Ausgabe 
8.12.1933
 
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M"«n I>> feinem Wirken iiottnt, und der (Skifi männlicher tunen- ocit wirb fltb trpeiibwte mit dem bunten Zeitvertreib uertnüvfen Dolchen Sinn fllr Wehrlmfthitelt, ulme den fein Bolk fein einen ftenö benmhrc» (nun, Ist öle tiefere Begründung für die befunoere Jtcöenlnnn öe« Goibntenfplelö, dem Wungetr» au allen 'leiten nebulbin buben, mich al« noch feine <5plel|initrcit innen zur Hier flhluHrt stunden. Bon elnfkbtineu ßrAlcbem ist der ßlnilufi der Spielfo buten uns die Stärkung der vaterländischen Wcfluuuim wet» betont morden, und Aiuur nm reu befvttber« die Wrnnöokii, öle diese» deutsche Spiel empfubleu, ivie auch die ersten Soldaten finureu für die französischen Prinzen neschusseu wurden.

Diese» lebrbufie Moment bebt die Wreuöe am Zinnsoldaten au» dein viereIdi sonstigen «SplelAeunö heran«, da» dem Knaben 'He »iebungeu Aitr llmiuell vermittelt, ti» ist keineswegs irneudivelche Anssiachelnng friegerischer Wefüble In der Ingendllcheu Seele die damit verbunden ist. Wenn deutsche Kunst und deutsche» Huud- tnerf da» Spiel mit Soldaten geschossen und über die Welt ver­breitet buben, so spiegelt sich burin ulclmebr neben uefunbem DelbstbebauptuugSwIllen und Freude au tapserem tun eine innige und gemütvolle ilmsussuug selbst fokher SBcrekbe, In denen sich seelische Gröste und Todesverachtung um schönsten vsseubaren Der tiefere Sinn de» Spiel offenbarst sich besonder« darin, das, Er­wachsene solche fleitten Wignren duAit benutzt haben, um Sir» tegle und Tafiif zu lernen und zu lehren. Der aiinilulbnt, der übrigens in den meisten füllen ein Bleisoldat Ist, mu nutb in der Geschichte der KriegSwisseirschasten seinen Platz, Neben den französischen Kronprinzen bnben besonder« russische Herrscher an diesen bedeutsamenPuppen" sich den tieferen Sinn bet Strien« führunn anzueigneu gesucht. So batte sich Zar Peter Hl für seine Soldateuspiele eine kleine Festung in Oranienbaum bei Petersburg erbauen lassen und schlug hort Schlachten mit seinen Zinnsvldaieu. Zur Nikolaus I. lieft sich gaitAe Heere solcher Wl- nuren au« den Nürnberger Rubriken kommen und soll bei einer Zusammenkunft mit dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preu fien, dem späteren Kaiser WH beim II., diesen zu einem Kriegs- fpiel ausgesvrdert buben, bei dem die Dtbiuchi bei Bantzen mit Bleisoldaten auvgefochieu wurde, und der Zar den Prinzen schlug. Dttrd) solche mehr wissenschaftliche Berweudung de» Spielzeug« ivird der nefdikbllkbe und strategische Sinn In eiudrluglichem

NnschouungSitnterricht angeregt, und deshalb fluben ivlr auch In HeereSmuseen Panoramen von Schlachten, die durch solche Wl- 11 uren verlürperl werden. 08 sei nur an da» Nettes der Schlacht von Et. Privat Im Berliner Zeughaus oder an eine bestimmte Situation der Schlacht bei Sedan um I Uhr utiiiags des l. Sep fernher 1870 erinnert, die Im Münchner Vltmeemufeum ausgestellt

wurde.

Der Zluusoldai Ist überhaupt von verschiedenen heimatkuud- llcheu Museen al« geschichtliches und knustgewerbllrl>es Zeugnis gesamuielt worden, und ebenso haben fldi Privalsamiuler diesem Zweig de« Kuustliaudwerks zugeweudet, wobei wieder die ver­schiedenen GesichiSpnnkie zutage traten, unter denen da« Spielzeug ousgefasti werden kann. Die einen bevorzugenWnfboiiieii" durch die kriegerische Ereignisse veranschaulichi werden! die .anderen interessieren sid, mehr für die künstlerische Sluvsiibruug der ,li puren, noch andere selten darin einen wichtigen Viel trag zur II nl- sormkunde oder zur Lösung strategischer Ansgaben, So spiegelt die Well des Zinnsoldaten mannigfache Bereiche von Kunst, Wissen schasi und Vebcn wieder, wie dies ausführlich Theodor Humpe in seinem inhaltsreichen Buch vom Ziuusvldaieu dargeiau hat.

Der Zinnsoldat Ist ein deutsche« Spielzeug, denn fast die ganze Herstellung dieser ftmitreu hat sich aus deutschem Boden vollzogen, und erst nach dem Weltkrieg hat mau versucht, auch diesen Zweig deutscher Haudsertigkeii iindt.unbmeu; e« sind Fabriken In au deren Ländern eutstuuden, ohne die deutsche Ware aus dem Weib schlagen zu können. Wrellldt hat man die Anfänge dieses Spiet zeug« schon in ferner Borzelt gesucht, und ein französischer Kenner bat behauptet, dustder Bleisoldat so alt sei wie die Well". Doch bürfleit die Krlegerslgürcheu, die häufig in auiikeu Gräbern ge­funden werden, nicht den Kindern al« Spielzeug gedient haben, sie waren vielmehr Evmbole jener militärischen Begleitung, die ein Herrscher oder General and) noch Im Weitfeit« kommandieren sollte. Ebenso Ist die Herleiiuug der mittelalterlichen VHelHnuren au« dem Braud), den Kleinen von den Pilgersahrien solcheNei terlcin" und ähnliche« mitznbriugeu, höchst sraanüirdi». Sicherlich waren e« nur einzelne Arbeiten, die einen gewissen Knriostiäteu- niert belasten und nicht In erster Linie als Spielzeug gedacht umreit. Die früheste Erwähnung von Zlnnsplelslgnren, die sabrik »lästig Hergeslelll wurden, bat Hampe für da« Wahr lt',78 an« den Münchner Archiven ertnllleU. Wröftere» Anssehen erregten die Zlunsoldate» erst, alö sie in die Kiubersinhe de« Pariser Hof« ihren Einzug bleiten. Sv hie st In dem Tagebuch de« kleinen König« Ludwig Xlll.:Am20. Seviember 1010 wurde um 7% Uhr gefrühstückt; daun liest der ilöuig seine Menschlein von Blei holen und stellte auf dem entsprechend zubereiteten 2 l|d> seine Schwadronen auf. Am 10. Oktober vergnügt er sich damit, seine Ble|.mannschast verschiedene Gesechltcordnnngeu bilden zu lassen, und kaut, sid) von diesem Spiel nicht trennen.Wür Lud wig XIV. wurde ein kleine« Ocer von Soldaten zu Pferd und zu W»st bet den kunstfertigen Nürnberger Meistern bestellt. Da« war eine graste Staatsaktion. Der Wluauzmlntster Eolbert leihst vergab den Auftrag; der grvste Weffuim«bntimelfler Baubun kün, werte sich darum, der her II hm le Goldschmied Wolrab führte die durd)schulttlich :i,l> Zoll hohen Männlein In Silber au«, und der gelchkkleste Mechaniker seiner Zeit, Gottfried Hanllch, stellte die tffbcTtic Vlrnicc nnf ein tpnflnmcnf, burrf) ein Mlnbrrtncrf in

iTicrvcflunn defekt wurde. Dieses mechanische tfunfhuerf erregte

'iröstte Bewunderung. Nach einem zeiigenöffischeu Bericht soll A V'^üdl nelmu haben:Mau must zugegeben, dast dir 4 eul|dien viel Geist haben." lind al« einer der Hofleute ent» gegnete:Sire, öle Wranzoleu haben jedoch mehr", sagte der König verächtlich.Wo, um Kletdermodeu zu erfinde ul"

Wu den Dptelfigitreu Ludwig» Xlll. haben wir öle ältesten bekannten Bleisoldaten, von denen wohl auch noch ein Muster in einer in Paris gefundenen Wigur erhalten ist. Nürnberg, da« d e besten Spielsachen der Welt berflellte, unö wo 17 verschiedene Getverbe an der Erzeugung de«Dvcteuwerk" heieiligl waren, warf sich nun anch ans die Erzeugung solcher Soldaten. Doch erst mit den Siegen »Friedrichs de« Grosten und dem iHuhm de« pren- |iiidieti Heere«, der öle ganze Well erfülle, umr öle S stimmnng für ö,e allgemeine Berbreitung der Spielsoidaien geschossen. Nun entstanden jene vorziiglichen Zinnfiguren, öle den grosten König selbst, seine Generale und verschiedene 1 rnppenteile mit aller (Me- imulnfell Wiedergaben unö z. D, wie öle «rbeiien der Nürnberger Warn nie Hilpert, wahre Kunstwerke sind Wie damals dieses neue Spielzeug die lugendliche Phantasie besrnchteie, dasiir bnben wir einen dichterischen Niederschlag in dem MärchenDer neue Paris", das Goethe in da« zweite Buch vonDichtung und Wahrheit" ansnahm, und das ans Erlebnisse seiner Knabenzeit zurllckgeht. Er erzählt hier von einigen Kasten,in denen ich kleines Kriegervolf übereinondergeschichiei erblickte, von dem ich sogleich bekennen mnstie, dast ich niemals so etwa« Schöne« gesellen hatte". Dann schildert er die Schlacht dieser Llllpntkrieger, deren Urbild die Bleisoldaieu sind, mit denen er in seiner Wagend gespielt. Neben den Niirnberger Wabriken traten nun auch solche in anderen Siädien aus, und einen neuen gewatilgen Antrieb erhielt der Handel mit Bleisoldaten durch die napoleonischen Kriege, wie sich überhaupt von nun au jede« militärische Eretgnt« tu der Welt her Zinnsoldaten widerspiegelt. Während die Wignren zunächst stad) waren, wurden sie dann auch in masstger Nnndbett anöge- sübrl. DaS zeigt n. a. eine Anekdote, 6le (Id) in einem 0 rinne« rnugsbiub der Biedermeierzeit findet: Ein fünssäbriger .Hinge, her eine Schachtel mH bleiernen Husaren erhallen hat, fleht einen wirklichen Husaren, den er mH Wil Del begrüßt Aber al« dieser vom Pferd steigt, ruft da« Kind voller Schrecken:Bäterchen, der Husar ist entzwei gegangenI"

Niesele,

Die Geschichte eine« Heinen Pferde».

Bon Nikolau« S cb w » r z l o p f.

(Nachdruck verboten.) l'Wvrtfetznng.l

Kanute Dauphin nicht einen dieser dicken Gäule da? Hielt er nicht mit einem dieser roten Hengste einst sogar WrenndschasiY Er ik'rrle an seiner Leine, und einer der Wüchse legie seinen starken Hal« über Dauphin« Mähne. Dauphin wibberie, indes er so hi dieser Liebkosung »erharrte, am Heu eine» Protzkasiens, srast nicht, hälmelie nur so wie ein zarte« Zicklein und war seit langer Zelt tuIeher einmal durchaus beglücktI

Bauern, die Dauphin schon vsi neben müden Kühen durch die Diodi hatten schleudern leben, ergingen sich zwischen den »bge- kblrrlen Pferden, rieben die Hände aneinander, lachten sich an und guckten Öen starken Gäulen tu die nusgerlfseueu Mäuler.

Dauptiiu hülle sich nicht Io von jedermann in den Mund gucken lasten I

Seine zwei Berglenle hatten'« eilig. Ein Bübchen, kaum fünf, zehn Wahre all, kam auf sie zu, klatschte Dauphin nnf den Schenkel, trat aber rasch wieder beiseite, al« siirchteie e« sich vor den zwei­ten. Er legte die eine Hand vorsichilg auf seine Mütze, die sonder­bare Wülste hatte, al« verhülle sie einen verbeulten Stopf,

Na, willst hu nicht an bei fien 7" sragie her eine von Dauphin» Begleitern, und her andere fügte gleich hinzu:

Staunst ihn billig haben!''

Der Wuchs hier", nnlinortele hn« Vlüluben,kostet sünsundsiebzig Marti"

E« zog an« seiner liefen Wnneniasche ein Pfund Vlullcr, stülpte die Mütze seine« Kopfe« und hielt in her Mütze den beiden zehn relumelfie Eier vor die Nafe. Der Knabe fnh Ion leid), hast sie'« zufrieden seien, und sagte, Indem er Ihnen (eine Kostbarkeiten überreichte und die Leine ergrisf:

Emma heisst sie hod). ja?"

Der eine steckte die Vluller In seine Innentasche, her nitherc tippte am Wagenrand ein EI ans, und beide sagten sie zugleich:

Emmas Wreilich, wie denn sonsts"

Auch der andere schlug ein Ei ans, und während der Knabe da« Säulchen ftflon fortfitbrte, flogen btt Eierschalen um ihre Ohren, aber sie beide achtele» nld)l daransl

Sie entfernten sich weiter von her Stadt, überschritten eine Brücke, und kamen ans eine Landstraste, die link« unö reiht« mit alten Apfelbäumen bestellt mnr. An einem Steinhansen mnsste Dauphin stehen bleiben, unö der Knabe schwang sich ans seinen iltücken.

Heisal Heisa! Dransten in brr Wreihet!, unter Aepselbänmen, zwischen Aeckern und Wiesen. Ein St Inh aus Dauphin« Nücke»! Wn leichtem Trab lies er dahin über die Tietustraste. ledig der ©leie, ledig der Stadl, ledig de« mürrlskhen Balihalars

Et» Apsel hing allein aus einem Baum. Der Knabe stieg ab, warf mit einem Stecken In ole Krone, her Stecken blieb hängen, der Apsel fiel, und der Knabe gab den Apsel dem Gäitlcben, da« ans einmas wieher einen Name» hatte!

Will Emma auch et» Stück Brot?"

Jawohl, Emma wist a»ch ei» Stück Brot!