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mit herüber, Elli, Sie bekommen Ihr Restgehalt
und
man
alte
Kneipkumpan
der
nute sich selbst überlaffen.
*
Bedingungen.
(Fortsetzung folgt.)
Hat
„die
sind entrecht ge- Ziege da
das Geld in- hätte er doch eben sie, Elli, seinem Büro
lassen."
Es entsteht eine Stille wie in der Kirche, hort? Elli entlassen?!
„Nur nicht so hastig", empört sich Fabisch, wird schon wissen, wie sie angefangen hat."
Doktor Wagenschanz ist aber nicht mehr
In der langen Baracke hat der Kandidat Kieselbach neuerdings einen eigenen Arbeitsraum. Ans seiner Pfeife qualmend sitzt er am Arbeitstisch, den Blick zum Fenster. Durch den Hof rennt Elli Hampel in einer wilden Aufmachung. Was hat das Kind? Gleich kommt sie wieder, schwingt sich auf ihr klapperiges Fahrrad und rast ohne jede Vorsicht zum Hof hinaus, eine alte Frau geht draußen vorüber und schreit vor Schreck.
Kieselbach legt die Pfeife weg und stürzt ins Hauptgebäude. Dort kniet Fräulein Aschenbrenner schluchzend am Boden und sammelt die verstreuten, zerknitterten Blätter. Doktor Wagen- schanz geht mit großen Schritten, vorgebeugt, hin und her. Nun gibt cs in der Fabrik keinen, der Fräulein Aschenbrenner leiden könnte. Aber alle haben Elli geliebt. WaS gibt es denn? Ach Krach, Elli ist eutlrssen, Elli? Der Kandidat denkt sich den Rest, er
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Vuch- und Eteindruckerei. R. Lange, Giehen.
„Haben Sie keine größeren Sorgen?" fährt Anion den Kandidaten Kieselbach an, der nun zum drittenmal seinen Vogelkopf hereinstreckt und sich erkundigt, ob Elli schon zurückgekominen fei. Aber bis zum Arbeitsschluß erscheint sie nicht, warum sollte sie auch, sie ist entlassen worden.
Wahrhaftig, Kieselbach dürfte sich andere Sorgen machen! Sein Chef wartet nicht geduldig ab, bis der Betrieb sich im Laufe vieler Jahre nach oben würgt, falls er nicht vorher von der gedrängten Konkurrenz zerquetscht wird oder an irgendeiner Wirtschaftsklippe liegen bleibt. Man kann dasitzen und gottergeben seine Waren fafrizieren, wie es die Väter taten, und die Zeiten kommen daher wie Wellen, die einen tragen oder zugrunde stoßen. Das kann man. Anton Wagenschanz sieht nachts im Traum die aufgesiapel- tcn Vorräte, sauber getürmte Tubenschachteln, sie sehen aus wie ein Granatcndepot, kleine Flaschen zu Tausenden, Stapel van Seife, Stück für Stück zierlich verpackt. Wird er sie verkaufen? Er gehört zu den wenigen, die sich in dieser Zeit vorwärts wagten, man hatte Vertrauen zu diesem Unternehmungsgeist, Anton konnte immer die nötigen Geldmittel zusammenbringen, zu erträglichen
von einst. Er ist jetzt der Chef. Es dreht sich jetzt umBrot für die Fran und die Kinder, da kann man nichts machen, da hält man besser die Schnauze, Fabisch patscht dem blonden Ding auf die Schulter. „Geh' zum Arbeitsgericht, Mädel", raunt ihr ein anderer zu, und man trollt sich.
Soviel Wut und Gram geht eigentlich gar nicht in neunzehnjährige Mädchenaugen. Elli möchte bitten, sagen, behaupten, aber wenn sie noch reden könnte, so fehlten ihr die Worte vor einem Haß, den sie nie zuvor empfand, und der Mund klappt nur ein paarmal ans und zu. Dann reißt sie ihr Schränkchen auf, zerrt die dünne Jacke hervor, um die Schultern damit, das 'Filzhütchen auf, sitzt schief, einerlei, und raus ohne Gruß. Zwiespältig sieht Anton Wagenschanz hinter ihr her, Hände in den Hosentaschen. Es ist Elli. Elli aus der Mansarde, Elli von der Nähmaschine, es ist die Elli aus der schweren Anfangszeit ... Und damals lieh sie
ihm ihre dreihundert Mark Ersparnisse, sie bekam zwischen ohne Zinsverlust zurück, aber vielleicht besser die „alte Ziege da" an die Luft gesetzt als Es tut ihm leid, doch wie soll er die Arbeit in sichern?
mustert die verängstigte Sekretärin mit verächtlichem Blick und wirft sich gewaltig in die Brust. „Mit Fräulein Elli stehe und falle ich, ich erkläre mich solidarisch mit ihr, und wenn sie fliegt, fliege ich auch!"
„Quatschen Sie nicht, Kieselbach!" sagt Anton.
„Ich quatsche nicht, Herr Doktor, ich quatsche überhaupt niemals! Ich bin die Seele dieser Fabrik, vielmehr ich bin ihr Kopf. Ohne mich--"
„Ohne Sie, Kieselbach, finde ich an jeder Ecke einen gelernten Rcklamemann, der nicht jede Woche das Gehalt erhöht haben will und der nicht nur dann arbeiten kann, wenn er in Stimmung ist. Wo sind die neuen Ideen, die ich von Ihnen brauche? Was mit Elli geschieht, wird sich finden. Also gehen Sie an Ihre Arbeit."
*
Es wird behauptet, jeder Mensch habe einen Schutzengel. Im alltäglichen Leben gibt es für diese Übernatürlichen Begleitpersonen so wenig zu tun, darum duselte Ellis Schutzengel wahrscheinlich ein bißchen, sonst wäre der Krach eben nicht passiert. Aber als die schwere Schreibmaschine zu Boden rasselte, wachte Ellis Schutzengel mit einem Ruck auf.
Er eilt milde und begütigend neben ihr her. als sie hinaus- lüuft, wobei er aufpassen muß, daß sie sich in ihren blinden Tränen nicht am Türpfosten stößt. Er richtet es schwierig genug im letzten Augenblick so ein, daß sie die alte Frau vor der Fabrik nicht überfährt. . , _
Elli braust auf ihrem Fahrrad stadteinwärts, dermaßen schnell, daß ihre hübschen Beine wirbeln, auch die grünen Schlüpfer aus dem Saisonausverkauf kommen zur Wirkung. Der Schutzengel blickt verlegen beiseite. Er hat seine silbernen Fittiche entfaltet und schwebt vorsichtig neben ihr. Schon wochenlang hatte er Elli gewarnt, der Fahrradrahmcn habe einen Riß, eigentlich wollte sie auch schon lange nicht mehr damit fahren, aber bisher hielt die Geschichte. „Sei doch ein bißchen vorsichtig", raunt er ihr zu, „pass doch ein bißchen auf, du bist doch hier nicht allein auf der Straße!"
Sie aber, taub und blind in ihrer Kränkung, rast dahin. Sie nähert sich einer Kreuzung, hinter der ein Vierfuhrwerk rasselt, sie hört es nicht. Aber der Schutzengel hört es," und als alle Ermahnungen nichts nützen, schlägt er seine silbernen Fittiche in Hast auseinander und stellt sich schnellstens an der Ecke auf, die Engels- Hand gebieterisch gegen das Fuhrwerk gereckt. Der Kutscher natürlich mit seinen schwachen Menschenaugen kann die leuchtende Gestalt nicht sehen, für ihn ist das ein bißchen Scptcmberdunst, aber die Pferde in ihrem warmen Tierinstinkt stemmen ihre Hufe sanft gegen das Kopfsteinpflaster und Elli faust vorüber.
Der Schutzengel atmet auf. Doch in diesem Augenblick bemerkt er zu seinem Entsetzen, daß der Riß im Rahmen des alten Fahrrades sich zu öffnen droht, die silbernen Schwingen gleiten von neuem daher, und die Engelshand preßt das berstende Metall zusammen. Es ist eine verdammt unbequeme Haltung, bloß einen Flügel kann man benutzen, aber es muß eben gehen, sonst klafft Ellis Fahrrad auseinander. Da kommt schon wieder eine Kreuzung, aber hier steht wenigstens der Stadtpolizist Bräckel und regelt den Verkehr. Ganz von weitem nähert sich das Auto des Herrn Regierungspräsidenten, wahrhaftig noch Zeit genug für Elli. Sie sieht nur Fräulein Aschenbrenner böses Gesicht und nicht die breite Diensthand des Beamten, sie hört nur Anton Wagen- schanz' „Entlassen!" und nicht das raulse Halt des Beamten.
Sie fegt daher, während Bräckel sein Notizbuch hcrvorreißt. Aber der Schutzengel in seiner milden Seele denkt: warum soll das arme Mädchen fünf Mark Strafe bezahlen, besonders wenn sie eben ihre Stellung verloren hat, außerdem kommt sie noch längst vor dem Auto vorüber. Obwohl dies allen himmlischen Grundsätzen zuwiderläuft, weist.er mit seinem unsichtbaren Zeigefinger im Vorüberhasten auf Ellis grüne Höschen. Der Stadtpolizist vergißt darüber vollkommen das Auto des Herrn Regierungspräsidenten, das trotzdem keinen Unfall erleidet, lieber diesem glückbringenden Anblick, der ihm schon lange entschwunden ist, schiebt Bräckel seinen gewaltigen Schnauzbart eine Minute lang nach rechts und nach links, fröhlich und ungeschoren bleibt der Verkehr an dieser gesegneten Ecke für eine einzige himmlische Mi-
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Nun hat es endlich gezündet. „Was denn?" Elli fährt in die Höhe. „Was wollen Sic damit fügen?" .
Die andre beugt sich über ihre Schreibmaschine. „— baß mir so was von merkwürdiger Arbeitsauffassung noch nicht vorgekommen ist, und daß der Herr Doktor sich das gewiß nicht mehr lange ——
Ein Stuhl kippt um, wie ein loSgeschossener Pfeil fliegt Elli daher. „Was haben Sie zu mäkeln?" n t < r
Wer hat angefangen? Wie kam das eigentlich? Jeder saß doch ganz friedlich da, auf einmal haben sie sich bei den Haaren! „Sie alte, geölte Stenographierpuppe", schreit Elli, der Groll und die Verbitterung langer Wochen platzen urplötzlich heraus, „ich hab Ihnen den Stuhl hingestellt, auf dem Sie sitzen, und Sie machen mich beim Doktor Wagenschanz madig!"
„Hilfe! Sie haut mich!" quiekt die Spitznase. Jetzt schwankt ihr leichter Bürotisch, die Schreibmaschine fällt mit dumpfem Gepolter zu Boden, im nächsten Augenblick stürzen die Leute aus den angrenzenden Räumen herbei, keine halbe Minute dauerte der Krach, schon sind zu beklagen eine zerrissene Bluse, eine verbogene Schreibmaschine und ein gutes Dutzend zerknitterter Geschäftsbriefe aus der Unterschriftenmappe. Das scheint der wütenden Elli aber noch lange nicht genug, zwei Arbeiter halten sie mit ehernen Griffen fest. „Was geht denn hier vor?" donnert Doktor Wagen- ^"„Sie hat mich —" — „Nein, Sie!" — Ich habe ganz ruhig —" i— „Sie überqeschnappte Pute!"
„Ruhe, Elli! Fräulein Aschenbrenner, Sie sind die Aeltere, erzählen Sie der Reihe nach."
Die Spitznase hält ihre zerfetzte Bluse zusammen, und während sie schweratmend ihr Haar zu ordnen versucht, berichtet sie, wird aber dauernd von Ellis geifernden Zwischenrufen unterbrochen, bis der Arbeiter Fabisch mit seiner nach Erotikon duftenden Pranke Ellis Mund zudrückt. Nun hört man bloß noch das wütige Zischen. Fräulein Aschenbrenner hat in tiefstem Frieden an ihrer Schreibmaschine gesessen und die Diktate des Herrn Doktor tadellos abgeschrieben, plötzlich fährt diese Person da aus hciterm Himmel daher.
„Frechheit, gemeine Bestie!" stößt Ellis Mund hinter der Ar- bciterfaust hervor.
„Ruhe!! — Das klingt ja riesig wahrscheinlich, Fräulein Aschenbrenner. — Was ist los, Elli?"
„An meiner Arbeitsanffassnng hat sie herumgenörgelt, bloß weil ich schöne Beine habe und sie zwei Besenstiele."
Die Blicke sämtlicher Anwesenden vergleichen die Streitobjekte. »Wir sind hier int Geschäft", meint Doktor Wagenschanz drohend. „Sie hätten sich bei mir beschweren können, Elli. Aber Sie schmeißen gleich meine Schreibmaschine kaputt. Haben Sie Fräulein Aschenbrenner geschlagen?"
Elli tobt gegen ihre Wärter. „Ich kratze ihr noch die Augen aus, passen Sie auf, Aschenbrenner, Sie kommen mir nochmal zwischen die Finger!"
„Mein Büro ist kein Theater", entscheidet Anton, „kommen Sie


