Ausgabe 
27.11.1933
 
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sic stürmen übern Platz Soldat anS

an den Wohnwagen, und am Wohnwagen bob ein einem zweirädrigen. gelbaestrichenen Kastenwäoekchen und icbab eS Dauphin über den Kopf. ?<n die Schere

Wonne war's, mit eigner Muskelkraft solche Dinge zu vollbrin­gen! Dauphin achtete, ob nicht der weihe Husarenbüschel an leine Ohren wedele, ob nicht seine goldverbrämte Purpurdecke ihn jucke oder sonstwie sich bemerkbar machte.

Draußen am Fluß stellten sich die Buben rm Wagen auf und nahmen Leine und Peitsche, und der Soldat blieb sitzen. Sie schlu­gen Dauphin an die Lenden, aber das tat nicht weh! Dauphin lief wie noch nie in seinem Leben, und sein Herz flog vor ihm her.

Drüben im Schatten trottelte die verwahrloste Kleinkinder­schule. Als Dauphin sie kaum gesehen, war sie schon hinter rhm. Dauphin wieherte laut, was heißen konnte:

Schreit doch, ihr Generalsbuben, lacht doch, schlagt mich doch, tobt euch doch aus an mir: ich bin auf dem Höhepunkt meiner Kraft!"

Ein großer Sandplatz schob sich in den Wald hinein zu beiden Seiten der Straße. Ein Flieger stieg hinten auf, und ließ Leucht­kugeln rudelweise in die Dämmerung fallen. Kanonen, die auf Wüllen standen, richteten ihre Rohre nach ihm, und Kommandos erschallten weithin. Infanteristen gingen, ausgeschwärmt, durch die Gräben über die Straße, rasselten an den Schlössern ihrer Ge­wehre, und viele verloren, weil sie vor dem rasenden Dauphin förmlich flüchten mutzten, in der Eile etliche ihrer Patronenhülsen.

Tau>end Gäule War nicht Wallenstein dabei? trabten am Waldrand, indes Kanoniere schwere Geschütze an langen Seilen durch den Sand zogen. Hinterm Wall aus dem Wald kam heftiges Geknatter, und Dauphins Fußeisen knatterte nicht minder heftig auf der Steinstraße. ,

Plötzlich stand der General da mitten auf der Straße, Dauphins ^Befreier!

Dauphin rannte zu ihm hin und blieb halten. Aus seinen Nüstern stieß sich sein Atem, sein ganzer Körper dampfte, die Adern am Kopf waren fingerdick geschwollen: Das war die Kraft, die in ihm stak, die sich freimachte, die ihn so überaus beglückte!

Dock» plötzlich senken sich die Lider über die jungfrohen Augen, und Dauphin irrt von der Straße ab und bricht an einem Kilo­meterstein zusammen, kugelt auf den Rücken und streckt die vier Beine zum Himmel. , , ,

Dauphin hielt die Augen noch geschlossen, aber er sah mit diesen seinen Augen! Er sah Soldaten schiefgebuckelt um Kanonen rennen, er sah einen Berg voller Soldaten! Ein Gebirge war statt nnt Bäumen mit Soldaten bewachsen, Soldaten sah er aus dem Erd­boden auferstehen, Pferde schoben sich, wo sonst Wasser strömte, un­endlich hin, und es war ihm, als sähe er Wallenstein neben sich im Straßengraben liegen, Wallenstein, den mächtigsten von allen

Wallenstein reckte die vier Beine zum Himmel auf, und aus seiner Stirn, dort, wo Dauphin von der Königin geküßt worden war, floß rotes Blut.

Dauphin hörte deutlich schießen und tat die Augen auf.

Der Direktor stand bei ihm in dem fremden Stall, der Wärter rieb mit Stroh an seinem Leib herum, der General stand da und die Buben mit den Schulranzen, und der Kleine hatte den Dau­men im Mund. ,

Dauphin sprang auf, nickte, beschnupperte der Buben fröhliche Haarbüschel und wieherte schon wieder vor Freude. Aber dann wurde er vom Wärter sortgeführt, und es ging nicht etwa in einen anderen Stall, sondern zurück am blauen Wagen vorbei, durch die Sacktür in den Stall zu den sieben.

Die sieben wurden wieder spazieren geführt, und Danpbin blieb daheim Und Dauphin sah, solange er allein war, nach der Sacktür, ob nicht der General käme, oder ein Soldat, und nie­mand kam. Der Wind webte an der Sacktür herum, und manchmal sah Dauphin den blauen Wohnwagen stehen.

Die sieben kamen zurück, und am nächsten Tage mutzte Dauphin mit ins Freie spazieren, und die Qual begann wieder, obwohl der Direktor sich auch nicht mehr sehen liefe.

Bis eines Tages ein Soldat in den Stall kam, der alle Pferde mit Namen kannte, der Dauphin besonders liebkoste und alles so tat roicg früher der Direktor getan hatte. Und wie Dauphin ein S^ück Zucker hinhielt, erkannte Dauphin, dafe der Soldat niemand an­ders war als der Direktor selber. Da freute sich Dauphin über die Mafeen und ritz an seiner Kette. Der geliebte Direktor redete in seltsam langgezogenem, klagendem Ton allerhand mit Danpbin, was Dauphin zwar nicht verstand, was aber dennoch sehr schön und gut war, und er zog dann seinen Säbel aus der Scheide und hielt ihn Dauphin an die Augen.

Und Daichhin bekam ein bitzchen Angst vor dem blanken Stahl. Er streckte den Kopf ganz waagrecht vor, hob die Nüstern und be­schnupperte, sreundlich aus den Augen zu ihm lächelnd, dessen Hand. .

Der Direktor nahm Dauphins Kopf untern Arm und sagte.

Unser buntgekleidetes Künstlertum ist zu Ende, mein Lieber. Aber du lieber Himmel, was sind denn unsere Kunststückchen, was steckt dahinter? Du hast es ja durchgemacht unter meiner Peitsche, Dauphin! Ich habe dich gepeinigt, ich habe dir die Lenden ver­hauen, einmal habe ich dich, da du hilflos am Boden lagst und mit j dem Erdball nicht spielen wolltest oder vor Müdigkeit nicht spielen konntest, da habe ich dir mit meinen Füfeen die Weichen zertreten, nicht anders als wie der Töpfer seinen Ton tritt, auf dafe er ! weich werde und sich der formenden Hand füge! Nicht anders, MU= : hin! Die Schmerzen, die du unter meiner Peitsche erduldet hast, das sind so recht die Schmerzen aller Künstler.

i Herrjeh, bringt nicht der Dichter gleich uns fein Herz zu Markt, um seinen Mitmenschen eine frohe Stunde zu bereiten? Leidet er etwa weniger, als du gelitten hast, Dauphin?

(Fortsetzung folgt.)

ein Kummet ...........- , ----- ..

ward Dauphin eingekcboben. die Buben sprangen nuf. der Soldat sprang aus Danpbin batte in der Arena schon allerband Wagen gezogen und fonnr schon Kanonen und husch ging's über den Platz bin und ber und rundum und dann hopp, hopp, übers Pflaster in die Stadt hinein durch alle Straßen bin, an hundert­tausend mtenfcben vorbei und zur Stadt hinaus an den Fluß. Eine

'verantwörtlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerjitäts-Vucb- und Steindruckerei. R. Lange, Sieben.

gingen wieder fort.

Dauernd fah Dauvhin nach der Sacktür, und alle feine Ge­fährten laben bin und machten große, glotzige Auoen wie Kübe.

lind siehe, gegen Abend Dauvhin war ganz allein im Stalle schlüpften die Generalsbuben herein, banden Dauphin los. Und mit ibm. der stets zu tollen Str-icben aufgelegt war,

fet, wieviel Uhr es sei! Keiner konnte auf den Hinterbeinen lau­sen! Es waren simple, Halbstarke Reitpferde sur Akrobatinnen, Sklavenpferde, samt und sonders! Der kleine Schimmel, dessen Fufehaare über die Hufe gekräuselt herabhingen, konnte wenig­stens durch einen Reis springen! Dauphin war fehl traurig.

Was mochte nur los sein? Warum durste Dauphin nicht mit? , Dauphin wurde mit seinen sieben Genossen zu zweimal Vieren zusammengekoppelt und gleich einer Kindenchule ausgesuhrt. Alle , Straßen der Stadt und alle Straßen außer der Stadt waren | voller Soldaten, die Schiffe des Rhvns brachten Soldaten, Regi- meter marschierten dahin und dorthin und sangen, Automobile, mit dem roten Kreuz geschmückt, rasten, hundert hintereinander, die Hauptstraße hin, Pferde und immer wieder Pferde, mehr Pferde schier als Menschen! .

Aus der Brückenrampe sah Dauphin seinen Freund Wallen­stein, der mit fünf dicken Gäulen eine nestge Kanone zog. Als Wallenstein Dauphin erblickte, wieherte er, schlug einen leicfe en Trab an und zog ganz mörderisch an seinen Strängen. Welch eine Wonne mußte das sein für ihn!it.

Wie gerne hätte Dauphin geholfen, mit der Kraft feiner Mus­keln, die Kanone ziehen - er hatte in der Arena schon manche Kanone gezogen, aber er war an den schäbigen Rest der einstigen Zirkusherrlichkeit gesesselt und konnte sich nicht befreien. Seine Augen wölbten sich und bettelten:Wallenstein! Komm, Großer, Starker, hilf doch deinem kleinen Freunde!" Aber der hatte keine Zeit, und Dauphin mutzte zurück, heimzu, hinter ferne Sacktur.

Täglich wurden die Acht ausgeführt. Die sieben foppten Dau­phin, rissen, wenn er autzen ging, die Koppel nach links, daß er mit den Hinterbeinen aus dem Glied treten mutzte und vom Wärter einen Schlag bekam. Wenn er innen ging, zerrten sie sich j nach den Seiten von ihm weg, daß die Wärter meinen mutzten, ; er, Dauphin, sei der Störenfried, der seine Nachbarn belästige. ; Ging er im vorderen Glied, so wurde er gekitzelt, ging er tm j hinteren, so flog ihm irgendein Pferdeschweis über die Augen. Es l geschah selbst, dafe der oberflächliche Schimmel, nur um dem ! Wärter darzutnn, er fei belästigt worden, aufs Geratewohl nach hinten gegen Dauphin ausfeuerte und zurückfah, und der Wärter, der seine Pferde nicht kannte der besonders Dauphin nicht kannte sah seitab nach den lauten Dingen der Stratze und hieb ohne weiteres immer auf Dauphin ein. Oh, wenn Wallenstein da­bei gevesen wäre! , ' ..

Eines Tages kam ein Offizier mit breiten, roten Streifen an den Beinkleidern. Er hielt eine Zeitung in der Hand und sagte:

Wo also steht Dauphin?"

Dauphin wurde losgebunden und aus dem Stall geführt, aber die sieben Gesellen mutzten zurückbleiben. Der Offizier strich ihm über die Ohren und sagte:

Stark genug ist er schon!"

Er hat Qualitäten und steht auf dem Höhepunkt seiner Kraft , entgegnete der Direktor, und Dauphin, der die Stunde der Be­freiung ahnte, nickte lebhaft mit dem Kopfe und scharrte mit dem linken Voderbein, spürte fast den stolzen Husarenbusch, den er seit Wochen nicht mehr getragen, zwischen seinen Ohren schwanken und streckte die Nüstern gegen des Befreiers braungekleidete Hand.

Wie alt bist du, Dauphin?" fragte der Offizier freundlich, und der Direktor machte fein Geheimzeichen und sprach:

Na, sag's dem Herrn General, wie alt du bist!" Da nickte Dauphin siebenmal mit dem Kopfe.

Dann fah er von der Stratze her zwei Buben am blauen Wohnwagen vorbei herzulaufen. Die Buben riefen schon von WC'®er Dauphin, der Dauphin!" und sie schwangen die Mützen und kamen herbei, und Dauphin reckte den Kopf längs zu ihnen hin und zeigte seine Zähne.

Der eine konnte Dauphin die weihe Vlesie streicheln, den andern mußte der General heben, daß er es auch tun konnte.

Der Große zog feine Uhr aus dem Matroseublüslein, hielt sie Dauphin hin und sagte:

Na wieviel?" '

Können Sie bis zwanzig zählen, Dauphin?" fragte der Kleine.

Geduld. Jungens!" sagte der General, und der Direktor liefe Dauvhin bis zwanzig zählen und liefe ihn die Nbr ablesen, und der Große beachtete genau das Geheimzeichen des Direktors.

Dann mußte Dauphin mit den Buben übern Platz laufen, rundum so schnell er konnte, und dann lief er noch lange allein, da die Buben schon müde waren und auf den im Erdboden stecken- gebliebenen Zeltpfghlen hockten.

Der General hob nunmehr die Sacktür, und Danpbin schlupfte in den Stall. Der General kam, der Direktor, der Wärter und die Buben kamen: aber Dauphin wurde angebunden, und alle