Ausgabe 
17.11.1933
 
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Jahrgang 1933

Freitag, den 17. November

Nummer 89

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Das bittere Trünttein.

Von Conrad Ferdinand Meyer.

Ein betrogen Mägdlein irrt im Walde, Flieht den harten Tag und sucht das Dunkel, Wirft auf eine Felsenbank sich nieder Und beginnt zu weinen unersättlich.

In den wettermürben Stein des Felsens

Ist gegraben eine kleine Schale Da das Mägdlein sich erhebt zu wandern. Bleibt die Schale voller bittrer Zähren.

Abends kommt ein Vöglein hergeflattert, Aus gewohntem Becherlein zu trinken, Wo sich ihm das Himmelswasser sammelt, Schluckt und schüttelt sich und fliegt von hinnen.

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pete wieder in die Tasche, pfiff den Torgauer und setzte seinen Weg fort.

Da die nächsten Stunden ohne weitere Zwischenfälle vergingen, glaubte er, im Vorgenutz nahender Ruhe aufatmen zu können, als er in der ersten grauen Dämmerung die Weser erreichte, die dunkel und ruhevoll unter silbrigenFrühnebelschleiern dahtnfloß, und als sein scharfer Blick über dem Häusergewirr der Altstadt das ragende Spitzdach seines Hauses begrüßte. Da aber, mitten auf der Brücke, warf ihm das Geschick das nächste Abenteuer in den Weg. Es hockte dort nämlich aus einem Stein ein zweiter schlechtgekleideter Mann, hielt in der rechten Hand ein Ding, das sogleich als eine zwar nicht ganz neue, aber anscheinend ge­brauchsfähige Pistole erkennbar war, und richtete, ohne sich zu erheben oder sonstwie dringlich zu werden, an meinen Großvater die diesem und uns bereits bekannte Einladung. Mein Großvater blieb vor dem Manne stehen, hob den Tragriemen seiner schweren Geldtasche von der Schulter und ließ die Last zu Füßen des sonderbaren Räubers niederfallen. Dann, als dieser sich eilig da­nach bückte, um sie an sich zu reißen (öie Pistole hielt er freilich auch jetzt noch fest), fuhr ihm ein wundervoll gezielter Fausthieb schmetternd ins Genick, so daß er lautlos von dem Stein herab­rutschte und seine dürren Gliedmaßen in bester Ordnung von sich streckte. Nachdem mein Großvater sich davon überzeugt hatte, daß der Mann mindestens eine Stunde lang der absoluten Ruhe be­dürfen würde, lehnte er ihn sorgsam gegen den Stein, nahm die Pistole auf, untersuchte sie, fand sie hoffnungslos verrostet, warf sie über das Brückengeländer und sah ihr nach, wie sie mit einem Plumps versackte: hängte hierauf seine Geldtasche wieder um, pfiff den Hohenfriedberger und setzte seinen Weg fort.

Er war schon bei den letzten Takten angelangt und sah bereits, um die Straßenecke biegend, die Tür seines Hauses einladend vor sich als sich plötzlich über ihm klirrend ein Fenster öffnete und ein altes Weib, eines Buch- und Steindruckers dicke Witfrau, ohne weitere Vorsichtsmaßregeln ein Gefäß mit üblem Spülicht auf die Straße entleerte, so daß meines Großvaters Hut und Rock erheblich besudelt wurden. Nun war er seit jeher ein peinlich sauberer, auf tadellose Gepflegtheit haltender Mann und hätte es niemals über sich vermocht, seiner Frau in einem so beschmutzten Zustand vor öie Augen zu kommen: also wandte er sich, da zu dieser frühen Stunde ihm kein anderer Rat einfiel, kehrte zur Weser zurück, stieg zum Wasser hinab ud beugte sich darüber, um sich zu reinigen. Da nun schoß ihm die schwere Geldtasche mit einem so jähen Ruck über den Kopf, daß er sie nicht mehr erwischen konnte, und verschwand im Wasser mit einem Plumps, der oen vorhin vernommenen beträchtlich übertraf.

Da gab es dann freilich nichts zu pfeifen, obwohl mein Groß­vater als ehemaliger braunschweigischer Artillerist sicherlich noch mancherlei Märsche gewußt hätte, sondern er setzte sich, von plötzr licher Müdigkeit überwältigt, auf einen Uferstein und blickte traurig und vorwurfsvoll auf den Fluß, der ihm bisher immer als ein vertrauter und gutgesinnter Freund erschienen war und sich nun als ein so tückischer und habgieriger Geselle erwiesen hatte. Diese Mutlosigkeit dauerte freilich nur einige Minuten: dann erhob sich mein Großvater, bezeichnete die Verluststelle mit einem Stock im Ufersande und hielt Umschau. Da lag in der Nähe, vertäut und durch einen Steg mit dem Ufer verbunden, einer jener Schleppkähne, die man Bockschiffe nennt, und auf denen der Schif­fer mit seinen Leuten und zuweilen auch mit seiner Familie wäh­rend der ganzen Reise zu hausen pflegt. Mein Großvater ging an Bord, klopfte den verschlafenen Schiffer heraus und bot ihm eine Belohnung von fünf Talern, wenn es ihm gelingen würde, mit einer langen Rnderstange die Geldtasche herauszufischen. Der Mann fuhr verdrießlich knurrend in die Hosen, nahm aber doch seine Stange und senkte sie an der bezeichneten Stelle suchend ins Wasser: fühlte sie sofort durch einen Widerstand schwer und zog sie heraus. Da hing an ihrem Widerhaken, säuberlich am Leder­riemen aufgehängt, die Geldtasche. Mein Großvater blieb stumm und nachdenklich, als er sie in Empfang nahm und dem Schiffer die vereinbarte Belohnung zahlte: er suchte seine Sachen zusammen, warf noch einen langen, halb mißtrauischen, halb achtungsvollen Blick auf den gelassen öahinziehenden Strom und wandte sich ^"'Noch^war nun freilich trotz dieser seltsamen Fügung, die sich das Schicksal mit fünf Talern eigentlich nicht zu hoch honorieren ließ, seine Mißstimmung nicht von ihm gewichen: und als er an dem franse vorübcrkam, wo ihn der verhängnisvolle Guß ge­troffen batte, schwenkte er in einer Zorneswallung ein, öffnete tmt energischem Griff die Haustür und kletterte die ächzende Stiege hinan. Dann aber, als er vor der dicken Witib stand und ihre

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Oer Nachtmarsch mit der Geldkatze.

Von Karl L e r b s.

Als mein Großvater, damals ein schlanker, braunbärtiger Mann mit fest und wachsam blickenden blauen Augen und von rüstiger Körperkraft, in einem geräumigen alten Giebelhause der handelsgeschäftigen bremischen Altstadt eine Lebensmittelgroß­handlung begründet hatte, rvar er in den ersten Jahren genötigt, mit wohlbedachter Sparsamkeit zu wirtschaften und rnanchcrlei Dinge selbst zu verrichten, für die er sich später seineLeute" hielt. Unter anderem lag es ihm damals ob, in eigener Person jene Kundschaftsbesuche auf dem flachen Lande zu machen, die er später durch einige Herren mit dem übertriebenen TitelReisende" erledigen ließ. So war es kein Ausnahmefall, als er eines Tages in einem Dorfe bet Bremen einen Krämer besuchte, der auch eine Ausspannwirtschaft und ein umfängliches Wesewerk besaß, und als mein Großvater nach einem guten Mundvoll Schnack seine neuen Aufträge säuberlich in sein Buch geschrieben hatte und einen an­sehnlichen Haufen blanker Taler Gold, den Betrag einer kassierten Rechnung, in einer prallen ledernen Geldntnhüngtasche verwahrte, ahnte er nicht, daß der heiter und friedvoll dämmernde Abend für ihn das harmlose Vorspiel zu einer Nacht voll Abenteuer war.

Der Wirt, ein freundlicher Mann und meinem Großvater seit langem bekannt, meinte, seinen Gast vor der nächtlichen Henn- wanderung auf der einsamen Landstraße tvarnen zu müssen. Diese Gegend sei unsicher, und man habe in letzter Zeit oft räuberische und leider erfolgreiche Neberfälle auf einspännige Wanderer er­lebt. Und einen Wagen könne er leider nicht zur Verfügung stellen, sagte der Wirt, denn die Pferde seien alle durch öie Erntearbeit übermüdet. Mein Großvater indessen begegnete der Warnung lachend mit dem Hinweis auf seine verläßlichen Fäuste und meinte, es sei ihm gar nicht unlieb, einen solchen Raubritter einmal au-, nächster Nähe zu sehen, um auch diese Gattung Mensch keunenzu- lernen. Hierauf erstand er noch für seinen Jüngsten, der damal-, gerade krank lag, etwas Spielzeug, verstaute es in der Rocktasche, brannte sich eine Brasilzigarre an, schüttelte dem Wirt die Hand und nahm in bester Stimmung die Landstraße unter die Fuße, wobei das leise, silberne Geklingel der Taler in der Geldtaiche zu seinem kräftigen Schritt eine liebliche Begleitmusik spielte.

Nun begann, nachdem am iveitgeipanntcn Htmmel-,raum da-- letzte Licht verdämmert ivar, öie Kette der Abenteuer damit, daß sich plötzlich aus einem Gebüsch am Wege ein umfänglicher»Schatten erhob, und, vor meinem Großvater sich aufpflanzend, alsbald die Gestalt eines schlechtgekleideten Mannes annahm, der ohne Ein- und Neberleitung die rauhe Einladung ergeben ließ: Der »cir möge ihm sämtliche zur Stelle befindlichen Wertsachen tm Wege der Schenkung übereignen. Durch einige beredte Schwingungen eines schrecklichen Eichenknüppcls erhielt die Einladung das Ge­präge einer Nötigung. Großvater griff m die Taiche, die das gekaufte Spielzeug barg, zog eine blecherne K>ndertrompete her­vor und richtete ihre schöngeschweifte Miliidung Mit drohend Steteit- 5er Gebärde aus den Buschklepper. Diesem mußte bei dem un­gewissen Licht der zarten Mondsichel das Kmtnon-nt alseine Tchicßvorrichtung von artilleristiicher Kampfkraft erscheinen, er ließ den Eichenknüppel fallen, machte eine tadellose Kehrtwendung, 'etzte mit vorbildlichem Sprung über den LandstraVengraben und wehte in brausendem Galopp über den Kartosfelader, "in s ch vor dem drohenden Taschengeschütz im ^ttenden Dunkel ein Wäldchens zu bergen. Mein Großvater lächelte, steckte die Trom-

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger