verlassen hätte?"
(Fortsetzung folgt.)
Beran-wörtlich: LH. tzanü Thhrioi. - Druck und Verlag: Brühl'fche Universitälö.Buch. und Sleindruckerei.D. Lange, Dieben.
"^°,Und^Äe^ lange sind Sie eigentlich schon im Haus, liebe Frau 6rf,,n£ nächsten Frühjahr sind es vier Jahre. Aber ich kamschon zu Lebzeiten des Kapitäns ins Haus — zum Ausbessern der Wasche und dergleichen — verstehen Sic? Gott ja, man hat auch emmal bessere Seiten gesehen! Mein Mann war Steuermann, denken Siel Aber er konnte das Trinken nicht lassen und verputzte, kaum daß er irgendwo an Land kam, seine ganze Heuer. Da mutzte ich mir eben allein weiter« ^Sie drückte ausschluchzend das Tasentuch an die Augen.
„Und darum zogen Sie dann zu Herrn Grau?'
Frau Schnee wehrte beinahe entrüstet ab. ..... . .
0 nein! Wo denken Sie hin! Ich wohne doch nicht bei einem allem- stehenden Herrn! Ich habe hier in der Nachbarschaft mein Zimmer und komme mir an, Vormittag und oft gegen Abend noch ein paar Stunden herüber, um bei Herrn Grau auMräumen und seine Wasche instand zu halten. Die Mahlzeiten bereitet er sich selbst."
Der sremde Herr Horchte interessiert auf.
So — so — Sie sind also gar nicht ständig im Hause? Dann können Sie" ja eigentlich gar nicht missen, ob Herr Grau nicht doch zuweilen Besuche empfängt — ich meine solche, die er vielleicht nicht gerne vor anderen sehen lätzt." „ . .
Er zwinkerte vielsagend mit den Augen. Frau Schnee wurde unter seinem Blick krebsrot und setzte eine beleidigte Miene auf. „O nein, Herr Donald ist ein sehr solider Herr. Dafür wollte ich meine Seligkeit verpfänden. Autzerdem hätte sich so etwas schon längst in der Gegend herumgesprochen. Hier draußen haben die Leute ja nichts Besseres zu tun, als auf ihre Nachbarn auszupassen."
Sie batte vor Entrüstung ein ganz steises Genick bekommen und die Fi^tpolsler ihrer Wangen zitterten ausgeregt. Der Herr sand es angebracht, das Gespräch aus ein anderes Thema zu lenken. Er beutete auf eine Photographie in Goldrahmen, die über dem roten Pluschsofa hing und eine junge Frau mit seltsam schwärmerischen Augen darstellte.
„Wer ist das?"
„Oh, das ist 5rau_®rau, die Mutter des jungen Herrn. Er sieht ihr sehr ähnlich. Finden Sie nicht?"
„Lebt sie noch?" r. ..
„Nein — sie mutz ziemlich jung gestorben sein. In einer Anstalt, heißt es. Sie soll ja im Kops nicht ganz richtig gewesen sein.
„Was Sie sagen! Geisteskrank? Und wie äutzerte sich das?
„Das kann ich so genau nicht sagen. Zu ihrer Zeit kam ich ja noch nicht ins Haus. Aber die Schwester des seligen Herrn hat nur so manches erzählt. Sie soll oft an Krämpfen gelitten haben, die Arme. Und es tarn' vor, das, sie mitten in der Nacht ausstand und aus dem Haus „es — stundenweit. Bis man sie irgendwo aufgriff und wieder heim- brachte. Aber dann mutzte sie überhaupt nichts davon, daß sie weg- gewesen war."
„Nicht möglich!" ,,
„Ja, denken Sie! Und sie soll ja auch das .zweite Gesicht' gehabt haben."
„Das zweite Gesicht? Was ist denn das?
„Ja, das ist nicht so einfach zu erklären. Zum Beispiel, als ihr Bruder umkam bei dem grotzen Kinobrand in New Orleans — Sie werden sich nicht mehr erinnern, es mag gut seine zwölf Jahre her sein — da hat sie alles vorausgesagt. Wahr und wahrhaftig! Damals rüttelte sie nachts ihren Mann aus dem Schlas und sagte, weitz vor Entsetzen: Du wirst sehen, Eduard, jetzt eben geschieht irgendwo — weit fort von hier — ein furchtbares Unglück! Ein grotzes Haus brennt. Ich höre viele Menschen schreien. Und Charlie ist auch dabei. — Charlie, das war ihr Bruder. Es verbrannten damals an die zweihundert Menschen. Ja, Herr. Und das Unglück geschah genau auf die Stunde, als sie den Kapitän ausgeweckt hatte."
Der Besuch lächelte ungläubig. „Das wird hinterher immer cr3af?(£ Nehmen Sie mir's nicht übel, liebe Frau, aber au, jo was gebe ich "ld®r ^hrte"stch mu'einem geringschätzigen Achselzucken ab und sahte * Ä
XV'ü'na im Sertrauen ge|afll — juweilen lürchle 'ch l-g-r datz er auch sonst noch manches von ihr abbekommen hat. Sie ver- ,tel5i<f)t ganz. Aber Sie können sich ganz offen aussprechen - ich verrate Sie nicht. Sie meinen — hier oben?
(£r machte eine diskrete Gebärde nach der stirn. .
Ja das meine ich! Er ist manchmal ja sonderbar. Besonders in der (eht’en Zeit. Tagelang hielt er sich in seinem Zimmer emgeschlosten, und irf, hörte ihn droben herumwandern. Immerzu —- Stunden um Stu ' den Zuweilen sprach er laut mit sich „selbst - es horte sich an, als rede er mit einer anderen Person, aber...
HWohe^wutzten "sie denn, datz er mit sich selber sprach? Vielleicht l,al*n C—“da/gla'ibe ich nicht. Einmal konnte ich mich nämlich nicht enthalten durchs Schlüsselloch zu sehen. Aber außer £e[rn®rau .to'V,le. ich niemand sonst im Zimmer entdecken. Allerdings habe ich auch nicht gut sehen können, denn der Schlussel steckte von auhen.
Aha! Und haben Sie gesehen, was Herr Grau machte.
Er lianb vor seiner Stasselei und malte. Und dabei sah er immer in die Ecke des Zimmers, die ich nicht übersehen konnte, well doch der 3rf,,l,Unö'än was für einem Bilde er malte, haben Sie nicht sehen ‘“"'«ein, die Stasselei stand mit der Rückseite gegen mich. Jch bin dann auch gleich wieder von der Tür weggegangen weil ich furdjte e Herr Donald konnte plötzlich herauskommen und mich erwischen. Es ist ncuw ii» loiiberbar - er merkt alles. Manchmal ist es beinahe so, als ob er einem die Gedanken aus dem Kops lesen konnte. Ganz unheimlich kann eilK HinQ'fa 1>Dere/remde starrte nachdenklich aus das Blunie 111011(1 er des Teppichs. „Und später haben Sie das Bild auch nicht zu Gesicht kommen?" burfte ja fQft eine Woche lang das Zimmer nicht auf- räumen. Und als Herr Grau mich endlich hmeinUeh, da war die Sta feie, schon leer Dafür sah es aber auch in dem Zimmer aus! Wie in einem Schweinestall mit Respekt zu sagen! Der Fußboden und die gute Tisch- berfe alles voller Dclfarbe! Zwei Tage hatte ich daran sauber zu '"°Ein Schweigen trat ein. Man hörte nur noch das eintönige Trommeln des Regeiw auf dem Fensterbrett. Der fremde Herr stand plötzlich auf "nö Ich' fürchte,^Her'r Gran kommt sobald nicht zurück. Was hat ihn denn veranlaßt' schon so früh auszugehen? Bei diesem Hundewetter?
Die Augen der alten Frau füllten sich mit Tränen und ihre Stimme Ilana diesmal ausrichtig bekümmert: „Ach, wenn ich das wußte. Aber er ivricht sich ja niemals zu mir aus. Rennt eiusach auf ""b davon, ohne nur ein Wort zu hinterlassen. In aller Herrgottsfrühe Ich habe G meinen Ohren nicht getraut. Aber ich konnte ihm doch nicht nachlausen, * “U" «. f* °»ch •*
»««r T«.- bm Ich auch und machte ein paar bedenkliche Schritte auf die Tur zu. Dort drehte er sich noch einmal um und streckte Frau Schnee zum Abschied die i)an$sltut mir wirklich sehr leid, Herrn Grau nicht angetroffen zu haben. ®rüften Sie ihn von mir. Reuter ist mein Name — /mr waren «chuL kaineraden. Es ist wie verhext! Gestern — als er mich besuchte, war ich nicht^u Hause^und?j" guten Frau Schnee blieb vor Ueberraschung der' Mund ossenstchen, was ihrem Gesicht keinen besonders geistreichen ^^,Jawoh/—^ gestern nachmittag! Er ließ mir sagen, er sei ohnedies geschästlich in Berlin und hätte mich nur besuchen wollen. Es tat mir aufrichtig leid, und da ich für heute nichts Besseres vorhatte habe ich nnch auf die Bahn gesetzt und bin auss Geratewohl Ijerubergefaljren.
Dos Mienenfviel der Alten wurde immer verstörter.
Aber en" chilldigen Sie. Herr - eh - Reuter..." stammelte sie, „das kann doch gar nicht stimmen! Da mutz ein Irrtum oorliegen. Herr Grau war ja gestern gar nicht in Berlin!"
Was sagen Sie da? Er hat mich doch besucht!
"'Aber das ist ja ganz unmöglich! Wo Herr Grau doch seit vier Tagen überhaupt nicht aus dem Haus gekommen ift!
„Woher wissen Sie das?" .
Weil ich die ganze Zeil bei ihm war und ihn gepflegt habe. Herr Gran war doch krank — ich sagte es Ihnen schon! Er hatte über 40 Grad Fieber Aber er wollte durchaus keinen Arzt haben. Da getraute ich mir nicht, ihn nachts allein zu lassen. Ich hätte mir ewige Bormurse gemach wenn ihm etwas zugestoßen wäre. Und da machte ich „mir heimlich in der Küche ein Lager zurecht, damit ich für alle Fälle...'
Konnten Sie denn von Ihrer Schlasslalte aus alles Horen, was tm Haus vorging? Ich meine, hätten Sie hören müssen, wenn er das Haus
flen Wer die „herzigen Vöglein". Was Frau Schnee sofort zu einer aus- f4,”ÄnTbferW%Ä Kganze Passion von Herrn Grau! Sie machen Zwar eine Menge Schmutz — das können Sie mir glauben, und mancki eine hätte längst deswegen gekündigt, — aber man will doch nifhMo sein. Gott ja! Wo die meisten noch der selige Herr "lüge bracht hol' Bon Australien oder so irgendwoher — glaube ich- Er war G doch Kapitän bei der Handelsmarine, der alte Herr. Das wissen «ie wohl?
Der Fremde nickte zustimmend.
„Ja, richtig. Wie lange ist er jetzt tot?
„Füns ober sechs Jahre, glaube ich.
„Und seitdem bewohnt Herr Grau das Haus ganz allem? Oder wohnt aiifzer Ihnen sonst noch jemand bei ihm? Ich frage nicht aus Neugierde. Aber ich kann mir gar nicht vorsteUen, wie Herr Grau es so allein hier drautzen aushält. 'Stein Geschmack wäre das nicht! Aber fetzen tote sich d°ch'schnee — "DeronUa Schnee ist mein Name. Wenn Sie erlauben." Sie setzte sich ihm gegenüber auf eine Stuhlkante und strich verlegen ihre Schürze glatt. Nach einer kleinen Pause nahm sie den entfallenen Ge- sprüchssaden wieder auf:
„Sie haben ganz recht - ich habe mir auch schon manchma gedach , Herr Donald ist eigentlich gar nicht wie die anderen jungen Leute. Wol len Sie mir glauben, datz er oft wochenlang mcht ausgeht?
Und bekommt er auch keine Besuche?" , • .
Besuche — ach, die sind zu zählen! Hier und da kommt mal l^wand, der von ihm gemalt werden will. Aber das ist kaum der Nede wert. Ich glaube beinahe, Herr Grau ist ein bißchen menschenscheu, und es wäre ihm manchmal lieber, wenn auch ich mich nicht „bei ihm sehen lietze. Schade um ihn — so ein junger hübscher Mensch!
Der Besucher widmete den Ausführungen der guten Allen ein hos-


