-weite Bestätigung, die direkte Messung des Wirkungsquantums und k dann kam Niels Bohr mit seinen großen Sachen, er baute eine Theorie । aus die meine auf, die weiter ging als sie. —
Planck ist nun seit einer Reihe von Jahren emeritiert und hat jetzt die größte Position inne, die ein deutscher Wissenschaftler erreichen kann: er ist als Adolf Harnacks Nachfolger Präsident der Kaiser- Wilhelm-Gesellschast zur Förderung der Wissenschaft.
Sein Tag verläuft so regelmäßig wie zur Zeit, da er die Quantenlehre schuf. Schon seit seinem vierzigste Lebensjahr vermeidet er es, spat zu Bett zu gehen. Mit großem Genuß raucht er seine zwei Zigarren täglich und trinkt gelegentlich gern ein Glas Bier oder Wein: doch erst am j Abend: Alkohol, hat er gefunden, beflügele wohl die Phantasie, ohne den Verstand zu schärfen. Seine besten Arbeitsstunden fallen zwischen 8 Unige älter Planck wird, desto mehr wenden sich seine Gedanken den letzten Dingen der Wissenschaft zu. Er denkt in diesen Tagen immer wieder über die Natur und die Grenzen unserer Erkenntnis nach und legt Gewicht aus die Feststellung, daß die Wissenschaft wohl nie alles werde erklären können. Die Freiheit des Willens, das Wesen der Wirklichkeit, Gott —: sie würden sich immer der Wissenschaft entziehen, sie haben kein Organ zu ihrer Erfassung
Auf seinem Stehpult liegen die Schriften Karl Maxwells, des genialen englischen Physikers. „Wie wunderbar", schwärmt Planck, „daß ein Mensch seine Gedanken in Formeln bringen konnte, die Naturerscheinungen beschreiben, die erst später entdeckt wurden. Es ist, als gehorche die Natur unseren Denkgesetzen."
OaS Wandern im deutschen Lied.
Von Dr. Friedrich S p r e e n.
Der Wandertrieb ist den Germanen tief eingewurzelt; solche Wanderzüge, wie sie ihre gewaltigste Entfaltung in der Völkerwanderung fanden, sind seit Anbeginn der deutschen Geschichte häufige Erscheinungen, und eine gewisse Ruhelosigkeit in unserem Volke noch durch das ganze Mittel- alter hin geblieben, wie die zahlreichen Kreuzzüge, Jtalienfahrten und dann die „Kriegsreisen" nach dem Osten erkennen lassen. Bei dieser allgemeinen Wanderlust des Volkes hat sich aber die Freude des Einzelnen l am Wandern und Reisen erst spät ausgebildet. Im deutschen Mittelalter waren es zunächst nur einige Stände und Berufe, die auf eine stete Be- \ wegung, ein Ziehen von Ort zu Ort angewiesen waren; aber das Umher- streifen in Gottes freier Natur hat ihnen noch nicht die Zunge gelöst zum Hellen Jubel und Preis des Wanderers, und die zahlreichen Wanderlieder, die heut aus aller Munde tönen und jetzt wieder vieltausendstimmig Wald und Feld durchhallen, sind verhältnismäßig jungen Ursprungs. j
Die erste Blüte einer deutschen Wanderpoesie finden wir in den Lie- : dern dec Vaganten. Ein kräftiger Marschrhythmus, der auch noch Goethe ■ in seinen Gesellschaftsliedern anregte, tönt aus diesen lateinischen gereimten Strophen. Aber gerade die Wanderfreudigkeit, die ihnen später Poeten des 19. Jahrhunderts, wie Scheffel und Baumbach, angedichtet ; haben, fehlt den „Carmina burana“ völlig, sie verweilen ausführlich bei jeder freundlichen Einladung und jedem Aufenthalt in Herberge und i Schenke, über über die Zeit des Marschierens, die nur Mühe und Un- j gemach, höchstens einmal ein Liebesabenteuer bringt, gleiten sie mit Seufzen hinweg. Wanderlieder aus jener Epoche sind die Gesänge der Kreuzfahrer, die Hymnen der Wallfahrer, die Verse der „Reutersknaben" und der Handwerker, kurz aller fahrenden Gesellen. Sie erzählen von Krieg und Glauben, von Beutemachen und Plündern, von Schlemmerei und Dieberei, nirgends von Wanderlust. Am besten drückt den "Typus des damaligen Marschliedes etwa der stolze Gesang der Deutschordensritter aus.
„Nach Ostland wollen wir reiten, Nach Ostland wollen wir weit All über die grünen Heiden, Frisch über die Heiden, Da ist eine bessere Zeit."
Scheiden und Meiden, trauriges Sichtrennen von der Stadt und ihrer Lust spielt in allen Wanderliedern die Hauptrolle. Es seien nur einige der berühmtesten Abschiedslieder erwähnt, so „Ich stund an einem Morgen", „Innsbruck, ich muß dich lassen", „Ach Gott, wie weh tut scheiden!" oder von neueren „Muß i denn, muh i denn zum Städtle hinaus , „Nun leb wohl, du kleine Gasse". Wie es aber dem Wandersmann des Mittelalters auf seiner Fahrt ergehen konnte, davon erzählt das Lied vom armen „Schwartenhals", wohl eins der beliebtesten Wanderlieder der Landsknechiszeit. Auch spezifische Handwerkerstände tauchen schon im Wanderlied aus, weil sie die nicht seßhaft betriebenen Wandergewerbe repräsentieren, so der Wafsenschmied, der „jung jung Zimmergesell". Andere Berufe, wie der des Müllers, behalten den Ruf des Leichtfertig- Unsteten, auch wenn sie bereits seßhaft geworden sind. Daß „das Wandern des Müllers Lust" ist, galt zunächst als gar kein Ruhmestitel, sondern als das Zeichen eines wenig Vertrauen erweckenden Eharakters, und ist erst in unserer gerechter denkender Zeit durch Wilhelm Müllers Lied zu einem Lobspruch gemacht worden.
Alle diese Volkslieder sind während des Marschierens entstanden, atmen zwar keine Wanderlust, aber doch Freiluft. Begab sich die Kunstdichtung _eiwnal auf eine Fußreise, dann tut sie es am liebsten — im Traum So sind die Wandergedichte der Meistersinger entstanden, eines, Hans Sachs und Adam Puschmann. Begibt sich aber ein Dichter dieser Zeit wirklich auf Reisen, dann schickt er, wie z. B. Philipp von Winnenberg in (einen „Christlichen Reuterliedern", ein Gebet zum Herrn vorauf, ihm seinen Schutzengel zu senden „in dieser schweren Not" und ihn „vor dem Uebcl zu behüten". Das klingt nicht nach großer Wanderlust, und ein freundlicheres Wort Moscheroschs steht ziemlich vereinzelt Auch tm 18. Jahrhundert hat der gedankenreiche Freiherr von
Creuz in seiner „Reife-Ode" keine anderen Gefühle als die von der Vergänglichkeit alles Irdischen, von der Unbeständigkeit des Menschen- schicksals und den überall lauernden Gefahren. Andere Töne, die ein neues Empfinden, eine neue Welt jubelnd aufgeschlossener Herrlichkeit verraten, erklingen erst in dem „Sturmlied", das Goethe, „der Wanderer", auf der Landstraße zwischen Frankfurt und Darmstadt vor sich hinsingt. Goethe, der dem modernen Menschen eine solche Fülle neuer Möglichkeiten entdeckt hat, wird in seiner inbrünstigen Hingabe, an die Natur auch zum ersten Propheten und Verkünder der Wanderfreude. Zwar hatten schon vor ihm Klop stock und die Sänger des Hains die Bewegung in freier Luft gepriesen, aber erst der Dichter des „Egmont" ries die Jugend zu jeder Leibesübung auf, hinaus in die Weite: „Frisch hinaus, da wo wir hingehörenl Ins Feld, wo aus der Erde dampfend jede nächste Wohltat der Natur und durch den Himmel wehend alle Segen der Gestirne uns umwittern, wo wir, dem erdgeborenen Riefen gleich, von der Berührung unserer Mutter kräftiger uns in die Höhe reißen." Die Gestalt des „Wanderers" beseelt einige seiner schönsten Gedichte, und noch in „Wilhelm Meisters Wanderjahren" hat er sein prächtiges Wander- lied gesungen:
„Bleibe nicht am Boden haften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kops und Arm mit heitern Kräften, Ueberall sind sie zu Haus: Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los;
Daß wir uns in ihr zerstreuen. Darum ist die Welt so groß."
Seit Goethe ist erst der „Wanderer" in unserer Dichtung heimisch. Die Romantik nimmt den von Goethe angeschlagenen Ton sogleich auf. Tiecks „Sternbald" ist erfüllt von einem unablässigen Schweifen, einem sehnsüchtigen Wandern, das in dem Liede Florestans Ausdruck findet:
„Wohlauf, es ruft der Sonnenschein Hinaus in Gottes freie Welt: Geht munter in das Land hinein Und wandelt über Berg und Feld!"
Dieser mehrstrophige Gesang Florestans ist das Vorbild für eins unserer bekanntesten Wanderlieder, das „Wohlauf! noch getrunken den sunkelnden Wein!", das Justinus Kerner auf einer Wanderung in Gundelsheim am 1. Mai 1809 fang. Es dauert einige Zeit, bevor aus den dumpfgärenden Sehnsuchtswünschen der Romantik, die in eine nebelhafte Ferne und gestaltlose Weite drängt, sich der frische heimatssrohe Wandergeist entwickelt, der in Uhlands, Eichendorsfs und Wilhelm Müllers Liedern lebt. In Tiecks und Lenaus Gedichten regt sich oft etwas Unruhiges, Gehetztes, das schließlich Ahasver zum Symbol des „ewigen Wandrers" werden läßt. Den rechten Wandermut brachte die Zeit der Befreiungskriege; die Freude am Turnen und andere Leibesübungen gewann auch dem Wandersport zahlreiche Anhänger. Die wichtigsten, noch heute gültigen Wanderregeln hat Friedrich Ludwig Jahn aufgestellt. „Wandern, Zusammenwandern", so predigt er in seinen „Runenblättern", „erweckt schlummernde Tugenden, Mitgefühl, Teilnahme, Gemeingeist und Menschenliebe. Steigende Vervollkommnung, Trieb nach Verbesserung gehen daraus hervor und die edle Betriebsamkeit, das auswärtsgesehene Gut in die Heimat zu verpflanzen. Wandern ist ein Gehen aus der Heimat in die Fremde, aber immer in den Marken des Vaterlandes, um zu lernen, nach den Lehrjahren noch nachzulernen. Die Wanderschaft ist die Bienensahrt nach dem Honigtaue des Erdenlebens".
Ihre ganze Pracht und Fülle entfaltet die Wanderlust in Uhlands „Wanderliedern", die von Scheiden und Meiden, von Heimat und Ferne, vom.„Wirte, wundermild" erzählen, in Eichendorsfs Gedichten, die im „Wanderleben" einen reichen Kranz noch heute überall gesungener Lieder vereinen und in dem Liederstraub der entzückenden Novelle vom „Taugenichts" die Schönheit der Wanderromantik unvergeßlich dargestellt haben, dann in Wilhelm Müllers durch Schubert vertonten Zyklen „Müllerlieder" und „Winterreise". Lieder von Eichendorfs, wie „Durch Feld- und Buchenhallen, bald singend, bald fröhlich still, recht luftig sei vor allem, wer's Reisen lernen will" ober „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", Müllers „Das Wandern ist des Müllers Lust", sind Gemeingut unseres ganzen Volkes geworden. Diesen Klassikern des deutschen Wanderliedes gesellen sich Emanuel G e i b e 1 mit seinem „Der Mai ist gekommen" und dem schönen „Wer recht in Freuden wandern will, der geh der Sonn' entgegen!' und Victor Scheffel mit seinem „Wohlauf, die Lust weht srtsch und rein!“ und dem mehr studentischen „Naus, nix als naus!".
Auch das Volkslied hat in dieser Blütezeit der Wanderpoesie noch seine Blüten getrieben, z. B. in dem Liede:
„Schön ist die Welt, Drum Brüder laßt uns reisen Wohl in die weite Welt, Wohin es uns gefällt."
Gedenken wir unter der großen Zahl hierher gehöriger Gedichte noch einiger nicht so bekannter schöner Lieder, jo des Rückert schen „Dem Wandersmann gehört die Welt", des Liedes von Franz Kugler „Frischer Mut, leichtes Blut ist des rüstigen Wandrers Gut", des Liedes aus Fritz Reuters ,^anne Nüte": „Die Wanderschaft ist schöner doch als sitzen still zu Haus". In den „Wanderliedern" M ö r i k e s („Entflohn sind ! wir der Stadt Gedränge: Wie anders leuchtet hier der Tag!) und K^ 1 - I lers („Glück auf! nun will ich wandern, von früh bis abends spät") ist eine dichterische Höhe gefunden, die auch die formvollendeten Gedichte L e u t h o 1 d s und C. F. Meyers nicht erreichen. B a u m b a ch und Julius Wolfs sind trotz vieler gern gelungener Lieder doch nur Epigonen, und auch spätere Dichter, wie L i 1 i e n c r o n , Otto Julius Bierbaum u. a. finden selten die starken Töne, die in der klassischen Zeit des Wanderliedes so wundervoll erklangen.
Veran!wörtlich: l)r. HansThyriot. — Druck und Derlag:'Dcühl'sche Universitäts-Buch» und Steindruckerei, A. Lana«, Gießen.


