idi aus Zähne
- 1lnh fiiinmert sich nicht darum. Aber die beiden 5)unbe gehen nicht oon der Stelle Der große bleibt babei: „Hauff! Hauff! und der t le ine bleibt auch bei seine? Meinung: „Haff! Hoff-' Da entt er: Zu we laichen Hunden gehört auch ein seiner Herr und — fdjlau muß man semi und wenn ich euch den Willen tu, dann wird euer Herr, der jeben 2lugcn- blicf kommen m^, sich barüber sreun unb kaust mir die ganze Kuh für
-r 'fJr nh Aauff! Hauff!" sagt bie Dogge, unb er antwortet ihr: 3a du" sollst eine großen Hausen kriegen!" „Haff! Hais!" sagt ber Spitz, ünb er begütigt ihn: „Sei man still, ßüttjer. Ich hab bich lange schon oer- jtanben Du willst bloß einen Happen. Bist ja auch klein unb nicht mehr aanx neu Sollst ihn haben, beinen Happen."
9 äa, und dann legt er ber Dogge einen großen Haufen Fleisch —nicht vom Schieren, sondern mehr Knochen als was dran — auf bie erbe unb ber große Köter haut ein, bag es kracht. „Haff! Hass! schreit ber Spitz. „Kommt schon, ßüttjer!" sagt er unb gibt ihm einen Happen Fleisch: Dom Bauch bloß, aber ohne jeben Knochen, denn mit ben Zahnen bes Kleinen ist es nicht mehr zum Besten. ,
Als bie beiben Hunde bas Fleisch aushaben, ist ihr Herr noch immer nicht zu sehn. Er fragt einen, ber vorübergeht, wem bie Dogge unb ber Spitz gehören. „Der Spitz ist aus ber Stabt“, lautet bie Antwort. „Aber wem bie Dogge gehört, kann ich nicht sagen. Die stromert rum unb ist wer weiß woher." „Waas?" schreit er.
Gerabe wollen bie Hunbe sich bavonmachen. Er — nicht faul— kriegt bie Dogge mit einer Hand beim Schwanz zu packen unb ruft: „Bezahlen. Die Dogge versteht ihn falsch. Beißt um sich. Er springt zuruck. Hakt m, bem Fuß fjinters Tischbein. Das klappt zu. Parbauz! liegt bie Kuh auf dem Markt. Uib bann ist es so, als wenn die ganze Welt nur noch aus Kötern besteht. Die sollen über bas Fleisch her. Schlagen bie Zahne hinein. Fressen, schleppen weg. Auch ber Spitz ist habet Die Dogge hat sich daoongemacht. Er, so schnell wie's geht, roieber hoch. Er schimpft. Er schlagt. Er stößt mit Fußen. Tritt auf ein Stück Fleisch. Glitscht aus. Fallt aus bie Nase, baß sie blutet. Wieber hoch. Geschimpft, geschlagen, getreten, gegrapscht, was er kann. Unb nun besteht bie Welt bloß aus iachenben Menschen. . . . .
Etwas, nicht viel, von dem Fleisch hat er gerettet. Er hat den Tisch mit den verdammten Klappbeinen wieder ausgestellt, das Laken um= gedreht unb bas Fleisch, bas er beim Marktbrunnen säuberlich abgewaschen hat, obenbrauf gelegt. Aber hat wohl noch einer was von ihm kaufen wollen? Nee! Mit den Fingern haben sie aus sein Fleisch gezeigt, haben getuschelt unb gelacht. . .
Da er bas Lachen unb bas Tuscheln unb bas Fingerzeigen nicht mehr vertragen konnte, hat er ben Tisch mit ben Klappbeinen unb bie Waage unb bre Gewichte unb bas Laken unb bas Schlachtmesser unb bas bißchen Fleisch bas bie Köter nicht geholt haben, auf ben Wagen gepackt und hat im nächsten Augenblick das Querbrett unter bem Hintern unb bie Leine in ber Hanb gehabt. „Hüh! Rach Ziggelmark!"
Als er eine Viertelstunde von Wittenburg weg ist, muh er plötzlich denken: Zehn Taler soll ich mitbringen. Au weh! Na, das ist >a nun nicht zu machen. Nicht einen einzigen Taler hat er in ber lafdje. Unb mas er nicht eingenommen hat, kann er nicht nach Haus bringen. Wird sich schon alles zurechtziehn, wenn er nach Ziggelmark kommt. Wozu ist er ein Kerl? ,Maul halten, Olsch!1 Unb plötzlich packt ihn bie Wut. Er nimmt bie übriggebliebene Kuh unb wirft sie.in ben Graben. ,Solln die Frosche fressen, wenn sie Rinbfleisch mögen!1 ■ „
„Unb als bu nach Haus gekommen bist, hat beine Frau , sagt der Herzog unb macht, ba et vor Lachen nicht weiter kann, währenb Lub- rnilla mit unerschütterbarem Ernst baneben sitzt, macht eine unmibver- stänbliche Bewegung mit ber rechten Hand. „Nee", sagt Waak. „Noch ist s gut gegangen. Ich hab meiner Olsch gesagt: morgen geh ich zu Johann Ludwig. Der ist ein gerechter Richter."
„Ich soll zwischen dir unb der Dogge —", bem Herzog geht vor Lachen
das Wort aus. -
„Ja", bestätigte Waak, „Recht sprechen! Zwischen mir unb ber Dogge. Der ßüttje, ber Spitz, kann nichts bafür."
„Die Dogge ist boch ein Tier, Waak!"
„Der Herzog hat, als ich gekommen bin, selber gesagt: Alle Tiere müssen ihm gehorchen. Alle Tiere ohne Ausnahme. Dann muß ber Herzog auch Recht sprechen können zwischen mir unb der Dogge."
„Aber bie Dogge wirb bir ben Schaben nicht bezahlen. Unb ihr Herr, vorausgesetzt baß er zu finben ist, auch nicht."
„Das weiß ich allein", sagt Waak. .
„Ja, wie benkst bu es bir bann, bein Recht zu kriegen?"
„Da ich Recht hab, soll der Herzog mir zwei Knechte mit Hellebarden stellen. Wir wollen bie Dogge im gangen ßanb suchen. Sowie ich sie ge- funben hab — unb ich werbe bas Biest wiebererkennen, auch wenns aus allen Höfen nichts als Doggen gibt — bann —"
„Dann sollen meine Knechte ben Missetäter zur Strafe abstechen?"
„Neee —! Dann sollen beine Knechte bie Dogge an ihrer Halskette festhalten, Johann ßubtoig, unb sollen ihre Hellebarben so gegen ihren Kops ausstrecken, daß sie nicht nach mir umsehn kann, und ich —"
„Da bin ich aber gespannt, was bu ihr antun willst.“
„Ich werbe sie biesnial mit beiben Händen am Schwanz zu halten kriegen, .Bezahlen!1 rufen unb solange bis sie verstanden hat, bah es In der Welt Recht und Ordnung ist: wer einem Fremden was wegfrißt, muß bezahlen! bezahlen! solange an ihrem Steert läuten!"
Da durchschüttert es bie Herzogstochter ßubmilla. Blut schießt in ihr Herz, bas Gesicht rötet sich, sie legt die Arme übereinander, sucht sich zurückzuhalten — ihre Mutter starb! wie darf sie es wagen! — aber ihr Oberkörper fällt über die Arme weg nach vorn und sie lacht, lacht, lacht...
„Bringt die tausend Taler die ich ausgeboten habe!" ruft ber Herzog. „Waak hat bas Wunder vollbracht: meine Tochter kann wieder lachen. Holt einen Tisch! Zählt dem Bauern das Geld vor! Damit er sieht, daß
nicht ein Taler sehlt.“
Ein Tisch wird hereingeschleppt, vor den Bauern aus Ziggelmark hin- gestellt, tausend Taler werden ihm darauf vorgezählt: in vielen Reihen viele blanke Goldstücke. Als die Summe voll ist, sagt der Herzog — ßubmilla lacht noch immer —: „Ist dein, Waak, das Gelb. Ist alles bein!“
Nee!“ sagt der Bauer. Und: „Wieso?? Daß Ludmilla wieder lacht, dafür kann er doch nicht. Denn die Geschichte mit der Kuh ist eine verteufelt ernsthafte Geschichte. Ja und deswegen, bloß deswegen: wenn er wirklich zehn Taler von den vielen Talern da kriegen kann, das ist wohl der beste Ausgang bes verbammten Handels. Denn damit, batz bie Dogge ihn versteht, hat feine Olsch die zehn Taler für die geschlachtete Kuh ja noch nicht.
Der Herzog sieht seine Tochter fragend an. Die nickt zustimmend. Und Johann ßubroig verkündet: „Spruch des Herzoglich ®ittenburgifd)en Gerichtes! Dem Bauern Waak zu Ziggelrnark zehn Taler Entschadchung für die von den Hunden aufgefreffene Kuh aus ber Herzoglichen Kaffe. Daß bie Sache mit ber Dogge aus ber Welt kommt.
Waak grient, nimmt zehn von ben tausend Talern, steckt sie in seinen Hosensack und meint bann: eh er fortgeht, muß er bem Herzog noch was ins Ohr sagen. Johann ßubroig nickt Gewähr. Der Ziggelmarker Bauer steigt auf ben Richtersitz, beugt sich zu seinem ßanbesherrn nieber, ftustert. War aber bloß acht Taler wert, bat olle Diert! unb lauft, was er laufen kann, daß ihm das Gelb nicht roieber abgenommen wird.
Keine Gefahr, Waak!
Herzog Johann ßubroig zu Wittenburg im Mecklenburger Lande unb seine Tochter Ludmilla, ber das Lachen verloren gegangen war sind vollauf damit beschäftigt, dies roiebergefunbene köstlichste Kinb bes Lebens zu hätscheln.
Gedicht.
Don Novalis.
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren • Sind Schlüssel aller Kreaturen, Wenn die, so fingen oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freie Leben, Und in die Welt wird zurückbegeben, Wenn bann sich wieder Licht und Schatten Zu echter Klarheit werden gatten, Und man in Märchen und Gedichten Erkennt die wahren Weltgeschichten, Dann fliegt vor einem geheimen Wort Das ganze verkehrte Wesen fort.
Der unbekannte Tolstoi.
Aus einem Tagebuch des 26jährigen Dichters.
Aus bem Russischen übertragen von Dr. Petross.
Soeben ist ’in Moskau zum ersten Male ein bisher un« bekanntes Tagebuch Leo Tolstois aus dem Jahre 1854 ver- ösfentlicht worden, das die spätere Persönlichkeit des Dichters unb Denkers im Keim offenbart. Tolstoi lebte damals in Bessarabien.
21. Juli: Früh morgens hat man mich geweckt und nach Sineschti ge- bracht. Ich bin mit bem heutigen Tag sehr unzusrieben. Ich hatte nämlich keine Zeit, etwas zu tun. Nicht einmal zum Lesen bin ich gekommen. Ich habe eine Genossenschaft mit nicht befonbers anftänbigen Leuten gegründet. Ich wäre zufrieden, wenn ich die Gelegenheit hätte, mich gut zu benehmen. Ich mache mir Vorwürfe, 1.) weil ich im Essen nicht enthaltsam war und Käse gegessen habe, 2.) weil ich den ganzen Tag gesaulenzl habe.
24. Juli: Heute kam ein Regimentskamerad mit unzufriedenem Gesicht zu mir und hat mir meinen Rapport an den Chef des Regiments zurück- gebracht. Ich habe mich über Kleinigkeiten geärgert und war den ganzen Tag mißgestimmt. Ich war wieder faul, apathisch, schweigsam, schüchtern bis zum Angstschweiß unb wußte nicht, was anzufangen. Es ist fonber- bar, baß ich erst jetzt einen meiner wichtigsten Fehler bemerkt habe Es ist ber Neid, ber für anbere beleidigend erscheint, sowie die Eigenschaft, meine guten Seiten besonders hervorzuheben. Um Liebe feiner Mit- menschen zu gewinnen, muß man alles das, was einen aus den Reihen der anderen hervorhebt, ängstlich verbergen. Recht spat habe ich das erkannt.
26 Juli: Selten habe ich mich in jeder Beziehung so schlecht gesühlt wie zur Zeit. Ich bin krank, gereizt, vollständig einsam, falle allen zur Last stehe in schlechtem Rus im Dienst unb habe kein Gelb. Ich mutz mich aus dieser Misere herausziehen. Ich muß ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten haben und mir Gelb verschaffen. Ich werfe mir vor: 1.) Faul- beit, 2.) Indiskretion, 3.) Unfchlüssigkeit, mich zu verbessern.
27. Juli: Ich wäre mit dem heutigen Tage zufrieden gewesen, wenn nicht die Faulheit wäre. Einige Gedanken kamen mir in ben Sinn. Ich fühle bennoch, wie mein Gebächtnis erlahmt, wie Liebe, Achtung, und Vertrauen zu meinem Verstanb verschwindet. Ich gehe in der idealen Welt zurück und komme in der praktischen Welt nicht weiter.
28. Juli: Ich schreibe in angenehmster Stimmung, in der ich den ganzen Abend verbracht habe. IßormWags habe ich gelesen, habe mich mit Birnen vollgegefsen unb statt bes Mittagessens Käse genossen. Trotz eines Gelage» bei Kameraden, die eine Beförderung bekommen haben, bin ich nicht neidisch gewesen. Abends habe ich zwei Gläser Sekt ausgetrunken.
29. Juli: Meine Besserung greifet glänzend vorwärts. Ich fühle, wie meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen angenehm und leicht werden,


