Ausgabe 
11.9.1933
 
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Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger

Jahrgang M3 Montag, den U- September Nummer 70

Nach der Mahd.

Von Hans L e i f h e l m.

Es sind die Wolken wie Silberhechte In grünen Lüften auf Wanderschaft, Vor dunklen Wäldern weht das Geflechte Der blonden Birken am schwanken Schaft, Wo in der Ferne die Höfe liegen, Siehst du phantastische Windvögel fliegen.

Nun ist die Ernte bald in der Scheuer, Und bläulich wirbelnd ins Weite geht Beizender Rauch der Kartoffelfeuer, Die letzte Garbe im Felde steht Geweiht als Opfer nach alter Sitte Dem Schimmelreiter auf seinem Ritte.

Und längs den Rainen und durch die Brache Treibt seine Herde der Wanderhirt, Vom Wald zum Felde, vom Felde zum Bache Die dunkle Wolke der Krähen irrt.

Im Schober knistert heimlich Genage, Es halten Mäuse ihr Herbstgelage.

Wenn auf die Aehre dann pocht der Flegel, Schwirrt um die Tenne die Sperlingsschar, Der Takt der Drescher wie Trommelschlegel Trommelt zu Ende das Bauernjahr.

Wie Honigtropfen hörst du von allen Obstbäumen prallend die Früchte fallen.

Lob des Landes.

Von Werner Klaus.

Wenn man die tiefste uitö geheimste Sehnsucht unserer heu­tigen deutschen Dichtung in ein paar Worte fassen will, wird man sagen müssen: sie sucht wieder den Weg zu den einfachen und elementaren Gegebenheiten unseres Daseins, zu einer neuen Schlichtheit und Wirklichkeit, die jenseits des Artistischen und Lite­rarischen liegt. Nirgends zeigt sich das deutlicher als in dem un- gehuren Anschwellen der ländlich-bäuerlichen Dichtung, die in den letzten Jahren eine ganz neue und bisher unerhörte Bedeutung gewonnen hat.

Wie jede literarische, jede geistige Bewegung, trägt auch diese Erscheinung ein doppeltes Gesicht: immer vermicht sich der echte Impuls mit unechter Mache, immer tritt der Konjunkturritter neben den legitimen Gestalter. Aber man darf sich durch gewisse Oberflächenzüge nicht darüber Hinwegtäuschen lassen, daß hier ein tiefer und mächtiger Drang am Werke ist, eine neue Sehnsucht nach dem ursprungsnahen Leben, ein neues Wissen um die alte, kreatürliche, gebundene Welt des Bauerntums.

Allerdings: zu allen Zeiten hat die deutsche Dichtung Stoffe und Motive aus dieser Welt benutzt und gestaltet, und Hebel und Klaus Groth, die Droste und Jeremias Gotthelf schufen auch im bürgerlichen Zeitalter Werke, in denen die Stimme des Landes unverkennbar und eigen ertönt. Aber was die neue Bauerndichtung grundsätzlich von diesen früheren Schöpfungen unterscheidet und sie auch von der Heimatdichtung der Jahrhun­dertwende trennt, ist die Betonung der elementaren und trieb- dasten Züge des bürgerlichen Daseins, ist der neuerwachte Sinn für seine animalische wie seine mythische Sphäre, ist der Blick für seine tiefsten und verborgensten Gründe, die saft verschüttet schienen und nun mit besonderer Hingabe aufgespürt werden. Diese Dich- litngen wollen kein verklärtes, versüßlichtes, moralisch gereinigtes oder pathetisch übersteigertes Bild des bäuerlichen Lebens geben, sondern seine harte, gransame, arbeitbeladene Wirklichkeit selbst, mit dem ganzen Gewicht ihrer greifbaren, fühlbaren, schmeckbaren fiealitäten. Man braucht nur eine Dichtung wie GriesesWin­ter" mit JmmermannsOberhof" zu vergleichen, oder Theo­dor Kramers herbe und harte Bauernlyrik mit den oft platten «nd gemütscligen Gedichten Hebels, um den Unterschied zu spüren. Die junge Dichtung des Landes sieht mehr von der Oberfläche und mehr von der Tiese des bäuerlichen Daseins. Und sie strebt nach Schöpfungen von großem Format, die wieder gleichberechtigt Ue6en der bürgerlichen Dichtung genannt werden können.

Aber sie entsteht zu einer Zeit, wo die bäuerliche Lebenswelt ihre frühere Einheit und Geschlossenheit längst verloren hat,' wo <!>r arteigenes Denken und Fühlen sich nur mühsam gegen den Einbruch fremder Wertungen und Gesinnungen behaupten kann.

Zwar sind die elementaren Grunbtatsachen des bäuerlichen Lebens die gleichen geblieben seit tausend Jahren; aber über dieser ewigen mythischen Grundlage der bäuerlichen Welt erhebt sich eine vielschichtige Tageswirklichkeit, die durch ganz andere Mächte be­stimmt scheint als durchBlut und Boden", eine zerrissene, sehr heutige, gar nicht bukolische Wirklichkeit, in der das Lied des Landes nur leise vernehmlich ist. Und die offene Problematik einer jeden Dichtung, die sich dieser Welt gegenüberstellt, liegt in dem Zwiespalt und der Spannung zwischen den mythischen Hinter­gründen und den heutigen Realitäten des bäuerlichen Daseins, die beide zusammen erst das ganze Bild ergeben, die aber ohne Bruch und Gewaltsamkeit in eins zu sehen heute nicht mög­lich ist.

Hier setzt die Gefahr einer romantischen Verfälschung durch die Dichtung ein, die nicht immer vermieden wird: oft genug tilgt der Dichter alle Züge, in denen sich die Zerrissenheit der bäuer­lichen Welt ausdrückt, betont einseitig das Mythisch-Irrationale und hebt es in Zeitlos-Gleichnishafte. Ernst Wiecherts viek- gelesener RomanDie Magd des Jürgen Doskozil" ist ein Schul­beispiel dafür: diese schöne und reine Dichtung ist nicht aus der Realität heraus gestaltet, sondern oberhalb der Wirklichkeit kom­poniert, sie will nur die gelauerte Essenz, das Gleichnis eines naturnahen Lebens geben und betrügt sich damit um die Schwere der wirklichen Aufgabe.

Diese Vereinfachung der bäuerlichen Wirklichkeit, die Betonung zeitlos gleichnishafter Züge, scheint nur dort gerechtfertigt, wo ihr ein kraftvoller Realismus, eine dringlich-konkrete Darstellung die Waage halten wie in GriesesWinter". Hier kann nicht mehr von romantischer Verfälschung gesprochen werden, obwohl öiöse Dichtung ganz im Zeitlosen beharrt; denn hier bedeutet diese Zeitlosigkeit kein bequemes Ausweichen vor der wirklichen Reali­tät, sondern dient gerade der Charakteristik des bäuerlichen Lebens, wie es sich seit Jahrhunderten vor den geschlossenen Horizonten der Sippen und Dorfgemeinschaften abgespielt hat. Dieselbe Ge­schlossenheit und Dichtigkeit der Atmosphäre zeigt auch Grieses letztes Werk, seinDorf der Mädchen", eine düstere Chronik aus der Zeit der Leibeigenschaft: die Flucht in eine reinere, echtere Frühzeit ermöglicht hier die Darstellung einer noch heilen, unver­fälschten Bauernwelt.

Aber wo der Gestaltungswille auf die Widerspiegelung der ganzen, vollen Gegenwartswirklichkeit des Bauerntums geht, scheint ein innerer Bruch unvermeidlich. Das erweist sich nirgends so deutlich wie am dichterischen Werk Richard Billingers, der wie kein anderer um die mythisch-heidnischen Hintergründe bäuer­lichen Lebens und Denkens weiß und sich doch den offenen Blick für Gegenwärtigstes nicht trüben ließ. In derRauhnacht" und denRossen", seinen stärksten, aber auch umstrittensten drama­tischen Schöpfungen, macht er den ungeheuren Versuch, die Span­nung zwischen Aeltestem und Neuestem, zwischen dunkel gewußter Vorzeit und zerrissener Gegenwart in ihrer ganzen Tiefe aus­zuschöpfen. Aber in derRauhnacht" muß er das Mythische zur Schauerballade verflachen, um es theatralisch wirksam zu machen, und in denRossen" mengt sich Papiernes und hlotz Gewußtes mit echt Gefühltem, stoßen Mythos und Technik, uralt heidnisches Fühlen und Zivilisationsideologie hart und knallig aufeinander. Daß Billinger mit seinem Versuch scheitert, daß er keine heile und geschlossene Wirkung zu erzielen vermag, ist nicht inneres Ver­sagen des Dichters vor seiner Aufgabe, sondern das Verhängnis einer unabänderlichen geschichtlichen Entwicklung, die die bäuer­liche Welt ihrer früheren Einheit beraubt hat und die Spannung zwischen Mythos und Realität bis zur Unerträglichkeit vertiefen mußte. Das tritt bei Billinger nur mit besonderer Kraßheit zu­tage: aber alle Dichtungen leiben unter dieser Problematik, in denen der Wille zur ganzen, vollen Wirklichkeit des bäuerlichen Lebens Gestalt gewonnen hat.

Man kann freilich Romane wie BestesHeidnisches Dorf" oder Josef Martin BauersSalzstraße" dagegenhalten, die jenseits dieser Problematik stehen und doch gerade die bäuerliche Gegenwart mit ihren harten, nüchternen Konflikten und Span­nungen widerspiegeln. Die Tagwirklichkeit des Daseins scheint hier eingefangen und gestaltet; aber wer den Geschmack der Werke von Griese und Billinger kennt, spürt doch den Mangel eines fast Unnennbaren in den Dichtungen dieser Art. Es ist der Mangel einer mythischen Substanz, das Fehlen jenes zeitlosen Hinter­grundes, der zur Tiefendimension der bäuerlichen Welt gehört. Diese Dichtungen lösen die Spannung zwischen Mythos und Realität auf ebenso einseitige Weise wie WiechertsMagd des Jürgen Doskozil", und sie unterscheiden sich von der früheren Heimatdichtung nur durch einen herberen, härteren Realismus