Ausgabe 
17.2.1933
 
Einzelbild herunterladen

Es war eine Nacht. |o lang wie mein ganzes

Nacht, in der Stern um Stern langsam wie durch qualvolle Ewigkeiten am Fenster erschien und wieder verschwand. Es war di« Nacht, mein 1

Der Einsiedler.

Von Joseph von Eichendorff.

Komm, Trost der Welt, du stille Nachti Wie steigst du von den Bergen sacht, die Lüste alle schlafen, ein Schisser nur noch, wandermüd, singt übers Meer sein Abendlied zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn und lassen mich hier einsam stehn, die Welt hat mich vergessen: da tratst du wunderbar zu mir, wenn ich beim Waldesrauschen hier gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht! Der Tag hat mich so müb gemacht, das weite Meer schon dunkelt.

Laß ausruhn mich von Lust und Not, bis daß das eroge Morgenrot den stillen Wald durchfunkelt.

Gedenket der Lebenden!

Lin Work für Kunst und Künstler dieser Zeit. Von Wilhelm Hausen st ein.

Alles Fragwürdige moderner Kunst mag und muß uns bewußt sein; dennoch ist es uns nicht erlanllt, uns der zeitgenössischen Kunst einfach zu entziehen, wie es uns ja auch nicht gestattet ist, an den politischen, an den gesellschaftlichen Nöten unserer Epoche voruberzulehen ober au^ eine gründliche Wahrnehmung der geistigen Notstände unserer Zeit im ganzen kurzhin zu verzichten. Wir haben unsere Gegenwart nn Wj« müssen das, obwohl wir spüren und wissen, daß sie, an den Maßstaben anderer Zeiten gemessen, weder als politisches Leben noch sonst wie im allgemeinen eine imponierende Größe darstellt

Vor allem sollen wir die Kunst und uns selbst gegen die Fabgl ver­wahren, die in den billigen Stichworten unserer an kostenlosen Thesen freilich reichen Tage gehört: die Kunst seierledigt mit ihr tonne man keinen Hund mehr vom Ösen locken. Wieder und wieder muß mit dem größten Nachdruck ausgesprochen werden: die THA von der^an­geblichen^vollkommenen Gleichgültigkeit der zeitgenössischen Menschheit gegenüber der Kunst ist eine banausische Parole ausgegeben in einer Welt, die um eine neue Sensation in Verlegenheit ist und die Frivolität nicht scheut, aus Kosten der Kunst un erer Tage sich wichtig L" machen. Es ist nicht wahr, daß die Kunst tot ist: es ist nicht wahr, daß sie stirbt. Es ist auch nicht wahr, daß die Menschen von ihr nichts mehr wißen wollen. Wahr ist nur dies: daß die Kunst gesahrdet ist nämlich sowohl aus ihrem eigenen Bereich als auch aus lieblosen Herzen der Zeitgenossen. Aber sie ist nicht mehr gefährdet als das wahrhaft mcrjd)- liche Dasein in unseren Zeiten überhaupt, und eben um des menschlichen Lebens willen, das an sich ein Interesse an Leben und Tod hat, ist es notwendig, das Verlangen der Menschen nach der Kunst zu pflegen, wie die Kunst selbst und wie alte Dinge und Beziehungen, in denen der Mensch sich in einem eigentlich menschliche n Sinne äußert und ! bezeugt. Es ist kein Zweisel daran erlaubt, daß ein Verlangen nach der Kunst nach wie vor auf dem Grund der menschlichen Seelen liegt, wie I auch troß allen surchtbar entgegenstehenden Zeichen der Zett kein Zwei­fel daran erlaubt ist, daß der Kern einer wahrhast menschlichen Sub­stanz in unserem Zeitalter noch immer vorhanden ist.

gcfi wäre der Leiste, die argen und mitunter katastrophal anmutenben Mängel moderner Kunst zu verkennen. Ich wäre der Letzte zu be­streiten, daß man gerade in Dingen der Kunst von den ^o^ften spielen her messen muß. Aber ich wurde auch, nicht wagen zu behaupten das Moderne habe, weil es neben den absoluten Werten des Alten meist nur einen relativen Wert darstellt, keinen Anspruch mehr auf

Freund in der ich zwischen Dummheit und Schlechtigkeit unterscheiden ternte- Und, lieber Freund, diese Lehre wäre saft mit bem lobe er- kauft worden, denn der Gedanke, mich am Bettpsosten zu erhängen, er« ^ie"7aL Nacht^ha^Bobbi die Uhr, dann Sonnt, und da waren wir alle mürbe Mr haben die Uhr in einen Teich geworfen und glaub­ten, unsere Schuld würde mit ihr ertrinken.

Bann ^kam^die^ Zestungsnotiz über einen Keltereinbruch bei Neu­mann Wir wollten alte Wen Teich, weil mir in der Zeitung Einbrecher genannt wurden, aber wir verschoben es von Stunde zu ,,

®obbi erzählte in seiner Angst einem Mitschüler die ganze Geschichte, und der Mitschüler Hans Lemke, drohte uns. Und bann lief ich eine Tages von meiner und. unserer Angst gepeitscht, zu Herrn Neumann in die Veranda und schrie.:

H^er'r Neumarm "sprach mit unseren Vätern. Wir wurden vor die vier Männer geladen und gestanden alles. Und, freund, sie bestrasten "" Her?Neumann sagte:Ihr habt nun viel an euren Eltern und an mirÄra^(le53unn9bne5 mar doch sehr viel, denn niemals wieder haben mir das Paradies nachbarlicher Obstgarten betreten.

Gib dernem Jungen eine Bewährungsfrist, lieber jreunb.

®obbi. Konni und Polli haben sie damals bekommen, und sie haben ,id,!Bobbif,mar Bobbi. Er ist in Frankreich gefallen. Polli war ich - und Konni, lieber Freund, warst du.

-»Ä« ä*°"*"

trüt Idhönen Bildern Spieldosen mit seinen, zimperlichen Melodien.

L.-L J- KÄÄStf I.Ä Ä; Ä! S'Kn;m talhn W»u.

ten unbe" mürben Drei verschiedene Wege sestgelegt, die uns getrennt würgen, um nicht auszusallen. Ich meiß nicht, mie es Bobb, und Sonnt babei ergangen ift. $$ bitfe Mauern eines

schweren9 Widerwillens,' aber es zog mich mit größeren, unheimlichen 0CtZbb'i' und Konni waren schon da. Sie lagen auf Händen und Knien h tfnrrfcn 3u ber zerschlagenen Scheibe hinüber. Ich hockte neben ihnen nieber Dann krochen mir, obrnvhl mir kriechend ebenso gut ge- rr fnnnten mie aufrecht gehend, über den Kiesrneg, zogen

LhHtebengebltebenen Glasscherben aus dem Kitt und kletterten hinein.

Die zerbrochene Scheibe krachte und knirschte unter unseren Fußen. Mein Herz schlug, als ob es bersten mollte. Die Ohren sausten, und ch hatte eine Unsägliche Angst. Da lag meine bunte Kugel, dort der Mauer­stein- und sonst mar der Raum leer? .

Sa flüsterte Konni - ja, es mar Konm, mem Freund -.

Ich w^te"es'nlchl"in die dunkle Ecke rechts neben dem Fenster zu sehens nahm meine Kugel aus und steckte sie in die Tasche. Dabei sah ich rwen^alten^ K^s Musterte ich und schlich glückt aus ihn 8U-

f) int er mir hörte ich Schritte huschen und Flaschen aneinander «irren- Ich machte den Kchtendeckel auf. Nägel waren darm rostige Haken Stücke von Mefsingketten, Krampen und Drahtstucke und eine alte 3iimeinee5inger wühlten in dem Kasten umher Sie suchten ben Steck- fdilüfiel zu der Uhr und sanden ihn. Ich öffnete den Deckel der Uhr und zog sie auf. schüttelte sie. und flüsterte über die Schulter zuruck.

Jch"ha!!e^sie^am9Ohr" als Bobbi und Konni neben mir austauchten. Rte hatten ieter eine F asche Wein in der Hand und kicherten böse

Äer Freund ich weiß nicht mehr, wie es geschah, ich kann den Taumel, die Besinnungslosigkeit, das alles übertönende Rauschen und tÄÄÄÄÄ

die grenzenlos ineinander übergehen und doch eine ganze Welt Zwischen

waren bann plötzlich wieber im Tannendickicht: Bobbi und Konni mjÄSS S S °>. söpf. *(*««.« Sine haben mir getrunten, die andere an die Wurzeln einer Tanne gegossen Wir waren betrunken und beredeten, daß mir dm Uhr wechselnd tragen wollten, gingen sehr vorsichtig aus dem ©arten aus die Straße, hakten uns unter unb fangen mie die rechten Diebe.

fphpn mir io leben u)ir, |o leben wir olle loße Es war ein Glück, daß mir von niemanden angehalten mürben. Man ataubte mohl, baß mir die Betrunkenen nur spielten.

? o" S»-Wft

t 'm. ü ? te laut 'schien sie zu ticken. Ich konnte nicht essen, unb Vater guckte immer wieder durch seine Brille unb sagte schließlich drohend:Nah, m we chem Apselbaum hast du mieber gesessen?!" -In keinem - . wehrte ich ab unb errötete über unb über. Das war nun bie Wahrheit, unb |te "°N!L'dem"E°Ien''Äich"ich in ben Keller. Die Stufen krachten wie nie zuvor. Ich pfiff über meine qualvolle Angst hinweg unb tat a s ob Ich iraenb etwas Unschukbiges im Keller zu tun hatte. Hunbert ßchere Verstecke hätte es gegeben, unb ich sanb keine. Mir war, als konnte ich mein schreckliches Geheimnis nur hüten, wenn es bei mir, an meinem Körper, unter meiner Obhut wäre. Ich steckte bie Uhr in bie Hosentasche unWtetterte die kurze Treppe hinauf, als führte sie aus bie Hohe be Eiffelturmes. Die geballte Hanb umschloß bas verräterische Ticken meines Verbrechens. Ich öffnete bie Wohnzimmertur halb machte eine schnelle Verbeugung unb wünschte meinen Eltern eine gute Nacht.

Willst du uns nicht wenigstens die Hand geben? fragte mein Vater. Die Hand löste sich von ber Uhr. Sie dröhnte in mächtigen Schlagen. Ich selbst trug ihren Verrat meinem Vater entgegen. Er gab mir bie Hanb. Mutter küßte mich auf bie Backe. Ich sah habet, baß Vater (eine Uhr aus der Tasche nahm, ihren goldenen Deckel springen ließ und nach ber Zeit sah Er hat meine Uhr gehört unb denkt, es sei bie seine, dachte ich, unb ein Stein wälzte sich von meinem Herzen.

Ich lies hinaus. Die Tür krachte hinter mir. Ich legte bie Uhr unter bie Matratze, zog mich aus unb kroch ins Bett. Aber das ganze Bett dröhnte in bem Takt der Uhr. Vor bem Schlafengehen, so wuß « i-h. würde mein Vater kommen und nach mir sehen. Er kam blinder Finsternis, und er war taub, denn er hörte nicht, daß die Bett,teile, daß die Wände und das ganze Haus mit Donnerschlagen drohten.

Es war eine Nacht, so lang wie mein ganzes Leben. Es war eine

un|i bifl1 am

iva im Ph (ich Mi Im um ch ab! an de in er 14 Ist nu Ki Bi

n

6 |d m Ü t 3 r e t! ei $ b s a J E r

li li n

5 S S t

5 c !

I

i