Ausgabe 
11.12.1933
 
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Wiedersehen,

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sollten

' ~rn nttnortlid): Dr. Hans Thyriot. Druck und 'Betlag; Brühl'jche Universitäts-'Buch» und Steinbruderei, *K. Lange, Oießen.

wie ehedem mit den Kin- schaffen solange der Tag Spiel! Es zog den Wagen scharfe Sense; der Gustav ihn auf, und Niesele zog die Hasen und schließlich

in ihn An!

Wald­schwer witter-

Da guck, Und du? Wo

Die Leute

versuchten sich zu beugen die Hinterbeine strafften sich, als sie die ganze Last des Körpers in sich aufnehmen!

Ging R>e>'ele an den Strängen, so sing es, wenn das Horn beraickchwebte, an zu tänzeln, mochte die Last noch so sein. Die Obren stellten sich, die Nüstern weiteten sich und

angesteckt hatte!

O, wenn Riesele Zeit gehabt hätte, dern umherzutollen! Aber es mußte währte, und schaffen war schließlich kein hinaus, und auf der Leiter glänzte die schlug den würzigen Klee um uud lud

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still an Hu ild

teil den Tönen nach, der lange Schweif peitschte hin und her, als schwärmten Bremsen an seinen Lenden, Das Kummet begann an dem Halse zu zerren, weil der Hals steil aufragte, das kindliche Spiel der Muskeln trat deutlich aus dem Ebenmaß der Glieder hervor, und die Räder des Wagens schnitten über die Gleise.

Dem Bauern Klaus und seinen Kindern konnte dies Gebaren nicht entaeben, und da sie vermuteten, daß Riesele draußen in der Fremde für allerband .Kunststückchen abaerichtet worden sei, so ließen sie ibm diele seine Freude uud crsreuteu sich selber daran.

lich und sagt, ohne sich um die Menschen zu kümmern:

Mein Bräutigam, Dauphinettele. weißt du, mein König, dein König, er ist gefallen im Krieg!"

Man schwieg ringsum; man sah bestürzt zu der so fröhlich gekleideten Frau und schwieg irgendwie gerührt. Die Frau aber bindet das Güulchen von seinem Wagen weg, bindet ihm ein Seil ans Halfter, und siehe da: sogleich beginnt dies, wie wenn's gar nicht anders könnte, im Kreise zu trippeln, und es nickt mit dem Kopf und niest vor Freude. Die Umstehenden, die das Räpp- chen kannten, jubelten ihm zu, und ein Bursche, dem es offenbar gehört, kommt aus dem Bahnhof gerannt mit einer schweren Rolle Maschendraht auf den Schultern, läßt den Draht fallen und tritt zur Dame in den Kreis, um auch dabei zu sein.

Komm her, mein Schatz!" befiehlt die Dame und sogleich kommt das Tierchen zu ihr und scharrte auch schon mit dem linken Vorderhuf.

A genoux!" schreit sie nun, aber sie schreit es nicht zum zweitenmal, denn sie küßt bas Kerlchen schon wieder auf seine weiße Blesse und sagt dann zu ihm:

Geh heim in deinen Sonnenschein, o, du mein Sonnenschein du! Und nimm mich mit, nimm mich mit!"

Es geschah, daß der Erzähler und seine Frau mit dem Bauern- burschen und der bunten Reiterin gemeinschaftlich den Berg hinan­schritten, und daß die Buben und das Mädchen mit dem kleinen Gaul einen Steinwurf wett hinterdrein humpelten in fröhlichem Fuchhei. Und es geschah, daß die Familie beim Bauern Klaus Wohnung nahm oben im Dachstübchen. Die Künstlerin allein batte es nicht so gut und mußte schon am nächsten Tag mit den Seil­tänzern weiter ziehen.

Da Hub in dem Bauernhaus eine große Freude an, denn Riesele hatte wieder Kinder nm sich, und die Kinder hatten einen Freund, wie sie ihn in der Stadt keinen finden konnten. Auch mit August freundeten sie sich an, mit dem Herrn Gustav, mit dem Fräulein Trudel, mit allen Dorfkiudern. mit den Wiesen, dem Wald, dem Bergwind und mit der lieben Frau Sonne.

Die Weintrauben reiften früher als sonst, und als der Bauer seinen Wingert las, stand das junae Volk mit den Alten in den Zeilen, nnd es las mehr tu die Münder als in den Eimer. Die Kinder schleppten die vollen Eimer herunter an den Weg. wo Riefele vor der großen Bütte eingespannt stand, und sie fuhren die Bütte, wenn sie voll war, heim an die Kelter.

Wenn ihnen aber Eornel begegnete, der nfte Sauhirt, so mußte er in die Bütte greifen und sich an den schwarzen Burgunder­trauben laben.

Gern hätten die Stadtbuben das Riesele, als die Ferien zu Ende waren, mitgenommen.

Allein der Vater konnte es nicht kaufen, hatte doch auch keinen Stall für das liebe Tier und schrieb deshalb die Geschichte, wie er sie erfahren und erträumt, nieder. Fm Sommer wird er sodann mit Kind und Kegel wieder hinter die Berge ziehen, das Brot des Bauern Klaus zu esien. seine Lieder zu singen, seine Sonne einzuheimsen und manch wackeres Wort.

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und das Riesele auch!

Es mußte den armen Kindern helfen seinen Freunden, wo immer es konnte. Sah es. daß ein Kind eine Last Futter auf dem Kopfe beimschleppte, so mußte das Kind seine Last ans des Pferd­chens Wagen legen und durste noch selber ausstcigen!

Welch eine Kraft bändigte das kleine Niesele in seinen dünnen Beinchen, loenn es irgendwie helfen konnte!

Eines Abends erwachte hinten im Armenhaus auch ein an­deres Lied wieder und schivebte in breiten Flügelschlägen übers Dorf hin. Einmal erwacht, wollte dieses Waldhorn nicht mehr schlafen gehen und kam jeden Abend und oft über Tag. Vielleicht rief dieses Waldhorn ganz frühe Fugenderinnerungen in Riesele ivach, vielleicht auch sein buntgekleidetes Künstlerleben im Zirkus.

Lag Niesele im Stall uud ruhte sich aus nach des Tages Mühen, so sprang es sogleich auf, wenn Cornels Waldhorn ertönte, so rauschte sein Blut in allen Pulsen, so regten sich alle Muskeln, die draußen in der Welt, für irgendein Kunststück zngestutzt worden waren: der linke Vorderfuß scharrte, der Kopf nickte, die Knie

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bist du so lang geblieben?"

sind bestürzt uud kommen näher zu diesem seltsamen wicvciftvt«, das niemand sich erklären kann. Die erregte Frau aber verliert sich in ihrer Frende oder in ihrem Schmerz gänz-

spreizt die Finger und schreit:

' mein Schatz, Granaten hab' ich gedreht, Granaten!

ihn heim, daß die Kuh, die Geißen, ,

auch die Gänse und die Bequemen Enten etwas zu fressen hatten

«nd wiederholt sagte der Vater zv allen, die sich darüber auf­hielten:

Wir wollen so fröhlich, wie es nur sein kann, miteinander unser schweres Tagwerk vollbringen und unfern Vater preisen, der mit uns ist!"

Und Riesele war voll der Lieder dieses Tals und trug sie mit sich durch sein arbeitsreiches Leben: Lieder des Freundes und Lieder der Lerchen, die aus dem Himmelsblau über es herab­fielen, die Lieder der Blumen, die allhin läuteten, der Wälder, der Winde, der Wolken, und der verborgenen Schisse, und seine unentwegte Fröhlichkeit verschenkte Feiertag und Glück, wohin es auch kam; denn es war ja selber nur ein Lied draußen in dem großen Jubclruf der Natur.

*

Die Geschichte ist aus. Der Erzähler sah das Riesele zum erstenmal, als es neulich noch voll vom Staub der Stadt, mit Frau und Kind hinter den Bergen aus dem Bahnhof trat. In­mitten einer großen Menschenmenge schwang sich just im selben Augenblick eine buntgekleidete Frau in kurzem, weitfaltigem Röckchen aus einen Schimmel, der im Kreis raste, blieb aufrecht stehen, hielt einen Reif über sich und hopste auf dem breiten Pferde­rücken von einem Fuß auf den andern.

Des Erzählers Buben aber sahen sogleich das schwarze Gäul- chen seitab stehen und rannten zu ihm hin und streichelten es. Und weil es wie toll an seinen Strängen zerrte, banden sie es kurzer­hand los.

Und auf einmal schießt das Gäulchen wie toll mitten in die Menge hinein, daß alles vor solcher Wut auseinanderstiebt und Platz macht.

Der Erzähler dachte, seine Buben hätten das Tierchen etwa gefoppt, aber dem war nicht so! Die bunte Frau stößt einen Schrei aus, herzzerreißend schier, wie Frauen ja schreien können, hüpft vom Schimmel, stürmt auf das Räppchcn zu, umarmt und küßt es, und will es immer wieder küssen!

Dauphin, Dauphin!" ruft sie, breitet die Arme weit aus,

18. f

Als der Frühling kam, erwachte in dem Dorf sogleich die alte Fröhlichkeit wieder. Die Kinder sangen aus den Gassen, sie be- ; suchten Niesele, sie liefen neben ihm her, sie schenkten ihm Zucker und gutes Brot, denn an solcherlei Dingen fehlte es in dem Ge- birgsdörschen nicht. Sie steckten ihm die ersten Blumen ins Half­ter, ganze Ketten von Löwenzahn schoben sie ihm übers Kummet, und sie riefen seinen Namen auf Weg und Steg.

Die Burschen suchten in den Wiesen nach den schönsten Blumen, banden Sträuße und stellten sie ihren Liebsten vor die Fenster. Des Abends saßen sie bis tief in die Nacht auf der steinernen Haustreppe bei den Mädchen, erzählten vom schrecklichen Krieg und boten mitten im Schlachtengeheul ihre liebenden Herzen preis. Sie spielten Ziehharmonika, die alle Vertraulichkeiten des Her­zens so trefflich zu sagen versteht, und sangen jene alten Lieder wieder, die unmittelbar von Herz zu Herz gehem

Riesele führte tagsüber den Mist auf die Aecker, kehrte heim, holte den Pflug und die leichte Egge und zog sie auf einer Schleife hinaus. Als es aber vor dem Pfluge eingespannt war und die Schollen aufwerfen sollte, da war seine Kraft zu schwach. ; Der rothaarige Gustav begann zu fluchen, wie wenn er ein Feld­webel wäre, schnitt sogar am Waldrand eine Gerte ab und schlug auf Riesele drein, bis er sich überzeugt hatte, daß sein Räppchen nicht aus böser Absicht den Pflug nicht zog! Da holte der Bauer Klaus die Trudel, die jeweils den Acker, wenn auch mühsam, durchpflügt hatte, und spannte Mutter und Tochter nebeneinander, und die Schollen stürzten wacker um.

Ha, wie gingen dem Gänlchen die Nüstern aus, als die frische Erde zu duften begann, die den Winter ausstrahlte und den Frühling behielt und neuen Frühling aus der Sonne trank! Wärme und Kraft stiegen ans den Schollen, und die Dohlen kamen von den kahlen Bäumen heruntergeflogen und die zier­lichen Bachstelzen, ganze Schwärme von Staren, ein Ungeziefer zu picken oder ein verbummeltes Samenkorn!

Dann niußte Riesele mit seiner alten Mutter ein Stündchen am Wege stehen, Gustav aber stapfte mit großen Schritten über die dampfende Erde und streute in mächtigen Bogen den Weizen ans, und der Wtizen knisterte, als sehne er sich nach dem weichen Schoß, weithin in die gleichmäßig nebeneinander gezeilten Furchen. Rie­sele fraß neben der Mutter unterdessen das kaum ersproßte Gras ! des Weges ab, und die Stränge mit dem Sellscheit schleiften hinter ihnen drein.

In langen gelben Bändern blühte der Raps, und der Wind warf in breiten Schwaden den würzigen Honigduft herüber, und - die Bienen summten drüber her

Der Weizen sproßte, das Korn schoß auf, die Weinstöcke streck­ten ihre grünen Fähnchen heraus, und alles, was unten wuchs, ward von den kugeligen Apfelbäumen überblüht und von den ; aufstrebenden Birnbäumen, und der Blütenjnbel sprang hügelauf, ; hügelab im Tal einher, und niemand war, der sich nicht freute! j

Kaum ein Tag verging, ohne daß Riesele nicht irgendwie geschmückt worden wäre von Trudel oder von den anderen Kindern des Dorfes. Einmal flatterte schier ein ganze Woche lang ein lila Bändchen an seinem Halfter, und niemand wußte, wer es ihm