Ausgabe 
25.9.1933
 
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ausmachte, mußte zugleich verhängnisvoll auf sein sandeln ein­wirken. So mehren sich gegen Ende seines Lebens die Züge, die aus einen Verlust seines inneren Gleichgewichts, auf einen ner­vösen Zusammenbruch hindeuten. Der verschlossene Mann, der eine Atmosphäre des Geheimnisvollen um sich verbreitete und nichts Schriftliches von sich gab, wird immer unvorsichtiger in seinen Reden, immer unbegreiflicher in seinem Tun, spielt mit den Gedanken des Verrats. Der despotische Sonderling empfindet, innerlich ausgehölt, die Tragik der Einsamkeit,- er fühlt sich ver­loren, von den Besten verlassen, und mit fatalistischer Ruhe und Größe geht er dem Tod entgegen, den ihm die Hellebarde des Leutnants Deveroux im Schloß von Eger brachte.

Das Zeitalter der Entdeckungen.

Von Professor Dr. Hans Plischke.

Wir entnehmen folgenden Abschnitt dem Buch von Professor Dr. Hans PlischkeEntdeckungsgeschichte vom Altertum bis zur Neuzeit", das im Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig erscheint. (Preis 1,80 Mark.) Die zusammenfassende Behandlung dieses Stoffgebietes sowie die interessante Darstellung, die besonders die politischen, wirtschaftlichen und geistes- geschichtlichen Gründe für die Entdeckungen erkennen läßt, erscheint uns sehr beachtenswert.

Am Ausgang des Mittelalters, namentlich aber im 15. Jahr­hundert, nahm die Seefahrtskunst des Abendlandes einen großen Aufschwung. Seit dem Ende des 12. Jahrhbunderts wurde, wohl durch Vermittlung der Araber, die vock den Chinesen erfundene Magnetnadel im Mittelmeer bekannt. Mit Hilfe des Kom­passes kam man frei von der Küstenschiffahrt, auf die man sich bisher hatte beschränken müssen. Nur im Mittelmeer und unter Ausnutzung der Monsune im Indischen Ozean war man vordem über das offene Meer gefahren. Mit der Einführung der Magnet­nadel gewann man nicht nur große Sicherheiten bei Seefahrten fern der Küste, sondern auch die Möglichkeit, bei Nacht und Nebel zu segeln. Bisher war man bei schlechter Sicht und bei Dunkel­heit rechtzeitig an sicherer Stelle der Küste vor Anker gegangen. Den Arabern verdankte Europa ferner den Gebrauch des Astro­labiums. Dieses von Hipparch erfundene und von Ptolemäus eingehend beschriebene astronomische Instrument hatten die Araber von den Griechen übernommen. Es bestand aus zwei konzentrischen, gegeneinander verdrehbaren Kreisen, die mit Dioptern und mit Gradeinteilung versehen waren, und diente zur Messung der Sternhöhe. Später, in neuerer Zeit, wurde das Astrolabium durch den Spiegelsextanten ersetzt. Im 15. Jahrhun­dert wurde außerdem der Jakobsstab erfunden, der allerdings erst nach Kolumbus und Vasco de G a m a als Hauptinstrument für Ortsbestimmungen auf See verwendet wurde. Der Jakobs­stab so benannt nach dem Stabe des Apostels Jakobus be­stand aus einem längeren, mit Gradeinteilung versehenen Holz und einem darauf senkrecht stehenden, kurzen, verschiebbaren Querholz. Das Ende des längeren Stabes brachte man beim Visieren dicht vor das Auge und verschob dann das Querholz, bis dessen unteres Ende den Horizont, das obere den Stern, dessen Höhe man messen wollte, berührte. Dieses Instrument war bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts noch allgemein auf Schiffen in Gebrauch. Dazu gesellten sich seil dem 15. Jahrhundert die von Astronomen berechneten Ephemeriden, aus denen für jeden Zeitpunkt eines Jahres die Stellung der Gestirne ent­nommen werden konnte. Die ersten gab für die Jahre 1450 bis 1461 der deutsche Gelehrte Peuerbach, die damals bekanntesten der Nürnberger Astronom Regiomontanus für die Zeit von 1475 bis 1506 heraus. Durch den Nürnberger M. Vehaim wur­den diese Ephemeriden und Verbesserungen, die Regiomontanus an astronomischen Instrumenten vornahm, in Lissabon bekannt.

Schließlich hatten die Italiener größere Schiffe zu bauen ge­lernt. Sie schufen Seefahrzeuge, in denen bis zu 200 Mann unter­gebracht werden konnten. Gemeffen an modernen Schiffen, waren die des 16. Jahrhunderts sehr klein. Die drei Karavellen, mit denen Kolumbus 1492 ausfuhr, hatten einen Inhalt von 280, 140 und 100 Tonnen. Die Schiffe, in denen der Portugiese Barto- lemco D i a z die Sübspitze Afrikas umfuhr, besaßen je 50 Tonnen Rauminhalt. Die erste Ostindienfahrt der Portugiesen unter Vsaco da Gama wurde ausgeführt in zwei Dreimastern zu 120 und 100 Tonen. Die erste Weltumsegelungsfahrt trat Ma­ga l h a e s 1519 mit fünf Schiffen an, von denen dieTrinidad 100, dieAntonio" 120, dieConcepcion" 90, dieVictoria" 85, dieSan Jago" 75 Tonnen aufwies. Aber so klein die Schiffe des Zeitalters der Entdeckungen einer späteren Zeit anmuten muß­ten, verglichen mit mittelalterlichen Schiffen, kann man ivnen doch eine reichlichere Raumgestaltung zusprechen. Die Ver­pflegung auf den Schiffen beschränkte sich außer auf Wasser, das meist in offenen Tonnen auf dem Schiffsdeck stand, im wesent­lichen auf Hartbrot und Salzfleisch, Nahrungsmittel, die es tag­aus tagein gab und die obendrein bei langer Lagerung im dunklen Schiffsraum außerordentlich litten. Ein Teilnehmer der ersten Wcltumsegelungsfahrt, der italienische Ritter P i gasett a, schil­dert die Verpflcgungsverhältnisse während der dreimonatigen Fahrt über den Stillen Ozean folgendermaßen:Der Zwieback, den wir essen mußten, war kein Brot mehr, sondern nur noch Staub, der sich mit Würmern, die denZwieback durchfressen hatten, vermischt hatte und der durch den Urin von Mäusen einen un­erträglichen Geruch angenommen hatte. Das Wasser, das wir zu trinken gezwungen waren, war faulig und stinkend. Um nicht

Hungers zu sterben, mußten wir Stücke Rindsleder essen, mit denen die große Rahe überzogen war, um die Taue vor dem Zerreißen zu schützen. Diese Lcderstücke, die jahrelang dem Regen, der Sonne und dem Wind ausgesetzt waren, hatten solche Härte, daß wir sie vier bis fünf Tage lang ins Meer hängen mußten, um sie ein wenig aufzuweichen. Dann brieten wir sie, um sie zu essen. Gar oft nahmen wir auch aus bitterster Not Sägespäne zu uns. Selbst Mäuse, so widrig sie dem Menschen sind, waren für nus eine begehrte Speise." Infolge dieser mangelhaften Ernäh- rnngsverhältniffe litt die körperliche und seelische Widerstands­fähigkeit der Expeditionsteilnehmer, brach unter den Leuten allerlei Krankheit, besonders der Skorbut, aus.

Der Dienst auf den Segelschiffen des 16. und 17. Jahrhunderts war schwer und hart. Die Matrosen waren nur in zwei Wachen eingeteilt. Um ihre Stimmung, ihr seelisches Wohl kümmerte man sich nicht. Daher stellten die Entdeckungsunternehmcn dieser Zeit große Anforderungen an Körper und Geist. Meutereien, bei denen vom Führer die Heimkehr gefordert wurde, waren an der Tagesordnung. Mit Härte wurden solche Versuche niederge­schlagen. Infolge dieser Zustände waren die Verluste an Men­schenleben, die diese Fahrten aufwiesen, auffallend hoch. Mit Magalhaes verließen 1519 265 Mann Europa, von denen 1522 mit dem SchiffVictoria", der ersten Weltumscglerin, nur 30 Mann den heimatlichen Boden wieder betraten.

Die Schwierigkeiten, die die Entdecker des 15. Jahrhunderts zu überwinden hatten, waren trotz nautischer und technischer Neue­rungen, ebenso aber auch trotz der durch die humanistischen Be­strebungen stark in den Vordergrund getretenen kosmographischen Lehren des Altertums ungewöhnlich. Aber wirtschaftliche und politische Faktoren drängten bas Abendland zur Aufsuchung eines vom Orient unabhängigen Handelswegs nach Indien. Auf den Wegen dorthin entdeckte man die Küsten Afrikas und im Westen des Atlantischen Ozeans, zwischen Europa und Asien, einen neuen Kontinent, dem man den Namen Amerika gab, und ein neues Weltmeer, den Stillen Ozean.

An den Entdeckungen jenseits der Meere nahm man im 16. Jahr­hundert weithin regen Anteil. Dieses Interesse wurde geweckt und verbreitet durch die im 15. Jahrhundert erfundene Buch­druckerkunst. Anfangs erschienen zwar im Druck in erster Linie religiöse, bald aber auch gelehrte Bücher, darunter die Kos- mographie des Ptolemäus. Dadurch fand die aus dem Alter­tum geschöpfte erdkundliche Kenntnis Eingang in die gelehrten Kreise. Im engsten Anschluß an die Kosmographie des Ptolemäus wurden neue Erdbeschreibungen herausgegeben, die dem nun ge­wonnenen Stand der Erdkenntnis Rechnung trugen. Gleichzeitig gab man auf wenigen Blättern, damals in Deutschlandzey- tungen" genannt, die Entdeckungserfolge im Osten und Westen be­kannt. Diese Blätter fanden reißenden Absatz und weckten das Verlangen nach Abenteuern in dieser, an Wunder so reichen in­dischen Ferne. Abenteurer aus allen Ländern strömten in spani­schen und portugiesischen Häfen zusammen, um an den Seefahrten teilzunehmen. Auch viele Deutsche sind in den Mannschaftslisten solcher Fahrten verzeichnet. Man hat die Namen von über 1200 Deutschen festgestellt, die im 16. Jahrhundert auf spanischen, portu­giesischen, französischen und holländischen Schiffen als Matrosen, Büchsenschtttzen, Artilleristen sowie als Beauftragte süddeutscher Handelshäuser ist Ost- und Westindien oder in Afrika weilten.

Die Kapitäne und Piloten der spanischen und portugiesischen Schiffe waren verpflichtet, Berichte über ihre Erlebnisse und Beob­achtungen zu geben. Aber auch manch einfacher Matrose und Sol­dat hat seine Eindrücke geschildert. In Spanien und Portugal wurden durch Gerichtsschreiber, die vom Staat eigens zu diesem Zweck bestellt waren, diese Logbücher, Reisebeschretbungen und Be­richte zu historisch-landeskundlichen Monographien vcrarheitet. Si« lieferten Kenntnisse, die unbedingt notwendig waren, wenn man die neuentdeckten und besetzten Länder gewinnbringend aus­beuten wollte. Die Berichte selbst wurden schon frühzeitig in Sammlungen zusammengefaßt. Die erste erschien 1502 in Por­tugal, herausgegeben von Valentin Fernandez, einem Deutsch- Mähren. Bald folgten solche in Italien, so die von Ramusio, in England, so die von Hakluyt und Purchas, in Frankreich die von Thövenot und Deutschland die von de Bry und Hulsius. Die in Deutschland erschienen auf dem damals führenden Frankfurter Büchermarkt und zeichneten sich aus durch die Beigabe zahlreicher und guter Kupferstiche.

Der Mann, der mit dieser Zeit fertig wird.

Roman von Walter Julius B l o e m (GDS.).

(Fortsetzung.)

Sicherlich saß hier auch nur eine Rosemarie, enttäuscht von den Unbilden früher Lebensjahreszeiten, sehnsüchtig auf Möglichkeiten der Entfaltung hoffend und unter Zögern sich in eine Richtung begebend, von der sie nicht genau wußte wohin.

Aber, wenn man's recht bedenkt, so wird jede der dutzend Frauen, die hier im Laufe eines Jahrhunderts in Lust oder Gram saßen, sich von ihren Mitschwestern unterschieden haben.

Alls Elli mit ihrem Fahrrad ankam, war Schönlein im Be­griff, zu einer kurzen Besorgung fortzugehen. Also hatte sie Zeit, sich auszuweinen. Aber Peter vergaß, einen Akt mitzunehmen, kam nach fünf Minuten zurück, wobei er ihr eine Tüte Pfeffer­minzpralinen mitbrachte, nur so eben als Tröstchen im nächsten Loden gekauft, ein Viertelpfund. Dann ging er eilig wieder weg.

Seine Geschäfte zögerten sich etwas hin, und erst Gät fand er ein paar Minuten Zeit, um den Doktor Wagenschanz anzurufen,