Ausgabe 
24.4.1933
 
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Lung bes holländischen Staates Ist der entscheidende Antrieb stets von dem Prinzen ausgegangen. Unterstützt wurde er besonders tatkräftig von seinen Brüdern, von denen zwei, Ludwig und Heinrich, aus der Mooker Heide den Heldentod fanden. Mit der Unabhängigkeits-Erklärung der Provinzen Holland und Seeland, deren Berwaltung Oranien übernahm, begann 1575 der völlige Zerfall der spanischen Herrschaft, der durch den Tod des Statthalters Reguesens 1576 beschleunigt wurde. In der sogenannten Pazisikotion von Gent vereinigten sich die Provinzen zu dem Entschurh, Lie spanischen Truppen aus dem Lande zu vertreiben und durch die Ge­neralstaaten die alte verfassungsmäßige Freiheit wiederherzustellen. In diesem Vertrag wurden allen, den protestantischen und katholischen Pro­vinzen Duldung des verschiedenen Glaubensbekenntnisses zugesagt, und wir wissen heut, daß der Prinz von Oranien das hohe Ziel verfolgte, die Einheit der gesamten Niederlande durch die nationale Befreiung zu ver­wirklichen. Wenn dies nicht gelang, wenn noch heute die stammverwandten Flamen von den Holländern getrennt sind, so lag das an der Bilder­stürmerei der Calvinisten, die dadurch den Gegensatz zu den Katholiken verschärften, und an den Wasfenerfolgen des Herzogs von Parma, durch die die flämischen Provinzen später wieder verloren gingen.

Der siegreiche Dränier war 1580 von Philipp in Acht und Bann er­klärt worden: 25 000 Goldguiden und die ewige Seligkeit wurden dem verheißen, der ihn lebend oder tot gefangen nehmen würde. Der Prinz antwortete darauf mit seiner berühmt gewordenenApologie", in der er der spanischen Tyrannen-Herrschaft eine Staatsausfassung entgegenstellte, die von den Grundgedanken der Freiheit der Person und des Gewissens, von Recht und Gesetz, Friede und Menschlichkeit getragen war. Die groß­artige Gesinnung des ganzen niederländischen Freiheits-Kampfes war damit von seinem Hauptsührer unvergänglich proklamiert. 1581 folgte die öffentliche Absage der Generalstaaten an den spanischen König. Aber der Erringer der Freiheit konnte die Gestaltung des neuen Staates nicht mehr selbst durchführen. Er erlag am 10. Juli 1584 in seinem Haus in Delft her Kugel des Meuchelmörders Balthasar Gerard, der teils aus Fanatis­mus, teils aus Gewinnsucht seine Tat beging. Doch lebt Wilhelmus von Nassauen unsterblich fort als der Zerstörer der spanischen Macht und der Vater der niederländischen Freiheit.

Die Amseln.

Bon Lina Staab.

Sie huschen im Garten eilig durchs alte Laub, sie fragen noch fchüchtern Die Tage sind schweigsam und taub. War es nicht gestern erst, daß der Winter zerrann? Nun sangen sie zögernd ihr klingendes Tagwerk an. Süß und hell pfeilt ein Liederstrahl durch den Duft, hängt wie ein glänzender Faden in der Lust Ach, er ist zart und dünn und noch leicht zu zerstören, die Amseln erschrecken noch selber, wenn sie sich hören. Sie müssen das Frühlingsnetz zu weben beginnen, sie müssen das zierlichste neue Muster ersinnen.

Klirrend schießen die Schiffchen von Baum zu Baum enge silberne Maschen in blauen Raum.

Jetzt blitzen die Fäden schon über jedem Haus Die Stadt hängt im Amselnetz. Sie findet nicht mehr heraus.

Haudweker im Vogelreich.

Bon Dr. Karl Richter.

Alle Vögel sind schon da!" klingt es wiederum aus jubelndem Kinder­munde, und ebenso vielstimmig tönt ein bestätigendes Echo aus zahllosen zwitschernden und trillernden Bogelkehlen zurück. Aber nicht nur die Monde des Singens und Jubilierens lind sür die gefiederte Schar jetzt gekommen auch eine Zeit emsigster Arbeit ist angebrochen, da sie ihre oft erstaunlich hohe handwerkliche Kunst, die menschliche Geschicklichkeit nicht selten in den Schatten stellt, beim Bau ihrer Heimstätten bewährt. Als Maurer, kundig vieler Techniken dieses Gewerbes, und als wohl über­legte Architekten, als Zimmerleute und Dachdecker, aber auch als Innen­architekten und Tapezierer, als Weber und Seiler wie als Gartenkünstler und noch in manchem andern Bers stellen die Bewohner der Lüfteihren Mann".

Welche erfahrenen Baumeister zählt z. B. die weit verbreitete Familie der Schmätzer unter ihre Mitglieder! Nicht umsonst nennen die Spanier den aus Malaga heimischen Vertreter dieser Gattung Pedrero, d. h. Stein­metz, da er sich als ein Meister dieses Handwerks beim Bau feiner Wohn­stätte zeigt. Aber auch (eine in andern Ländern ansässigen Vettern, die vielfach ein Baumloch als Nistgelegenheit wählen, erweisen sich als treff­liche Maurermeister, indem sie in diese Höhlung zunächst die soliden Fun­damente einbauen, um dann beim Eingang eine feste Zementmauer zu errichten. Mit welcher Sorgfalt wird die Bereitung des Mörtels vor- genommen, wie gründlich verrühren sie Sand und Gips, daß es der gewiegteste Kalkanrührer nicht besser zu tun vermöchte! Mit ihren kleinen Schnäbeln und Füßen tragen sie winzige Steinchen herzu und bauen sie Stück für Stück zu einer das Nest in zwei Wohnräume teilenden Scheide­wand auf. Der Pedrero verwendet zu diesem Zweck bis 280 Steine neben den 70 bis 75, die das Fundament bilden. Ist der Eingang zum Baum­loch weiter, als ihn der neue Mieter benötigt, dann wird er durch eine besonders feste, man m"chte sagen: Betonwand, verengt, um größeren Feinden den Eingang zu wehren. Hie-- entfaltet besonders der Kleiber seine Kunst: er bezieht gern die vom Specht gebauten Behausungen, macht aber die von diesem geübte Politik der offenen Tür nicht mit, son­

dern führt eine nur eine kleine Oessnung freilassende Wand auf. Zu diesem Bau wird Lehm oder andere klebrige Erde mit Speichel angeseuchtet, wie es auch die Schwalbe tut, und Stückchen um Stückchen feftgetleibt", genau jo wie es beim Zumauern einer Türöffnung in einem Menschen, hause geschieht. Die zwei Zentimeter dicke Wand ist nach dem Trocknen so fest, daß ein Einbrecher sich an ihr mit Stemmeisen und Meißel ver­suchen müßte.

Nicht bloß als einfache Maurer, sondern als wohlüberlegte Architekten, die ihre Bauweise den Forderungen der Umgebung anpassen, bewähren sich die Wasierhühner. Das schwarze Wasserhuhn, das sein 'lieft gern auf Schilsbüschen im Wasser anlegt, muß während der Brutzeit bisweilen die unangenehme Erfahrung machen, daß seine Nachkommenschaft durch das Steigen des Gewässers in Gefahr kommt. Doch es weiß sich in solcher Lage zu Helsen: es stockt gleichsam von unten her das Haus auf, indem es den gewöhnlich aus Schilf bestehenden Unterbau erhöht. Umgekehrt be­gegnet dos Rotbläßhuhn, das meist feine Nester in Weidendüfchen mit dem Boden unter der Wasseroberfläche anlegt, dem sommerlichen Sinken des Spiegels, indem es sich eine Treppe oder wenigstens eine schiefe Ebene als Aufstieg zu seiner Wohnung aus dürren, ineinander ver­flochtenen 'Heften baut, die oftmals dreiviertel Meter lang ist: denn da es schwimmend nicht mehr den Nestrand erreichen könnte, bedarf es dieser Brücke.

Daß es in vielen Lebenslagen gut ist, ein Dach über dem Kopf zu haben, wissen ebensalls viele Vögel, die mit geschickten Dachdeckern der Menschenwelt wetteifern. So weist das Elsternest stets als Krönung ein kegelförmiges Dach auf, das aus ineinandergeflochtenen Dornenreisern besteht und freilich mit seinen Lücken mehr einem bloßen Dachstuhl als einem fertigen Dach gleicht; dennoch gewährt es feinem Bewohner Schutz gegen größere Raubvögel. Als Dachdecker von hohen Graden erweist sich der Wafferstar. Da er gern unter Wasserfällen brütet, bedarf er eines Regendaches das er aus fest verflochtenen, schirmartig bis zu 8 Zentimeter über den Nesteingang herabhängenden Halmen errichtet; mit [einem schnell wachsenden Ueberzug aus grünen Wasserpflanzen erinnert es an moos­bedeckte Scheunendächer und bildet einen vortrefflichen Schutz gegen das vom Wasserfall sprühende Nah wie gegen Regengüsse.

Betätigensich alle diese Vögel, auch der durch seine Zimmermannskünste allbekannte Meister Specht als Handwerker und Arbeiter des Baugewer­bes, so gibt es andere Nestbauer, die bei diesem Werk sich als Schneider, Weber und Seiler bewähren und ihr Heim oftmals mit felbstgesertigtem Material zusammennähen oder -weben. So erweckt manches Grasmücken­nest den Eindruck, als sei seine Wand aus einem gedrehten Strick gemacht, jo sorgsam hat das Vögelchen Halme und Fasern spiralförmig ineinander- geschüingen. Wie ein richtiger Filzwirker geht die Beutelmeise beim Bau ihrer charakteristisch geformten Wohnstätte zu Werke, indem sie meist Wolle, seltener Tierhaare oder Bast um einen dünnen, herabhängenden Zweig, der sich ein- oder zweimal gabelt, schlingt und jo das Gerüst eines Beutels bildet, dessen Seitenwände bisweilen unten wie zu dem Boden eines flachen Körbchens zusammengezogen werden. Erfolgreich pfuscht der Zistenjänger dem Gevatter Schneider ins Handwerk, wenn er die Blätter, die die Wände seiner Behausung bilden, zusammennäht; dabei sticht er in den Rand kleine Löcher und verbindet sie mit einem ober mehreren aus Spinnweben oder Pslanzenwolle gefertigten Fäden. In ähnlicher Weife geht der Schneidervogel beim Nestbau vor, der fein starkes Näh­garn aus roher Baumwolle spinnt, wenn es ihm nicht gelingt, einen geeigneten dünnen Bindfaden zu finden. Durch bewunderungswürdige Kunstfertigkeit zeichnen sich die Nester der tropischen Webervögel aus, denen in bescheideneren Grenzen bei uns Stieglitz und Buchfink nach­eisern. Die Schöpfungen ihrer exotischen Vorbilder bilden, immer in größeren Kolonien aus einem Baume auftretend, in manchen Gegenden Mittelafrikas und Indiens einen charakteristischen Schmuck der Kronen. Ihre aus Pffanzenfasern und Halmen, die durch Speichel biegsam gemacht werden, in überaus kunstfertiger Weise zusammengeschichteten und ver­wobenen Bauten besitzen eine so hervorragende Dauerhaftigkeit, daß sie jahrelang den Unbilden der Witterung Widerstand leisten. Manche Ver­treter dieser Vogefart, wie der Mahaliweber, bauen ihr Heim zu gepan­zerten Festungen aus, indem sie Dornen mit den Spitzen nach außen einflechten, um jeden feindlichen Angriff auf diese Weise abzuwehren. Die Bewunderung der Werke dieser Meister der Webekunst spiegelt sich in den Sagen einiger Eingeborenenstämme wider, so in der malaiischen Legende, daß derjenige, dem es gelingt, eines dieser Nester auseinander» zunehmen, ohne dabei einen den Bau bildenden Halm zu zerbrechen, in seinem Innern eine Goldkugel findet.

Nicht weniger Sorgfalt und Kunst als dem Außenbau widmet der gefieberte Handwerksmeister der Innenarchitektur des Heims. Wie behag­lich und mollig das Innere manches Nestes mit Moos, Wolle, Tierhaaren, Federn und allen sonst erreichbaren weichen Dingen ausgepolstert wird, daß es der geschickteste Tapezierer nicht besser machen kann, ist allbekannt. Aber auch die Forderung:Schmücke dein Heim!" hat in der Vogelwelt verständnisvolle Jünger gefunden. Hier fei besonders des in Australien heimischen Laubenvogels gedacht, der den Begriff Heim recht weit faßt und dazu auch eine Gartenlaube mit einer Laube rechnet, die nicht dem Brutgeschöft dient. Diese errichtet er meist aus in die Erde gesteckten Pslanzenstengeln, deren Spitzen und Gabeln sich oben vereinigen, und schmückt sie mit allen möglichen bunten Gegenständen, deren er habhaft werden kann, wie Muschelschalen, Schneckenhäusern, leuchtenden Papa­geienfedern, Steinchen und Knochen. Der Gärtnervogel oder Tukan Kodon auf Neu-Guinea legt vor dem Haupteingang seines Lusthäuschens häufig eine Freifläche mit Moos an; diesesRasenparterre", das er mit öfters erneuten bunten Blumen und glänzenden Infekten bedeckt, bildet einen reizenden Miniaturgarten.

Noch mancher andere Beruf, den wir in der Vogelwelt nicht vermuten würden, ist hier in überraschender Weise vertreten. Der Specht z. B., der hauptberuflich als Zimmermann wirkt, betätigt sich daneben bisweilen als Straßenkehrer, indem er die ausgemeißelten Holzspäne sorgfältig aufsammelt und wegträgt, wie man auch eine ähnliche Tätigkeit bei