Ausgabe 
17.7.1933
 
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In der Schule haben wir gelernt, daß die Erde an den Polen ab-

duldigen Phlegma John Bull- entgegen; sie ihrem bezeichneten j ?n Wr SJule W

Ausdruck in der Literatur. Es gibttem anderes Schrifttum m der M «pian« Mb q[6 ber Durchmesser von Pol zu Pol. Der Unterschied wo ein Angelbuch eine so klassische Geltung haben ^""te. wie Jzaak 9 44°S?t[ometer. An den Polen befinden wir uns daher Waltons berühmtes WerkDer vollstandigeAngelftscherode Erdmittelpunkt rund 22 Kilometer näher als in den Tropen. Die

beschaulichen Mannes Erholung , das mit seinem leinen Humor u Schwerkraft die jeden Gegenstand zum Zentrum der Erde zieht, ist seiner liebenswürdigen Plaudenunst um d,e Mitte s>17. 3 1) 1) natürlich dort stärker al- am Aequator, und zwar um Ein Körper

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Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Wieben.

lige Punkte, die uns zeigen sollen, wie verschieden Pol gegen die unseren sind. Am Südpol herrschen - -*L in umgekehrter Folge. Nordpol, immer nach

natürlich dort stärker al- am Aequator, und zwar um lhm. Ein Körper, der hier auf einer Federwage einen Druck von 1 Kilogramm ausubt, also 1 Kilogramm wiegt, ist am Pol um l/i«3 schwerer, zeigt ein um sunf Grad höheres Gewicht. Noch auf andere Art macht sich der Einfluß der Schwerkraft geltend. Bei uns muß das Sekundenpendel, um eine Ge­wichtsuhr richtig im Gang zu halten, 99,42 Zentimeter lang sein, am Pol würde eine solche Uhr zu schnell gehen, man brauchte das Pendel nur ein kleines Stück, zwei ganze Millimeter, zu verlängern, um wieder richtige Zeit zu haben. Bei Taschenuhren sind entsprechende Verände­rungen nicht notwendig. *

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das Ideal des für die englische Dichtung so roidjtigenretired gentleman autstellte. Unzählige Bücher handeln in den genauesten Vorschriften vom vollkommenen Angler" und von den einzelnen Disziplinen seinen Kunst, so von der Herstellung der künstlichen Insekten, deren sich der englische Angler als Köder bedient. Walter Scott, Coleridge und andere Dichter haben das Fischen als sachkundige Verehrer besungen DiePhilo- sophie des Angelns" umfaßt bei den gründlichen Söhnen Albions viele Reinheiten" von denen unsere Weisheit nichts träumt. Da ist zunächst die Wahl der richtigen Angel, je nach Kroße und Gattung des Fische^ die Farbe der Schnur, die das grünliche, bläuliche oder gelbliche Aussehen bestimmter Gewässer nachahmt oder auch durchsichtig ist, um keinen Schatten zu werfen: dann die täuschend naturgetreue Anfertigung der Phantasie-Fliegen", die sich der rechte Angler selbst muß machen können um eine besondere Jnsektenart, die über einem M.chpl"^^p'rlt, schnell zur Hand zu haben. Alles hat für ihn Bedeutung-, dte Wasserwirbel und Luftblasen, die Wetterveränderung, die Schatten. Unendliche Vorsicht wen­det er an, wenn er sich dem Wasser nähert, und dann sitzt er wie eine Statue stundenlang. Das Schwerste und Höchste aber sind das , V/bipplng undStriking", das Hineinwersen der Schnur, die gerade auf die Stelle im Wasser fallen muß, wo man den Fisch vermutet, und das Herauf­ziehen des Fisches, das mit einer bestimmten Handbewegung und einer mit Viertelsekunden rechnenden Exaktheit erfolgen muß Lange Uebung und hohe Gewandtheit müssen sich dabei auch zu ästhetischer Schönheit vereinen.Wenige Kunstübungen", heißt es im Vollständigen Angler, verdienen so sehr unsere Bewunderung. Die Attitüden, die der Angler dabei zeigt, 'sind zugleich im höchsten Grade männlich und graziös.

An den Grenzen der Erde.

, Von Dr. Rudolf Wegner.

Wo liegen die Grenzen der Erde? Eine eigentümliche Frage! Da die Erde einer Kugel gleicht, überall und nirgends. Wir können durch ihren Mittelpunkt unendlich viele Durchmesser legen, von denen ,eder zwei Endpunkte hat. Wir suchen für unsere Zwecke den Durchmesser aus der vom Nordpol zum Südpol geht und bekanntlich eine Lange von 12 714 Kilometern hat. Diese gewaltige Strecke könnte das Licht, das m jeder Sekunde 300 000 Kilometer zurücklegt, schon in 1I2» Sekunde durcheilen. Nun wählen wir vier eigentümliche Endpunkte aus, die besonders in der Wissenschaft eine große Rolle spielen, nämlich den Nordpol, Südpol, den höchsten Gipfel der Erde und die Stelle, an der das Meer am tiefsten ist.

Zunächst zum Nordpol! Die kühnen Polarunternehmen Amund- s e ns erweckten seinerzeit in der zivilisierten Welt starkes Interesse fiir den Nord- und Südpol, Punkte, die noch viele Geheimnisse für uns bergen. Im Jahre 1909 kam der Amerikaner P e a r y dem Nordpol in Sichtweite nahe! Vor nicht langer Zeit hat der amerikanische Flieger Byrd mit einem Flugzeug den Pol überflogen, desgleichen Amundsen Eine Unmenge Packeismassen häufen sich dort auf, denn Wasser budet den Untergrunds kein fester Boden umgibt den Drehpunkt der Erde, son­dern nur. tiefes Meer. Eine Kälte von durchschnittlich 25 Grad herrscht hier, die sn der langen Polarnacht noch tiefer sinken kann.

Die Esde dreht sich um ihre Achse in 24 Stunden. Ganz eigenartige Verhältnisse würden sich an den Polen für uns als Beobachter ergeben. In beiden Polen laufen alle Längenkreise zusammen, ein Weiter gibt es nicht Wo man auch auf dem Nordpol hinschauen mag, überall blickt man nach Süden, die'Richtungen Ost und West oder gar Norden gibt es hier nicht. Winde müssen hier aus Süden wehen, die Sonne steht stets südlich. Am Nordpol füllt der Schatten eines senkrechten Stabes immer nach Süden, obwohl die Sonne ebenfalls im Süden zu sehen ist Bei uns zeitg der Schatten, wenn die Sonne im Süden leuchtet, natürlich nach Norden. In der Polarnacht erstrahlen die Sterne dort aus südlichen Richtungen, nur der Punkt, der gerade über dem Haupte des Beobachters steht, der Scheitelpunkt oder das Zenit, ist sozu­sagen richtungslos. Wohin man sein Auge auch wendet, man sieht überall nach rückwärts, denn der Pol ist gewissermaßen ein Endpunkt der Erdkugel.

Mit der Zeit verhält es sich gleichfalls anders als in unserer Heimat. Selbstverständlich läuft die Sonne auch hier in 24 Stunden um den Himmel herum, aber Vor- und Nachmittag gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Die Sonne erhebt sich am 21. März über dem Horizont und sinkt am 23. September unter ihn. Ein halbes Jahr kann man hier die Sonne sehen, die gleiche Zeit ist sie unseren Blicken verborgen, oder auch ein halbes Jahr herrscht hier der Tag, man könnte sagen, der Vormittag dauert bis zum 22. Juni, weil dann die 'Sonne sich dem Gesichtskreise nähert. Von Anfang Februar bis zum Sonnenaufgang und vom Unter­gang bis gegen Mitte November macht sich die Dämmerung bemerkbar. )llle Zeiten, nach denen die Uhren in den Kulturländern gestellt werden, vereinigen sich am Pol, mitteleuropäische, osteuropäische, Greenwicher, chinesische Zeit usw. Ist es in Deutschland gerade 12 Uhr Mittag, dann würde der Beobachter, falls er nach Nordamerika mit einem Fernrohr sehen könnte, die dortigen Bewohner noch im tiefen Morgenschlafe vor­finden, während sie in China sich allmählich zur Ruhe begeben möchten.

Wir wissen, daß die Erde sich mit einer ungeheuren Geschwindigkeit dreht, am Aequator betrügt sie in der Sekunde 464 Meter, in Mittel­deutschland ungefähr 300 Meter. Am Pol dreht sich der Beobachter an einem Tage, wenn er auf einer wirklichen Erdachse säße, also in 24 Stun­den, um sich selbst.

die Verhältnisse am V-.... - .

ähnliche Zustände, und zwar in mancher Hinsicht Am Südpol blickt man, im Gegensatz zum

Norden, und alle Winde müssen auch aus dieser Richtung kommen. Der Schatten eines senkrechten Stabes fällt hier nach Norden, obwohl die Sonne ebenfalls im Norden zu sehen ist. Dort erhebt sich am 23. Sep­tember die Sonne über den Horizont und geht am 21. Marz unter. Der Vormittag dauert hier bis zum 22. Dezember. Haben wir auf un­serer Halbkugel Sommer, so herrscht auf der südlichen Winter und um­gekehrt. Wir treffen hier ähnliche Verhältnisse wie am Nordpol.

Der Südpol liegt auf einer weiten ebenen Hochfläche von annähernd 3000 Meter Höhe. Dort ist festes Land und kein Wasser wie am Nord- pol Berg und Tal sind weit und breit nicht zu sehen, eine trostlose mit Schnee und Eis bedeckte Ebene dehnt sich schier ins Endlose vor uns aus.

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Wir wandern jetzt zum höchsten Berggipfel, dem Everest im Hima­laja der eine Höhe von fast 9000 Meter hat und ungefähr unter der geographischen Breite von Kairo liegt. Kühne Bergsteiger aus England erreichten im Jahre 1924 rung 8600 Meter über dem Meeresspiegel. Nur eine kurze Strecke trennte sie vom Ziel, wahrscheinlich hat ihr Sauerstofs- apparat seine Dienste versagt, so daß sie zu Grunde gehen mußten. Die Kälte belief sich auf etwa 50 Grad. Drei Expeditionen rüstete England 1921 1922 und 1924 aus, um den gewaltigen Bergriesen zu bezwingen. Am 8. Juni 1924 wurden zwei von den kühnen Bergsteigern vor dem Gipfel gesehen, und einige nehmen an. daß sie tatsächlich den höchsten Punkt erreicht haben und erst im Abstiege verunglückten. Um 11 Uhr vormittags wurden sie an diesem Tage am Gipselgrat des Everest ge­sichtet, sie näherten sich in guter Gangart dem Fuße des letzten Aus­schwunges. Diese Stelle erreichten sie um 2 bis 3 Stunden zu spat. Ma» hätte sie dort viel früher beobachten müssen, wenn nicht irgendein unvor­hergesehener Zwischenfall ihr Vorankommen verzögert hätte. Nach den gegebenen Umständen kann die Ursache eines unfreiwilligen Aufenthaltes nur in einem Fehler an den Sauerstoffapparaten zu suchen sein, dessen Reparatur Zeit erforderte. Solange der Bergsteiger Sauerstoff zur Ver­fügung hat, so ist selbst in der Gipfelhöhe des Everest seine Bewegungs- freiheit keine andere, als wenn er etwa am Mont Blanc wäre. Die plötz­liche Entziehung des Sauerstoffs mußte aber katastrophal wirken, wie uns George Finchso überzeugend geschildert hat. Man hat nicht das geringste Zeichen menschlicher Anwesenheit am Gipfel entdecken können, »er Luft­druck beträgt in dieser großen Höhe 2h von dem auf dem Erdboden. Wir würden dort leicht von der Bergkrankheit befallen werden. Wasser ist da . oben höchst selten zu finden, bei dem geringen Druck siedet es schon bei etwa 78 Grad. Hätte man schon auf dem Mont Everest nach allen Seiten freien Ueberblict, könnte man bei klarstem Wetter 360 Kilometer weil sehen, etwa so weit, wie Berlin von der Nordseeküste entfernt ist.

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Wir begeben uns zum Schluß in das Meer, und zwar dorthin, wo die tiefste Stelle liegt. Oestlich von den Philippinen-Inseln befindet sich eine Meeresrinne, der sogenannte Philippinen-Graben, dessen Tiefe das deutsche SchiffPlanet" im Jahre 1912 durch ein Lot mit fast 9800 Meter fest- gestellt bat. Unlängst lotete unser KreuzerEmden" eine noch größere tiefe, die annähernd 10 500 Meter beträgt. Der ganze Mont Everest könnte hier versenkt werden, und er würde noch etwa 1% Kilometer unter dem Meeresspiegel liegen. Die Temperatur beträgt hier nur wenig über 0 Grad. Tiefe Dunkelheit lagert über dem Meeresboden. Der Wasser­druck ist ungeheuer, über tausendmal stärker als der Lustdruck auf ebener Erde, oder es herrschen hier, anders ausgedrückt, über 1000 Atmosphären Druck, wobei man den Druck einer Atmosphäre zu 760 Millimeter an-- nimmt. Alle Gegenstände, die dort hinuntergebracht würden, müßten, falls kein Gegendruck vorhanden ist, vollständig zerquetscht werden. Her- aufgebrachte Tiesseefische platzen an der Oberfläche des Meeres ost auseinnnber, weil dann ein ganz anderer Druck auf ihnen lastet. Dicie Riesentiefe wird ein Mensch wohl nie erreichen, während wir von unseren Endpunkten der Erde den Nord- und Südpol besucht haben, und die Er­zwingung des höchsten Gipfels nur noch eine Frage der Zeit ist.

Was sind aber Erhebungen und Tiefen von rund 10 000 Meter im Vergleich zum Erdhalbmesser? Sie betragen ungefähr den 700. Teil da­von, und es würden auf einem Globus, der einen Durchmesser von 1.40 Meter hat, solche Höhen oder Tiefen nur 1 Millimeter ausmachen. Un­sere ganze Erdkugel mit ihren vielen hohen Bergen, Gebirgen und Meeres- tiesen hat verhältnismäßig keine rauhere Oberfläche als eine Apfelsine, und doch kommen uns jene Höhen und Meeresgründe so gewaltig vor. So geben uns die Betrachtungen über die beschriebenen vier Endpunkte der Erde manche Anregung und zeigen so vollkommen andere Derhältmsie als die, unter denen wir leben.