Ausgabe 
24.3.1933
 
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aen der Seit ZU nehmen. Aber beiden gemeinsam ist das Einzigartige, Graste daß sie am Schnittpunkt zweier Epochen als wahre frei verant- wörtliche Führermenschen den entscheidenden Schritt ins Dunkle hinein waaen' dast die Krisis einer ganzen Generation in ihnen zum Aufbruch kommt' und daß in ihrer eigensten, inneren Welt aus den Trümmern der ^MNnL7ten7st dnerPiener großen Unvollendeten, der, mehr als nier Jabrbunberte nach feinem Erlöschen, heute frei sichtbar nm geistigen Horizont LsLes VolL' emporjteigt. Klosterfchüler und Ritter Poet und Politiker ein ewig suchender Stürmer und Dränger, so zieht der große Niemand" wie er vorahnend eine seiner ersten Dichtungen benennt heimatlos durch Deutschland und Europa vom Gestade der Ostseebis.tief herab in den Süden nach Rom und westwärts gen d"is. Auf deutschen iiocb cbulen in Erfurt und Frankfurt an der Oder, in Rostock und Greifs uMä rinnt' er, von Rot und Krankheit verfolgt, unstet und ziellos um die geistige Formung seiner Persönlichkeit, um das Wissen der Zeit. Aus den ^Universitäten zu Padua und Bologna, im Verkehr nut italienifchen und deutschen Humanisten tritt er der unvergänglichen Dichtung der Alten den geistig bestimmenden Mächten der Zeit nahe. Am kaiserlichen Hof.3» Wien wird der jugendliche Poet von Maximilian, demletzten Ritter mit dem Dichterlorbeer gekrönt, im Dienst des Mainzer Erzbischofs geht

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Herzen die Not und Schmach des Heiligen Römischen Reiches u> er be^en Trümmern (ein deutsches Vaterland verschüttet liegt. Aus der Buhne Eu­ropas vollzieht sich das tragische Schauspiel, daß ein srar^oslscher Komg und ein spanisch sprechender Habsburger um den einst Europa beherr­schenden deutschen Kaiserthron kämpfen. Die Herzen aller Patrioten, aller deutscher Humanisten, eines Hutten fliegen dem pingen Habsburger Karl zu. Von ihm erwarten alle sehnsuchtsvoll die Reform des Reiches, Kirche, die Erhebung gegen die Uebergriffe Roms, das das verarnüe Deutschland auspreht und in dem dumpf garenden Volk ,ede freiheitliche

L'eidenfchaMühE'wendet Hutten, vorwärtsgepeitfcht von nationalen und religiösen Antrieben, sich gegen den Papst und kämpft, lange vor Luther, gegen Ablaß und päpstliche Schlüsselgewalt. Aber fur ihn^ist die Erneue­rung der Kirche eine politische Frage, sein Ziel ist die «chasfunq einer deutschen Nationalkirche. In diesem Gedanken geben seine fioffm ngen auf den jungen deutschen Kaiser, richten sich seine Blicke aus den Witten berqer Prediger, um dessen Haupt sich von Rom diesseits und lenfeits der Alpen immer drohender das Unwetter zusammenzieht.

Gleich Luther beginnt Hutten, der bisher lateinisch schreibende Huma­nist seine Schriften in Deutsch zu schreiben, um an das Ohr der ganzen Nation zu bringen. Anklage aus Anklage gegen kirchliche und pabtische Sklaverei geht hinaus, immer enger schließt er sich ernten mächtigen Söldnerführer Franz von S i ck i n g e n an nur das ^sh^rt, so g.aubt Hutten, kann bei, Gordischen Knoten lösen. Vier drängende Briefe schreibt er vor dem entfcheidungsreichen Wormser Reichstag an Luther, um ihn für den offenen Kampf zu gewinnen. Aber dieser, der Huttens mutiges Vorgehen anfangs warm begrüßt hat, hält fick, bald.zurück und schreibt an feinen Freustd S p a l a t i n :Ich will nicht, baß mit Gewalt und Totschlag für das Evangelium gestritten wird." Der große Schmit zwi­schen den beiden Männern und ihren Ideenwelten wird offenbar. Die geschichtliche Entwicklung gibt bald Luther recht der in immer größerer Vereinsamung sich vollziehende Cndabschnitt von Huttens Kampf beginnt.

Vor dem in Luthers Bannbulle ausgesprochenen Auslieserungsver- langen des Papstes vom Juni 1520 flieht der erkrankte Kampfer unter Sickingens Schutz, auf besten Festung Ebernburg bei Kreuznach. Von hier gehen Huttens beutfche Schriften an alle Fürsten unb ©tonte ber Nation, von hier richtet er an ben jungen Kaiser Karl seineKlag und Vermannung roiber bie Gewalt bes Pavstes", bie bnrch ihre verzweifelten Herzenstöne heute noch mächtig ergreift. Befchwörenb ruft er Karl zu. , Dafür, baß ich bas Vaterland retten wollte, soll ich selbst untergeben! Weil ich aller Ketten zu brechen begann, soll ich gefef(elt werden? Ein Falscher soll ich genannt werden, weil ich die Wahrheit lehrte, getötet soll ich werden, weil Ich zu leben aufforberte? Wie lange noch gebenten mir sonst ben stärksten Königen unb Völkern unbesiegt, lügenhaften Bullen unb eitlen Fabeln gehorsam zu fein? Ist benn alle Manneskraft erloschen? Alle Stärke gewichen aus unserem beutschen ßanb? Ist denn gar kein Geist, kein Vaterland, kein Sinn uns geblieben?" Unb bie ganze, zum Letzten entschlostene Tapferkeit tiefes Herzens klingt aus dem Schreiben, bas Hutten im Jahre 1520 an ben Kurfürsten Friebrich von Sacksen richtet:Kann ich aber ben Branb nicht entzunten, so will ich doch tun, was ich vermag unb nichts tun, was eines tapferen Ritters unroürbig ist. Nimmer will ich weichen von bem, was ich mir vorgenommen habe ... herben kann ich, Knecht fein aber kann ich nicht unb kann Germanien auch nicht geknechtet fehen. Doch manchmal brängts mich, ich will bie beutfche Treue anrufen unb schreien:Wer wagt mit Hutten fein Leben für bie öffentliche Freiheit? Wachet auf!" .

Es finb bie großen Tage vorn Reichstag zu Worms 1521. in benen weit über Huttens Cinzelfchickfal hinaus bas Schicksal ber beutschen Nation auf Iahrhunberte sich entfdjeibet. Der Habsburger Karl stellt sich gegen bie Sache ber Reformation, bie großen Hoffnungen auf ein deutsches Reich, eine deutsche Kirche, zerfallen in Nichts. Aber bie päpstlichen Dele­gierten in ber alten Reichsstabt Worms zittern vor ben Drohungen Huttens, vor bem Druck ber S'ckingifchen Sölbner auf ber nahen Ebern­burg. Nächtliche Anschläge lassen ben brohenben Zusammenschluß ber beutschen Ritter unb Bauern ahnen, ber päpstliche Nuntius Alexanber wagt bie Bulle gegen Luther, bie auch Huttens Namen als eines Ver­folgten trägt, nicht zu veröffentlichen. Kein Bilb ist in jener Zeit im deutschen Volk verbreiteter als ber Holzschnitt, ber ben auf die Bibel weisenden Luther dem deuttchen Ritter Hutten, dessen Schwert in ber Hanb ruht, gegenüberstellt. Martin Luther steht wie ein Fels im Sturm, aber Kaiser unb Fürsten sehen nicht, was bem beutschen Volk nottut, sie hören nicht ben Ruf nach Reform bes Reiches unb ber Kirche. Sictmaen fällt im Kampf mit feinen Feinten, Hutten flieht, körperlich und seelisch gebrochen, in bie Schweiz, wo Zwingli dem Heimatlofen, Tokwunden,

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dunklen loqcure» ein tlemer I Dn [Q&cn rojr dann ohne viel >

meiner Seite an den Stemstufe der. ^°la allerhand leise

zu reden nebeneinander, wahren ch aus^^ einrQ(j)e Melodie summte. Akkorde griff und dazu h ) h^chetlichen Nachbargartens, dessen

WWZ-WWM 8MZWMLZ UWM-MWW MZWMZnSM S? Othmar bingeteut ist Nächst dieser auf einer alleinstehenden Bank rofteten wir auf dem Rückweg noch ein Weilchen, unter einem ÄMmel, der zwar unendlich wett, aber bis an den Horizont mit blaugrauen Wolken bedeckt war. Es war ein drückend schwuler Abend und die Luft unbewegt wie vor dem Ausbruch eines Gewitters. Lange faßen wir dort, der Vater müde verfallen und bleich, die Mutter nur wenig und fehr behutsam redend und ich ungefragt und daher schweigens Endlich - es war schon ziemlich dunkel geworden verabredeten bie Eltern, bas Abenoetzen m einem bem Hauptplatze nahe gelegenen Gastgarten der Wirt hieß damals Deifenhofer allein miteinanber einzunehmen, intesien ich nach Haufe geschickt würbe. So trennten wir uns vor dem Valzachifchen Haus .

»TiÄ'Ä** W» >? «-,» »>»'"* morben Ich kam eben noch zurecht, um bei ihrem Abendgebet an ihrem Betteten 'zu fitzen, wie bie tägliche Gewohnheit war.Müde bin ich, geh zur Ruh" Sie hatte es ja von mir gelernt, fo wie sie alles von m.r gelernt hat: Schreiben in ungefügen Buchstaben, Zeichnen unb Malen mit Wasserfarben unb bas kleine Einmaleins lange bevor sie in bie Schule kam. Dann verzehrte ich noch mein Abendbrot "nd bttilte mich, 3u meinen Steimtufen zu gelangen, um mein kleines Mädchen nicht zu versäumen ben Blick in bas Dunkel bes Torflures geeichte , bem es von Setunbe zu Setunbe enttauchen muhte. Von bort her aber kam an btefem

Da winben'plötzlich von ber Straße her beite Flügel bes Tores hastig geöffnet. Im rötlichen Gaslichtdämmer des Marktplatzes sammelten sich vor der Einfahrt Menschen an, unb schon im nächsten Augenblicke, ehe ich mir, bem Flur zueilend, bies olles beuten konnte, schwankten bie Lichter einiger Stallaternen unter bie schwarze Wölbung. Schwere und doch merkwürdig behutsame Schritte hallten mir entgegen. In d e beklom­mene Stille schiuchzten nur kleine hilflose Wehlaute meiner Stiefmutter. Es waren Knechte und Schankburfchen des nahen Gasthofes, bie meinen bewußtlosen Vater brachten...

Ulrich von Wulfen.

Von Dr. Heinrich Bauer. GDS.

Heinrich Bauer schrieb ben großen biographischen Roman Oliver Cromwell ein Kamps um Freiheit unb Diktatur , ferner in ber ReiheSchriften an bie Nation" das BuchDas Schwert im Osten".

Seit den großen Tagen ber beutfchen Geschichte, feit ben ^ahrhunber- ten der Sachsen- unb Hohenstaufenkaiser, bie ben beutschen Kaiserthron »um Herrschersitz Europas machten unb beren Herrlichkeit im ftampf mit Papstgewalt unb Fürstenwillkür zerbrach, lebt im Volk ber Deittschen bie Sehnsucht nach bem Reich. Am glühenbsten stammt sie in ben Tagen ber tiefsten Ohnmacht, ber größten Zerrissenheit auf wir Lebenden sind Zeugen biefer unverlöfchlichen Flamme, bie im tiefen Dunkel unserer Tage immer Heller unb steiler aufsteigt.

Wir haben in einer Zelt, als ber Traum vom Reich fast vergessen war, in ben Tagen bes versinkenben Römischen Reiches Deutscher Nation, ein­mal bie tragische Erscheinung eines beutschen Kämpfers gehabt, bie, wie eine Fackel in ber Nacht aufleuchtenb, balb roieber versank unb beren Licht doch mit brennenbem Glanz bis in unsere Tage herüberleuchtet, ben glühenben Kämpfer aus ben Tagen von Reformation unb Humanismus, von Bauernkrieg unb Ende deutschen Rittertums Ulrich von

Hutten.

Nicht feine Leistung an sich ist das Unvergängliche, fein Werk bleibt unvollendet, fein Leben erlischt mit fünfunddreißig Jahren in tragischer Einsamkeit unb Verkennung wie das Heinrichs von Kleist. Aber feine Gestalt, fein Leben bleibt, zum Symbol geworden, unvergänglich, weil hier Aufschrei und Tat wurde, was vorher in Millionen deutscher Herzen nur als dumpfe Sehnsucht gelebt hatte.

Wenige schicksalsvolle Jahre hindurch kämpft Hutten in einer Front mit dem um fünf Jahre älteren Reformator Martin Luther für die Freiheit der Nation und bie Freiheit bes Chriftenmenfchen, zwei in vielem verwanbte unb boch fo polare Naturen. In bemfelben Jahr, als ber Mansfelder Bergmannsfohn, bem Ruf feines Gottes folgenb, ins Kloster eintritt, um aus ber liefe feiner Seele heraus um eine innerste persönliche Beziehung zu dem Ewigen zu ringen, entflieht ber fränkische Rittersproh ben Sloftermauern, bie ihn einschließen, um mitten im Ge­triebe der Welt lebenbigen Anteil an ben nationalen unb politischen Fra-