Händen griff er nach ihm und hängte die ganze Last des Körpers dran. (Sin langsames Drehen ... jetzt... er war geöffnet und das
Schi'vü men d^klammerte sich Hicks an der Leiter an. Er war einer Oünmackt nahe, jetzt, da das Werk erfüllt war.
„Zum Teufel, was machen Sie denn?" brüllte Erne durch bas ^^„Da/Heliumgas anslassen, damit Ihr Meuterer nicht über die Berge kommt!" rief Loberano zurück. .
Er Mite noch einen Fluch, Erne stürmte mit seiner Mannschaft durch den Gang. In rasender Hast räumten sie die Hindernisse ans dem Weg. „Verdammt!" „ _ Q
Sie standen vor der aufgerissenen Kluft. „Das Luftschiff sinkt, meldete der Steuermann dem ersten Motorenmelster Erne.
„Kommen wir noch hinüber?" .
„Keinesfalls. In einer halben Stunde ist Notlandung. Ob wir wollen oder nicht." — *
Loberano kroch zu Hicks empor, um ihn herunterzuholen. „Wir bleiben oben, Kapitän. Das Luftschiff wird bei der Notlandung zertrümmert, die Gondeln werden zu Brei zerschlagen. Hier oben ist es am sichersteü", erklärte Hicks. Beide Männer klammerten sich an die schmale Leiter. Der Luftzug hatte nachgelassen. Das Luftschiff sank von Minute zu Minute. Die Erde kam naher. Bereits waren Häuser deutlich erfennbar. Die einzelnen Baume konnten unterschieden werden. In der Ferne dämmerte das Gebirge auf.
„Dort!" deutete Loberano hin.
„Es war höchste Zeit", nickte Hicks.
Da senkte sich der Luftriese rasch. Die Ackerfurchen kamen in greifbare Nähe. Ein Anprall ... ein Beben ging durch „AXVHI . Knirschen und Zersplittern überschrie den Leerlauf der Motore. Kaum vermochten sich bei den furchtbaren Stößen die beiden Kapitäne festzuhalten. , r m „
Sie wurden von der Ventilleiter herabgeholt. Beide waren ohnmächtig. Ermattung und Aufregung hatten sie überwältigt. Ihre Hände aber hatten sich in die Leiter verkrampft. Ein Riesen- wrack bedeckte die Aecker. Aus ü.en Gondeln wurden verstümmelte Leichen geborgen. , _
„Das Vaterland dankt den beiden Kapitänen Hicks und Loberano. Der Präsident." Dieses Telegramm erreichte die Beiden wenig später im Spital, in bas sie zur Erholung gebracht worden waren.
Wallenstein.
Zu seinem 35v. Geburtstage.
Von Dr. Kurt Haack.
Napoleon hat einmal gesagt, daß der Ruhm des größten Helden verbleichen müsse, wenn ihm sein Dichter fehle. Niemals hätte Achill ewig im Geist der Menschheit fortgelebt, wenn nicht Homer fein Andenken bewahrt hätte. Dies trifft trotz aller Verbreitung historischer Forschung auch heute noch zu. Wallenstein ist dafür ein gutes Beispiel. Was wüßte heute noch die breite Masse von diesem unheimlich funkelnden Kometen des Dreißigjährigen Krieges, der, plötzlich austauchend, tri kurzen acht Jahren durch das zerrissene deutsche Vaterland zog, um ebenso plötzlich in einem gräßlichen Sturz zu versinken? Nichts, wenn Schiller nicht diesen Helden seines größten Dramas unsterblich gemacht hätte. Und mit den Augen Schillers we'rden wir Wallenstein sehen, auch wenn die Wissenschaft in immer neuen Büchern und Abhandlungen das psychologische Rätsel seines Handelns und Nichthandelns erwägt und deutet. Schiller hat in seiner „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges" Wallenstein schwankend gegenüber gestanden. Zunächst hauptsächlich von einem kaiserlich gesinnten Darsteller beeinflußt, sah er in ihm den genialen Verschwörer, aber je weiter er vordrang, desto bedenklicher wurde er und schrieb schließlich: „So fiel Wallenstein nicht, weil er ein Rebell war, sondern er rebellierte, weil er fiel". Im Drama freilich mutzte er eine feste Stellung einnehmen und die psychologische Deutung .zu einer heldischen steigern. So wird bei ihm der Generalissimus zum Patrioten, der deutscher Neichssührer werden möchte, um seinem Vaterland den Frieden zu bringen. Die Tat des Verrats, an sich ixeber gut noch böse, wird erst durch den Zweck geheiligt oder verflucht. Daß Wallenstein den rechten Augenblick zum Handeln nicht findet, ist seine tragische Schuld, die zur Katastrophe führt.
Die Frage: Verräter oder nicht? steht heute noch im Mittelpunkt der Wallenstein-Forschung, ohne daß die Beibringung neuen Materials das Schwanken zwischen Schuld und Unschuld endgültig beseitigt hätte. Nur das immer tiefere Eindringen in Wesen und Seele dieses problematischen Charakters führt zu einer klaren Eekenntnis, und so ist es wohl nicht ohne Grund wieder eine dichterische Erscheinung gewesen, der diese „komplizierteste Erscheinung der neuern Geschichte" uns menschlich näher gebracht hat. Es ist Ricarda H u djr, die mit fast zärtlicher Hand Hülle um Hülle von dem Kern seiner Natur löste, und in dies Innere sehen ließ, das menschliche Größe und Schwäche in innigster Verflechtung zeigt und so recht den ewigen Widerspruch alles irdischen Tuns offenbart.
Der größte Teil von Wallensteins Leben vollzieht sich im Dunkel einer adligen Durchschnittsexistenz vom Anfang des siebzehnten Jahrhunderts. Erst 1625, als er bereits 42 Jahr alt war, wird seine Persönlichkeit über die engeren Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt. So erscheint z. B. in den Berichten des spanischen Gesandten am Wiener Hof der Name zum erstenmal in diesem Jahr im Zusammenhang mit dem Plan des Kaisers, ein Heer an
zuwerben. Zunächst verläuft seine Jugend und Ausbildung ht Öen gewöhnlichen Bahnen. Nach stürmischer Studentenzeit wird Wallenstein einer jener habgierigen und bedenkenlosen Edelleute, ine damals die größte Macht in Böhmen an sich geriffen hatten. Freilich seine Habgier ist stärker als die der anderen: Machtgier, Sinn für prunkvolle Repräsentation treten bereits hervor, und mit einer schicksalsvollen Leidenschaft ergibt er sich dem Aberglauben der Zeit, der Astrologie: „Wie er sein Schicksal an die Sterne knüpft, so gleicht er ihnen auch in wunderbarer geheimer, ewig unbegns- fener Bahn". t
Es ist schwer, zu erkennen, wie weit der Glaube an die Sterne seine Laufbahn entscheidend beeinflußt hat. Aber merkwürdig sind die Zusammenhänge zwischen den Prophezeiungen des grotzten Sterndeuters, dem er sich anvertraute, Keplers, und der Entfaltung seines Wollens und Werdens. 1608 stellte ihm Kepler das Horoskop und sagt von ihm, „daß er ein wachendes, aufgemuntertes, emsiges, unruhiges Gemüt habe: allerhand Neuerungen begierig: dem gemeines menschliches Wesen und Händel nicht gefalle, sondern der nach neuen, unversuchten und doch seltsamen Mitteln trachte, viel mehr in Gedanken habe als er äußerlich sehen und spüren lasse. Auch gewaltsam wird er fein, unbarmherzig, ohne brüderliche und eheliche Liebe, niemanden achtend, nur ihm und feinen Wohllüsten ergeben, hart über die Untertanen, geizig, betrüglich, ungleich im Verhalten, meist stillschweigend, oft ungestüm, auch streitbar. Dann läßt sich bei ihm sehen großer Ehrendurst und Streben nach zeitlichen Dignitäten und Macht." Spater hat Kepler allerdings weitere Fragen dieses drängenden Suchers ironisch abgelchnt, aber wenn er ihm 1625 voraussagte, daß der Monat Februar 1634 nach der astrologischen Konstellation für sein Schicksal bedeutsam sei und ihm Unheil bringen werde, so hat er vielleicht damit dazu beigetragen, daß Wallenstein im entscheidenden Augenblick zögerte, die unheilbringende Zeit erst vorübergehen lassen wollte, und durch dieses Zaudern seine Ermordung am Vorabend des 1. März 1634 herbeiführte.
Mit dem Glauben an die Gewalt der Gestirne ist bei diesem echten Sohn seiner Zeit eine verschlagene Realpolitik verknüpft, die ihn mit zäher Ausdauer auf dem einmal beschrittenen Wege fortgehen ließ. Um des Fortkommens willen tritt der Sproß einer zur Brüdergemeinde gehörigen Familie zum Katholizismus über, geht er eine vortreffliche Ehe ein; aber weder religiöse noch Familiengefühle bestimmen ihn. Im Mittelpunkt seines Wesens steht eine ungeheure Selbstsucht als treibende Kraft. „Gott im Himmel — ich auf Erden!" dieses Wort ist der Ausdruck des fatalistischen Hochmuts, der ihn auf seiner Bahn vorwärtstreibt. Sein Aufstieg in den Wirren des langen Krieges bringt überraschend schnell feine Kräfte zur Entfaltung. Als er nach seinem ersten Generalrat gestürzt wird, gehört er schon zu den mächtigsten Männern ganz Deutschlands, und als die Furcht des Kaisers vor Gustav Adolf ihn aufs neue zur Macht beruft, gewinnt er einen Einfluß, wie ihn seit Jahrhunderten kein Deutscher auf die Geschicke des Landes besessen, steht er als „Kaiser des Kaisers" auf schwindelnder Höhe, die den Keim seines Sturzes birgt. Das Mißtrauen gegen diesen Allmächtigen mutzte am Wiener Hofe wachsen, das Vertrauen des Kaisers war erschüttert, als er durch seine irrigen strategischen Berechnungen vom November 1633 das Haus Habsburg, das er zweimal gerettet, aufs neue in Gefahr brachte. Er aber glaubte unerschütterlich an seinen Stern und liotz den Monarchen rinn erst recht seine Abhängigkeit fühlen. Die damals herrschende Lehre des Machiavellismus, die er in seiner verschlagenen Diplomatie so meisterhaft zu handhaben wußte, wandte sich gegen ihn selbst, untergrub jedes Treueverhältnis, auf das er sich hätte stützen können und aus 6er dem Fürsten zugebilligten „Mordbefugnis" erwuchs das Gericht über den Abtrünnigen, das ihn znm Tode verurteilte.
Wallenstein ist kein Feldherr gewesen wie sein Gegner Gustav Adolf; den Sieg über diesen größten Widersacher verdankte er nur dessen Tod, und bald schwand sein kriegerischer Nimbus durch Bernhard von Weimars bessere Taktik. Aber er war ein genialer Organisator, der es wie kaum ein anderer verstand, Armeen aus dem Boden zu stampfen, ein Hecresschöpfer, der durch diese Organisationsbegabung auch ein Heereserhalter wurde. So hat er dfe österreichische Armee begründet und ihr einen festen Zusammenhalt durch den Einfluß der magnetischen Gewalt seiner dämonischen Persönlichkeit gegeben. Die politischen Ideen, die er während seines zweiten Generalrats zu verwirklichen strebte, sind wohl eines großen Staatsmannes würdig, denn er wollte durch Wiederherstellung des Religionsfriedens Deutschland selbst den Frieden bringen und es politisch einigen. Wenn dieser gewaltige Plan, der die efgentfiche geschichtliche Größe seines Wirkens ausmacht, scheiterte, so lag dies in der Problematik seiner Natur, die wieder das menschliche Interesse an ihm stets wachhalten wird.
Von des Gedankens Blässe angekränkelt, schwankt er in entscheidenden Augenblicken unschlüssig hin und her, und in sein Leben greift verhängnisvoll die unheimliche Gewalt jener dunklen Schicksalsmächte, denen er sich anheimgegeben. Vielleicht würden wir ihn heute einen Hysteriker nennen. Jedenfalls wurde er von nervösen Störungen heimgesucht, die man damals seinen „Schiefer" nannte. Gegen Geräusche war er so empfindlich, daß er, wie ein Zeitgenosse schreibt „nicht hören konnte, daß etwa ein Spatz zu laut geschrieen". „Er mocht den Hahn nit hören krähn, kein bellend Hünblein um sich sehn", heißt es im Volkslied. Bei diesen Anfällen konnte er eine wilde Grausamkeit zeigen, indem er, wenn ein Soldat zu laut mit den Sporen klirrte, den Besetzt gab „Laßt mir die Bestie henken!" Und derselbe Mann war ein gefühlvoller Träumer, der in seine Gärten und Bäume verlievi mar und rührend für das Wohl seiner Gärtner sorgte. Die krant- hafte Veranlagung, die zweifellos ein Element seiner Wirkung


