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j ahrgang (953
Freitag, den (7. Zevruar
Nummer H
den Hosentaschen, sein Schlagholz er bei mir war, sagte er: „Mens
Neumanns waren verreist.
Ich
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j unter den Arm geklemmt, und als ensch, das war bei Reumanns!"
t Baron mir bas s Schuld nd dann, Eine Un-
Erkenntnis.
Von Gottfried Keller.
Willst du, o Herz, ein gutes Ziel erreichen, muht du in eigner Angel schwebend ruhn; ein Tor versucht zu gehn in fremden Schuh'». Nur mit sich selbst kann sich der Mann vergleichenl
Ein Tor, der aus des Nachbars Kinderstreichen sich Trost nimmt für das eigne schwache Tun, der immer um sich späht und lauscht und nun sich seinen Wert bestimmt nach falschen Zeichen!
Tu frei und offen, was du nicht willst lassen, doch wandle streng auf selbstbeschränkten Wegen und lerne früh nur deine Fehler hassen!
Und ruhig geh den anderen entgegen; kannst du dein Ich nun fest zusammenfassen, wird deine Kraft die fremde Kraft erregen.
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Der Einbruch.
Erzählung von Friedrich Arenhövel. bin, lieber Freund, nun wieder in meinen vier Wänden. Das
llmglü'ck, das dich zwei Stunden vor meiner Abreise betroffen hat, geht it mir nach. Dein Sohn Otto hat dich bestohlen. Du, lieber Karl, er= i nerft mich an den Meister Anton aus Hebbels „Maria Magdalena":
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„Na, hast du aber Schwein", staunte er.
Inzwischen tarn Könnt mit dem gefundenen Ball. Wir erzählten ihm die Sache, und er war erfreut.
„Mal sehen —" meinte er.
Wir versteckten unsere Schlaghölzer und den Ball hinter einem Gitter und schlenderten mit unseren schwarzen Klassenmützen in sittsamer Quintanerhaltung an Neumanns Garten entlang.
„Habt ihr gesehn?" fragte Könnt, als wir vorbei waren.
Wir hatten nichts gesehen.
„Dussels! — Die Kellerscheibe auf der anderen Seite?"
Wir kehrten um und sahen nun das Loch in der Scheibe. Es war ziemlich kreisrund und glatt kopfgroß.
Wir beschlossen, während der Dämmerung den Schaden genauer zu besehen.
Bobbi stand Schmiere, als Könnt und ich die zertrümmerte Scheibe hockend in Augenschein nahmen.
„Raus kommt's doch!", unkte Könnt und stieß mich mit dem Ellenbogen, daß ich umsiel.
„Wieso?" fragte ich empört.
„Tja, die Splitter liegen drinnen und deine Kugel auch."
„Sann müssen wir sie eben rausholen."
Könnt nickte. Wir gingen zu Bobbi auf die Straße, hielten Kriegsrat und beschlossen, das Loch mit einem großen Stein zu erweitern. Wir suchten und sanden unter der Veranda einen Hausen Mauersteine. Bobbi wurde wieder auf feinen Straßenposten geschickt. Es dauerte lange, bevor die Lust genügend rein war. Aber endlich krächzte Bobbi wie ein Eichelhäher, wir antworteten, und dann — wer eigentlich geworfen hat, weiß ich nicht mehr, dann krachte die Scheibe. Wir verkrochen uns In einem dichten Tannengebüsch und warteten in unserem Versteck, ob jemand aufmerksam geworden wäre. Es geschah nichts. Die Sprungwoge unseres Erschreckens über den entsetzlichen Krach ging allmählich in ruhige Wellen über, die in der duftenden Flut des Herbstabends verebbten.
Ja, mein Freund, nun kommt das Schwere, das Unglaubliche —
Am nächsten Abend wollten wir meine Glaskugel aus dem Keller holen. Wir trafen uns schon morgens, liefen im Walde umher und sanden es langweilig. Es ist ein Unterschied, ob man aus Versehen eine Scheibe einwirft, oder ob man sie mit Absicht zertrümmert. Wir wußten längst, was ein schlechtes Gewissen ist, aber es war doch nie so schlecht gewesen, daß es nicht durch eine Tracht Prügel wieder gut gemacht werden konnte, und es erwachte meistens erst bann, wenn wir abgefaßt waren. Aber das wahrhaft schlechte Gewissen birgt in seinem Kern die folgende schlimmere Untat. Jetzt aber hatten wir Leibschmerzen vor Erregung. Wir waren gegeneinander gereizt. Wir haben uns wegen einer Eidechse geprügelt, die dann keiner von uns erwischte. Wir lagen in der Sonne und wälzten uns unruhig hin und her. Jeder dachte an den Abend, und keiner fing davon zu sprechen an, bis Bobbi plötzlich sagte: „Na, ich bin's nicht gewesen."
„Du?!" fuhr Könnt auf, „was hast du denn gemacht? — Du hast Schmiere gestanden, ganz gemeine Schmiere! — Feiglinge stehen Schmiere."
Bobbi antwortete nicht. Wir lagen nebeneinander auf dem Rücken und starrten in die Luft.
Da war es wieder Könnt, der zu sprechen begann. Es war woht eine Rückwirkung auf den Vorwurf der Feigheit, ein erstes leises Anklingen des Mutes, der sich durch eine verwegene Tat zeigen wollte:
„Was roohl in dem Keller ist?"
Das war eine Frage, mit der sich jeder von uns beschäftigt hatte. Meine Glaskugel lag da, der Mauerstein, die Scherben der Scheibe, das stand fest. Diese Dinge schwammen in einem leeren Raum, dessen Winkel und Ecken sich in unserer Vorstellung zu füllen begannen. Alle» mögliche konnte darin fein, alter Hausrat, interessantes Gerümpel. 0, wer erinnert sich nicht der Märchenwelt haarloser Besen, vergilbter Bilder, abgelegter Kleider, alter Zuber und aller dieser herrlichen Requisiten, mit denen sich die Phantasie unserer Jugend in herrliche Abenteuer begab.
„Was soll es schon fein", sagte ich gespannt, „der Kohlenkeller?" Der ersehnte Widersprach kam sofort.
„Nichts zu machen'/' sagte Konni, „die Scheiben sind zu sauber." „Vielleicht der Weinkeller?" riet Bobbi ermutigend.
„Bestimmt", sagte ich.
Wir saßen plötzlich aufrecht, blickten uns an, und es war uns peinlich, uns zu sehen. Wir schämten uns über irgend etwas, das wir nicht kannten und begannen hastig zu flüstern. Niemand wußte im Keller des Herrn Neumann Bescheid, und jeder tat, als ob jener Raum
„Ich verstehe die Welt nicht mehr." —
Nun wirst du, wie ich dich kenne, deinen Sohn auf einen außer- « dentlichen Weg schicken wollen, um einen außerordentlichen Irrweg Mfzuheben. Du deutetest Zwangserziehung an. Deine Entschlüsse pflegst t« schnell In die Tat umzusetzen. Darum schicke ich dir dieses Schreiben Isrch Eilboten, und ich bitte dich dringend, die folgende Geschichte Wort f. r Wort zu lesen, bevor du dich entscheidest.
Konni, Polli und Bobbi waren unzertrennliche Freunde. In der iiuinta saßen sie ziemlich hintendran; außerhalb der Quinta aber ganz tx>rn. Ihnen war kein Baum zu hoch, kein Stacheldraht zu scharf, keine t»se zu gut. Die Herbstzeugnisse waren einander zum Verwechseln fonlid) und unter der Rubrik „Besondere Bemerkungen" stand bei allen i eien, daß sie sich sehr zusammennehmen müßten, um das Ziel der Haffe zu erreichen.
Trotzdem waren die Herbstferien schön. — Ach, lieber Freund, warum ftlll ich mich vor dir verstecken? — Ich war der Polli! — Ja, der Polli mar ich — —
Weißt du, wie ich zu diesem vorzeitigen Geständnis komme? Jcb vsollte dir beschreiben, wie sehr, sehr schön die Herbstferien waren und dabei fielen mir geflaute Aepfel ein.
Hast du einmal einen solchen Apsel gegessen, Freund Karl? — Ich gilbe die drei Zentner dafür, die ich mir heute für den Winter bestellt Hube! Sie duften immer noch nach Sehnsucht, nach Nebel und nach killendem Laub, aber Konni baumelt nicht mehr neben mir auf dem ijjjt mit den Beinen, und Bobbi stöhnt nicht mit vollem Munde:
„Je mange, tu manges, il mange, nous mangeons, vous mangez, ils Eli-
Nein, nein, ich mange heute meine ehrlich bezahlten Aepfel.
Nun, wirst du sagen, Aepfel haben wir schließlich alle mal stieditzt. Du auch, mein lieber Karl?
Ja. — Aber nun höre.
An einem Nachmittag in diesen Herbstferien spielten Konni, Bobbi und ich Schlagball. Wir schlugen den Ball durch die Lindenallee, an der bs Häuser unserer Väter standen, und als es einmal wieder geschah, b: ß der Ball sich verslog, und Konni ihn in einem fremden Garten sichen mußte, wurde Bobbi und mir die Zeit lang. Ich nahm eine gwfje Glasmarmel aus der Tasche, warf ihn hoch, holte aus und traf ila kräftig. Er surrte davon. Seine Flugbahn sahen wir nicht. Aber i r hörten ihn durch die Linden flitzen, und einen Augenblick später tlirrte eine Scheibe. Bobbi freute sich mächtig. Mir dagegen war sehr bKlommen zumute. Auszukneifen halte keinen Zweck. Sie wußten ja dich alle, daß einer von uns es gewesen sein mußte. Bobbi war krumm Mr Lachen. Er stützte die Hände auf die Knie und guckte nach dem de- iwsfenen Nachbarn aus. Als nichts geschah, keine Stimme sich hören lifß, niemand mit einem Knüppel bewaffnet an einer Pforte erschien, inr ich froher und Bobbi ernster. Er kam auf mich zu, die Hände in
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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger


