schwarz ... Silber mit chinesischer Tusche ... wollig und flockig, harmlos unO stubenrein. Erst bliebst du einen Augenblick im Garten sitzen und K dich um, um von deinem zukünftigen Reich wenigstens mit den en Besitz zu ergreifen. Denn du nahmst dir vor, von nun an, diesen Garten, der durch Holzzaun und Drahtgeflecht hinten von der Umwelt geschieden ist, gegen alles zu verteidigen, was keinen guten Rock trug, und vor allem gegen jeden Hund der Umgebung ... von der Dogge Moritz bis zu dem Rattenpinscher Bobbi von der Post. Dann aber hieltest du den Kopf schief, und beäugeltest noch einmal den Drahtzaun genauer, um seine schwachen Stellen herauszubekommen, wo du dich zum Stromern und für zukünftige Liebesfahrten durchwühlen könntest, und, um die Maschen dir zu merken, durch die du Hindurchbeitzen und den Feinden in die Rase zwicken könntest. Die Hühner, die du im Hintergrund picken sahst, betrachtetest du mit innigem Wohlwollen und beschlössest vorerst einmal, den Kücken die Hälse lang zu ziehen ... bis du groß genug wärest, das bei den Hennen zu tun. Den Hahn würdest du dir für zuletzt aufsparen. Und so tatest du. *
Sodann jedoch gingst du in dein neues Haus und warst sehr erstaunt, dort eine schwierige Treppe zu sinden, die man mühsam erklettern mußte. Wie soll ich das sagen? Richt wahr: Du kletterst mal zuerst vorne rauf und flössest hinten über die neue Treppe wieder herunter; als ob du dir den Weg für alle zukünftigen Fälle bezeichnen wolltest. Du fandest eine Katze, und nachdem du die Oberlippe gehoben und sie angeknurrt hattest, während sie zischend einen Buckel machte, schlosset ihr ein für alleMal als kluge Tiere Frieden, und du stelltest sie in deinem Hause dafür an, daß sie auf den Tifch springen mutzte, um dir Wurstscheiben herunterzuwerfen. Kritisch sahst du dir die verschiedenen Menschen im Hause an und erkanntest sosort, dah der alte Herr deinem Schmeicheln und Betteln bei Tisch am wenigsten widerstehen konnte, und dah sein Ledersessel in seinem Arbeitszimmer ein Platz wäre, aus dem er die nächsten zehn Jahre deines Lebens nichts mehr zu suchen haben würde.
*
Du mutztest ganz genau, datz du ein reizendes Kerlchen warst, und dah du mal ein verdammt hübscher Bursche würdest, der Hundedamen mindestens so gut gefallen würde wie sie dir. Und du beschlössest sofort, etwas zur Besserung der Hunderassen der näheren Umgebung zu tun, wenn es dafür Zeit sein würde.
Ach und so winzig du warst — denn diese Teddies werden nicht groß —, du warst ein unverbesserlicher Raufer. „Länger als fünf Jahre können Sie die Rasse nicht halten", sagten die Hundekenner, „denn dann werden sie so bissig, dah sie aus den eigenen Herrn losgehen." Aber das stimmte nicht. Mich hast du in all den zwölf Jahren nicht einmal angeknurrt. Rur meine Tochter haft du, als sie dich einmal aus einer Rauferei herausrih, versehentlich in die Hand geschnappt. Das hat dir sicher selbst nachher leid getan. Denn deine Zuneigung zu uns allen war uferlos. Wer nach Hause kam, den rissest du beinahe um mit deiner Liede. Und klug warst du. Sicherlich verstandest du wohl zwei- bis dreihundert Worte unserer Menschensprache. Du holtest das Kind vom Bahnhof ab, und du erschienest auch manchmal in der Schulklasse, um es zu besuchen. Du triebst berufsmäßig bei jedem Spaziergang die Gänse in den Fluß und schwammst ihnen gern noch ein Stückchen nach. In deinen Liebes- gesühlen beschämtest du den Ritter von Poggenburg. Denn nachdem deine Freundin schon längst in unirdische Gefilde hinübergewechselt war, kamst du noch jahrelang, um ihre teere Hütte anzuwinseln, und ließest dich weder durch Steinwürfe der Jugend, noch durch Wassergüsse der Großen in diesen deinen Gefühlen beirren.
*
Aber dann begann auch bei dir allgemach brr Abbau des Lebens ... Hub an das Alter sich auch bei dir und deiner nie ruhenden Vitalität zu melden. Erst wurde das eine Auge starblind, und bald darauf begann auch das andere sich langsam zu verschleiern. Wenn du gerade frisch gebadet warst, sahst du ja immer noch ganz gut aus. Wie ein alter Herr, der vom Friseur kommt. Aber die Glieder waren steif und rheumatisch, und die Treppen ging’s wieder herauf wie vor zwölf Jahren, Stufe um Stufe. Trotzdem aber witschtest du immer wieder heimlich aus, sobald jemand die Gartentüre aufgelassen hatte, um als alter Kavalier noch irgendeiner Hundesreundin von ehemals deine Aufwartung zu machen.
Denn so alt und klapprig auch dein Körper geworden war, dein Herz war jung geblieben. Ach Gott (ich verstehe bas!), leider zu jung. Und von der letzten solcher Liebesfahrten kamst du nicht mehr selbst zuruck, sondern man brachte dich mir wieder. Was passiert war, weiß ich nicht. Ob dir jemand mit einem Prügel übers Kreuz geschlagen hatte, ob ein Auto dich zur Seite geschleudert hatte... Wer kann das sagen?! Du warft zwar äußerlich ganz unverletzt, aber die 5)interbetne hingen gelahmt herab. Vielleicht war auch nur die Wucht deiner Gefühle zu stark für deinen alten Körper gewesen. Schmerzen hattest du nicht, nur em unendliches Erstaunen mischte sich in den trüben Schimmer deiner alten Augen mit all der Zuneigung zu mir von zwölf langen lind gemeinsamen Jahren, als du mich hilflos das erstemal anblickteft. Doch da das von Tag zu Tag statt besser nur mit dir schlimmer und aussichtsloser wurde, so hat man dir endlich eben die letzten Qualen ersparen müssen.
*
Wie ich weiter erfuhr, bist du bann in ben Hunbehimmel gekommen, wo bu all beine Feinbe, bie bir längst vorangegangen waren, wieder trafst. In ber nächsten Sefunbe aber fing eine Beißerei an, wie sie ber Hunbehimmel seit seinem Bestehen noch nicht erlebt hatte, Unb Petrus soll bich mißgelaunt, wie alte Herren manchmal finb, mit einem mächtigen Tritt in bie Hölle beförbert haben. Unb da sollst bu jetzt mit zwei kleinen Hörnerchen auf bem Kopf vor bem Lehnstuhl ber Großmutter bes Teufe liegen, bie sich an beinern molligen Fell ihre alten, kalten Fuße beljag ch rot>Später, wenn ich selbst komme, will ich mal sehen, ob bu mich wieber erkennst, alter Freunb Tebby.
Wie ost wurde Amerika entdeckt?
Von Dr. Emil Carthaus.
Viel von sich reben macht zur Zeit das Schicksal des englischen ©berften Fawce11, eines im Kolonialbienst erprobten Offiziers, ber noch im achtunbfünfzigsten Lebensjahr sich 1925 mit seinem Sohn und einem intelligenten jungen Australier in das unbekannte Hochland von Mato Eroßo (Brasilien) begab, um sich über ein angeblich dort vorhandenes Kulturgebiet von weißen, blauäugigen unb blonbhaarigen Jnbianern nähere Aufklärung zu verschaffen. Dieser eifrige Forscher ist verschollen, über sein Schicksal finb bie verschiebenften Gerüchte ausgetaucht. Rach mehrfachen vergeblichen Bemühungen ber Königlichen Geographischen Gesellschaft in Lonbon würben zwei Hilfsexpebitionen ausgeschickt, um bas Schicksal Faweetts klarzustellen unb vielleicht wissenschaftliche Aufzeichnungen von ihm in bie Hände zu bekommen. Blauäugige weiße Indianer, bie schon A. von H u m b o l b t in ben Tuscarora-Jnbianern zu seinem nicht geringen Erstaunen kennen lernte, sind wissenschaftlich insofern interessant, als sie auf alte Verbinbungen unb Blutmischungen zwischen Europäern unb Amerikanern schon lange vor Kolumbus Hinweisen. Die zur Aussinbung Faweetts — von besten Weiterleben seine Frau auf telepathischem Wege Kunbe haben will — ausgefanbten Expeditionen lenken deshalb zur Zeit bie allgemeine Aufmerksamkeit mehr als sonst auf biefe Verbinbungen.
Wenn ber römische Philosoph Seneca schreibt: „Einst wirb kommen bie Zeit, ba ber Ozean bie Fesseln ber Natur sprengt, Tipbys (ber Steuermann ber Argonauten) eine neue Welt entdeckt und Thule (Jslanb) nicht mehr bas äußerste unter ben ßänbern sein wirb", so grünbet sich biefe Prophezeiung vielleicht auf bie Tatsache, bah wieder- holt Menschen durch ben Sturm noch lebenb ober tot von ber amerikanischen an bie europäische Küste verschlagen wurden. Auch haben in umgekehrter Richtung nach Ausweis alter Sagen gewaltsame Schiffsversetzungen ftattgefunben.
So hätten bie Normannen trotz ihrer Kühnheit unter ber Leitung von Leis, bem Sohn Erichs bes Roten, im Jahre 1000 von Grönlanb aus nicht bie Fahrt burch ein ihnen ganz unbekanntes Meer zur Küste von Amerika gewagt, wenn biefe nicht, wie bas fechshunbert Jahre alte Flateyjar-Buch berichtet, ber islänbifche Seefahrer Björn Herolffon deut- lich gesichtet hätte. Nach Abam von Bremen, bem bekannten Chronisten bes elften Jahrhunberks unb ber Eirik Randa-Sagg (anbete Leif mit feinen Gefährten, worunter auch ein Deutscher namens Tyrker, zuerst im Narben von Amerika in einem oben, steinigen unb deshalb als Hellu- lanb (Steinlanb) bezeichneten Gebiet. Weiter süblich kam man zu einer mit Wald beftanbenen unb beshalb Marklanb, b. i. Walblanb getauften Küste. Später lanbete man in einer sehr anmutigen Gegend, wo Tyrker Weinstöcke mit Trauben, bie ihm von seiner deutschen Heimat her bekannt waren, fanb. Vinlanb, b. i. Weinlanb, hieß man deshalb-diesen Teil ber norbainerikanischen Küste, _ben man wegen ber noch heute bort wilb- wachsenden Weinreben im Staate Massachusetts zu suchen hat. Wenn auch keine ausbrücklichen Berichte barüber erhalten geblieben finb, so ist boch anzunehmen, baß bie Normannen auch noch nach einer Reise bes Bischofs Erik Gnupson nach Vinlanb 1121 weitere Fahrten von Grönlanb aus nach ber holzreichen amerikanischen Küste unternommen haben, bis sie nach 1400 ihre Siedlungen auf dieser Insel aufgaben. Deutlicher noch als bie europäischen Schrifturkunben spricht für bie Amerikafahrten ber Normannen im 11. unb 12. Jahrhundert ein an ber Bafsinsbai auf ber Insel Kongiktorstak gefunbener Stein mit nordischen Runen, welche, auch nach A. von Humbolbt bestimmt auf biefe Zeit Hinweisen. — Der englische Universitätsprofessor Eben konnte sogar bei ber heutigen Stabt Boston alte Dämme, Kanäle unb Reste von Blockhäusern feststellen, bie in ihrer Anlage durchaus der altgrönländischen bzw. normannischen entsprechen. Dazu sind bei Boston in Jndianergrädern, welche weit in bie Zeit vor Kolumbus zurückreichen, Pfeilspitzen unb Geräte aus Bronze wie auch aus Silber gefunben worben, bie nach Kronau altnormannischen Ursprungs sein müssen.
Germanen — Normannen — haben also nahezu ein halbes Jahr- tausenb früher ben Weg nach ber Neuen Welt gefunben als Kolumbus. Unb wie bie Eirik-Ranba-Saga berichtet, hörten bie normannischen Seefahrer bie Jnbianer in Vinlanb schon von einem nicht fernen, großen Laub sprechen, worin Männer in weißen Sewänbern einherschritten, laut riefen unb Stangen vor sich hertragen ließen, an denen große Lappen hingen — wohl weißgekleidete Geistliche, bie betenb unb mit Fahnen in einer Prozession einherschritten. Die Normannen nannten bieses Land Hoitramannalanb, b. h. Weißmännerland, unb, was sehr bemerkenswert, auch Jrlanb — it Mikla, b. i. Großirlanb. Danach scheint es, baß biefe Seefahrer mit alten irischen Sagen unb Ueberlieferungen bekannt waren, nach benen lange vor ihnen Irländer christlichen Bekenntnisses ein im Westen von Grönland gelegenes, sehr großes Land entdeckt unb sich barin niebergelaffen hatten. Nach diesem war, wie bas um bas Jahr 1130 geschriebene „ßanbnamabot" berichtet, im Jahre 987 auch schon Ari Marsson auf einer Fahrt von Island nach dem Süden durch Stürme verschlagen worden. Später wurde dort ein Erik Marston von den Eingeborenen in hohen Ehren gehalten, aber an seiner Rückkehr gehindert.
Unabhängig von ben Normannenfahrten finb verschiebene Male englische Seefahrer lange vor Columbus nach bem Norben ber Neuen Welt »orgebrungen. So berichten alte gälische Klosterhanbschristen von einer dorthin führenden Entdeckungsreise, die im 12. Jahrhundert von Wales ausging. Sie wurde von Madoc, bem Sohn bes Häuptlings Owen Gwyn- neb mit zahlreichen Begleitern unternommen unb führte bazu, bah ein- hunbertfünfunbzwanzig Kolonisten in ber Neuen Welt zurückblieben. — Ohne Zweifel hat Kolumbus auf feiner Reife nach Englanb borftge Seeleute von biefen Entbeckungsfahrten reben hören. Das hat ihn vielleicht mehr als alles anbere bewogen, von Spanien aus bie Fahrt burch bie große Wafferwüste bes Atlantischen Ozeans zu unternehmen.
Viel in Zweifel gezogen, aber schon von A. von Humbolbt als echt unb wahr erkannt, ist ber Bericht bes Venezianers Antonio Zeno über


