Ausgabe 
11.8.1933
 
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wurzeln noch sehr tief im Volke.

Die Vielweiberei steht bei den Usbeken noch immer in hoher Blute. Doch dos romantische WortHarem" wäre hier durchaus nicht am Platze. Zer ..Harem" des Usbeken ist nichts anderes als einfach seine Fa­milie, die nur die Besonderheit aufweist, daß sie aus mehreren grauen »esteht. Sonst könnte dem Fremden daran nichts Ungewöhnliches auisal-

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Taschkent, das moderne Märchenland.

Von unserem O. M.^SBeridjterftatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Taschkent, im Sommer 1933.

Im schnellen Tempo durchquert der Moskau-Taschkent-Expreß die un­endlich scheinende Transkaspische Wüste. Wohin das Auge blickt, weit und breit, kein Baum, kein Strauch, kein menschliches Wesen. Man fühlt sich zuerst gelangweilt und ist schließlich doch von dem sonderbaren Zauber dieser unendlich weiten Landschaft entzückt. Zart liebkost und umschmei­chelt sie das umherirrende, müde Auge, und behutsam schläfert sie ein Doch plötzlich wird die Luft leichter, saftiger, aromatischer, und vor den Augen gleiten kleine Häuser, üppige Gärten mit hübschen Bäumen und Blumen vorbei. Wir nähern uns Taschkent, dem russischen Bagdad. In unzähligen Reihen, auf viereckigen Rahmen, wachsen herrliche Wein­trauben. Die Gärten sind von den vielen Bäumen stark beschattet und

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feit, die sie Tee nennen.

Auf den Handelsplätzen der neuen Stadt findet man viele west­europäische Produkte, auch sehr viele deutsche Waren und vor allem viel neuzeitliche Erzeugnisse der Technik, die hier besonders beliebt zu sein scheinen Unter den Händlern sieht man nur wenig Russen. Meistens sind es Einheimische, die in philosophischer Beschaulichkeit hinter ihren voll- Ibepackten Stäben sitzen und dem Markte ein würdiges und malerisches Gepräge verleihen. Die alte Stadt ist bedeutend weniger belebt. Bei Tage und des Nachts sieht sie so schläfrig, fast verlassen aus. Die Straßen sind eng und schlecht; auf jedem Schritt stolpert man auf winzige Kanälchen, mit einer dunklen, stinkenden Flüssigkeit. Dieser Kanalisation verdankt aber das von endlosen Wüsten umgebene Taschkent sein blühendes Aus­sehen, seine fruchtbaren Gärten und überhaupt seine Existenz - - -

Die alten Usbeken sind nicht unschön; die schneeweißen, langen Barte kontrastieren effektvoll mit dem Tiefbraun ihrer charakteristischen Gesichter und dem etwas unheimlichen Glanze ihrer schwarzen Augen. Die jungen Usbeken dagegen sehen selten gut aus. Unter allen mohammedanischen Völkerschaften dieser Gegend (Tataren, Usbeken, Kirgisen und Persern) ündet eine dauernde Rassemischung statt. Doch trotzdem kann man ganz deutlich zwei vorherrschende Typen feststellen. Der eine Typ erinnert an den kirgisischem schmale Schlitzaugen, hervorstehende Backenknochen, Lplatte Nase und gelbe Gesichtsfarbe; unzweideutig erkennt man an ihm den starken Zusatz mongolischen Blutes. Der zweite Typ ist der persische; wenig hervorstehende Backenknochen, edle regelmäßige Gesichtszuge, ge­rade Nase; die Augen sind breit und ausdrucksvoll, die Hautfarbe dunkel und nur von geringer gelber Beimischung.

Den denkbar ungünstigsten Eindruck machen die Usbeken-izrauen: unscheinbare Gestalten, deren Form man kaum feststellen kann. Mit wil­len, ängstlichen Bewegungen und dicht verschleierten Gesichtern huschen iie eilig über die Straßen; der schwarze Schleier wirkt entstellend und verleiht dem Antlitz der Frau etwas Maskenhaftes, Riisselartiges. Durch !>as schnelle Gehen oder durch die Launen des Windes verschiebt sich oft­mals der Schleier, und man hat Gelegenheit, das Gesicht zu sehen, dessen Anblick sich indessen nur selten lohnt. Meistens häßliche, früh gealterte Frauen, die sich im übrigen auch ionst vor 'Ausländern sehr wenig geme- ren und nur. wenn ein Einheimischer vorbeikommt, beschämt und behend hr Gesicht wieder mit dem törichten Schleier bedecken. Nur die an Zahl '«hr geringen Kommunistinnen unter den Usbeken-Frauen geben auf der ötraije mit unverhülltem Antlitz. Hin und wieder veranstalten sie auch 1 inen Demonstrationszug. um die alte Kleidung lächerlich zu machen. Aber Ilies alles hilft nur wenig, denn die patriarchalischen Sitten ihrer Vater

rasen ...

Wie die meisten von europäischen Zivilisation berührten Städte des Ostens, hat auch Taschkent ein altes, einheimisches und ein neues, euro­päisches Stadtviertel. Doch auch in derneuen Stadt" treten die malerisch althergebrachten Sitten und Gebräuche dieses Landes vor europäischer Lebensart nicht ganz zurück. Kleine unsaubere TeebudenTschaichane", .sinb auch hier in großer Zahl zu finden. Vor diesen Tschaichanen, direkt auf der Straße, sitzen auf viereckigen, niedrigen Schemeln ober auch ein­fach auf bem Boden, die Beine unter sich gekreuzt, die Usbeken, in bunt­bemalte ober gestreifte Chalats gehüllt, unb trinken eine braune Flüssig-

scheinen finster, geheimnisvoll, wie bie strengen, exotisch-schönen Gesichter der hier ansässigen Menschen. Meistens sind es Usbeken, ober wie sie die russischen Eroberer einst nannten Sorten. Heute bedeutet das WortSorte" eine Beleidigung. DennSorte" heißt in der Landes­sprache so viel wie Hund, belehrte mich ein einheimischer Reisebegleiter.

Taschkent ist eine blühende Oase mitten in der Wüste und ein Zivi- lisationszentrum inmitten orientalischer Oede. Der Durst nach moderner Technik, nach Lichtreklame und schreienden Kinoklakaten übertrumpft hier stellenweise selbst eine große russische Stadt. Dichte Menschenmengen überschwemmen die Straßen und ergießen sich in die Vergnügungsparks, (Safes und Kinos. Wenig Kleinstädtisches gibt es hier und wenig was an die Zugehörigkeit zu Rußland erinnern würde. Auf den öffentlichen Plätzen nur stößt man unvermutet auf große schwarze Tafeln, die von den bolschewistischen Behörden dort aufgestellt worden sind, und auf denen mit Kreide hingemalte Verordnungen prangen. Doch diese Tafeln finden wenig Beachtung. Offenbar versteht es die Sowjetregierung nicht, sich hier bemerkbar zu machen, ober vielleicht versteht sie es, hier unbe­merkt zu bleiben. Die ganze Stabt ist ein Gemisch zwischen einem bunten ; orientalisch-exotischen Basar unb einer nervösen, großen, westeuropäischen Handelsniederlassung. Es berühren sich hier die Jahrhundertei die alte Kultur der Epoche Tamerlans, die Welt aus1001 Nacht", flößt kraß I-auf moderne Errungenschaften; neben einer von weit her kommenden Kamelkarawane sieht man die Straßenbahn und den Omnibus durch-

len und nichts Romantisches seine Gedanken betören. Alles scheint sehr nüchtern und alltäglich, und so ist es auch in Wirklichkeit. Selbst die Haremsbramen" finb bar jeder Romantik. Denn falls diese Frauen sich gelegentlich untereinander verfeinden, so geschieht das durchaus nicht aus Eifersucht oder Furcht, bem Manne nicht mehr zu gefallen und zugun­sten einer anderen von ihm vernachlässigt zu werden. Die Zwistigkeiten des Harems drehen sich ausschließlich um häusliche und wirtschaftliche Dinge: schlechte Zubereitung des Essens, unforgfältige Säuberung der Wäsche usw. sind meistens die Gründe dieser Auseinandersetzungen. Und gewöhnlich ist es auch die jüngere Frau, die auf die ältere eifersüchtig ist und nicht umgekehrt, denn jede junge Frau will stets die alleinige Wirtschafterin sein.

Die örtlichen kommunistischen Frauenvereine führen einen ziemlich energischen Kampf gegen die Vielweiberei, und die sowjetamtlichen Stan­desämter registrieren zur Zeit nie mehr als eine Frauä conto" jedes Usbeken. Doch die braven Usbeken kümmern sich herzlich wenig um die ungebetenen Bolschewiken-Gesetze: nachdem sie sich mit der einen Frau auf bolschewistische Art haben trauen lassen, gehen sie zu ihrem Mullah und lassen sich von ihm, auf ihre eigene Art mit anderen Frauen ver­mählen ...

Auch den Kinderehen in Taschkent, wie überhaupt In ganz Zentral­asien, haben die Moskowiter Machthaber den Krieg erklärt, denn immer noch ist es hier üblich, bie Mädchen bereits mit zehn Jahren zu verhei­raten. Da aber das wahre Alter der Braut meist verheimlicht wird unb es den Gesetzgebern nur selten gelingt, das richtige Geburtsjahr festzu­stellen, so werden die Bräute vor der Eheschließung einfach gemes­sen ... Erreichen nur die Arme nicht eine vorgeschriebene Länge, oder ist der Kopf- ober Brustumfang zu gering, so haben die jungen Schönen eben Pech gehabt; ihre Ehen werden nicht registriert, auch wenn sie in Wirklichkeit das behördlich genehmigte Heiratsalter von 16 Jahren er­reicht haben.

Schließlich sei noch einer anderen, erstaunlichen Erscheinung gedacht: trotz aller kommunistischer Gegenmaßnahmen gibt es im roten Tur­kestan noch einen regelrechten Sklavenhandel: die mittellosen Usbeken verkaufen ihre Kinder als Sklaven an reiche Kaufleute, Bauern usw. In der Stadt Taschkent sind derartige Fälle seltener zu finden, wenig­stens verbirgt man sie sorgfältig, aber in den benachbarten Dörfern und auf dem flachen Lande ist dieses moderne Sklavenhaltertum gang und gäbe, unb niemand findet daran etwas Befonderes.

Turkestans Alltag, besonders die Stadt Taschkent mit ihren Freuden unb Sorgen, ihren Sitten unb Gebräuchen, ihren malerischen Trachten unb Typen, eignet sich vorzüglich bazu, auf die Filmleinwand gebracht zu werden, und erstaunlich ist es, daß die Filmregisseure auf ihrer stän­digen Jagd nach neuen Schauplätzen und Motiven dieses moderne Mär­chenland noch nicht entdeckt haben.

Oer Mann, der mit dieser Zeit fertig wird.

Roman von Walrer Julius (Blaem (EDS.).

(Fortsetzung.)

Oben wirft Schönlein sein Fenster zu, daß die Scheibe klirrt.Ent­schuldigen Sie mich, Fräulein Aschenbrenner, ich bin so unaufmerksam." j Sie heuchelt mit dünnen Sippen:Es macht nichts, Herr Schönlein. Aber i ich muh jetzt gehen."Bleiben Sie doch ruhig noch ein bißchen, heute am Sonntag gibt es ja doch nichts zu tun." Er wünscht sie zu allen Teufeln und bemüht sich um ein abgerissenes Gespräch. Diese Rosemarie, denkt er dazu und erinnert sich an den Pantherschlag ihrer Hände, wird sie etwa mit diesen Zauberhänden im Krauskopf des Doktor Wagenschanz spielen? Denn wie geht so etwas weiter? Immer dasselbe! Auch Schön­lein würde sich kaum mit der spitznasigen unb überdies langweiligen Schreibdame begnügen, wenn ihn nicht das Elend eines nicht mehr erträglichen Alleinseins gepeinigt hätte.Ich bin ein unaufmerksamer Gastgeber", entschuldigt er sich ehrlich,plötzlich geht mir etwas durch den Kopf, und ich vergesse Sie zu unterhalten."

Ach, Herr Schönlein, Ihnen sieht man immer an, daß Sie niemals gleichgültig finb. Aber traurig sind wir alle, gelegentlich."

0h, danke!" Er gibt ihr bie Hand, unb Fräulein Aschenbrenner zieht getröstet ab, unb bas ist ja schließlich auch ein Ergebnis. .Reden ist Gold', denkt er, ,ein paar herausgesagte Worte können bie ganze Seele verwan­deln, aber Lisa und ich haben alles in uns hineingeschwiegen, unb dies ist bas Ergebnis.'

Rosemarie sitzt nicht mit Anton im Boot ober unter den knospenden Büschen des Siadtparks, sie befindet sich mit ihm an einem Ort, wo alle Männer dazu verurteilt sind, komische und mitgeschleppte Figuren dar­zustellen, Anhängsel: bie beiden besuchen also nun doch die Stände der I Ausstellung .Die erfahrene Hausfrau'. Gleich am Eingang zieht Rose- ' tnarie ihren Begleiter in eine Art Kasperletheater hinein, auf einer Bret­terbühne kocht ein beschwörend redender Herr, der einen weißen, befleck­ten Leinenkittel trägt, in einem vielfach verschraubten Wunderkochtopf. i Meine Damen", sagt er,ich rufe Ihre wirtschaftliche Vernunft an und ! bitte Sie, aus Ihre Uhren zu blicken unb mit eigenen Augen festzustellen, j in wie vielen ober eigentlich wie wenigen Minuten bie Spargel unb ber 1 Rotkohl gargekocht finb, Speisen, welche, wie Sie wissen --" So geht

es eine Viertelstunde hoch her, bann pfeift ber kluge Kochtopf ben enb- I losen Vortrag ab, unb bas Erzeugnis wirb auf kleinen Tellern herum- : geboten. Anton bankt.Ich habe schon gegessen."

Aber auch er kann nicht verhüten, daß ihm im Verlauf ber nächsten i halben Stunbe eine Unmenge Kostproben sämtlicher denkbarer Fleisch­brühen, Malzkaffees und Fruchtfäfte aufgebrängt werben, man führt ihm übereifrig bie lächerlichsten Waschmaschinen vor. ,£s interessiert Sie nicht?" erkundigt sich Rosemarie in einem Hellen Augenblick.

Ö doch", gibt Anton zu,beinah sehr. Meine Mutter ist arm, ich habe ihr 'eine Menge helfen müssen. Wenn ich einmal einen Sohn hab->n werde, muß er bei [einer Mutter schrubben und putzen unb Geschirr spulen, nur