Ausgabe 
24.4.1933
 
Einzelbild herunterladen

Schwalben beobachtet hat, die den von ihren Jungen über den Nestrand hinausgeschleuderten Unrat auflesen und fortbringen, wohl nicht nur aus Reinlichkeit, sondern um die Spur vor den Raubvögeln zu verwischen.

So ist die Welt der gefiederten Bewohner der Lüste erfüllt von Arbeit und zielbewußter Tätigkeit wie die menschliche, vor der sic sich aber des einen Vorzuges rühmen kann, daß hier das graue Gespenst der Arbeits­losigkeit ein unbekannter Gast ist.

lil

liehen Funden des mit aller Pracht ausge, tatteren ^aves ^ur-ency- Amons sich im innersten Goldsarg, wo also die wertvollsten Beigaben Platz sanden, sich neben anderen Eisensachen auch em vcrstahlter Eisen­

dolch befand.

Richt nur aus dem erwähnten Briefwechsel ergibt sich, daß die Er- finduna des Verstählungsversahrens den damaligen Armeniern S" ver­danken ist. Die griechischen Schriftsteller nennen die Bewohner dieses Reiches die Chalyber, d. h. die Männer, von denen der Stahl herkommt Diese Schriftsteller bezeugen ausdrücklich, daß die Chalyber den Stahl erfundenhaben. Tenophon berichtet, daß die Chalyber größtenteils von der Eisengewinnung lebten. Diesen Chachbern oder Chaldi, wie sie sich später selbst unter Bezeichnung eines Reiches nannten, bas etma das heutige Sudkaukasien und Armenien umfaßt, hatte man also eine der wichtigsten Errungenschaften in der Geschichte der Technik zu ver­danken.

Man darf sich nun allerdings nicht vorstellen, daß dieses Berstählungs- versahren dem entspricht, was wir heute darunter verstehen. Die Ve^ stählung bestand in einer oberflächlichen Wartung des Schweißelfens durch Nachglühen im Holzkohlenfeuer. DasSchrecken war aller Wahrschein­lichkeit nach unbekannt. Für die Entwicklung dieser Technik waren in Armenien sehr günstige Bedingungen gegeben. Es enthielt reiche Kupser- und Eisenerzlager. Damals wurde zuerst Schweißeisen aus dem Hamatit dem nach dem Magnetit reichsten Eisenerze, gewonnen. Eine weitere wichtige Bedingung für die Entwicklung der Eisenerzeugung aus der

Es hat sehr lange gedauert, bis diese Schmelztechnik durch eine be­deutend höherstehende abgelöst wurde. Erst in der zweiten Halste des 2 Jahrtausends wurde der Blasebalg erfunden. Anstelle des Tiegels trat der offene Rennherd, anstelle des Blasrohrs der Blasebalg, und die Eisen­erze wurden den natürlichen Lagerstätten entnommen, ohne daß man nur auf die Magnetitkörner im Sand angewiesen war. Noch bedeutender war der Fortschritt, der um etwa die gleiche Zeit durch die Ersindung des Verstählungsversahrens erzielt wurde. Den ältesten Hinweis aus das Vor­handensein verstählten Stahls finden wir in ägyptischen Quellen. Ein Bries, in Teil el Amarna aufgefunden, besagt, daß der König des dama­ligen'Armenien an den Pharao Amenophis III., dessen Regierungs­zeit um das Jahr 1400 v. Chr. lag, Dolche und Ringe aus verstählten Eisen gesandt habe. Als Gegengeschenk überwies der Pharao Gold nach Armenien Die Aegypter maßen dem verstählten Eisen einen außerordent- Kh hohen Wert bei. Das geht z. B. daraus hervor, daß unter den Herr­chen Funden des mit aller Pracht ausgestatteten Grabes Tut-ench-

Das älteste Eisen.

Eine kulturgeschichtliche Betrachtung.

Von Dr. F. Burg.

Das erste Eisen gewannen die Menschen nicht aus der Erde, sondern sic bekamen es in der Form der Meteore vom Himmel. Das war vor etwa 6000 Jahren. Richt nur die altägyptische und sumerische Bezeichnung für Eisen weisen auf diesen seinen himmlischen Ursprung hin, sondern eine Untersuchung der ältesten Eisensachen mit chrem hohen Nickelgehalt hat nach den Angaben von Professor Quiring das gleiche Ergebnis. Dieses Eisen wurde kaltgehämmert und zu verschiedenartigen Gegen­ständen verarbeitet, sei es daß sie zum Schmuck, sei es daß sie irgendeinem praktischen Bedürfnis dienten, wie z. B. Nadeln, Schälchen, Massen usw. Man hat in ägyptischen Gräbern aus dem Jahre 3800 v. Chr. Halsketten­perlen aus gehämmertem Weicheisen gesunden, das 7,5 Prozent Nickel enthielt; ein Dolch, der bei den berühmten Ausgrabungen Woolleys in Ur zutage kam, enthielt sogar 10,8 Prozent davon.

Ein Jahrtausend später hat die Eisenbearbeitung schon einen großen Fortschritt auszuweisen. Damals gewann man das Eisen aus einem Eisenerz, dem Magneteisenstein nämlich, dem sogenannten Magnetit. Eine Untersuchung der Eisengegenstände aus dem 3. Jahrtausend vor Christus zeigt nämlich, daß diese Jundstllcke arm an Nickelgehalt sind, und daß es sich um Schweißeisen handelt. Damals war der Blasebalg noch nicht er­funden, die Schmelztechnik mußte mit dem Tiegel und einem Blasrohr auskommen, durch das Luft zugeführt wurde. Es liegt also bei diesen primitiven Bedingungen der Schmelztechnik nahe, anzunehmen, daß man damals das reichste Eisenerz verwandt hat, und das ist eben der Magnet­eisenstein. Ein Bedenken ergibt sich zwar gegen diese Annahme. Denn im allgemeinen weist der nahe Orient sehr geringe Lagerstätten-Vorkommen an Magnetit auf. Man brauchte aber auch nicht diese natürlichen Lager­stätten, da der Nilsand und der goldführende nubische Kies zahlreiche Magnetitkörner enthalten. Noch heute liefern die Goldwüscher in Nubien ihr stark mit Magnetit vermischtes Rohgold an die ägyptischen Schmelzer, die damals neben dem Gold das Schmelzeisen gewannen.

Das stellte damals durchaus keine lästige Nebenarbeit dar, sondern das Eisen hatte einen unverhältnismäßig höheren Wert als heute, leicht erklärlich, wenn man die geringen Mengen berücksichtigt, in denen es erzeugt wurde. Das Eisen war im Gegensatz zu heute kein Gebrauchs­metall und bedeutend wertvoller als etwa das Kupfer. Urkunden aus der Zeit bes großen babylonischen Königs und Gesetzgebers Chammu - rabi, der von 2067 bis 2025 v. Chr. regierte, belehren uns über den Preis des Eisens. Man bekam für ein Schekel Silber der Schekel ist eine babylonische Gewichtseinheit von ungefähr 8,4 Gramm 120 bis 140 Schekel Kupfer, aber nur 8 Schekel Eisen.

technischen ©runMage der Holzkohlenfeuerung war in dem reichen Brenn­stoffvorrat gegeben, der im Gegensatz zu Aegypten und Mesopotamien In den Gebirgswäldern vorhanden war.

Auf der tlniversität.

Novelle von Theodor Storm.

(Schluß.)

Sie war eine voll ausgewachsene Mädchengestalt, aber gleichwohl reichte sie ihm nur bis an die Brust. Ich sah ihnen lange nach; sie hatte den Kops in den Nacken fallen lassen, während sie säst von seinem Arm getragen wurde und nur mit den Fußspitzen den Boden berührte; er neigte sich über sie, und feine Augen lagen unbeweglich wie die eines jungen Raubvogels auf ihrem Antlitz, das sie mit geschlossenen Lidern ihm entgegenhielt. Als der Tanz zu Ende war, führte er sie an ihren Platz und ließ sie leicht aus feinen Armen auf den Stuhl gleiten.

Die Pause dauerte indes nicht lange. Bald entstand eine Unruhe im ganzen Saal; die Musik setzte in rasendem Tempo ein, und die Paare reihten sich stürmisch aneinander.

Der Tanz begann aufs neue, Gelächter und ausgelassene Ruse flogen durch die Runde; immer wilder sah ich die kleinen, leichtfertigen Füßchen über die dunkeln Flecke des Fußbodens gleiten. Endlich kam es zu einer Tour, durch deren ungestüme Ausführung die ganze Reihe der armen Kinder unausbleiblich zu Fall gebracht wurde.

Dann wie auf einen Wink fchwieg die Musik; und während ihre Tänzer lachend über sie Hinwegsprangen, standen sie mit heißen Gesichtern aus und strichen sich das Haar aus der Stirn oder suchten den Staub von ihrem mühsam erarbeiteten Ballstaat abzuschlagen. Ich weiß nicht, war es noch ein Rest von dem Zerstörungstriebe des Kindes oder war es der allen Menschen innewohnende Drang, sich gegen das aufzulehnen, dessen Einfluß man sich nicht entziehen kann; es schien, als wenn die Jugend sich in übermütiger Herabwürdigung des Weibes gar nicht genug« tun konnte.

Lore, die ich nicht außer acht gelassen, saß einsam auf demselben Platze, wohin sie von dem Raugrasen geführt worden war. Sie schien es sich erzwungen zu haben, daß zu jenem Tanze niemand sie auch nur auf« gefordert hatte.

Während bald darauf, vielleicht des Kontrastes halber, ein Contretanz mit aller Feierlichkeit ausgeführt wurde, ging ich mit einem Bekannten in das Seitenzimmer. Wir trafen mehrere ältere Studenten, und bald waren wir, unsere Bierseidel vor uns, in ein alle gleicherweisen inter­essierendes Gespräch über die Eventualitäten des bevorstehenden Examens vertieft.

Als nebenan die Musik abfetzte, kamen noch einige der Tanzpaare zu uns an den Tisch; der Raugras mit Lore war auch darunter. Sie fetzte sich neben ihn, während er die Speisekarte musterte, und bald hatte der Kellner einige Schüsseln und eine Flasche Champagner vor den beiden hingestellt. Der Kork wurde behutsam abgenommen der Raugras lieh niemals einen Champagnerpsrapsen knallen und der schäumende Wein floß in die Gläser. Die andern Mädchen, denen ein einfacheres Mahl serviert war, stießen ihre Tänzer heimlich mit den Ellenbogen; und auch meine Aufmerksamkeit war bald ausschließlich auf dieses Paar gerichtet. Lore hatte ihr blasses Gesicht in die eine Hand gestützt, während die andere wie vergessen an dem Fuß des vollen Glases ruhte; der Raugras beschäftigte sich behaglich mit feinem Lerchenfalmi und schlürfte schweigend seinen Wein dazu.Willst du nicht eßen, Sore?" fragte er endlich.

Sie schüttelte den Kops.

Er sah sie einen Augenblick an.Du willst nicht? Nun", setzte er ruhig hinzu, ,cheine Sache!" dann schenkte er sich ein und setzte seine Mahlzeit fort.

Das Mädchen hatte indessen ihr Glas an die Lippen geführt und es mit einem durstigen Zug hinabgetrunken. Ohne den Kopf zu erheben, der noch immer müde in ihrer Hand ruhte, nahm sie die Flasche und hielt sie schwebend über dem leeren Glase, so daß der Wein langsam hinein» floh und nur allmählich schäumend in dem Kelche aufstieg. Ihre Augen blickten mit einem Ausdruck von Trostlosigkeit daraus, als sehe sie ihr Leben aus der Flasche rinnen. Sie achtete auch nicht daraus, als der Schaum aus dem Glase auf den Tisch und von diesem auf den Boden floß; nur ihre andere Hand schien sich immer fester in das schwarze, seidige Haar hinein zu wühlen.

Schöne Dame!" flüfferte ein hübscher, milchbärtiger Junge, während er wie bettelnd ihr sein leeres Glas entgegenhielt;einen Tropfen von Eurem Ueberfluh!"

Lore blickte nicht auf; aber ich sah, wie es flüchtig um ihre Lippen zuckte.

Was denn, Fuchs, was hast du?" fragte einer von den Alten, der sich bisher nur mit (einem Glase beschäftigt hatte.Oho, Stoffvergeudung!" rief er plötzlich und legte seine Hand auf den Arm des Mädchens.

Der Raugras war nur ein wenig zur Seite gerückt, als der Wein neben ihm zu Boden tropfte.Laß sie", sagte er,es ist ihre Natur so. Nicht wahr, Lore", setzte er hinzu, indem er sich lächelnd zu ihr wandte,wir beide, wir verstehen uns aufs Vergeuden!"

Sie setzte die Flasche auf den Tisch und warf ihm einen Blick voll unergründlichen Hasses zu. Dann stand sie auf und ging nach der Tür, die in den Saal führte. Aber er war zugleich mit ihr aufgesprungen. Ein Ausdruck verbissenen Jähzorns entstellte die schonen, regelmäßigen Gesichtszüge.Was fällt dir ein!" flüsterte er und packte mit Heftigkeit ihren Arm. Sie blieb stehen, ohne daß sie Miene mochte, sich von seiner Hand zu lösen; nur ihre dunkeln, glänzenden Augen blickten ihn fragend und verachtend an. Eine Weile ertrug er es; dann zog er die Hand zurück, und indem er ein kurzes Lachen ausstieß, trat er wieder an den