Toledo (13. November 1912): „Eine Frau des Himmels und der 2rde" hat der Jesuit Ribadaneira von der Jungfrau Maria gesagt, dies "icf-e sich auf diese Stadt anwenden, „eine Stadt Himmels und der Erzen", denn sie ist wirklich in beiden, sie geht durch alles Seiende durch, ch versuchte neulich, der P. es in einem Satz verständlich zu machen, ndem ich sagte, sie sei in gleichem Matze für die Augen der Verstorbenen, »er Lebenden und der Engel da, — ja, hier ist ein Gegenstand, der allen >en drei, so weit verschiedenen Gesichtern zugänglich sein möchte, über hm, meint man, könnten sie zusammenkommen und eines Eindrucks sein. Diese unvergleichliche Stadt hat Mühe, die aride, unverminderte, ununterworfene Landschaft, den Berg, den puren Berg, den Berg der Erschei- mng, in ihren Mauern zu halten, — ungeheuer tritt die Erde aus ihr lus und wird unmittelbar vor den Toren: Welt, Schöpfung, Gebirg und Schlucht, Genesis. Ich muß immer wieder an einen Propheten denken ,ei dieser Gegend, an einen, der aufsteht vom Mahl, von der Gastlichkeit, ,om Beisammensein, und über den gleich, auf der Schwelle des Hauses ,och, das Prophezeien kommt, die immense Sehung rücksichtsloser Ge- ichte —: so gebärdet sich diese Natur rings um die Stadt, ja selbst in ihr, M und dort, sieht sie auf und kennt sie nicht und hat eine Erscheinung ...
Bis gestern war das klarste Wetter, und das Schauspiel der Abende »ollzog sich in ruhiger Geräumigkeit, erst heute komplizierte sich der Hirn- nd, gleich nach Mittag kam es zum Regen, aber ein kalter, verschlossener Lßinb unterbrach den Regen mitten im Satz, schob die Wolken aufwärts end drängte sie zu Massen über die schon gegen Westen geneigte Sonne. In6 nach dem, was ich im weiteren Verlauf zu sehen bekommen habe, nutz ich mir (trotz meines körperlichen Anspruchs auf Wärme) solcher Vor- chnge viel wünschen, — ich ahne, zu was für Bildungen die Atmosphäre Her greifen muß, um sich zum Bilde der Stadt gehörig zu verhalten: Drohungen ballten sich und liehen sich aus in der Ferne über den lichten Reliefs anderer Wolken, die sich ihnen schuldlos imaginäre Kontinente, mtgegenhielten —, das alles über der Oede der davon verdüsterten Land- chast, aber in der liefe des Abgrunds ein ganz heiteres Stück Fluß Heiter wie Daniel in der Löwengrube), der große Gang der Brücke und tann, ganz ins Geschehen einbezogen, die Stadt, in allen Tönen von Hrau und Ocker vor des Ostens offenem und doch ganz unzugänglichem 3tau ...
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Algier (26. November 1910): Algier ist zu großem Teil eine fran- Hfische Stadt, aber ein Stück Hang, an dem die alten türkischen, rnau- iischen und arabischen Häuser stehen, hängt noch unter sich und mit Him- nel und Ausblick großartig und angeboren zusammen; dort ist das Darin aus Tausendundeiner Nacht, Bettler und Lastträger gehen wie in Schicksalen umher, Allah ist groß, und es ist keine Macht außer seiner Nacht in der Lust. Mein Zimmer ist auf Osten zu, ich wache täglich von ‘em Aufwand auf, mit dem der Tag sich vorbereitet, plötzlich nach vielen Vorgängen Herrlichkeit springt die Sonne glatt und fertig über die starken Atlasberge.
Luxor (18.Januar 1911): Auf dem östlichen (arabischen) Ufer, dem 3>ir anliegen, ist der Luxortempel mit den hohen Kolonnaden knospiger üoiossäulen, eine halbe Stunde weiterhin diese unbegreifliche Tempel- velt von Karnak, die ich gleich den ersten Abend und gestern wieder im Hen erst abnehmenden Monde sah, sah, sah, — mein Gott, man nimmt •<f) zusammen, sieht mit allem Glaubenwollen beider eingestellter Augen — und doch beginnts über ihnen, reicht überall über sie fort (nur ein 'Sott kann ein solches Sehfeld bestellen) — da steht eine Kelchsäule, einzeln, itne überlebende, und man umfaßt sie nicht, so steht sie einem über das ! eben hinaus, nur mit der Nacht zusammen erfaßt man's irgendwie, nimmt s im ganzen mit den Sternen, von ihnen aus wird es für eine Sekunde menschlich, menschliches Erlebnis. Und denkt, daß drüben, westlich über den 'eiben Nilarmen und das Fruchtland hin die libyschen Gebirge, vom Wü- 'lenllcht blühend, herüberstehn; wir ritten heute durch das gewaltige Tal, « dem die Könige ruhen, jeder unter der Schwere eines ganzen Berges, tiif den sich auch noch die Sonne stemmt, als wärs über die Kraft, ! önige zu verhalten.
Pein Heil?
vom Angeln und seiner Geschichte.
Von Dr. Kurt Haack.
Wenn nach den langen Sommertagen, da die Hitze die Fische in der liefe des Wassers hielt, kühle Abende heraufdämmern, wenn dann mit irn steigenden Schatten die Scharen der Insekten auftauchen und ihren i'rzen Lebenstanz über der kühlen Flut beginnen, dann ist des Anglers lieblingszeit gekommen, dann zieht dieser stille, idyllische und doch an i'imlichen Erregung und Abenteuern reiche Sport seine Jünger in Innen stärksten Bann. In diesen Wochen der Wasservergnügungen wirst Hm wohl auch einen Blick zurück auf die Anfänge und Entwicklung des üischens, auf die Vorgeschichte und Geschichte dieser behaglichen und doch such verführerischen Leidenschaft, durch die der Angler an das suchte '»überreich gebunden ist, trotz allen scheinbaren Gleichmuts/ wie Goethes rasch verführter Fischer:
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll. Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan ...
Die Angel ist wohl beinahe so alt wie die Menschheit. Schon in der «Heren Steinzeit, der frühsten Kultur, die die Geschichte kennt, hat man steuersteinspitzen gesunden, die mit ähnlichen Geräten der noch jetzt in s r Steinzeit lebenden Völker, der Eskimos oder Feuerländer, so völlig ioereinstimmen, daß sie nichts anderes als Angelhaken gewesen sein Innen. Zunächst mag der primitive Mensch, der aus Fische als Nahrung «^gewiesen war, die aus dem Wasser ans Land gespülten Tiere gegeßen hiben. Es gibt heute noch Stämme, die Fische ohne jedes Tischgerät er- « Uten, so in Kamtschatka und Kambodja, wo die Eingeborenen das Was
ser künstlich ableiten oder auch vergiften. Bald aber fing man die Fische lebend, mit der Hand oder indem man sie durch Steinwürfe und Stock- schläge betäubte. Diese Methoden lassen sich ebenfalls bei verschiedenen, auf niederer Kulturstufe stehenden australischen Völkern beobachten. Wie das Netz und die Harpune tritt aber auch die Angel schon sehr früh in der Geschichte der Menschheit auf. Haken aus Stein und Knochen haben in der Steinzeit bereits ganz die bei uns übliche Form; solche aus Bronze, einfache und doppelte, sind zahlreich in den verschiedensten Landern gefunden worden. Sie find nur größer als unsere; so mißt ein Haken aus einem Schweizer Pfahlbau 20 Zentimeter, Die Knebel- ober Zweitfpitz- angel, ein nach beiden Seiten zu spitzes, in der Mitte an einer Schnur befestigtes Stäbchen, das von den Völkern Nordasiens und der Südsee viel verwendet wird, war auch in vorgeschichtlicher Zeit bekannt und wurde aus Feuerstein ober Knochen verfertigt. Der Angler der Vorzeit hatte es jedenfalls viel besser als der von heute, denn der Fischreichtum war sehr groß; auch die Menge der Fischarten war beträchtlich. In den Küchenabfallhaufen der jüngeren Steinzeit, den sag. Kjökkenmöddinger, hat man Gräten vom Aal, Lachs, Dorsch, Karpfen, Hering u. a. gefunden; die Fische wurden kunstgerecht mit knöchernen oder in Holz gefaßten steinernen Fischmessern geschlachtet und abgeschuppt.
Aus dem zu des Lebens Notdurft betriebenen Fang wird mit dem Heranblühen und Sichentfalten der Kultur die mit bewußter Freude ausgetoftete Liebhaberei. Die ruhigen fischreichen Fluten des Nil boten nicht nur dem Volk ein wichtiges Nahrungsmittel, sondern auch den Vornehmen den Schauplatz beliebter Vergnügungen. Der gewerbsmäßige Fischfang ward im alten Aegypten hauptsächlich mit der Reuse oder dem großen Schleppnetz betrieben. Als Sport der Herren aber galt das Fischeftechen, wobei man sich dünner Speere von fast drei Meter Länge mit zwei langen doppelten Widerhaken bediente und möglichst zwei Fische zugleich, einen mit jeder Spitze, durchbohrte, und das Angeln. Aus ägyptischen Bildern sehen wir elegant gekleidete Würdenträger, mit vollendeter Ruhe auf Sesseln ober Teppichen sitzenb, mit spitzen, graziösen Fingern bie Angel halten, während vor ihnen im künstlich angelegten Teich bes ©artens bie Fische sich tummeln und zu dem gefährlichen Köder drängen. Auch in Indien und China läßt sich schon aus frühen Zeugnissen feftftellen, daß das Angeln ein leidenschaftlich geliebter Zeitvertreib' war; in der griechischen Dichtung sprechen bereits Homer und »Hesiod davon, während der Fisch als Nahrung nur in der Not verwendet wurde. Die Römer aber aßen lieber Fische, als daß sie sie fingen. Der Angelsport fetzt eine gewiße passive Beschaulichkeit voraus, die diesen tätigen Besiegern der Welt abging; er fordert eine einsame Versenkung in die Natur, die ihnen widerstrebte. Wenn daher einzelne Kaiser und sogar die ausschweifende Zenobia fischen gingen, so war das mehr eine paradoxe Mode und bas grausame Vergnügen, die munteren Goldfischlein oder die seltenen Papageienfische im Luxusbassin, an deren raschen Bewegungen man sich eben noch erfreut, nunmehr, vielleicht noch bei Fackelschein, im Todeskampfe zappeln zu sehen. Großartig war in der römischen Kaiserzeit der Fischereibetrieb organisiert, der von Aegypten und Syrien bis zu den Säulen des Herkules und den bretonischen und schottischen Gewässern die erlesensten Leckerbissen des Fischreiches auf die Tafel lieferte und dabei mit sehr komplizierten Fangapparaten arbeitete.
Durch die Völkerwanderung ward diese ganze ausgedehnte Industrie vernichtet; aber es erschienen nun Völkerschaften auf dem Plan, bei denen feit langem der Fischfang eine wichtige Rolle gespielt hatte. Man hat den Namen Skandinavien als „Heringsaue" erklärt, und solche Deutung würde gut bie Anziehungskraft ausbrücken, bie diese fischreichen Gebiete früh auf bie germanischen Küstenfahrer ausiibten. Durch bas ganze Mittelalter hatte ber Fischfang seine Heimstätte hauptsächlich im Narben, wo bie Norweger und Schotten zur Erlegung ber Robben auszogen, auf Helgolanb im 9. Jahrhunbert ber Kabeljau zahlreich gefangen wurde und in dem Kult des heidnischen Rügen sich die Bedeutung der Fischerei deutlich ausprägte. An den Küsten des Atlantischen Ozeans begannen erst seit dem 12. Jahrhundert die Spanier wieder einen umfangreicheren Fischfang. Die Kirche trug zu dieser neuen Belebung der Fischerei viel bei. Während sie die Jagd den Geistlichen und Mönchen verbot, gestattete sie den Fischfang; ja, bie Fischer sahen ihren Stanb als befonbers Gott wohlgefällig an unb fühlten sich geehrt, weil Christus unter ihren Berufsgenossen seine Apostel, an erster Stelle Petrus gewählt hatte. Die Fastengebote veranlaßten auch eine Beschäftigung mit ber Fischzucht, Anlegung von Weihern unb begleichen. So warb beim bas Angeln ber eigentümliche Sport bes Mittelalters, ber von frommen Patres in ben Teichen ber Sloftergärten wie von Rittern in ben Burggräben betrieben würbe. Noch ber Kaiser Max, ber „letzte Ritter", war ein eifriger Verehrer des Angelns, ber bauen in feinem „Weißkunig" mit viel Begeisterung unb Verstänbnis spricht. Allmählich aber sank btefer Sport zu ben niederen Vergnügungen" herab; I. B. von Rohr, ber in feiner „Ceremonialwissenfchaft" alle offiziell anerkannten Lustbarkeiten bes absolutistischen Zeitalters zusammenfaßt, rechnet bas Angeln nicht mehr zu ben „höfischen Divertissements". War boch das Fischen ber ibeale Sport ber „kleinen Leute", bie bazu keines großen Apparates bedurften und sich dabei noch etwas Gutes in den Kochtopf holten! Dies Vergnügen blieb ihnen, als bie hohen Herren bie Jagd mit ihren kostspieligen unb brücken- ben Organisation ganz für sich in Anspruch nahmen. So ist bas Angeln bis heute eine Freube, zumal der „kleinen Leute", bei uns unb in Frankreich geblieben, wo ber „Bourgeois" am Sonntag in zahllosen Exemplaren bie Ufer ber Seine bevölkert. Wenn bas Fischen aber hie unb ba in manchen ßänbern auch als „monbäner Sport" auftauchte, so folgt man stets bem britischen Beispiel, wo es noch heute als allgemeines Nationalvergnügen gepflegt wirb.
En glaub ist bas klassische Land bes Angelsports, dem hier bie elegantesten ©entfernen mit Leidenschaft in ben reigenben „Fischer-Resiben- zen" stöhnen. Lorb Nelson z. B. war ein begeisterter Angler, ber seine Angelrute in ben linken Arm nahm, uachbem er ben rechten verloren. Selbst Barnen ber höheren Aristokratie haben sich stets gern bieser stillen Manie überlassen lief im Volkscharakter ist biefe Liebe begrünbet; fie kommt ber Lust am „geruhigen Leben", bem beschaulichen Nachbenken, ber Freube an ber Heimat, der Versenkung in bie Natur unb dem ge-


