Ausgabe 
13.2.1933
 
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cranttoortlid): Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Drühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

®e33UUeid)t, wenn der Herr Baron ihm alles sagen würde, was ge- sch-hen^st. mir aud) nicht glauben. Ins Gesicht lachen würde

er mir Aber vielleicht kommt Ulam Singh nochmals zu sich! Einmal ist er schon wach gewesen, vollkommen bei Besinnung war °r und hat so­gleich .Hanf verlangt und ein Tuch zu verschlingen versucht. So haben seine Experimente immer begonnen. Wenn er nur nochmals erwachen "°^Jch hab' den Herrn Baron immer gewarnt. Himmelhoch hab' ich ihn gebeten. Lassen sich der Herrn Baron nicht mit diesem Fremden, der doch sicher kein Christ ist, ein. Aber auf mich alten Mann hat man xa nicht

auf den Hinterflügeln die Reihe blutroter Flecken ... freilich! Es ist der Papilio Hector, der schöne, tropische Schmetterling mit den melancholi- ^Wie°merkwürdig: Alle diese Tiere, die furchtbare Pik Paluga die lästigen Landblutegel und jetzt der schöne Papilio Hector: Sie alle stam­men aus Ceylon! Was hat das zu bedeuten? Ist das nur Zufall, daß alle diese tropischen Tiere, die hier so rätselhast austauchen, dieselbe Hel­mat haben? Und dieser sinnlose Zorn, der den Baron beim Anblick des fremden, schönen Falters erfaßt hatte. W,e er ihn zerstampft hatte! Wit dem gleichen Haß, mit dem er die schonen, blühenden Lianen vernichtet hakte.9 Jetzt entsann sich Dr. Kircheisen plötzlich senes erschreckten Aus­rufes des Barons, der ihm heute morgen solacherüch sinnlos vorge- kommen war und dessen Ursache er jetzt mit einem Male begrifL , Um Gottes willen!" hatte der Baron geschrien.Gibt es auch Tse-tse-^l,egen

U1 Kein°Zweifel. Ausschließlich Tiere der Ceylonfauna waren es die den Baron in seinem Treibhause ängstigten und verfolgten. Was hatte das zu bedeuten? , , .. . ~

Dr. Kircheisen sand keine Antwort auf diese Frage.

Er verließ das Treibhaus, aber die seltsamen Reden die der Baron geführt hatte, ließen ihn nicht zur Ruhe kommen.Er will mir das Serum nicht geben, Gott verzeihe es ihm, er weiß nicht, welche Schuld er auf sein Gewissen nimmt , hatte der alte Mann gesagt. Und dann, die furchtbare Gefahr, die der Baronesse zu drohen schien.Eine Un lckmldiae ins Verderben gerissen! Mein armes Kind!

' Re?n! Dr. Kircheisen hatte seinen Entschluß gefaßt. Er wollte: keine Si+mlh aui fein Gewissen laden. Er durst« dem Baron das Karasin kLmÄt'länger verweigern. Vielleicht ...ein Gedanke durchfuhr hn am Ende es ist ihm so viel an dem Serum gelegen. Vielleicht könnt' ich seine Zustimmung zu unserer Eheschließung dafür erhalten! Es lt ohne Zweifel eine Ungesetzlichkeit, wenn ich das Serum verwende! Aber Ulam Singh ist nicht zu retten, und überdies: D«' ^Miesse schwebt in irgendeiner, mir unbekannten Gefahr ... das allein jchon recyiserngr,

gehört!" .

Was nützt es, Philipp, wenn du mich jetzt an all das erinnerst. Ja, ich war leichtsinnig/'

Uebermütifl ... der Herr Baron verzechen schon.

"Ja, Uebermut war es, Tollheit, Selbstmord! Philipp, es hat schon manch einer sein Leben vergeudet. Mit Spielen, mit Trinken oder mit Weibern. Aber so sinnlos frivol wie ich hak noch niemals ein Mensch : (ein Leben weggeworfen. Und nicht allein das meine! An mir liegt nichts

Das dürfen der Herr Baron nicht sagen."

An mir liegt gar nichts! Aber eine Unschuldige hab ich mit ins Ver­derben geriffen. Mein armes Kind ..."

Der Baron verstummte mit einem Male. Irgend etwas zog feine Aufmerksamkeit auf sich. Wortlos, aber voll Erregung starrte er aus den an9°fmt,ner $u(^taben ln ber Rinde entdeckt? ... durchfuhr

es tzen Arzt ... Wird er weiter sprechen? Wird er jetzt endlich den Schleier lüsten? Dr. Kircheisen lauschte angestrengt. Alles Blut drängte ihm zum Kopf. Diese wilden Anklagen, von denen er nur Bruchstücke verstanden hatte, diese furchtbare Beichte, deren Sinn so dunkel war, wie alles, was er ht diesem Hause gehört und gesehen hatte! Und was, Gottes willen, hatte feine Braut mit all dem zu tun?Eine Unschuldige mit ins Verderben gerissen! Mein armes Kind!" Um des Himmels willen, welche Gefahr drohte der Baronesse? ...

Ein Geräusch unterbrach die Stille, ein feine« Geräusch von unbe­stimmter Art. Dann stieß der alte Philipp einen erschreckten Ruf aus: Da ... da ist er!"

Wo?" rief der Baron.

Hier ... sehen Sie nur! Auf dem Zweig gerade vor Ihnen. Wie groß er ist und wie merkwürdig er aussieht!"

Verwünschte Bestie!" schrie der Baron, und seine Stimme schlug schrill in den Diskant hinaus.Wie kommst du wieder her? Ist die Brut noch immer nicht vertilgt? Verdammtes Ungeziefer! Stirb! So ... fo ... fo!"

Das Geräusch eines stampfenden Fußes ertönte. Den Baron selbst konnte der Arzt von seinem Versteck aus jetzt nicht sehen, aber der Schatten an der Wand huschte und zuckte in wilden Verrenkungen auf und ab. Jetzt schien der Baron völlig erschöpft sich gegen die Brust des

alten Philipp zu lehnen. Es war ganz still, nur die schweren, keuchenden

Atemzüge des Barons waren hörbar.

Er war sehr schön. So einen hab' ich noch nie gesehen", sagte der

alte Diener.Der Herr Baron hätten sich nicht so aufregen sollen. Es

war kein Grund."

Komm, Philipp, wir wollen gehen", sagte der Baron leise.

Dr. Kircheisen hörte die schlürsenden Schritte der beiden alten Männer sich entfernen. Dann ertönte das Zirpen der Türangel. Er war allein. Run kam er aus seinem Versteck hervor und suchte den Boden ab, dort, wo ihn der Fuß des Barons zerstampft hatte.

Da lag ein großer Schmetterling. Tot und zertreten. Die Flügel, am Rande ausgefranst, bebten noch leise. Sie waren tief schwarz gefärbt, die Vorderflügel trugen einen weihen Querbalken ... Das ist ja, ... durch­fuhr es ihn ... sollte das ein Papilio Hector fein? Die Große stimmt ungefähr: Er ist saft handtellergroß. Die weißen Querbalken und hier

der ntte Herr Verdacht geschöpft? Wollten die beiden ihn und die ^Dr^^ircheisekkücktk sich eilig nach einem Versteck um. Er muhte ver- schLen wie Lllie er bemVron seine Anwesenheit erklären? Dor hinter dem Gartentisch, auf dem die vielen Topsblumen standen ... dort würde ibn sicher niemand bemerken. ____

,Du kannst ruhig hereinkommen", horte er tue Stimme des Barons.

-frier ift keine Schlange mehr. Ich hab sie alle erschlagen.

Baron Vogh kam langsam und mit gesenktem Kops auf den Mango­baum zu. Der alte Diener ging ein paar Schritt hinter feinem Herrn, und auch er hielt den Kopf bekümmert zur Erde gesenkt.

Jetzt legte der Baron die Hände an den Stamm des indischen Baumes und fuhr beinahe zärtlich streichelnd über seine nfftge Rinde.

Dr Kircheisen wagte in feinem Versteck kaum zu atmen. Sorgenvoll beobachte/e er das sonderbare Tun des Barons Wie wenn die beiden das Herz in der Rinde entdeckten mit seinem und der Baronesse Anfangs­buchstaben darin! .. ,

Philipp, sieh: Er trägt schon Früchte." Die Hand des Barons tastete im "Blätterwerk9 Ein Ast, den er ergriffen hatte, bog sich nieder und chnellte zurück. Der alte Philipp kam naher, nahm eine Frucht aus der Hand des Barons, besah sie lange und bih hinein. nr,:.rnl6

Wie merkwürdig das schmeckt ,, sagte er.Beinahe wie Aprikosen unh" auch wieder wie saure Gurken." , ,

° ®ie lange wird's dauern", sagte der Baron, und seine Stimme klang müde und traurig,so werden die Früchte vertrocknet sein oderabgefallen auf der Erde faulen. Und die Blätter werden verwelken und der Stamm wird morsch werden und wie Zunder auseinanderfallen.

Jetzt kann der Herr Baron bedauern", flüsterte Philipp heiser vor Erregung.Jetzt sind Herr Baron verzweifelt, jetzt, wo es zu spat ist.

./Vielleicht ist's nicht zu spät. Freilich, der Doktor verweigert nur Ü Serum Gott verzeih's ihm, er weiß nicht, welche Schuld er auf si

roa$i^ in^Gsdanken versunken, ging Dr. Kircheisen durch den Garten und auf sein Zimmer.

Spuk in der Rächt. . _

Wer aber war die fremde Frau gewesen, die der Baronesse in Ulam Singhs Krankenzimmer diesen plötzlichen Schreck elngMgt hatte? Eme Fiebervislon? Eine Halluzination der erregten Sinne? Em Trugbild oas hip überreizten Nerven den Augen der Paronesse vorgegaukelt hatten? Undenkbar 3 Es muß ein Wesen von Fleisch und Blut gewefen sein. Denn der Baron hatte es so ernsthaft und mit solchem Nachdruck, als ob er mehr als er sagen wollte, über den rätselhaften Vorgang wußte, dem Arzt bestätigt:Gretl hat wirklich eine fremde Iran im Zimmer^ ge- fehen Ja! Eine fremde Frau war es, die Gretl so erschreckt hatte.

cujer in aller Welt war das geheimnisvolle Wesen, das der Baroness« in hem halbdunklen Zimmer erschienen war? Woher war es gekommen und wohin chrasch wieder verschwunden? Sollt- es etwa geheime Ta- petentüren im Zimmer geben? Zu den vielen Rätseln des f) » ein neues, quälendes hinzugekommen eins, das den Arzt die ganze übrige Nacht hindurch um seinen Schlaf und seine Ruhe brachte. . ..

Rn hatte lick die Sache abgespielt: Gegen halb zwölf Uhr nachts ha.te der Arkt is Buch kn dem er geblättert hatte, beifeite gelegt. Benor er zu Bette gbtq war es seine Pflicht, nochmals nach seinem Patienten zu Hetzen Dr9 Kircheisen steckte die Injektionsspritze und das kleine Fieber

Krankenzimmer das flackernde Licht einer Kerze mochte es fein. Und letzt hörte er3 auj ®eräufd>e, Stimmen ... was wollte der Baron zu fo später Stunde noch bei Ulam Singt)? ...

^ircbeifcn trcit näher. Sie Sure ftcinb hoth offen. , <»-14

Es hllft nichts gnädiger Herr! Wir müssen ihn wieder ms Bett zurücktra^en " Es war des alten Philipp Stimme, d.e der Arzt ver- nommen hatte. Minute, Philipp", erklang jetzt die Stimme des Barons.Nur noch eine Minute w°Uen wir warten. Er wird bestimmt wieder zu sich kommen. Ulam Singh! Horst du mich. . .

Eine Weile blieb alles still. Ein merkwürdiger Geruch strömte durch die halbofsene Tür des Krankenzimmers und erfüllte den Gang, eini ®£ rudi der dem Arzte fremd und völlig unbekannt war. Tabak. Was 1 eine' infernalische Sorte raucht der Baron schon wieder? Der Arzt Jog

Q..hnrfh ht» pin Nein, das war kein Tabak. Nur eine li ise

®Umm. d-- .««

Bisher ift alles fo gut gegangen", klagte der Baron.Er muh wieder aufwachen. Hab' doch Geduld. Er muß aufwachen

Ich bin müde. Ich möchte schlafen gehen!" ertönte plötzlich die Stimme ^Me°Baronesse war auch hier? Dr. Kircheifen stieß sogleich die Tür auf.

In dem schwacherleuchteten Zimmer bot sich ihm ein merkwürdiger

Ulam Slnah saß auf dem Boden in der Mitte des Raumes. Er war bewußtlos, das stellte der Arzt auf den ersten Blick fest. Seine Augen waren geschlossen, sein Kopf auf die rechte Schulter gesunken. Ungewohn Uch knd beinahe grotesk war die Art, wie er saß: der dunkle, ausg - mergelte Körper des Inders war zu einer unnatürlichen, beinahe un­glaubhaften Haltung verrenkt. Der rechte Fuß lag auf dem Unkten Ob. - schenke! und der linke auf dem rechten Oberschenkel ganz oben, beinah an die Hüften gepreßt, und die linke Hand hielt die rergte Fußspitze ge packt, während die rechte schloss am Körper hinabhing.

(Fortsetzung folgt.)