Ausgabe 
13.10.1933
 
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S3"Ä Ä "ÄSf M.M-.UN, 4? »S SÄÄÄÄÄÄ wäre, sondern sie ist allein in der Verzettelung dieser Kräfte durch oiHO°^eicltCr5?u^»Urn9 8U suchen. Sie liegt darin, dah M o l t k e mit einem Feldzugsplan operierte, dessen großartige, um nicht zu Ctt er überhaupt nicht verstanden hatte. Man Ut?öe öettommen nichts Unkomplizierteres denken, als diesen Schliessen-Plan, der die starke Festung Metz als Zen- & "ft?atnrn unter Benutzung des Vogesenschutzes zwischen und Straßburg nur einen schwachen linken Flügel spannte un\tnUTt nördlich von Metz, mit der Festung als Dreü- kiüaei torLt? 0efamtct? deutschen Armee einen rechten Stoß- flugel bildete, stark genug, jeden Widerstand über den Haufen zu Ma?/,-' i-^^^öbrade für diese Einfachheit des Entwurfs besaß iDioItfc fein 93eiftänöni§ ct hotte nicht beoiiffen hnti ail»3 und Geniale in seinem Kern fast ausnahmslos einfach und unkompliziert ist. So verstärkt er denn unter gleich- Ai.f^rr^a)roa?Un8r 6e/ rechten Flügels den in Elsaß-Lothringen aufmarschierenden linken Flügel, dem er damit die Möglichkeit ^!^uen offensiven Vorgehens gab,' so sucht er statt des einen Schlieffenschen Kriegstheaters zu gleicher Zeit auf verschiedenen Spielen, und so verstieß er gegen eines der Grund­gesetze aller Strategie: daß der Versuch, an allen Fronten stark zu schwach" zu^'werd"n^ S 6Ct ®efaf)r[)rt' am entscheidenden Punkt diesem grundlegenden Fehler der Verwässerung des

Ma^ianes war es dann eine weitere Unterlassungssünde, 6ie verschiedenen Armeen nicht fest in der Hand be­hielt, sondern mit seinen Direktiven häufig genug hinter den ^'u/elnen Heerführern herhinkte. Wie er der 6. Armee für ihre aussichtslose Offensive in Lothringen einen viel zu weiten Spiel- raum gab, so hätte auch manche Kampfhandlung beim Vormarsch des rechten Flügels zu noch weiterreichenden Wirkungen geführt "/un hler die Oberste Führung ein strafferes Zusammenarbeiten der beteiligten Armeen gesichert hätte. Ebenso war es ein Fehler daß sie der Sturmenergie der Truppe und ihrem Vorwärtsörang viel zu sehr freie Hand gab und beides sich oft bis ins Sinnlose auswirken ließ, statt die Vorbewegung der gewaltigen Heeres­säulen nach einheitlichem, festem Plan zu regeln.

Erotz aller dieser Fehler, die sich zum Teil nur aus der kränklichen Natur des Generalobersten v. Moltke erklären lassen, brauchte die Marneschlacht immer noch nicht verloren zu werden Denn einen Ausgleich für die Mängel der Obersten Führung schuf die unvergleichliche Haltung und Leistung der Truppe die »öcr öte an der Marne bzw. am Ourg entstandenen kritischen Stunden hinweggeholfcn hätte. Es bedurfte zur Ueber- windung der Krisis nur des Vertrauens in diese Truppe und einer gewissen Kühnheit des Entschlusses, die Moltke leider nicht aufbrachte.^fm Augenblick der höchsten Spannung, wo man einmal in der Hoffnung auf den Beistand der Vorsehung und des Schlach- tengluckes kühn zu sein hatte, versagten seine Nerven. Es kam zu einem furchtbaren Entschluß, der uns den vollständigen Endsieg über die Franzosen gekostet hat. Friedrich der Große würde von einemtimiden" Entschluß der deutschen Heeresleitung ge­sprochen haben. In der Tat war cs nichts anderes: die Tragik wird dadurch nicht gemildert, sondern nur vergrößert.

Man hat den Oberstleutnant Hentsch, der kraft der ihm er- teilten Vollmacht den verhängnisvollen Rückzugsbefehl aussprach, sum Sündenbock gestempelt und ihn mit der Verantwortung für das Marneunglück belastet. Ich kann mich diesem Vorwurf nicht anschließen. Es ist militärisch und menschlich zweifellos verständ­lich, daß Hentsch in der kritischen Lage, die er antraf, einen Ent­schluß faßte, der nur von der Vorsicht, aber nicht vom Wagemut diktiert wurde. Etwas anderes vermochte er in seiner Stellung auch schwerlich zu tun: denn die ungeheure Verantwortung, die sich in der gegebenen Situation mit einem kühnbeherzten Entschluß verbunden hätte, konnte nur von der obersten Führung, allo von Moltke selber übernommen werden. Dieser aber saß in Luxem­burg viel zu weit hinter der Front, um einen Einblick in die wirk­lichen Verhältnisse zu haben und in dem Durcheinander der Vor­stellungen und Gegenvorstellungen entscheiden zu können.

Als dann Moltke endlich vorn bei uns csntraf, war der Rück­zug bereits im Gange, der von der Truppe nicht verstanden und nur mit innerstem Widerstreben ausgeführt wurde. Es kam stellen­weise sogar zu einer Art Depression, die aber in den Kämpfen gegen den jetzt fester und energischer geworbenen Gegner bald wieder verschwand und einer gesteigerten Heldenhaftigkeit Platz machte.

Während dieser Rttckzugsbewegung hatte ich in Reims einen erregten Zusammenstoß mit dem Generalobersten von Moltke. ^ch traf einen vollkommen zusammcngebrochcncn. zerstörten Mann, ber mir mit den Worten entgegenkam:Um Gotteswillen, wie hat das nur geschehen können".

Ungeachtet seines leidenden Zustandes ging mein Tempera­ment mit mir durch, und ich erwiderte ihm:Das sollten Sie selber doch eigentlich am besten wissen! Wie konnten Sie nur in Luxemburg bleiben, und sich die Führung so vollkommen ent­gleiten lassen!"

Aber, bester Einem, ich konnte während des Vormarsches doch nicht mit dem Kaiser durch bas halbe Frankreich ziehen!"

Warum denn nicht?" war meine schroffe Antwort.Der Kaiser würde doch sicher nichts dagegen ernzuwenben gehabt haben! Und wenn Ihr großer Oheim es mit seiner Verantwortung verein­baren zu können glaubte, seinen König unmittelbar auf die

Schlachtfelder von Königgrätz und Sedan zu führen, sa> konnten ®te $uat mindesten mit dem Kaiser so dicht hinter der Front bleiben, daß Sie die Zügel in der Hand behielten!"

hpr r^rs^ mVHeftigkeit schwerkranken Mann gegenüber darauf starb, spater leid getan: doch war sie aus den Ver­hältnissen heraus verständlich. Es war in der Tat nur das öoH= wene Veriagen der Obersten Heeresleitung, das uns statt des die Niederlage an der Marne gebracht hat.

Air« "der f°9ar wahrscheinlich wäre der Ausgang, trotz aller vorhergegangenen Fehler, wesentlich anders gewesen wenn der eine Mann zur Stelle gewesen wäre, der auch die Lage an üe? meistern gewußt hätte: Ludenborff! Es unterliegt frififrfipn 9h,1 feR?e^s®ro^et' dast General Ludendorff hier im kritischen Augenblick die Situation ebenso an sich gerissen Hätte w-e er es zu Beginn des Krieges bei Lüttich getan hat und daß dorss swth ^em Rückzugsbefehl gekommen wäre. Luden- dre Kühnheit des Entschlusses und das Vertrauen auf das Schlachtengluck aufgebracht, deren es damals ähnlich wie bei Tannenberg - bedurfte. Aber Moltke hatte diesen seinen wich- iÖCtl er jahrelanger Zusammenarbeit kannte, und der sich wie kein anderer auf den Schlieffen-Plan verstand nur zum Oberguartiermeister der 2. Armce gemacht s?att ilni bei Ausbruch des Krieges sofort ins Große Hauptquartier zu nehmen eine Tragik nächsten Gehilfen zu machen. Auch darin liegt eine Tragik, die durch den Sieg bei Tannenberg alles in allem genommen, nicht gemildert wird.

Der Mann, der mit d eker Zeit fertig wird.

Roman von Walter Julius B l o e m sGDS.). sFortsetzung.)

~ $n, Dieser Woche häufen sich solche Berge von Arbeit dass lfeUnßin9frnnrt Te zweite Sekretärin nicht fertig werden würde. Die Hilfskraft, öie er seit dem Sommer beschätigt, gab weder seiner Kanzlet noch seinem Leben eine persönliste "Note sie läßt moil/inp abgeschliffenen Nagelkuppen über dieSchreib-

wafchme gleiten, kommt und geht auf die Minute und empfängt pünktlich ihr Gehalt. Keine Mitarbeiterin. In den Anqeleqen- heiten der Wagenschanz-Werke ergibt es sich von selber so daß Schonlelnbis in den spaten Abend damit zu tun hat, und bei Schreibarbeiten hilft ihm Elli Hampel. Sie kennt den ganzen isirhp Schafts, war vom Anfang bis zu diesem bittteren Ende dabet und vermag dem Anwalt jede Auskunft zu geben, öie v 4- WllU

Es gelang also wieder nicht. Es blieb ohne Zweck, daß Doktor Wagenschanz sie um zehn Mark aufbcsserte. Ihre Voraussage traf genau ein, sie hat auch diesmal wieder kein Glück.Aber ich bin es gewohnt, stempeln zu gehen."

Das ist nicht nötig, Elli", tröstet Peter,ich habe mir über- 5^' ^ei(?h»r?elreta^lrt rfti"6i0e iE zum nächsten Fünfzehnten. Sie hat Eltern, die für sie sorgen können. Dann treten Sie zum Jahresanfang bei mir ein." 6

Un-Aück!""^ dankbar.Es ist gut. Ich habe eben auch niemals

Es ging alles hin und her, muß sie einsehen, bis Peter Schön- lein die verworrenen Drähte ergriff, und sogleich wurden die Dinge mit ihrem ruhtigen Namen bezeichnet. Ein klarer Kopf bemächtigte sich der Führung, es wird nicht mehr in hysterischen Vorwürfen geschwelgt wie bei dem Kandidaten Kieselbach, es wird nicht mehr hoffnungsvoll phantasiert wie bei Doktor Wagenschanz es wird nicht mehr in die Luft geschwiegen wie bei Rosemarie hier geht es sachlich zu, Zahlen marschieren auf, Debet und Kredit reden eine Sprache, die man nicht überhören kann.

Elli ist nun im Herbst zwanzig geworden. Sie verdient im Augenblick wenigstens soviel, um sich sattzuessen. Wenn sie genug ißt und genug schläft, vermag sie in der Zwischenzeit eine un- glaubliche Menge Arbeit zu bewältigen, zumal sie aus Haß gegen ihre Kollegin Alchenbrenner, die Spitznase, gelernt hat, selber wie eine Blechpuppe zu arbeiten: aber, wenn man will, wird sofort ein Menschlein daraus, das allmählich ganz vernünftige Ansichten bekommt. Den Tag in der Fabrik und den Abend bei Herrn Schön- lcin, dann fallt Elli tot ins Bett und springt Schlag sieben in der Frühe federlebendig aus den Kissen. Aber geht es so das ganze Leben zu? Es macht den Eindruck. Dafür also sind wir geboren worden. Und wenn wir genug zu arbeiten, zu essen und zu schlafen haben, dann erfüllen wir also unsre Bestimmung ...

,, Sie freut sich darauf, daß sie nach der Liquidation ber Wagen­schanz-Werke in Peter Schönleins Kanzlei übersiedeln wird. Dann hat sie ein Dach über dem Kopf und wieder eine gewissermaßen persönliche Beziehung zu ihrer Arbeit. Darauf legt Elli großen Wert, sie will eine Mitarbeiterin sein. Sie will auf sanfte Art in ihren Chef verliebt sein und ihm auf ihre Weise helfen können. Wenn er keinen Bauch hat, gibt sie sich mit zwanzig Mark monat­lich weniger zufrieden. Ob die Arbeit manchmal oder jeden Tag über die vorgeschriebenen Stunden hinüberdauert, das spielt für Elli keine wichtige Rolle. Sie half Anton Waqenschanz mit allen Kräften, sie bestaunte, was man doch so aus dem Nichts aufbauen kann. Nun kehrt es wieder ins Nichts zurück, dreißig Männer brotlos, dreißig Frauen in Sorge, Antons Zusammenbruch plün­dert den Christbaum zahlloser Kinder. Aber Elli findet das alles nicht so schlimm. Fast ein volles Jahr gab Doktor Wagenschanz einem Hundert von Menschen Brot und Arbeit, und so erfüllte er ein Jahr lang die Bestimmung dieser Menschen. Und auf eine geheimnisvolle Weise geht der Rummel immer weiter. Arbeit wird geschaffen und wieder verloren Brot wächst auf den Strrßen und wird wieder weggefegt.