Ausgabe 
8.9.1933
 
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Dabei fiel ihm der Nopf Immer auf einen Augenblick vorn­über, so müde mar er. Im Grunde war er ja auch em lahmer Esel, bedachte er, was wollte er mit Jungfern Wein kosten! Cr fletschte verärgert die Zähne, das sollte ein Lachen bedeuten, und fühlte sich recht verloren und vergällt. Das Mädchen lag ihm schon wieder an den Ohren und zupfte ihn an den Haaren, sie muhte wohl nicht, wie todmüde er war. Sie ließ ihm auch nicht einen einzigen ruhigen Augenblick, tanzte und sprang, hielt ihm die Augen zu und wollte ihm den Stuhl wegziehcn, es war wirk- 1 *^De?alte Land"/knecht"suchte angestrengt etwas zu erfinden, was cr sich ferner wünschen wollte. Aber ihm fiel durchaus nichts mehr ein. Er dachte an seine Kammer und an seinen Strohsack, sie schienen ihm im Augenblick viel gemütlicher als die Ratsherrn­stube mit dem zudringlichen Frauenzimmer und dem^Vogel, den er nicht aus der Hand lassen durfte. Er gähnte W recht aus dem Herzen herauf, ein Ueberdrutz vor all seiner Wünscherei schüt-

Just "hatte das Weib ihn an beiden Ohren und blies ihm den Schnauzbart auf.Ich Mächte", dachte er wütend,ich wäre anf Posten geblieben, und der verwünschte Wegerich wäre niemals in meine Nähe gekommen." , .

Im nächsten Augenblick stand der Alte wieder am Elbzoll, blinzelte übers Wasser, ob ein Schiff käme, und hielt AuZchau nach der Ablösung. Seine Hand war leer, er dachte verstört dar- liber nach und war doch eigentlich froh, daß er bald auf feinem Strohsack ausschlafen konnte. Er hatte die Fauste tn die Tasche gestopft, zählte die Groschen im Schnupftuch und klimperte cm wenig damit. Einmal wünschte er, daß es alles goldene Mühl­steine seien. Es blieben Gott sei Dank Groschen, und im Grunde war der Stadtsoldat ganz zufrieden, daß er sich wieder wünschen konnte, was er wollte, ohne daß cs sich erfüllte, ""d daß er bald sorglos etnschlasen konnte, ohne den Vogel Wegerich festhaltcn zu müsse«.

Königin Elisabeth von England.

Zu ihrem 400. Geburtstage.

Von Dr. Kurt Haack.

Nicht zwei Historiker unter all den vielen, die sich mit dem Charakter der Königin Elisabeth von England beschäftigt haben, stimmen in ihrer Beurteilung überein, denn sie gehört zu den kompliziertesten Erscheinungen der Weltgeschichte. Die Lösung des psychologischen Rätsels versuchte kürzlich der unterdessen ver­storbene bedeutende Biograph Lytton Strachey m seiner tragi- 'chen HistorieElisabeth und Essex", in der er die Königin als -ine Monomantn mit genialen Zügen, alshysterisches Pulver- '" darstellte, und aus ihrer Unausgeglichenheit des Tempera­mentes, der Gegensätzlichkeit ihres Wesens, ihrerjungfräulichen Verliebtheit und maßlosen Eitelkeit eine zwar faszinierende, aber zroteske Karikatur schuf. Jetzt, da England in Dankbarkeit den <00. Geburtstag der größten Herrscherpersönlichkeit auf dem brt- sischcn Thron feiert, bietet Milton Waldmann ein Meister- mcrk geschichtlicher und menschlicher Forschung, das objektiv aus der Größe der Schöpfung die Größe der Schöpferin erklärt. Er hält sich von jeder gefühlsmäßigen Beurteilung sorgfältig fern, gestaltet alles aus den geschichtlichen Gegebenheiten und bringt so mm ersten Mal ein rundes Bild der großen Sphinx hervor.

Elisabeth war eine Selbsthcrrscherin, die für ihre Politik ganz iklein verantwortlich mar. Selbst ihr bedeutendster Ratgeber, William Cecil, der später Lord Burleigh, war doch nur em Werkzeug in ihrer Hand, ebenso all die Personen, die sic für ihre Politik anserkor, durch die sie England aus der schwächsten zur stärksten Nation machte. Sie war eine echte Schülerin M a ch i a - , e l l i s, und die Weisheit desFürsten" war ihr Brevier, wie das so vieler großer Staatsmänner.Man nennt mich die Florcn- incrin", pflegte sie mit einer Anspielung auf diesen Landsmann hrer Wahl zu sagen. Auch ihr Persönlichstes hat sic dem Moloch »er Politik unterworfen, hat nie einem ihrer Liebhaber einen Einfluß gestattet, der dem Wohle ihres Landes schädlich geworden wäre, und ihr ewiges Zögern bet ihren Heiratsplänen wußte sie reschickt auszunützen, um Vorteile zu erringen. Sie ist eine Meiste­rin der Intrige und Uebcrlistung anderer Staaten gewesen, um­gab ihre Pläne und Absichten mit einer gewollten Dunkelheit, qnd die scheinbare Unentschlossenheit, das Zaudern und Hinhalten, durch das sie die Diplomaten zur Verzweiflung brachte, war wohl- dcrechnete Klugheit. Sie hat in ihrer Koketterie, in ihrem sprung- iasten, bis zur Roheit jähzornigen Wesen ihre Höflinge in ewiger Unruhe gehalten, aber keiner konnte ihr widerstehen, den sie be- «wingen wollte, und ein Zeitgenosse sagte von ihr, daß niemand tesser als sie die schwere Kunst verstanden habe. Männern zu icfcfjlCH.

Die Tochter Heinrichs VIII. und Anna Boleyns hatte eine trübe Kindheit verbracht, denn sie wuchs unter dem Fluch des ihrer Mutter zugcschriebenen Ehebruchs auf, elternlos, halb ver­goßen, in ewige Verschwörung verwickelt, bei denen sie nur stiller Teilhaber war und doch beständig in Lebensgefahr geriet. Das tochbegabte, frühreife Mädchen erfüllte sich selbst mit dem Geist »er Renaissancekultnr, lernte sogar Griechisch, spielte die Laute, «nd in den wirren Verhältnissen, die von der Thronbesteigung ihres Bruders, Eduards VI., bis zum Tode Marias der Katho­lischen herrschten, genoß sic eine hohe Schule der Politik, der diplomatischen Künste, des Umgangs mit Menschen. Dabei wuchr ihre Volkstümlichkeit, und als sie 25jährig 1558 den Thron bestieg, wurde sie von allen Parteien als Morgenstern der Hoffnung mit Jubel begrüßt. Sic fand kein Reich, sondern nur einen Trümmer­

haufen vor. England, von Hungersnot und Pest verwüstet, war von den spanischen Abgesandten unter der Regierung Maria der Katholischen zum Weißbluten gebracht worden. Die Staatskasse war leer, der nationale Kredit erschöpft, das Geld entwertet. Miß­wirtschaft hatte die Steuern bts zu 40 Prozent aller Einkünfte emporgetrieben und die Regierung bot vergeblich 14 Prozent Zinsen ausländischen Geldlcihern. Die Märkte des Kontinents waren den beiden englischen Exportwaren, Getreide und Wolle, verschlossen, die Handelsschiffe verfaulten in den Haken, Arbeits­losigkeit herrschte, und die nicht entlöhnten Söldnerbanden plün­derten und raubten in den Städten, deren Schrecken sie waren.

Sie haben weder Geld noch Soldaten, weder Rüstung noch Krieg»- erfahrung noch gute Führer", mit diesen Worten faßte der spa­nische Gesandte Gras F e r i a dem engliichcn Geiandten in Brussel gegenüber sein Urteil über England zusammen, und dieser konnte kein Wort dagegen sagen. r .. ,,

Elisabeth griff sofort energisch ein. Ihre Klugheit, ihr durc^ dringender Verstand, ihre diplomatische Gewandtheit machten sich bald bemerkbar. Die Ordnung der Finanzen war die Hauptsache. Man hat sie oft des Geizes beschuldigt, und in ihren spateren Jahren war ihre Sparsamkeit wirklich manchmal ein Hindernis. Aber sic leistete ihrem Lande wohl den größten Dienst, indem sie nach Jahren der Verschwendung die Hand eisern aus den Beutel hielt,in den ersten 6 Monaten die Ausgaben um 60 Prozent her­abdrückte und in weniger als zwei Jahren den Kredit des Landes wieder herstellte. Ein großer Teil des Glanzes, der ihren adof umgab, stammte aus dem Gold, das ihre Piraten von den spa­nischen Schatzschiffen gestohlen oder in fernen Ländern erbeutet hatten. Aber der starke finanzielle Rückhalt ihrer Regierung rührt her aus harter Arbeit und guter Verwaltung. Da sic immer reich­lich Geld hatte, war sie von niemandem abhängig und konnte die Ordnung ihres Reiches nach außen hin durchführen. Sofort nahm sie die Versöhnung anf religiösem Gebiet in Angriff und schuf die anglikanische Staatskirche in ihrer bis heute gültigen Einrichtung, die Kirchenordnung war die Voraussetzung für ihre weitere Politik: sie bestimmte Englands Platz unter den europäischen Mächten und gab Elisabeth ihre geschichtliche Aufgabe,- die Auf­rechterhaltung Englands als protestantische Macht, den Kampf gegen den in Philipp II. von Spanien verkörperten Katholi­zismus, den sie sieghaft durchsührte. Als ein Staatsmann ersten Ranges hat sie die Organisation des modernen Einheitsstaates tn England vollendet, Staat und Volk zu einem ganzen zusammcn- geschlossen. Nicht mühelos, nicht gefahrlos gelang diese große Auf- | gäbe. Elisabeth ivar beständig von Verschwörungen umgeben, und 1 wer sie wegen der Hinrichtung von Maria Stuart und ihrem Liebhaber Essex anklagte, der sollte bedenken, daß ihr Leben täglich bedroht wär, daß sie niemals ohne Widerstreben jemanden tötete, und daß sic Gnade zu spenden wußte, wo es nur möglich war. Unter diesem Gesichtspunkt wird man auch ihr Verhältnis zn Maria Stuart richtig beurteilen, das ihr am meisten in den Augen der Nachwelt geschadet hat. Besonders wir Deutschen scheu ; Elisabeth immer im Lichte des Schillcrschcn Dramas, in dem sie ; als die düstere Siegerin, Maria als das unschuldige Opfer er­scheint. Aber in Wahrheit blicb Elisabeth nichts anderes übrig, als ihre Gegnerin zu beseitigen, die immer auf die falsche Karte gesetzt hat und kein Komplott glücklich dnrchsührte als das ihres eigenen Todes. Die geniale Realpolitikerin mutzte die ewig Un­ruhe stiftende Abenteuerin aus dem Wege räumen, um sich die freie Möglichkeit ihres Wciterschafsens zu sichern. Dieses feste Bc- wutztsein von der Notwendigkeit ihres Handelns spricht ergreifend aus ihren Parlamcntsredcn, so, wenn sie ein Jahr vor Marias Tod sagte:Wenn es sich nur um mein Leben handelte und nicht um die Sicherheit und Wohlfahrt meines ganzen Landes, so würde ich ich erkläre es feierlichihr sehr gern verzeihen. Ja, wenn England durch meinen Tod einen glücklicheren Zustand und einen besseren Fürsten erhalten könnte, würde ich gern mein Leben opfern. Denn nnr zu Eurem Vesten und für mein Volk wünsche ich zu leben. Für mich selbst sehe ich keine grotze Ursache, weshalb ich am Leben hängen oder den Tod fürchten sollte. Ich habe viel erfahren in dieser Welt, ich wcitz, ivas es hcitzt, Unter­tan zu sein, und was es heiht, Herrscher zu sein. Ich habe gute Nachbarn gehabt und schlechte, und im Vertrauen habe ich Verrat flC,5)icl"toIie Frau hat in der rätselvollen Vielgestaltigkeit ihres Wesens eine weltgeschichtliche Tat vollbracht. Sie konnte keinen ihrer Verehrer erhören, da sie England zum Gatten genommen hatte. Als sie starb, besatz das stolze Albion, dessen Macht sie ge- schassen, den grötztcn Handel und den besten Kredit in der Welt. Englisches Geld ivar die einzige Münze, welche damals ihren vollen Wert hatte. Die Steuern waren so niedrig, datz die er« staunten Fremden ihre Untertanen beneideten, und ebenso be­wunderten sie den weitverbreiteten Wohlstand, das starke Natw- nalgcfühl, die kraftvolle Heiterkeit des englischen Volkes. Zahl­reiche Gewerbe nnd Handelszweige waren ansgcblüht, die Arbeits­losigkeit war gebannt, und die Königin hatte den Genius der Nation auf das Gebiet gelenkt, das England weltgeschichtliche Stellung bestimmen sollte. Die Gunst der geographischen Lage des Inselstaates war plötzlich erkannt: das Meer lockte in die Ferne. Die kühnen Seefahrer und Seeräuber, die in ihrem Auftrage in ferne Ozeane vorstichen, bcgründetcn die englische Kolonial­macht. Unendlich war der Horizont tver Menschen erweitert, auch in geistiger Beziehung. Die Künste und Wissenschaften blühten und empfingen ihr Licht von dem glänzenden Hof derFeenkonigln- Sie war die rechte Herrscherin, nm dem grötztcn Dramatiker aller I Zeiten, um Shakespeare die Möglichkeit des Schaffens zu gewähren. So ist ihr Name für immer verknüpft mit der höchsten Blüte der englischen Dichtung. Das Volk vergötterteGloriana.

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