein „Triptik", dafür einen verdächtigen Männerfrack, für den ich verantwortlich war. Das viele Militär kam aber auf ganz harmlose Weise an, denn ich war direkt bei Tarvisio gelandet, wo alpine Grenzregimenter liegen.
Ich krempelte mir nun die Aermel hoch und fing an, meine Zündkerzen herauszunehmen. Um mich herum furchtbare Aufregung. Eine kleine Sportmaschine und ein Mädchen und ganz allein und notgelandet und kein Bruch — nein, es war nicht zu begreifen. Eine Uniform sprach sehr gut deutsch und bat mich im Namen der Polizei um meine Papiere. Jetzt schien die Sache faul. Aber er nahm meinen Waffenschein als Zollpapier, und der Zylinder kam auch in Ordnung. Ich ließ den Motor etwas auf Probe laufen, alles klappte, und es ging wieder los. Ich versprach den Taroisianern — alles auf dem Weg über meinen Dolmetscher — wenn ich pünktlich mit meinem Frack nach Rom käme, ein Bild mit Unterschrift zu schicken. Ich bin nicht pünktlich hingekommen, aber das Bild habe ich geschickt. Daraus hat sich dann eine lange Korrespondenz ergeben, in der wunderschöne Sätze wie „Einem Adler gleich, der über die Festen herabschwebte", und ähnliche schöne Sachen eine große Rolle spielen...
Dann kam noch eine ziemlich dolle Ecke: die Fellaschlucht. Die ist bei den Piloten, die diese Strecke fliegen, als Schlechtwetterweg besonders beliebt. An beiden Seiten hohe Berge, sehr schmal, und unten das fast ganz trockene, felsige Flußbett. Etwas deprimierend, aber sehr eindrucksvoll. Aber als Belohnung folgte die italienische Tiefebene und bald darauf Landung auf dem Lido, wo allerdings meinem Frackflug ein wenig ruhmreiches Ende befchieden war. Ich bekam Startverbot wegen des fehlenden Triptiks. Alles nützte nichts, Telephonate mit dem Konsulat, Mitnahme eines italienischen Piloten, Charterung einer italienischen Ma-


