Ausgabe 
8.5.1933
 
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geputzt und ihres Inhaltes entleert, sondern auch zu vermehrter Sekre- tron ungcregt.

Wir haben gesehen, warum Lachen gesund ist. Aber auch hier kann ein Uebermah nicht nur schädlich sein, sondern den Lacher gerade^ in Mißkredit bringen, Uebermäßiges Lachen bei geringfügigen Ursachen gilt mit Recht für ein Zeichen von Albernheit. Daher auch das Sprichwort: Am vielen Lachen erkennt man den Narren!" Der Philosoph Schopen­hauer schrieb einmal:Je mehr ein Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen, Menschen, deren Lachen stets affektiert und gezwungen herauskommt, find intellektuell und moralisch von leichtem Gehalt, wie denn überhaupt die Art des Lachens und andrerseits der Anlaß dazu sehr charakteristisch für die Person ist.

Wer kennt nicht das sonore H0H0H0 des Würdevollen oder Patheti­schen das offene Hahaha des Unbefangenen und Impulsiven, das schon etwas hämisch klingende Hehehe des Gehemmten und das unangenehme Hihihi des Unaufrichtigen oder Versteckten? Auch hier gilt der Satz, daß es der Ton ist, der die Musik macht.

Lachen ist die Aeußerung einer frohen Lebensgrundslunmung, zu der wir uns in dieser Zeit mit Eifer bekennen müßen. Ein bißchen Training im Lachen kann keinem schaden. Er mag, wenn ihm nicht zum Lachen ist, den umgekehrten Weg einschlagen und vorerst einmal ordentlich Atern- qnmnastik betreiben. Tief einatmen und tief und kräftig ausatmen. Und zwar in frischer, würziger Luft! Dann wird sich die Seelenstimmung, die das Lachen bedingt, einstellen, dann wird er aus vollem Herzen sich freuen können.

Hunger und Durst in derGrünen Hölle".

Von Walter Burkart.

Von Rio de Janeiro ist eine Expedition ausgebrochen, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, den seit sünf Jahren vermißten amerikanischen Flieger Paul Redfern aus der Hölle des brasilianischen Urwaldes zu erretten. Der Forschungsrelsende Charles Hasler hat von seiner letzten Expedition zu den brasilianischen Indianern eine Nachricht mitgebracht, die in Rio de Janeiro, der Vaterstadt Redserns, außerordentliches Aufsehen erregte und dort noch jetzt die Gemüter bewegt. Char­les Hasler behauptet, bei einem amerikanischen Jndianerskamm einen Weißen angetroffen zu haben. Seine indianischen Dol­metscher erzählten ihm, daß der weihe Mann vor fünf Wintern auf den Flügeln eines großen, brummenden Vogels direkt aus dem Himmel" auf die Erde gekommen fei. Die Indianer hätten sich sofort des Flugzeugs und feines Paffanten bemäch­tigt und sie als glückbringende Stammesgotcheiten gefangen« gehalten. Charles Hafter behauptet, dieser Weihe sei Paul Red­fern Wenn man auch der abenteuerlichen Rettungsexpedition nur allen Erfolg wünschen kann, fo darf doch nicht vergessen werden dah die Teilnehmer im brasilianischen Urwald durch­aus keine angenehmen Reifeerlebnisfe erwarten werden. Wie es in dieserGrünen Hölle" aussieht, schildert der Schweizer Walter Burkart, ein Mann, der jahrelang durch die Ur­wälder Brasiliens gestreift ist in feinem bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen BucheDer Reiherjäger vom Gran Chaco. Als Jäger und Goldsucher vom Amazonas zum La Plata . Burkart hat besonders viele Abenteuer im Chaco zu bestehen gehabt, um dessen Besitz jetzt Argentinien und Bolivien erbit­tert kämpfen. Eine dramatische Episode wird im Folgenden mitgeteilt.

Unter den Jägern in Fuerke Dlimpo hielt sich hartnäckig das Gerücht aufrecht, im Innern des Chaco befänden sich große Seen mit reichen Reiherkolonien. Der Edelreiher ist eine kostbare Beute für den Jager, er wagt alles, um ihn zu erbeuten. Die ansässigen Viehzüchter unterstützten uns, indem sie uns die Pferde zur Verfügung stellten. So verliehen wir, gut ausgerüstet und aus mehreren Packtieren Nahrungsmittel und Wasser- fähchen mitführend, unter der Anteilnahme sämtlicher Bewohner das Fort.

Fast mllhlos ging es tagelang durch geschlossenen Palmenwalch be­standen mit mannshohem Gras. Ueberall stießen wir auf ganze Rudel Hirsche. In der Nacht erscholl das mächtige Brüllen der Jaguare und das Bellen der Wölfe. Langsam änderte sich der Pflanzenwuchs. Der Boden wurde sumpfig, und die Palmen hörten auf. Wir gelangten an den ersten Schlammfluß. Das sind stundenlange, tiefe Ginfentungen, bie in der Regenzeit angefüllt werden und nie vollständig austrocknen. Sie sind ganz überwachsen mit Binsen und allen Arten Wasserpftanzen. Das Wasser selbst ist schwärzlich und schmeckt faulig. Diese manchmal bis zu hundert Meter breiten und sehr tiefen Wasserläufe zu durchqueren, mach e uns viel Arbeit. Im Walde werden einige umgesturzte, trockene Baumstämme geholt, zusammengebunden, und ein kleines Floß. bas Mann tragt, ist fertig Das Floh wird vorwärtsgeschoben und links und rechts mit dem großen Buschmeßer die Wafferpflanzen zerschnitten, bis em pflanzensreier etwa zwei Meter breiter Wasserarm entsteht. Hier treibt man bteJPierbe hinein, bie jetzt ohne Scheu an das andere Ufer schwimmen. Hinten und vorne am Flosse wird eine Leine befestigt, so daß es bequem von einem Ufer zum andern gezogen werden kann. Auf diese Weise werden Menschen und Gepäck hinüberbefördert. Fast jeden Tag gelangten wir anJ°^ toten Fluhläufe. Wir versuchten sie nach Möglichkeit zu umgehen, fanden aber nur selten Anfang und Ende. Dazwi'chen dehnte sich stundenlang niederer Busch aus, bestehend aus der Mimosa. einem hornigen Strauch, dessen Blätter sich bei der Berührung zufammenziehen und wie welk herabhängen. Sie sind überladen mit einer kleinen, gelben Blute, die einen angenehmen, berauschenden Wohlgeruch ausstromt. In dieser O gend trafen wir die ersten Edelreiher mit prachtvollen ehern, die uns zu weiterem Vordringen reizten. Schließlich erreichten wir einen ftnstern Hochwald, und die Wasserläufe hörten auf. ,

Ein großer Kriegsrat wurde abgehalten. Wir nahmen an, daß dieser Wald nur ein Gürtel fei, den wir in einigen Tagen durchbrechen tonnten, iind dah sich bann dahinter die gesuchten und begehrten Sumpfe und

Reihergegenden befinden würden. Allgemein wird dem Weitermarfch nach Westen zugestimmt. Unsere Fäßchen füllen wir mit Wasser und nehmen uns vor, recht sparsam damit umzugehen. Bald stellten sich aber dem Vorwärtsdringen immer größere Schwierigkeiten entgegen. Der Boden ist stundenweit bedeckt mit einer über meterhohen, stacheligen Pflanze, der Caraquata. Weder Mensch noch Pferd finden hier ungehinderten Durchgang. Wir müssen uns auf irgendeine Weise Helsen. Der Vorder­mann wird mit einem schweren Aste aus Eifenholz bewaffnet, damit muß er mit gewaltigen Schlägen eine Bresche in die Dornhecke schlagen. Jede halbe Stunde wird abgewechselt, und fo können wir wenigstens schrittweife vorwärts.

Allerhand kleinere Tiere dienen uns als Nahrung. Massenhaft finden wir große Schildkröten, die vortrefflich schmecken. Der Nasenbär ist unser täglicher, delikater Spießbraten. Doch eines Abends trinken wir unfern letzten Tropfen Master. Jetzt kam die Reihe zu dursten auch an uns. Unsere Pserde hatten sich schon seit mehreren Tagen mit den schleimigen dicken Blättern von Kakteen und dem Wasser aus Schlingpflanzen begnü­gen müssen. Es gibt zwei Arten dieser wasterspendenden Schlingpflanzen, leider aber kommen sie beide nur spärlich vor. Sie sind armdick un5 hängen aus den Kronen der Bäume herab. Die eine ist hohl und liefert auf einmal bis drei Liter gutes Wasser, von der andern erhält man tropfenweise im Laufe eines Tages ein bis zwei Liter einer schleimigen aber trinkbaren Flüssigkeit. Die große Hitze und die Masse des Unge­ziefers ermüdeten uns sehr. Der Wald wimmelte von Zecken, die zu einer furchtbaren Plage wurden. Zu Taufenden fäugten sie sich am Körper fest. Die einen winzig klein, die andern so groß wie Bohnen und ziemlich giftig. Die Kleinen muhte man mit scharfem Mester von der Haut rasie­ren, doch bleiben bann die Köpfe stecken und erzeugen schmerzhafte, eiternbe Wunden. Noch ein Jahr später waren bei mir einige davon nicht ganz geheilt. m

Wir beschlossen, einen letzten Versuch zu wagen. Fünf Mann bleiben im Lager und hatten im Umkreise alle Schlingpflanzen nach Master abzu­suchen, um die Fäßchen wieder zu füllen. Drei sollten in verschiedenen Richtungen vorwärts zu gelangen suchen. Am frühen Morgen machten wir uns auf. Von Zeit zu Zeit schnitt ich Kerben in die Bäume, um den Rückweg wieder zu finden. Gegen Mittag erreichte ich lichteren Hochwald, in dem ich ziemlich rasch vorwärts kam. Schon lange hielt ich Aussicht nach den durstlöschenden Schlingpflanzen, aber nirgends waren sie zu finden. Je mehr ich suchte, desto quälender wurde der Durst. Mindestens 40 Grad betrug die brütende Hitze des ausgetrockneten Urwaldes. Es ging gegen Abend, mir wurde ganz wirr im Kopfe, ich dachte nur noch an ein Wort und das hießWasser". In einigen großen, leeren Schneckenhäusern befand sich etwas Flüssigkeit. Sie roch zwar entsetzlich, aber es war doch nah und befeuchtete meine lebrige Zunge. Wie verfefsen war ich nun auf Schneckenhäufer. Kreuz und quer laufend, suchte ich nur nach ihnen. Dann legte ich mich nieder, fühlte aber sofort, daß ich einschlafen wurde vor Entkräftung. Ich setzte mich wieder auf und suchte meine Gedanken zu sammeln. Ein Geräusch machte mich auffafjren. Keine 20 Meter von mir entfernt trat eine Hirschkuh aus dem Holze. Im Feuer brach sie zusam­men Ich stürzte auf sie zu, durchschnitt den Hals, um in langen Zugen bas entbehrte Naß, um bas Blut zu trinken. Mochte meine Gier zu groß ober mein Hals zu trocken sein, das Blut gerann und brachte mich dem Ersticken nahe. Da fiel im letzten Augenblick mein Blick auf bas volle Euter ber Hirschkuh, noch ein Schnitt mit bem Messer, unb reichlich ent­quoll ihm bie rettenbe Milch. In kurzer Zeit erholte ich mich von meiner Erschöpfung unb fühlte mich roieber frisch. Die Sonne war am Unter« gehen unb an eine Rückkehr ins Lager war nicht mehr zu benken. Ich machte ein Feuer unb briet mir bie Keulen unb Rippenstücke. Den aus« lausenden Saft fing ich in großen Blättern auf und genoß ihn gegen den Durst Nachdem ich reichlich gegeßen, streckte ich mich neben dem Feuer aus unb schlief fest bis am Morgen. Im Zickzack trat ich nun meinen Rückweg an, bis ich auf einen Baum mit Kerbzeichen stieß, von bem aus ich mich nun leicht roieber in das Lager zurückfand...

Die Dame mit dem Otterpelz.

Die Geschichte eines rätselhaften Falles von Caren. Copyright by Mbert L-angen/Georg Müller, München.

(Fortfetzung.)

3.

Während es der Berliner Kriminalpolizei überlaßen bleibt, das ziem­lich dürftige Ergebnis der dortigen Recherchen nach Stralsund roeiter« zuleiten, wird der Leser gebeten, seine Aufmerksamkeit einer Episode zu­zuwenden, bie sich ein paar Wochen früher genau am 27. Ottober des gleichen Jahres in einem Abteil des Schnellzuges BerlinWarne­münde abgespielt hatte. . , . ,, .

Ein schöner und ungewöhnlich warmer Tag neigte sich seinem Ende zu. Einer jener Spätherbsttage, über deren festlichem Glanz schon ein Hauch von Vergänglichkeit liegt - wie bie Heiterkeit eines Sterbenden. Durch die geöffneten Coupsfenster kam der herbe Dust von abendlichen Wiesen herein. Unb bas ganze Abteil war erfüllt von bem blenbenben

Aber^der"einsäme Reisende in der Fensterecke schenkte dem groß­artigen Schauspiel nicht das geringste Interesse. Neben ihm auf dem Samtpolfter war ber gesamte Inhalt einer Aktenmappe verstreut eine Unmenge von Schriftstücken, Zetteln und Zeitungsausschnitten unb feine ganze Aufmerksamkeit galt ber Lektüre eines Brieses, ber in einer altmodisch gezierten Männerhanbfchrift geschrieben war und in der linken Ecke ein Adelsroappen zeigte. Der Mann schien von dem Inhalt des Schreibens nicht sonderlich erbaut. Er taute beim Lesen nervös an feiner Unterlippe unb sog dazwischen in heftigen Zügen den Rauch feiner Ziga- rette ein. Dabei verlor sich sein «lick zuweilen auf Minuten in einem verbißenen Grübeln. ,. ...

Man hätte diesen Mann auf den oberflächlichen Eindruck hm für einen Agenten ober kleinen Kaufmann halten können. Er trug einen speckig