wie sie öie Höflinge nannten, und selbst ihre Feinde brachten ihr den Zoll der Bewunderung dar. Papst Sixtus V., der ihr erbitterter Gegner war, der den großen Kirchenbann gegen sie schleuderte und daraufhin von ihr in der St. Pauls-Kathedrale feierlich exkommuniziert wurde, schätzte niemanden mehr als die Königin von England. „Was für ein Weib!" rief er ans, „sie trotzt dem größten König zu Lande und zu Wasser. Wenn sie nicht eilte Ketzerin wäre, würde sie eine ganze Welt wert sein!" Und et» andermal bedauerte er, daß er und sie nicht frei wären, um sich zu heiraten, denn sie beide würden eine Nachkommenschaft erzeugen, der nichts widerstehen könnte ...
Bürgerwappen.
Von Wilhelm Scheuermann-Freienbrink.
Wir behalten uns vor, über diese, gerade heute sehr aktuelle Darstellung'hinans zu gegebener Zeit auf die oberhessischen Adels- und Vürgerwappen int Besonderen einzugehen
Die von dem früheren Geiste des historischen Materialismus befreiten Wissenschaft der letzten Jahre hat uns bezüglich der Herkunft der Wappen neue Einblicke eröffnet. Bis dahin galt es als ausgemacht, daß die Ausnahme der Wappen nicht älter sei, als das Zeitalter der Kreuzzüge, und einige Jahre früher konnte sogar der Unsinn wissenschaftlich vertreten werden, daß das Wappen- wefcn orientalischen Ursprunges und erst durch die Kreuzzüge
nach Europa gelangt sei.
Längst vorher war freilich durch die philosophischen Untersuchungen bekannt, daß bereits die Griechen und Römer über ein vollkommen ausgebildetes Wappenwesen verfügt hatten, gleichzeitig aber hatte man die antiken Zeugnisse für das Bestehen von Wappen bei unseren germanischen Vorfahren einfach übersehen. Ein Außenseiter, der trotz mancher Irrtümer als Anreger hochverdiente Wiener Guido List, hat als erster den engen Zusammenhang zwischen den germanischen Runen und den heraldischen Bildern erkannt und gleichzeitig entdeckt, daß anck die Farben der Wappen „redend" sind und ihren ganz bestimmten Sinn haben. Diese Feststellungen wissenschaftlich untermauert zu haben, ist dann das Verdienst eines der bedeutendsten Heraldiker unserer Zeit gewesen, des Oberregierungsrats Dr. Bernhard Koerner vom ehemaligen Preußischen Heroldsamte, dessen Handbuch der Heroldskunst die Grundlage für alle zukünftigen Weiterarbeiten ist.
Danach steht es nun außer Zweifel, daß das Wappenwesen seinen Ursprung bis in die vorgeschichtliche nordische Zeit zurück- leitet. Dementsprechend hat es seine höchste Ausbildung auch bei den Deutschen gefunden, bei den übrigen Nationen, zu denen es mit der germanischen Oberschicht gelangt ist, ist es mehr oder minder entartet, so wie eine Pflanze in ihrem ursprünglichen Heimatgebiet am besten gedeiht, in ihr fremden Gebieten dagegen nicht „spontan" bleibt, wie der Botaniker sagt.
Bei dem gewaltigen Aufschwung der Familienforschung, den die Maßnahmen der nationalen Regierung veranlaßt haben, hat nun mancher, der früher kaum wußte, wer seine Großmutter und sein Urgroßvater waren, zu seiner Ueberraschung entdeckt, daß seine Vorfahren- ein Wappen geführt haben, welches also auch ihm zusteht. Es ist nun vielfach die Frage aufgeworfen worden, in welchem Umfange diese Wappen geführt worden und welches die Wege zu ihrer Wiederauffindung in den Fällen sind, wo sie später verloren gegangen sind.
Es ist anzunehmen, daß ursprünglich jede freie Sippe und jeder Geschlechterverband ihre eigenen Wappen geführt haben. Dafür spricht in Landesstellen, wo sich die alten Ueberliesrnngen besonders gut erhalten haben, die noch immer bestehende Verwendung der jedem Bauernhof eigenen Hausmarken,* die ihre runenartige Gestalt unverändert behalten haben. Eines der schönsten Beispiele in dieser Hinsicht ist ein alter Tisch int Stettiner Museum, in den sämtliche ratsfähigen Geschlechter eines Dorfes ihre Hausmarke eingeschnittetn haben. Solchen Hausmarken aus alter Zeit begegnen wir dann an Giebeln und Türstürzen in allen Städten des Reiches, daneben auch zahllosen figürlichen Wappenbildern. Für Städte, wo die Verhältnisse bereits besonders gut aufgeklärt sind, wie für die ehemalige freie Reichsstadt Straßburg, steht es fest, daß dort sämtliche bürgerlichen Geschlechter, die steht es fest, daß dort sämtliche bürgerlichen Geschlechter, die spater in das Patriziat oder in den Adel übergegangen sind, bereits am AnSgange des Mittelalters als schlichte Bürger genau dieselben Wappen führten, die sie später bei der Standesveränderung beibehielten. Jeder Mann, der ein öffentliches Amt bekleidete, jeder Handwerksmeister, der eine Urkunde ausstellte, mußte seine Unterschrift mit einem Siege! bekräftigen. Das ist die übergrohe Mehrzahl der vielen Tausende von deutschen Bürgerwappepn, „deren Siegelabdrücke sich in den Archiven aufbewahrt findet, nämlich diejenigen, von denen die frühere Heraldik bekümmert seststellw, daß ihre Herkunft nicht nachzuweisen sei. Sie ist darum nicht nachzuweisen, weil sie über die Zeit der erhaltenen Urkunden hin
aus altangestammt waren. e ~ „
Ein anderer Teil von Wappen dagegen konnte zur Freude dieser Art von Papierwurm-Wissenschaft seiner Herkunft nach restlos aufgeklärt werden. Wie au den Adel, so verliehen nämlich die deutschen Kaiser, wenigstens feit Karl IV., Wen 6 r t e f£ «n Bürgerliche in großer Zahl, in noch erhebllch vermehrt ii Umfange aber taten das in der Folgezeit die Hofpfalzgrafen, wobei
* Auch ans diesem intereffauten Gebiet gedenken wir tn anderem Zusammenhang eine Anzahl Belege aus unserer engeren Heimat vorzuführen.
es feststeht, daß es sich in vielen Fällen nur um eine Bestätigung längst geführter Wappepn gehandelt hat. Das hat sich bis in die Verfallszeit der Heroldskunst fortgesetzt und nicht alle diese Wappen können mehr den Anspruch erheben, dem Sinne zu entsprechen, den unsere Vorfahren mit diesem Bekenntniszeichen ihres Geschlechtes verbunden haben. Ursprünglich „reden" nämlich sämtliche Wappen, nicht nur diejenigen, die man später als redende bezeichnet hat, und zwar bringen sie ein Losung zum Ausdruck, nach welcher alle, die das Wappen führen, leben und sterben sollen. Das Wappen versinnbildlicht also das Hochziel einer Familie. Daraus leitet es den Anspruch ab, in Ehren gehalten zu werden und darum ist es untrennbar von der Familiengeschichte.
Diesem Sinne der Wappen kommen wir näher, wenn wir uns daran erinnern, daß manche Geschlechter mit der Durchführung einer bestimmten Erbaufgabe betraut wurden, etwa der Anlage einer Siedlung oder der Trockenlegung eines Luchstriches. Es ist nun bezeichnenderweise vorgekommen, daß beim Aussterben eines solchen Geschlechts ihr die entsprechende Verpflichtung enthaltendes Wappen dem zur Nachfolge bestimmten Geschlechte verliehen wurde, welches das der Vorgängerin dann vielfach mit seinem eigenen vereinigt hat, was auch bei der Heirat der letzten Erbtochter sehr häufig geschehen ist. Sonst aber wurde streng darauf geachtet, daß niemand das Wappen eines erloschenen Geschlechts mißbrauchte, wie denn auch der Wappenschild des letzten Trägers eines Namens bei der Beerdigung zerbrochen und mit in das Grab gegeben wurde. Auch später ist es Grundsatz geblieben, daß fein neu angenommenes Wappen mit dem einer erloschenen oder lebenden Familie übereinstimmte. Die scheinbaren Ausnahmen, wo zwei Geschlechter ganz verschiedenen Nnamens dasselbe Wappen führen, haben einen guten Grund. In solchen Fällen liegt eine Stammesgemeinsamkeit vor, wobei einer der Zweige seinen Namen geändert hat, denn in iallen Fällen sind die Wappen beständiger geblieben als die mannigfaltigen Veränderungen unterworfenen Namen, die nicht immer so fest waren wie in unserer Zeit der geordneten Standesämter.
Bei der Neuaufnahme von Wappen ist der Leitsatz, daß dasselbe Wappen nur einem Geschlechte angehören kann, selbstverständlich ebenfalls zu beachten. Daneben sind aber die Grundsätze der Heraldik streng zu wahren. Man kann sich nicht aus reiner Phantasie ein Wappen wie eine Fabrikware ersinnen, sondern man muß sich bewußt sein, baß das Wappen zu dem Wissenden redet, daß in den Figuren, denen man es mit unkundigem Auge nicht ansieht, die uralten heiligen Runenzeichen stecken, und daß in engster Verbindung mit ihnen auch die Farben ihren wohl bewußten Sinn haben. Es wird sich kaum umgehen laffen, daß bei dem allgemeinen Aufleben der Familienkunde und des Wappepn- wesens wieder eine sachverständige beratende Stelle geschaffen wird, wie sie Preußen bis znm November 1918 in seinem Heroldsamte besessen hat, und es wäre zu wünschen, daß sämtliche alten und neuangenommenen Wappen in eine deutsche Reichswappen r o 11 e eingetragen würden.
Der Mann, der mit dieser Zeit fertig wird.
Roman von Walter Julius B l o e m (GDS.).
(Fortsetzung.)
Sie finden in der Nähe Blankenburgs eine große Badeanstalt, die wohl zumeist von den Kurgästen besucht wird, bezahlen ein teures Eintrittsgeld und räkeln sich in der Sonne, die schon niedrig mit gelbem Sommerglanz über den Bergen steht. Junge Männer streichen um die beiden hübschen Mädchen herum, und Elli würde sich gerne in einen Flirt einlassen. „Wozu, Elli? Für eine Stunde?"
„Gerade für eine Stunde. Mein Bater ist nämlich Kommerzienrat, mein Herr, wir sind mit unferm Auto ein bißchen hierhergefahren.' Dann verabredet man sich für den nächsten Tag und geht verschollen." Sie läßt ihre Augen springen, aber so zwei Mädchen zusammen sind ein ganz guter Schutzbund, sie tuscheln und lachen, ihre Gesichter wirken ebenso herausfordernd wie ablehnend, und sie machen sich offensichtlich luftig, so daß niemand sich herantraut, denn sicherlich führt hier der Weg ins Paradies des Flirts erst durch ein Fegefeuer spöttischer Redensarten. Aber je mehr die Sonne sich auf die Harzberge hinuntersenkt, desto mehr senkt sicki eine Trauer über Rosemarie. Am Betonrand locken Tische mit bunten Sonnenschirmen. „Ich habe mir überlegt, daß ich ein paar Schuhe kaufen muß." Rosemarie erhebt sich mit trägen Gliedern. „Ich mag auch nicht mehr bleiben, Elli, fahren wir heim in unsre Mansarde. Das Ganze ist eine kleine Hochstapelei, und man wird nur traurig davon, wenn man sieht, wie schön es die andern haben."
Wenn die Frau Wagenschanz die gehäuften Wolken ferner Sommergewitter über die Ebene schweben sieht, so wird ihr Herz von keiner Sehnsucht bewegt. Sie leidet an Händen und Füßen ein wenig an Gicht aber auch sonst würde sie es nicht verstehen, warum ihre Mieterin Elli auf den Feldweg hinausläuft und mit ausgebreiteten Armen und geblähtem Rock im Sturm dahinsegelt, wie ein Blatt, wie ein Bogel.
,So jung war ich auch einmal, neunzehn', denkt die Witwe Wagen- schanz und krümmt ihre Lippen, wenn sie die Schritte über die Treppen und Gänge tappen hört, sich habe mich auch nicht um die Manner gekümmert, und genau so hab ich ausgesehen, wenn man in den Spiegel blich und würde sich nicht wundern, wenn man als altes Mensch auf die Welt gekommen wäre,' Mehr als an ihrer Gicht leidet die Witwe Wagenschanz an ihrer Angst. Das Zimmer, in dem sie wohnt und das mit Kommoden und Schränken vollgestopft ist, kommt ihr als eine große Berschwendung vor, und sie überlegt, ob sie auch ihre gute Stube zum Vermieten Herrichten könnte, damit sie noch etwas hinzuverdient. In der Röhe hat ein Arbeitsloser sich einen Bretterladen gezimmert, in dem er genau dasselbe verkauft wie die Frau Wagenschanz, es ist ein munterer


