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Wnb Cha weinte den ganzen Tag vor dem Hausaltar, bis Jitso abnunaslos ins Zimmer trat. „Du schändlicher Lugner , beschimpfte fie ben Gatten idi'roeifj ganz genau, was du heimlich im Schuppen verborgen Ast" Schämst du dich nicht, das heilige Andenken demes Vaters 3U schmähen, dein Weib mit einer Person zu betrugen, die gar nicht dein “Sf 'barfjtc, seine Frau habe den Verstand verloren und beschwor s,e. ihm ui glauben, daß niemand anders als sein Vater m der Truhe wohne.
Schoner Vater", schrie kreischend tue beleidigte Cha, „blicke nur redjt deutlich in deinen Spiegel! Warum hast du mich Überhaupt gehe' ratet wenn du... Ich kratze ihr die Augen aus, der koketten Frauensperson in deinem Spiegel." Dann verbarg sie sich in ihrer Kammer, rieaelte die Tür ab. Jitso ging zur Truhe, nahm den Spiegel und sah In die traurigen Augen seines Vaters. Kein Zweisel, ein Dämon mußte seine liebe Frau verzaubert haben. Im Gesuhl des guten Gewissens und ieiner Unschuld klopfte er an die Kammertür und flehte Cha an, mit ihm zu der heiligen Nonne zu gehen, die oben am Berge in einer Hohle hQufte Cha willigte ein unter der Bedingung, daß das Frauenzimmer auch mit gehe und die Nonne Jitsos Schande selbst betrachten könne. De? Gatte gelobte es und packte den Spiegel in die vom Vater ererbte
‘stumm schritt das Paar den steilen Berg hinauf, Juso läutete die Glocke, und die fromme Frau erschien. Sie härte stumm Chas Klage an, hörte auch Jitsas Verteidigung und griff dann wortlos nach dem Spiegel. Behutsam wickelte sie den verdächtigen Gegenstand aus, sah lange aus die alänzende Fläche, dann betete sie und nahm Chas Hand.
Du hast recht, meine Tochter; dein Gatte ist einem Blendwerk unterlegen. Aber glaube der Weisheit meiner grauen Haare, der Frieden eurer Ehe wird künftig nicht mehr getrübt werden. Auch ich habe setzt das fremde Weib gesehen. Aus Scham Über ihre Sunde, deinen Mann umbuhlt zu haben, ist sie während des kurzen Weges zu meiner Hohle eine ganz alte Frau geworden, zerfurcht im Gesicht mit vielen tausend Falten Und deshalb werde ich sie bei mir behalten m meiner Klosterzelle. Geht heim, Jitso und Chai Buddhas Segen über euch und die Kinder, die Cha dem Gatten bescheren wird!"
Der Theaterzettel.
Zu seinem 500. Geburtstage.
Von Dr. Paul Landau.
Wir wissen nicht, wann der erste Theaterzettel das Licht der Welt erblickte. Wie so manche andere Ersindnng, deren wir uns heute als selbstverständlich bedienen, ist seine Entstehung „vergraben tt, dunkler Nacht". Aber trotzdem dürfen wir in diesem Jahr leinen 5X). Geburtstag feiern, denn der älteste uns erhaltene Zettel, der Urahne eines unzähligen Geschlechts, stammt aus dem Jahre 1433 und wird m der Londoner Theaterzettel-Sammlung, der vollständigsten ihrer Art, ausbewahrt. Gr ist mit schwarzer Tusche auf Pergament geschrieben und hat eine lange Vorgeschichte, denn früher wurden schon Aufführungen angekundigt, wenn auch freilich nicht in der uns geläufigen Form.
Das Altertum kannte den Theaterzettel nicht. Das Wichtigste von dem, was heute der Zettel erzählt, teilte bei den späteren griechischen Komödien- ; dichtem der Prolog mit. Eigentliche Theateranzeigen sind zu Anfang der ; römischen Kaiserzeit ausgekommen, wir würden von diesen vergänglichen Aufzeichnungen nichts wissen, wenn nicht ein glücklicher Zusall in dem oom Be uv verschütteten und dann wieder ausgegrabenen Pompeji eine antike Stadt in unsere Zeit hinübergerettet hätte. Auf einer jener geweihten Wände, aus denen Bekanntmachungen aller Art mit schwarzer Farbe für das pvmpejanische Publikum hingekritzelt wurden, finden wir eine Bekanntmachung, die zwar keine Vorstellung im Theater, aber doch eine im Zirkus ankundigt. Die Anschrist lautet: „Des Aedilen Suettms Certus Gladiatorensamilie wird in Pompeji am ersten Juli kampsen. Auch eine Tierhetze findet statt. Ein Zeltdach ist vorhanden." Andere derartige Anzeigen, wie wir sie auch für Theateraufführungen annehmen dürfen, haben den Zusatz: „Wenn das Wetter es erlaubt , und derselbe Hinweis auf die Abhängigkeit von der Witterung, dir bei den Vorstellungen im Freien ausschlaggebend war, sindet sich später auf den Theaterzetteln des 16. Jahrhunderts. In der römifchen Kaiserzeit gab es schon Anschlagsäulen, denn mehrfach stoßen wir auf die Angabe, daß Programme theatralischer und zirzensischer Spiele an Säulen oder Pfeilern angeheftet wurden.
Als im Mittelalter mit den Mysterienspielen eine neue Theaterkultur sich zu entwickeln ansing, da war zunächst keine Bekanntmachung vonnöten, denn die Spiele waren ja in den Nahmen der kirchlichen Feste eingefügt, und Bürger wie Behörden nahmen in ihrer Gesamtheit an diesen großen Veranstaltungen teil, die als wahre Volksfeste die ganze Stadt beschäftigten. Da zudem die Aufführungen zu Ehren Gottes stattfanden und niemand mit ihnen Geschäfte machte, lag jeder Gedanke an Reklame fern. Allmählich aber wuchs die Zahl der Vorstellungen, sie losten sich von der Kirche los, und so war es praktisch, in großen Städten die Bürgerschaft von den Einzelheiten der geplanten Aufführungen zu unterrichten.
Die älteste erhaltene deutsche Urkunde dieser Art, die aber mehr als 30 Jahre jünger ist, als die überhaupt älteste englische, ist eine geschriebene Ankündigung für eine Hamburger Passionsaufführung in niederdeutscher Sprache; sie lautet hochdeutsch gekürzt: „Gott dem Allmächtigen zum Lobe, dem Leiden unseres Herrn Jesu Christi zur Ehre und Würde, den Herzen der Menschen zur inneren Einkehr, um der ewigen Seligkeit willen, sind die würdigen Herrn Dekane und das Kapitel und ein ehrsamer Rat dieser Stadt übereingekommen, daß man in der kommenden stillen Woche das Leiden des Herrn spielen soll Die Herren des Kapitels und vom Rat werden dasür Sorge tragen, daß das Geld, das zum Spiele gespendet ist, für nichts anderes aus-gegeben wird." Als Spielzeit wird dann In der Ankündigung, die wahrscheinlich aus dem Jahre 1466 stammt, Montag und Dienstag um 12 Uhr nach der Mahlzeit angegeben, die nach Besuch de» Gottesdienstes eingenommen werden soll.
Ist hier noch mehr der Ton des obrigkeitlichen Erlasses festgehalten, so tritt der Charakter der Ankündigung deutlich hervor in dem ältesten gedruckten deutschen Theaterzettel, den wir kennen, einem Blatt in prach- ttqen Leitern für eine Rostocker Aufführung von 1520, die, aus dem Niederdeutschen übersetzt, folgendermaßen beginnt: '.'Durch Gunst und Erlaubnis der geistlichen und weltlichen Obrigkeit dieser Stadt Rostock wird man hier — will's Gott — am kommenden Sonntag ab dem Tage Mariae zur Ehre Gottes ein schönes inniges Spiel veranstalten von dem Stand der Welt und den sieben Altersstufen des Menschen, wo durch m sieben Artikeln das Leiden Christi aus sieben Tageszeitendargeftellt wird Daran schließt sich eine Empfehlung des hohen moralischen Wertes der Aufführung, und am Ende heißt es: „Wem sodann dies zu sehen beliebt der verfüge sich nach dem mittleren Markt, da wird man um halb zwölf ""^AiU diesen ältesten Theaterzetteln fehlen stets Personenverzeichnisse und Namen der Darsteller. Die einzelnen Persönlichkeiten traten 1° hinter der Heiligkeit des ganzen Unternehmens völlig zuruch und lochet sich nicht alle damals kannten und daher des Bürgermeisters Tochterlein als Mana und der Herr Säckelbewahrer als Pettus nicht erst vorgestellt zu werden brauchten, ging der einzelne Darsteller niemanden etwas an. Wo es der Sinn des Spieles erforderte, stellte der Prolog die einzelnen Figuren vor, die Darsteller trugen auch den Namen ihrer Nolle auf der Kopfbedeckung oder auf einem Zettel in der Hand. Im ganzen war das Ankundigungs. wesen beim Theater im 16. Jahrhundert noch sehr dürftig, und die nch ige Theaterreklame kam erst auf, als die ersten Berussschauspleler auftraten, die aufs Geldverdienen angewiesen waren. Das war zunächst m ling« land der Fall, und hier bürgerte sich der Theaterzettel bald ein. Als ihn bann die „englischen Komöbianten" auch in Deutschlanb heimisch machten, begnügten sie sich bannt nicht, sondern veranstalteten m den deulschen Städten, um Aussehen zu erregen, große Umzüge, bei denen sie ihre Dor- stellunaen durch marktschreierische Deklamationen unter Trommel- und Trompetengetön ankündigten. Da eine hohe Obrigkeit diese ,,ungehörigen Aufläufe" verbot, muhten sich die Prinzipale der englischen Truppen damit begnüaen, bloß zu Ansang und Ende der Komodie die Trommel zu rühren und sich durch „angeschlagene Briefs" an bas Publikum zu roCnDer’ältefte uns erhaltene „Briefs" stammt aus Nürnberg und ist vom 21. April 1628 datiert. „Zu wissen sey jedermann", heißt es Da, „bah allhier ankommen eine gantz neue Compagni Comoebianten, so niemals zuvor hier zu Land gesehen, mit einem sehr luftigen PsFechermg - welche täglich agieren werden fchöne Comoedien, Tragoedien, Pastorellen (Schafferei,en) und Historien, vermengt mit Üblichen und lustigen Interlumen, und zwar heut Mittwoch den 21. Aprilis werden sie praesenttrn eine sehr lustige Comoedie genannt: Die Liebes Süßigkeit verändert sich m Todes Bitterkeit Nach der Comoedie soll praesentirt werden em schoen Ballet und lächerliches Possenspiel. Die Liebhaber solcher Schauspiele sollen sich nach Mittags Glocke 2 einstellen ussm Fechthauh, allda umb die befttmbte Zeit präzise angegangen werden." Ein solch verhältnismäßig einfacher Zettel konnte aber die pomphaften mündlichen Ankündigungen nicht ersetzen. Für die grohen Haupt- und Staatsaktionen, für die mythologischen und phantastischen Szenenfolgen, die die englischen und die frühesten deutschen Schauspielerbanden aussührten, brachte das Publikum eine aus- führliche Inhaltsangabe, und die bildete nun in möglichst wirksamer ; Auszählung aller Wundertaten, Schrecknisse und lustigen Episoden den ! Hauptinhait des Theaterzettels. Solche ellenlangen bombastischen Haufun- * gen all der Herrlichkeiten, die dem Publikum vorgesetzt werden sollen, I haben sich auf den Zetteln der Schmieren bis in die jüngste Vergangenheit erhalten und verfehlen nie ihre Wirkung auf eine naive Menge.
Aber schon der Prinzipal Velten, der für die Reformierung des deutschen Theaters viel geleistet, hat die Inhaltsangabe öfters weggelafsen, und später hals man sich, um wenigstens etwas von dem Inhalt anzudeuten. *tnit einer angehängten Erklärung des Titels, worüber schon Lessing als über einen „Küchenzettel" gespottet hat. Es ist die aus dem , Schaucrdrama" bekannte Manier mit dem beliebten „ober , die sich noch aus Theaterzetteln unserer klassischen Literatur findet wie z B. Romeo und Julia ober ber unvermutete Ausgang auf bem Kirchhofe . ,'Minna von Barnhelm ober ber Major mit bem steifen Arme", „Emilia Galotli ober ber Hintergangene Fürst", „Clavigo ober das Leichenbegrab- n‘S Der‘beginn der Ausführung wird in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts meistens mit 5 bis 6 Uhr angegeben, bas Enbe häufig gegen 9 ^Bisweilen erhielt ber Theaterzettel eine Ermahnung zum Anstand für die Galerie. Da heißt es: „Die erste Reibe der Gallerie liegt, die zweite hockt auf der Erden, die dritte kniet, die vierte fitzt auf denen Bänken, die letzte steht, und ihnen allen ist streng verboten, herunter in das Parterre I w spucken". Moderner wirkt die folgende Bitte eines Bremer Theater- zettels von 1791: „Diejenigen Damen, welche dem Publiko die kleine Gefälligkeit etwa bisher noch nicht erwiesen haben, in bem Schauspiele mit niedrigerem Kopfputz als gewöhnlich zu erscheinen, werden nochmals inständig gebeten, doch dem gemeinsamen Vergnügen dies unbebeutenbe Opfer zu bringen." Der Theaterzettel wirb auch bereits zu allerhcmb Mitteilungen benutzt, bie aus bie im 19. Jahrhundert üblich gewordene Anzeige Hinweisen, so wenn es auf einem Zettel ber Seyler sitzen Truvve i von 1775 heißt: „Am Freytaye ist beym Eingang an ber Cosse ein Selb« beutel liegen geblieben, ber Eigenthürner besfelben, der sich darüber ge- ' nirgend legitimieren kann, beliebe sich bey mir in den drey Schwanen zu melden."
Die wichtigste Neuerung im Theaterzettel des 18. Jahrhunderts, die zugleich ein Zeichen für das Hervortreten ber künstlerischen Persönlichkeit und für bie Hebung bes Schaulvielerstcwbes ist. war bie Nennung ber Schauspieler mit Nomen, bie zwischen 1750 und 1760 >n Deutschlanb üblich wurde. Auf den Theaterzetteln ber Seylerschm Truvve erhalten bie männlichen S^auspie'-er zuerst die Titulatur „Herr", d'e Damm „Ma- bame" unb „Mademoiselle". Auch Dichter werben jetzt öfter mit Nackien
* Narr, lustige Person.


