dem Wege. c
Wenn dann aber die Herbststürme kommen, das Gewölk sich aus. türmt, und rasende Regen herabstürzen, wenn m sommerlichen Nachten die Gewitter wie die Gelächter von unsichtbaren Dämonen den Himmel entlanqtollen — ist es dem Bauer wohl zumute. Das gehört zu seiner Welt und die sremde drüben wird dabei ganz klein und sammerlich. Ler Sturm faucht sie ihm vom Leibe. Blick und Atem gehen weit unend ich weit über sie hinweg, und sein Hof, seine.Weiden, seine Aecker dehnen sich und wachsen über alles hinaus, was der Mensch mit seinen Sinnen nur erfassen kann.
Prophezeiungen deutscher Größe.
Von Dt. Kurt Haack.
Eine neue Zeit ist für Deutschland angebrochen in der man wieder aus den Ausstieg des Vaterlandes zu Größe und Glanz hofft Gar ost schon im Lauf unsrer zweitausendjährigen Geschichte hat solche Hoss- nung die Besten erfüllt, und es ist ein stolzes Zeichen des festen Ver- trauens, das die Nation in die eigne Kraft bewahrt hat; gerade in Epochen der inneren Schwäche loderte ihr dieser Glaube am hellsten als wegweisende Feuersäule durch das Dunkel. Der große Germanist Rudolf Hildebrand hat einmal betont, wie viel solche nationalen Traume, die aus der Tiefe der Seelen aufleuchten, im Leben eines Volkes bedeuten, wie wichtig sie sind für das Verständnis seines Charakters, und so blickt man ergriffen in diesen fernen Spiegel der deutschen Vergangenheit, aus dem doch dieselbe Sehnsucht schimmert, derselbe Glaube wie
Der alte Garten.
Von Josef v. E i ch e n d o r f f.
Kaiserkron und Päonien rot, Die müssen verzaubert sein, Denn Vater und Mutter sind lange tot, Was blllhn sie hier so allein?
Der Springbrunn plaudert noch immer fort Von der alten schönen Zeit, Eine Frau sitzt eingeschlasen dort, Ihre Locken bedecken ihr Kleid.
Die hat eine Laute in der Hand Als ob sie im Schlafe spricht. Mir ist, als hätt ich sie sonst gekannt — Still, geh vorbei und weck sie nicht.
Und wenn es dunkelt das Tal entlang. Streift sie die Saiten sacht Das gibt einen wunderbaren Klang Durch den Garten die ganze Nacht.
Der letzte Bauernhof.
Von Manfred 6 tut mann.
sche Weltherrschaft geworden, und in
Kraft, Reinheit und Gesundheit die Grundelemente
^ebnt verschwunden.) Dann sitzen Bauer und Bäuerin, Sohne Knechte und IJlägbe inmitten der andächtigen Städteschar. Und der Sauer ist nach ungeschriebenem Gesetz der König der Kirchengememde^ Er sitzt breit und eigenwillig im vordersten Betstuhl und ist sich seiner Wurde bewußt.
Auf seinem Hof hat sich nichts verändert. Ställe, Remise, Wohnhaus — sie bilden das übliche Viereck, als Schutzstellung gedacht gegen von außen herankommende Gefahr. Es ist, als wolle sich der Hof abkehren gegen alles was nicht zu ihm gehört; denn die Hauser umhegen einen allen Bezirk, in welchem das uralte Familiengesetz nach w,e vor seine strenge Geltung hat. An Winterabenden sitzt alles um den Herd, die Spinnräder der Mägde schnurren und die Männer beugen sich über ihre Schnitzarbeit. Sie alle sitzen um den alten wurmstichigen Eichenllsch und löffeln ihre einfache Mahlzeit in sich hinein. Sie fluchen über den Regen wenn er die Ernte bedroht, und machen das Kreuz nach getanem Dienst. Sie sind fromm und gradlinig und gleichen den Gestatten, die sie in abendlicher Muße aus ihren Hölzern schnitzen.
Manchmal ist es dem alten Bauern arg, daß er den früheren Aus- blick verloren hat. Einst konnte er, stand er auf seinem Feld wett Umschau halten bis an die Bergkette, und sah nur Halme, ein Stuck Wald, em ländliches Dach vielleicht. Jetzt aber ist er eingekeilt, der Blick bricht sich an städtischem Machwerk, an Gemäuer. Es ift als mürbe der Atem schwer- bei dieser Enge, und man ist versucht, die Knechte zu rufen, um mit der Spitzhacke in den Fäusten bas alles elnzureißen, unb bem Boden gleich- zumachen, gutes Brot darein zu pslanzen. In solchen Augenblicken ist es nicht gut, dem Bauer zu nahe zu kommen. Man geht ihm besser aus
Da haben wir eine Sensationsnummer! Der alte Komödiant mit weihen fiaaren — sie werden natürlich ein entsprechendes Kostüm und eine Perücke tragen — der Asse, dem sein Kunststück mißglückt der Mann bricht in Tränen aus, der Asse tröstet ihn! Das ist ergre, end, das 'st fabelhaft, das ist verblüffend! Wir werden es »Das Mißglückte Kunft- stück" nennen! Alle Wett wird zu uns t)inftromen. Ach, lieber Merle, ich wußte ja gar nicht, was für eine wertvolle Kraft Sie find!
(Berechtigte Ueberfetzung von Lisbeth B r a n n.)
Dem Deutschen ist das einzigartige Glück zuteil geworden, daß an 6er Pforte seiner Geschichte einer Fremder steht, der ihm mit bewunderndem Scharfblick die geheimen Züge seines Wesens deutete. Der Römer loci t u s ist mit seiner „Germania", ohne daß er es wollte, ein Prophet dos deutschen Sieges über die römische Weltherrschaft geworden, und in seiner Schilderung germanischer Kraft, Reinheit und Gesundheit haben unsere Geistesführer die Grundelemente der deutschen Nation gefunden, die wohl verwischt, aber nie ausgeloscht werden konnten, von Hutten bis E. M. Arndt und T r e i t s ch ke. So eröffnete der geniale Geschichtsschreiber aus Feindesseite die Reihe der großen Propheten. Walther von der Vogelweide in seinem Loblied auf die Deutschen und Freidank in seiner Spruchweisheit sind die ersten gewesen, die in deutscher Sprache von dem hohen Zukunftswert ihres Volkes kündeten. Das Reich hatte bereits die Sonnenhöhe feiner Macht überschritten; Schatten der Schwäche und Zwietracht senkten sich hernieder, und in dem mystisch durchglühten 14. Jahrhundert schweifen die Blicke sehnfüchtig in die Vergangenheit, suchend vorwärts in die Ferne. Ein um 1320 entstandenes Gedicht „Sibyllen-Weis- f a g u n g" erzählt von einem Jdealkaiser, in dem die Gestalten des edlen Friedrich Barbarossa und des genialen Friedrich II. zu- sammenfließen. Der deutsche Held schlechthin wird dieser Herrscher sem, de die ganze Christenheit regieren und eine neue Wettordnung des Friedens und Glückes heraufführen soll. Die Kölner Chronik von 1409 erwartet das neue Reich in nächster Zeit und durch einen ganz bestimmten Fürsten, der aus dem Hohenzollernstamm entsprossen ist, durch den Burggrafen Friedrich von Nürnberg, dem Sigismund zugleich mit der Kurwürde von Brandenburg das Amt der Neubildung des Reiches Übertragen. Aehnliches erhofft ein Mann aus dem Votte/Friedrich Reiser, in seiner vielgenannten Prophezeiung von der „Reformation des Kaisers Sigmund".
Die beginnende Renaissance ließ ihre Blicke weiterschweifen und baute schöne Trugbilder auf den Wolkenhöhen des Geistes. Ein großer Philosoph auf der Wegscheide zwischen Mittelalter und Neuzeit, her geniale Nicolaus von Cues, gestaltete in (einer Schrift De con- cordantia catholica, die von der gottgewollten allgemeinen Harmonie zwischen Kirche und Reich handelt, das prophetische Idealbild eines von Rom unabhängigen, einheitlich geleiteten Deutschland, das sich im Kamp! gegen alle Feinde ringsum zu stolzer Macht erhebt. Die gleiche Hosp nungsfrohe Frühlingsstimmung, daß nun „alles neue werde", bejeeu die edelsten Geister der Reformation, unter denen besonders Hütte n zum Verkünder der deutschen Freiheit und Größe wird. Er beschwor als höchste Verkörperung des Deutschtums die Heldengestalt des Arm>- nius herauf, die dann so oft den Deutschen vorangeleuchtet, und er spricht es aus, daß die Deutschen noch immer die unbezwinglichen Krieger
Er hat sich behauptet wider die sich ausbreitende Stabt unb roiber bte gegen ihn anstürmende Zeit, dieser letzte Bauernhof. Dicht an ihm vorbei verläuft die schöne asphaltierte Autostraße ins Innere der Stadt. Keine hundert Meter von ihm entfernt erheben sich bte neuen hellen Wohnhäuser. Aus der anderen Seite liegen sauber gepflegte Anlagen, Parks und Gärten, in denen die Villen der Reichen stehen.
Mitten in dieser ihm neuen und, wie ihn dünkt, feindlichen Wett, sitzt der alte Bauer auf feinem Hof, den feine Väter Jahrhunderten inne hatten. Hart an die neue Autostraße grenzt seine Weide und sein Vieh hat sich an den Anblick der in der Sonne dahinblitzenden Fahrzeuge gewöhnt. Etwas weiter draußen, aber immer noch im Weichbild der Stabt liegen seine Aecker, und die Halme des Korns ragen in den noch nicht umbauten Hos eines neuen Wohnblocks hinein. Am Morgen fahrt der von Ochsen gezogene Leiterwagen zur Arbeitsstätte, manchmal, um öen Weg abzukürzen, über die Autostraße, und der Hofhund, em bunt- gekreuzter wolliger Gefeite, trottet mit hängenden Ohren hinterdrein. Abends sitzen bi'e Mägde auf dem Hofe. Sie sitzen, wie fönst auf dem Lande,! auf einer Wagendeichsel und schaukeln sich. Das Gelachter der Knechte dröhnt in die abendliche Stille und mischt sich seltsam mit bem krachenden Geräusch der Lautsprecher drüben in den Wohnhäusern.
Wenn die Knechte im Juni das Heu mähen, sehen ihnen die herum- fpielenben Stadtkinder zu, und eine Schwester darf mit ihrem vergnügt zappelnden Säugling auf einem der Heuhofen Platz nehmen und sich sonnen. Es geschieht, daß ein im Rasen liegender und vor sich hmdosender Faulenzer von dem warmen Atem einer äsenden Kuh erschreckt wird, und daß der Bauer in plötzlich aufkommendem Unwillen, den Knüppel in der Faust, eine Rotte von Buben von seinem Kleeseid treibt.
Ja hier liegen zwei Welten dicht beieinander: die ruhige, behagliche, breite'des bäuerlichen Lebens, und die zuckende, nicht Ruhe gebende, der K ausbreitenden und in die Landschaft sich hineinsressenden Großstadt.
d es gibt einen fortdauernden Kleinkrieg zwischen diesen Welten.
Aber der alte Bauer hat einen harten Schädel. Er trotzt der an- stürmenden Gewalt. Er gibt nicht einen Streifen seines Bodens her. Die städtischen Baupläne haben einen weißen Fleck: das ist der Hof des Bauern Vergebens hat sich der städtische ©artenbaumeifter eine wundervolle Anlage zurecht gedacht und in der Tagespreise öffentlich projektiert hier mitten im neuentstandenen Teil der Stadt. Der Bauer machte einen dicken Strich durch die Rechnung. Und als die Stadtväter mit ihrer verlockenden Ablösungssumme tarnen, hat der alte Bauer nur verächtlich den Kops geschüttelt. Hier waren seine Väter, hier wird auch er bleiben. Diesen Boden, von Ahnesohn ererbt, hatte er an Sohnesohn weiterzugeben. Hier wird er bleiben, unb wenn er sich mit ben Zähnen in ben Boben feft- deißen müßte, und wenn sie ibn vollends einschließen mit ihren Häusermauern — der Hof bleibt bestehen, und die Aecker tragen weitert Es hat um diese Sache Auftritte und Prozesse gegeben: Eine Stabt, unb noch bcizu eine große und von aller Wett gelobte, wird doch Herr werden über ein einziges eigensinniges Bäuerlein! Nein, sie wurde nicht Herr. Der Bauer fand sein Recht und behielt seinen Dickfchädel. Er blieb breit und selbstbewußt auf seiner Scholle sitzen, und die große und von aller Welt gelobte Stadt mußte sich bescheiden.
Der Bauer wohnt in seinem alten Hause mit seiner Frau und seinen Söhnen, als hätten die Jahre keine Veränderungen rings um ihn gebracht. Für ihn ist die neue Zeit ohne Belang, er sieht die wachsenden Bauten nicht und nicht die hastigen Menschen, die man ihm als Nachbarn vor die Nase gesetzt hat. Er unb die Seinen kleiden sich bäuerisch und lassen nicht um ein Deut von ihren Gewohnheiten.
Sonntags geht man in die Kirche, in die neue, ein schmuckes Gebäude in modernen Formen. (Die alte ehemalige Dorfkirche ist seit einem Jahr-


