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Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'fche Univrrs itätS-Vuch» und Steindruckerei. R. Lange, Vieben.
^Er"will mit dem Nachteilzug nach Bombay fahren", wurde mir Antwort des Inders verdolmetscht. .
Was hast du in Bombay zu suchen?" wollte der Captarn wissen.
'Ülam Singh zuckte die Achseln, ließ den Kops hängen und gab keine
MntlDrei6ifl Rupien. Mein letztes Wort!" ries Elliot. Er setzte seinen Stolz darein, mir zu beweisen, dah ich der ewig betrogene Fremde sei, und, wie gut hingegen er die Leute zu behandeln wisse. Mir war seine Einmengung lästig, aber ich konnte mich ihrer nicht gut erwehren.
Ulam Singh schüttelte aus das Gebot der dreißig Rupien bekümmert den Kopf und blickte im Garten umher, ob da nicyt noch etwas wäre, was er mir anbieten könnte. ___
„Kommen Sie, Baron", drängte Elliot und zog mich zum Ausgang. „Ich kenne den Orient. Fünf gegen eins: Der Kerl kommt Ihnen in einer Viertelstunde nachgelausen "
Wir verließen den Garten. Ulam Singh begleitete uns trotz des zerschlagenen Handels mit der gleichen unterwürsigen Höflichkeit, mit der er uns empfangen hatte, auf die Straße. Als der Wagen rollte, traf mich fein letzter bittender Blick. • . ...
Ich war ärgerlich und schlecht gelaunt. Mich verdroß die wenig rücksichtsvolle Art, in der mir Elliot seine Kenntnis der indischen Handels- brauche demonstriert hotte. „Der Mann ist mir nicht nachgelausen, Cap- Iain", (cwjte ich, als wir in der Nähe des Hotels waren. „Ich muh dle Orchideen haben. Fahren wir zurück."
„Wie Sie wünschen", gab Elliot zur Antwort. Wir kehrten um. Eine Viertelstunde später standen wir vor Ulam Singhs Garten.
Wir riesen, ohne Antwort zu bekommen. Der Inder war nicht zu
Wir traten «In. Elliot ging voran. Der Garten war leer. Die Mittagsglut trieb uns den Schweiß ins Gesicht. Wieder stieg mir der Hanfgeruch in die Nase, diesmal aber stärker und beißender.
Elliot war mir, wie gesagt, um ein paar Schritte voraus. Mit einem Male blieb er stehen.
„Wir sind falsch gefahren", sagte er. „Das ist nicht der Ort, den wir suchen."
„Aber wieso denn?" rief ich Dort steht la der Ganisa. Hier das Bassin mit den blauen Lotosblumen. Und da ist ja noch der Jasminstrauch mit den weihen und roten Blüten!"
W"?starrte?'all^d?e7 einander in, Gesicht. Dort, roo eine halbe Stunde vorher die Orchidee mit ihren gelbroten Bluten mannshoch empor» geklettert war, stand jetzt wieder eine schmächtige grüne Pflanze — b e» W. di- ich am Morgen gesehen hatte, ,° klein, daß sie em Tropenhelm hätte bedecken können.
Fawcett brach zuerst das Schweigen. . .
wünsche Ihnen Glück, meine Herren , sagte er. „Sk sind durch Zufall Zeugen eines sehr charakteristischen indischen Sadhu-Experimentes ZVn S Ahnen Herr Baron, wenn Sie Indien verlassen haben, ein bleibendes Andenken sein wird. Richt jeder Indienfahrer hat das Glück lolck eine interessante Reiseerinnerung mit nach Hausezu nehmen. ^ ^FameAt"hüte wahrhaftig nicht, wie prophetisch diele Worte warem Ulam Singhs Experiment wäre mir ohne Ihre Hilfe, Doktor, ^rklich ein bleibendes Andenken geworben ... aber eines von furchtbarer Art. Was Fawcett aber eigentlich meinte, verstanden wir nicht. Der Gapto'” hatte ein halb verlegenes, halb fteM-hes und ich habe damals
wahrscheinlich auch kein sehr kluges Gesicht gemacht „ . „ .
hin seit achtzehn Jahren in Indien , erklärte Fawcett. ,Zch habe allerlei ^akirkünst? gesehen. Bei mir zu Hause besitze ich ein ziemlich umfangreiches Dossi^ mit Protokollen über Erlebnisse mit, indischen Sadhus. Dieses Experiment hab« ich jetzt im ganzen funfh^i beobach Einmal an einem Mangobaum, zweimal war eme Bohnenranke das Objekt, einmal ein Zuckerrohr, heute diese Orchidee , .
„Was ist eigentlich vorgegangen? fragte ich. „Reginald, glauben tote im handelt es sich nicht mehr um .glauben". Das sind keine Der» mutunqen 5ür mich sind's bestehende Tatsachen. Ihr Gartner ist zweifellos ein Sadhu, ein Hinduheiliger. Er scheint freilich em Anfänger zu fein, etwa im Stadium der Yama, der sogenannten äußeren Bezwingung, die dem Sadhu gewisse höhere Kräfte^ in -^ Linie die Her^chaft über ben Organismus eines fremden Wesens verleiht. Die Art ses ^xper« mentes läßt auf einen Adepten von wenig entwickelten Fähigkeiten ickliesten Aber ich habe auch schon Sadhus in der achten Stufe der Andacht gesehen. Im Samadhu, der .Versenkung in sich selbst. S>« verleiht Gewalt über den Organismus, die weit schwieriger zu erlangen und über»
fSn"L u”ÄeÄS. f£" Ä« betmmÖ Ä ""ÄH* !--«>« ich un» M »1. >iuH du.» dl- N-I- KMZWmW gleichen yuge^lide fiel mein Blick auf etwas anderes, das vorher gleich- *aUeine4Ubönen)beiaa”eQrmannsf)01)e Orchidee rankte sich an einer Hölzer- M-LLWWMZW
Ich^muß ein verblüfftes aber verwirrtes Gesicht gemacht haben, den beiden andern fiel es auf. .
„Baron? Was gibfs denn? fragte ber Offijter.
Schauen Sie die Orchidee dort an! sagte ich.
"ma ja hie Pflanze, beretroegen mir hergekommen sind. ..... "Nun: ich erkläre Ihnen, die Pflanze war heute morgen noch nicht da.
CS' Fawcett'zog^noch immer die Luft durch die Rase: Sie tneinen", sagte er, „daß die Orchidee wahrend Ihrer dresitundlgen Ab- Wesenheit aufgeblüht und die Stange emporgeklettert 'st? „
Nein das-wäre absurd. Das zu behaupten, wäre lächerlich.
Reginald gab kein« Antwort, sondern hatte mit Ulam Singh einen kurzen Wortwechsel im Maharattabialekt. lmm._
Er saut" wandte er sich dann an mich, ,chaß die Pflanze immer dagestanden sei. Sie hätten sie nur vorher nicht beachtet. Er behauptet, G'e Neim" Jch^hÄre gute Augen. Sie können mir glauben, Reginald, die Pslan'ze war heute morgen nicht da."
SVarocett sprach neuerdings em paar Worte zu Ulam Singh.
„Er meint", sagte er bann, ,/bie Orchidee sei °m Morgen im Schatten der Ganisasigur gestanden und deswegen in ihrer garbenroirtung beeinträchtigt gewesen. Darum habe er Sie gebeten, fpater wieder zu kommen.
Mich befriedigte diese Erklärung nicht Gaptain EUio war 'ndessen ungeduldig geworden. „Nun, was verlangst du für die Pflanze? fragte
" ^Dredundvierzlg Rupien? Bist du toll, Nigger?" ... Wenn Captain Elliot wütend war, dann erklärte er jeden, der nicht aus der Londoner G‘XCSgHUtStSTCroort den Swergjasminstrauch neben die Orchidee und legte die Nelke mit dem roten Zeichen des V'lhnu dazu. Dann beschrieb er mit den Fingern einen Kreis um die drei Pflanzen. Alles zusammen kostete dreiundvierzig Rupien.
Man darf den Leuten niemals geben, was sie verlangen", entschied der "Offizier kurz und bündig. „Bieten Sie ihm die Hälfte. M
Ulam Singh hatte ihn verstanden und schüttelte heftig.den Kopf. Fragen Sie ihn doch, wozu er das Geld braucht! sagte ich
0U5®Iauben^Sie mir, Doktor, mir wurde ganz wirr im Kopfe bei diesen Worten. Elliot flüsterte neben mir ganz leise sein Nonsence .
Haben Sie niemals die Beobachtungen Braids gelesen, die dieser berühmte Physiologe an dem Yoghi Haribo angestellt hat? Und semen Bericht über ben abgeschnittenen Ringfinger bes Hmduweibes toipra? ^"^.Aber, Reginald, die Erklärung! Eine biologisch faßbare Erklärung baf“r®ier6abtu9 haben bie Fähigkeit das Wachstum eines^fremden Organismus ganz außerorbentlich zu befchleumgen und ihn bann wieder in feinen ursprünglichen Zustanb zurückzubringen. Vielleicht mittels Strahlungen bes Körpers. Dungmittel insubstanzieller Natur --man weiß^daruber so gut wie nichts. Sicher ist, baß die meisten Sadhus sich durch ben Dampf gewisser Hanspräparate in einen R°uschzustanb versetzen ... sie nennen es, ber Gottheit naher kommen. Mir 'st der Hans geruch gleich ausgefallen. Wollen Sie mir helfen, ein Protokoll über ben Vorfall aufzunehmen? Für mein Dossier, meine Herren.
So habe ich also Ulam Singhs Experimente kennengelernt Ihn selbst suchten und riefen wir eine halbe Stunbe vergeblich. Er zeigte sich nicht unb so verließen wir ben Garten. „ ,,
Am Adenb besselben Tages saß ich in Hannltons Hotel am Table d’hote-IHtf). Das Souper war beenbet, die Diener räumten bas Obst ab unb brachten bie bronzenen Karossen mit Wasser, in bem wir uns die Fingerspitzen netzten. Eben, als ich ausstehen unb aus mein Zimmer gehen wollte, kam noch ein verspäteter Gast in ben Speisesoal. Dr. König von ber Ctmnlehr aufgeregt an ben Tisch, jebermann konnte ihm anmerken, daß er im Besitze einer besonberen Sensation war und darauf brannte, **e ^Asto^aus^ ber Prozession wirb nichts. Sie haben umsonst fo lang gewartet, Herr Baron!"
„Warum? Was ist geschehen?" bestürmten wir ihn.
„Eine kolossale prügelet zwischen Hmbus unb Moflems. Sogar „Wahrhastig?bHier hat man aber nichts gehört! Geschossen? Waren Sie dabei? Was war bie Veranlassung?" rief alles burcheinonder.
Dr König wußte es nicht. Er verstanb keinen der Eingeborenen- Dialekte, unb ihm auf englisch zu erklären, was eigentlich vorgefallen war, hatte sich niemanb Zeit unb Mühe nehmen wollen.
Aber ber Holelbirktor, ber jetzt in ben Speisesaal kam, wußte mehr von ber großen Neuigkeit. , . .
Sehr schwere Unruhen in ber Oftftabt. Die große Prozession nm» (eiber nicht abgehalten werben", sagte er in bem gleichen Tone bes Bedauerns, in dem er uns sonst bekannte, daß die gefüllten Tomaten ans- gegangen feien, ober baß es Kalbsrippen leiber nicht mehr gäbe.
„Unb ber Anlaß zu ben Unruhen?" fragte ich.
„Ein schweres Sakrileg. Wie Sie wissen, sollte morgen das heilige Buch, bas bie Gebete zu Ehren ber Göttin Pravoti enthielt, ein über tausend Jahre alter Foliant übrigens, mit ber Prozession durch die i Straßen getragen unb ben Gläubigen zur Schau gestellt werden. Nun, ! dieses heilige Buch — Gaunth nennen es bie Hinbus — kann nicht 1 gezeigt werden."
„Ist es gestohlen worben?"
„Weit schlimmer als bas: Es ist zerrissen unb besubelt worden, noch bazu mit Blut eines Tieres, einer Kuh ober eines Schafes. In den Augen der Hindus kann es keine ärgere Entweihung geben.“
(Fortsetzung folgt.»


