Ausgabe 
20.3.1933
 
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Töne und Geräusche riefen gleichfalls Traume hervor. Eine vibrierende Stimmgabel wurde an das Ohr einer Berfuchsperfon gebracht, sie sah und hörte im Traum eine Gruppe von furrenden Flugzeugen, bte m Kampf- ordnuna angeordnet waren. Vielleicht handelt es frch hier um Wiedererleben eines Eindruckes, den der Schläfer kurze Zeit vorher m einem Tonfilm gewonnen hatte. _ _ m

Auch Reizung des Gefühlsfinns kann Traume erzeugen. Der Rucken der rechten Hand einer Berfuchsperfon wurde dreimal mit emer fernen Pinzette leicht gezwickt. Der Student träumte, eme Ratte ie, aus ihrem Loch hervorgekommen und habe ihn gebilfen. Auf die Frage, wohm ihn die Ratte gebissen habe, antwottete er:Auf den Rücken der rechten Hand.Welche Farbe hatte die Ratte?»Sie war schwarz» »Was taten Sie, als S,e ge- biüen wurden?"Ich bewegte die Hand, daraus schlüpfte ine Ratte m rhr Loch zurück." In Wirklichkeit hatte der Student aber während des ganzen Versuches seine Hand nicht bewegt. Er glaubte auch, während des Traumes aufgeschrien zu haben, aber auch davon war in Wirklichkeit kerne Rede. Derselbe Student träumte bei einem anderen Versuch, er seivon emer braunen Kuh mit blauen Hörnern" an der Hand geleckt worden; dieser Traum war durch leises Bestreichen der Harrd mit weichem Stoss hervor­gerufen worden.

Der häufige Traum, zu ersticken, kann hervorgerufen werden, wenn em Tuch über das Gelicht des Schläfers gebracht und dort kurze Zeit hegen ge« lassen wird; vermutlich bringt Sauerstoffmangel die Traumempfmdung hervor. Wurde die Haut mit kalten Gegenständen in Berührung gebracht, so ergaben sich häufig Träume, die irgendwie in Beziehung zu Schnee und Eis standen. Die Stirn wurde mit einem kalten Metallgegenstand berührt: der Schläfer träumte, es habe die Nacht und den nächsten Morgen geschneit und er habe einen Schneemann errichtet.

Zur Prüfung des Geruchsreizes wurde dem Schläfer Parfüm unter die Nase gehalten. Er träumte, er sei im Garten seiner Großmutter und pslücke dort Blumen. Der Dust von Kreosot ließ von einem Krankenhaus träumen uab Mi bim Vorbereitungen zur Narkose bei einer Operation.

Besonders beschäftigte Klein auch derFalltraum", ein sehr^verbreiteter Traum bei dem man die Empfindung hat, in die Tiefe zu stürzen. Es galt, den Ort im Körper ausfindig zu machen, an dem hier em Reiz wukjarn wird. Die Vermutung lag nahe, daß eme Einwirkung auf das Gleichgewichts oraan 7ui den Gleichgewichtssinn des Körvers stattsinden müsse. Es wurde b/Versuch unternommen, die Stellung des Schlafenden zu andern Zu

Veifuch wurde eine junge Studentin bestimmt. Sie wußte mch dem eiaerilicben Zweck der Probe, sondern nur, daß es sich um eme Prüfung ber^MuskeUpannung handele, damit sie durch Wissen nicht suggestiv beern- slußt würde. Sie wurde schlafend in bequemer Stellung aus 9 aebradit bet Kopf lag aus einem Krisen. Es wurde nun ein plötzlicher kurzer Dtuckau'f das Lager neben ihren Knöcheln ausgeübt; filt e'nen^-r^n Augen­blick waren die Füße dadurch niedriger als der übrige Körper. Ter Erfolg war rin Traum in dem die Schläferin in die Tiefe zu gleiten meinte.

Bei einem jungen Mann wurden elfmal solche versuche vorgenommen, und elfmal wat der Erfolg ein Falltraum. Selbst die Richtung, IN der die Verliickisverson zu fallen wähnte, konnte von dem Versnchslstter bestimmt SJ.KH «ulte Iblert«. K beiden Sei,end« «»»<« »'j»"» einem Fall unter Wasser träumen. Wurde auf die linke Seite des Kopf kissens ein Druck ausgeübt, so entstand beispielsweise eini Traum. de ^chla er !ei mit dem Kops voraus und unter Drehung nach links, in einen steuer ne-fallen Der Druck, der ausgeübt wird, soll keineswegs stark lern, ein schwacher Druck auf Kissen ober Unterlage genügte zur Hervorbringung 0°n5ie'ü1ebrtnber gleiche Traum in verschiedenen Nächten wieder? aur Prüfung dieser Frage wurde der gleiche Reiz bei oletchen Versuchs Personen mehrere Male in getrennten Versuchen angewandt, und das hatte verschiedentlich den nämlichen Traum zur Folge. I« einer ganzen Reche von Versuchen träumte der bereits erwähnte junge Mann 'mmer wieder, eine Ra e habe ihn an der Hand gebissen, wenn er mit emer Pinzette leicht

^ Damst ist aber nicht gesagt, daß derselbe Reiz bet verschiedenen Perchnen aleiche Träume auslöse Jeder Traum hangt mit der vergangenen Er­fahrung jedes einzelnen Menschen zusammen. Es wurden mehrere Ver- uchspersonen mit dem gleichen Reiz angegangen: einem fe'chten Streichen ber Saut bet Hand mit einem weichen Stoff. Der eme Schläfer träum e dabei wie erwähnt, seine Hand sei von einer Kuh beleckt rootben Derzweite träumte Ich lag krank im Krankenhaus, meine Freundin besuchte n,ich. Sie saß neben mir, hielt meine Hand in ihrer und streichelte sie. Em dritter träumte, ein großer zottiger Hund reche sich an fem-r Hand Wieder eme andere Versuchsperson träumte von emer Angorakatze, bte sich an ihrem ^ Bettuche mit einer tönenben Stimmgabel ließen ben einen vom Lärm nnn Tlnareuamotoren träumen, den anderen vom Klang einer Münze auf der Straße, ben dritten von einem lauten Warnungsfignal, bas er tn einem

Was ttat rin,"wenn einet der hypnotisierten Schläfer in rascher Folge mit verschiedenen Reizen zum Träumen gebracht wurde? Emern Schläfer wurde zunächst ein Duftstoff unter die Rase gehalten: dann.wurde er emen Auaenblick mit den scharfen Spitzen einer Wichsbürste berührt; tm Anschluß daran wurde ber Rock seines Schlafanzuges über der Brust r sch geöffnet unb roieber gefchlossen; schließlich tonte noch eine Orgelpfeife für eme toe tunbe. Diele rasch aufeinanberfolgenben Reize hatten dwfen Traum zur Folge:Ich sah einen Frileur, einen Damenfriseur. Es roch nach -harfiim unb Puber. Ein kleiner Junge kam herein, blies tn em Horn "nd rannte wi ­der hinaus. Eine Mücke stach mich an bet Stirn Ich glaube, ich war mit Anziehen beschäftigt. Die Kleiber waren noch nicht geschlossen.

Die Dauer bes Traumes wurde in einet großen Anzahl von Fallen feftaeftellt. Die Durchschnittszeit eines Traumes wahrte ungefähr 30 Se­kunden. Der Traum mit dem Autounsall dauerte 20 Sekimben. Der lurreste beobachtete Traum wähtte 5 Sekunben, ber angfte 90 Sekunben. Es hanbett sich hier nut um vorläufige Mitteilungen, bie butch größere Versuchsreihen noch geklärt werben müssen. . ,

Es würbe noch bie Frage untersucht, ob es einen traumlosen Schlaf gibt. Kann ein Traum so völlig vergessen werben, baß ber Schläfer nach bem Erwachen überhaupt nichts mehr von «hm weiß? Das ist möglich. Der So loser z B, bet von bet schwatzen Ratte bäumte, wußte nichts mehr von bem Traum, nachbem er aus bem hypnotischen Schlaf er we ckt war. Der gleiche junge Mann behauptete auch, er habe m den letzten Bier oder fünf Jahren niemals geträumt. Träume werden eben ost völlig vergessen, aber bte meisten Menschen erinnern sich ihrer nach bem Erwachen.

Die Meirichen Untersuchungen hatten vor allem em .8^1- fw wollten beweisen, baß mit ber angewanbten psychologischen Technik manches Rattel des Traumes ber mystischen Betrachtung entzogen unb wissenschaftlicher Kontrolle zugänglich gemacht werben kann. Der Zugang ru diefem Reich ist ebenso durch spekulative Betrachtung wie burch Wissenschaflliche Vor« urteile erschwert; sichere Schlüsse lassen sich nur durch exakte Versuchs« anorbnungen, wie sie hier unternommen wurden, gewinnen.

Aus -em Leben eines WUdwafferkarpfenS.

Von Otto Ehrhart, Dachau.

Nicht nur der Mensch, auch das Tier muß Glück haben, wenn es im Leben vorwätts kommen will. Welcher Naturkundige wüßte das nicht, welcher Fischer oder Jäger?Blau" der Karpsen, ist geradezu em Schulbeispiel dafür... Seine Mutter war eine höchst schlampige Rognerm gewesen. Sie hatte sicb in keiner Weise bemüht, eine für bie Laichablage besonders günstige Stelle zu finden. Nein, im Gegenteil I Damals war der Moorfiuß wett über feine Ufer getreten und dort draußen, im knietiefen überschwemmten Ried­gras, hatte sie bie Laichablage vollzogen. Es war also gar nicht verwunder­lich, baß mit ben zurückflutenben Wassern bie Eier trocken gelegt würben, daß sich allerhanb streunendes Gesindel daran gütlich tat, daß kurz ge­sagt von nahezu einer halben Million Eier nur fünfzehn Stück leben, fähig blieben. Aber auch biefe wären verloren gewesen, wenn sie nicht zu­fällig an einem losen Schilfhalm hasten geblieben, den bte verebbenden Wasser in bie Seichte eines Altwassers entführt hatten.

Urtig vorüber und fiel tn die kahlen Reben ein. Tas bedeutet Vnolürf! | WMZKMM Anita nab nicht nach: Unb wenn er boch breimal ?

Oh bas Wäre dann ein Glück, ein Segen ohnegleichen. , @

Si-bst bul Siehst du! Das ist ber brüte Fruhhng, daß ich wn W. L bringt Glück, er bringt die Stimmen des Himmels nach Tuskulum, die Singvögel! . m...

Auf Tuskulum fingen wieder die Vögel.

Die Entstehung des Traumes.

Bericht über moderne Nntersuchungsmetlioden.

Von Dr. W. Schweisheimer, München.

feuer'» ... ruft der Versuchsleiter bem jungen Stubenten zu, der

in ber Nack/vorher geschehen. Einige Balken glimmten noch em wenig, at3 "Sehende eigentlich ben Brand selbst wüten, bas Feuer lobern?", ^^Ä^Äort,wir iahen nichts von bem Feuer, es ist ber^ts vorbei. Wir sahen nur bie Ueberbleibsel des Hauses.

Dos ein Beispiel für bie Viethode, mit der bet Psychologe D. B. Kle,n ii»inerittät Deras neuerdings bem Wesen bes Traumes naherzu- kommen sucht. Als Versuchspersonen stellen sich seine.Stubenten ihm zur Verfügung Sie werben in hypnotischen Schlaf versetzt, in der üblichen Teck)- nil die baut angewandt wirb. Einige Minuten nach ber Einschläferung in etoem bequemen SeifelNorbert ber Versuchsleiter bie Schläfer auf, sich auf« wfetien unb tagt zu ihnen:Bitte, achten Sie sorgsam auf etwaige Traume, dw Sie'haben, und erzählen Sie uns alles, was Sie geträumt haben, sobald ^"Es wttb°nun'ein'Reiz auf den Schläfer ausgeübt, etwa durch Zuruf eines Wortes ( Feuer"), ober durch einen Geruchstosf, em Gerau, chusw. Dom Augenblick bes Reizes bis zum Beginn ber Traumerzahlung lauft eine Stoppuhr ste läßt bie Dauer erkennen, bie bis zum Auftreten bes Traumes nötigst Ein Stenograph schreibt alles mit, was ber Schläfer von feinem

wissenschaftliche Streitfragen sollten auf biesem Wege mit Hilfe freiwilliger unb geeigneter Versuchspersonen gelöst Werben. Amrum träumen wir? Wie lange währt ein Traum? Ruft das

einen Traum hervor? Warum glauben wir tm Traum oft zu fallens ^te,o kehren gewitse Träume häufig wieder? Spielt tich eine Traumhanblung in weniger als einer Sekunde ab, wie vielfach angenommen W"d, oder braucht auch der Traum dazu dieselbe Zeit wie das wirkliche Leben? Schon ver­schiedentlich würben exakte ähnliche Untersuchungen burchgefuhrt, bte amerikanischen Arbeiten wollen aus bem Erreichten Neues aufbauen, sie Wollen vor allem von jeber Spekulation absehen unb nur bte tatsächlichen TÄfiÄ w5 erzählte folgenben Traum:Ich fuhr mit bem Auto m d" Nahe meines Hauses. Ich hörte schreien unb hielt ben Wagen an. Ich stwg ab unb sah, daß ein anderer Wagen die Böschung hinabgestürzt war. Ein Mann kroch heraus. Er sagte, er sei nicht verletzt, aber eine andere Person hege noch unter bem Wagen. Ich half ben Wagen umkehren. Eine Frau lag herunter, he War schwer verletzt. Wir trugen sie zusammen ins Krankenhaus.Konnten Sie ben Wagen sehen?" fragte der Verfuchsletter.Ja, antwortete ber Schläfer,es war ein brauner Wagen." Der Schläfer Würbe geweckt, erinnerte sich noch an feinen Traum unb bestätigte, was er noch tm Schlaf-