meinem Leben eine wunderbare Rolle
Peking.
Eine Kultur stirbt.
Von Sven H e d i n.
Peking, die mehrtausendjährige Hauptstadt des gewaltigen chinesischen Reiches, steht im Mittelpunkt kriegerischer Aktionen. Die Japaner befinden sich vor den Mauern der alten Kai erstadt, die selbst über den Sturz eines Kaisertums hinaus und durch die Wirren des Bürgerkrieges hindurch sich bisher ihre Würde und ihren historischen Glanz bewahrt hatte. Sven Hedin, der große schwedische Forscher, der mehr als >eder andere berufen ist, über Kultur und Geschichte des Fernen Ostens zu urteilen, befindet sich zur Zeit wieder in Peking im Hauptquartier seiner großen Expedition. Seine Ausführungen dürften im gegenwärtigen Augenblick besonderes Interesse finden.
punkt meiner ersten großen Reise durch Asien 1893/97 und Peking war im Jahre 1927 der Ausgangspunkt meiner großen Expedition, die jetzt ihrem Ende entgegengeht.
lieber den stattlichen Gebäuden Pekings und feinen altertümlichen Mauern schwebt noch die Erinnerung an Ereignisse, die in weit ent- i fernten Zeitaltern stattsanden. Hier wurde Marco Polo von dem mäch- tiaen Mongolenkaifer Kublai Khan empfangen und hier residierte ber Mingksier Y u n g - l o, dessen Grab unweit Peking mit Recht zu den wunderbarsten Altertümern des mächtigen Asiens gezählt wird.
Wo gibt es etwas Gediegeneres und Prunkvolleres als die Turmhäuser aus der Stadtmauer Pekings und die Mauer selbst mit ihren gewaltigen Steinmassen? Wie wird man doch von den Palästen der
knechtsprache kennt. ” . .
Folgen wir nun dem Soldaten auf den Spuren feiner Sprache in feine Welt und fein Leben, auf den Marsch und aufs Schlachtfeld, zu Sieg und Tod. Für den Zivilisten hat „Bruder Veit", wie sich der Landsknecht nannte, stets nur eitel Verachtung gehabt; er hieß ihn schlechtweg „Bauer" oder betitelt ihn heute „Kaffer", „Katzier". Die Genossen begrüßt er als „Kamerad", das eine Schöpfung der neueren Soldatenfprache ist, während man sich früher mit „Bruder", „Gleicher", „Mitgefell , „Mitbursche" anredete. Der Gemeine war für feine Vorgesetzten schlechtweg ein „Kerl"; heut sind die Soldaten „Leute", „Burschen", „Muschkos" (aus Musketier), in Bayern auch „G'scherte". Alles, was zum Soldaten gehört, gehört zum ,Kommiß". Dieser Ausdruck, der eigentlich „in kriegsherrlicher Verpflegung" bedeutet, ist uralt; er kommt schon in der Reuterbestallung Karls V. vor, wo er zunächst nur das Derpslegungswesen bezeichnet, daher „Kommißbrot", „Kommißsutter", „Kommißsack" (bei F i s ch a r t ganz allgemein für Fouragesack). Das Wort geht dann auf den Soldaten über: „Kommißjunge", „Kommißbrotritter"; es bezeichnet einen strengen Unteroffizier („Kommißknüppel") ober Offizier („Kommißhengst", „Kommiß- knops"), und wird dann allgemein für alles Soldatische; „Kommißstiefel", „Koinmißvermögen" (bei Verheiratung der Offiziere).
Spitznamen sind überreich in der Soldatensprache vertreten. Die Schweizer nannten die deutschen Landsknechte „Heini" oder „Kanonen- freffer". Die Kavalleristen hießen „Stiefelschmierer". Heute nennt man in Bayern die schweren Reiter „Trampeltiere", die Kürassiere sind die „Klempner", „Mehlsäcke"; die Husaren „Bindfadenjungen" (wegen, der Schnüre), die Ulanen „Krötenspießer", „Paddenstecher", „reitende Laternenanzünder". Die Artillerie hat den Necknamen „die Bombe", wohl auch .Kotige Bombe". Die Feldartilleristen heißen „Knalldroschkenkutscher", .Kanonenwischer", „Wallrutscher" die Festungsartilleristen. Den Infanteristen werden Namen gewidmet, wie „Sandhosen", „Fußlatscher", „Stoppelhopser", „Dreckstampfer", „Kilometerschweine"; den Jägern: „Laubfrösche", „Grünspechte", „Grashupfer". Die Pioniere sind „Maulwürfe", „Wasserratten", die Eisenbahner „Schwellenträger", „Wagenschieber". Der Train wird „Kolonne Prr", „schweres Getränk", seine Leute werden „Zwiebackkutschor", «Beilchendragoner" (ihrer blauen Uniform wegen),
, Chaussee-Einnehmer" (wenn sie den Weg versperren) genannt. Die Spielleute sühren den Spitznamen „Spielmopse , ,^pielhengste , das Federvieh", die Pfeifer und Hornisten werden als „Bleckspucker , „Gieß* kannenlutscher", „Hornvieh" angerufen, die Trommler als „Trommel* jungen" Jffilrbeltiere", „Fellkünstler". Die Trommel hat stets bei den ©otoaten eine besondere Rolle gespielt; die Landsknechte ..folgen dem Kalbfell", und über ihrem Grab schlug man bas „$ummerlein vumm . 9(udi einzelne Truppenteile hatten unb haben ihre Necknamen. So hieß unt7r Friebrich dem Großen das Regiment Jtzenplitz „Bonner unb Blitz"; bie preußischen Garbejäger hießen ihrer Litzen wegen „Silberlinge". 1870 gab es eine „Kompanie Husch". Einzelne Regimenter heißen .Maikäfer", „Sackratten" usw. , ... . .
Die Bezeichnungen ber Vorgesetzten bewahren auch nicht immer den Respekt. Der Felbwebel ist ber „Spieß", ber «Alte ; so heißt auch ber Hauptmann, daneben „Häuptling„Patron, der Rittmeister „Ritter , ber Abjutant „Tintenspion", „Federfuchser , „Schreiberseele . Der Ge neralftäbler ist ein „Karmoisinvergnugter wegen seiner Hosen mit Den . Jntelliqenzstreisen". Der Rekrut, ber noch „grün ist ober ein „siosier Stift", mirb nach einem uralten Ausbruck „gebriUt" ober „gebimst , „qechnickt", „gebeutelt", „geschlissen", „getaucht"; bie „Hammelbeine wer* ben ihm langgezogen" er kommt in bie „Knochenmühle unb muß „mufcg- ^"Ha?er"bas „Klüftchen"f den Wasfenrock an, bann kriegt er ben „Kuhfuß", „Schießprügel", bie „Knalle", bas „Kracheisen in die Hanb unb kloppt Griffe". Mannigfache Namen haben bie einzelnen Umformfturfe. Die Litewka heißt „Großvaterjacke", ber Mantel „Winbfang bie Hals- binbe „fjunbebinbe", bie Drillichhofe „Kafseefack". Der Hosenboben ist bas „Armeefeuerzeug", weil die Zündhölzer baran angeftridjen roerben. Di Stiefel haben unzählige Bezeichnungen, so „Hochstapler , „Kahne , „Km dersärae", „Trittchen". Auf dem Rücken tragt der Solltet ben „Affen , „Dachs", „Rheumatismuskasten", „Bunbeslabe" u w., auf bem Kopf bu „Hurratute", „Tulpe", „Blitzableiter", „Suppenpott unb roie sonst noch ber Helm heißt. An ber Seite hängt ihm ber Sabel, bie „Jungfer , „Plempe", „Krötenspieß", ober bas Seitengewehr, bas „Kafemesser .
Unb nun ziehen mir nach mit bem Salbatek» in ferner Sprache in» Selb! Der Landsknecht fühlte sich erst wohl, wenn es „Lärm oder Alarm" gab, zu den Waffen ging. Den Kamp nannte er einen „Scherz . Da galt ks „anzuhauen", anzug?eifen und „vorzuhauen" zu verfolgen. Die Knechte „bissen gut" zu und „spielten den Feinden,tresslich aus . Durch die „Feuertaufe", das „Soldatensakrament, wird aus dem , Schiehstand oldaten" erst ein rechter Krieger. Als „Schildergast beim
Schillern", d. h. auf der Wacht, ist es manchmal recht unheimlich, besonders bei der „Hundewache" nach Mitternacht und dem „Plattfuß m der Morgenfrühe. Da darf er nicht „Zonen", unaufmerksam sein ww wohl im'Frieden, oder „Schmalkachel sein, d. h. schlecht sehen und sich „überschleichen" lassen. Dem Feind suchte ber Landsknecht „das Lnht aufzublasen"; er „legte ihn schlafen ober fuhr selbst ins „letzte Nachtquartier". Aber er bentt lieber an bie „Fettflecke , bie Orden, die ihm winken, und gern will er die „Kreuzschmerzen" aus sich nehmen, die „das Kreuz", wie das Eiserne Kreuz 1870 schlechtweg genannt wurde, verursacht.
ßrfe und behuist.n öffnen sie die Sur. Da steht Peter - vor bem , leeren Teller — und zwei große Tränen laufen über bie runben fttnber- wangen.
„StofTman gut sein, Peter. Da müssen wir eben noch ein bißchen TO°1 l^Vterb 1 Tcti^utöer aus. Schmiegt sich an ben Vater. Unb sagt b"",Mit°°Gullasch — geht es wohl, Vater — aber Pubbing "
Deutsches Soldatentum im Spiegel seiner Sprache.
Von Dr. Friebrich S p r e e n.
Wie die Studenten und die Jäger, wie die Seeleute unb die Bergleute haben auch die Soldaten ihre eigne Standessprache, in der sich der echt volkstümliche Geist und der unverwüstliche Humor der „Mars-Sohne anfdiaulidi und kraftvoll ausspricht. Keiner jener reidjblutjenben JReben- zweige unsres deutschen Sprachstammes, als die sich die eigentümlichen Schöpsungen bestimmter Berufe darstellen, laßt sich mit Ausnahme der „Burschensprache" an Lebendigkeit, Vielseitigkeit und Fülle der Aus drücke mit bem Solbatenbeut(d) vergleichen, bas auf eine lange Geschichte zurückblickt unb mit feinen kecken und luftigen Neubildungen die allgemeine Sprache wieder befruchtet hat. Mit dem Studenteniargon hat die Sprache der Krieger die Freude an Derbheiten unb Schimpfworten, bie Lust an Wortverbrehungen unb komischen Frembworten, bie Neigung zu stark mundartlichen Ausdrücken gemein, wodurch sie etwas Buntscheckiges, Absonderliches enthält. Aber die deutsche Feldsprache ist alter als der Dialekt der Musensöhne, hat schon zur Zeit der Landsknechte und des 30jähriqen Krieges eine erste Blüte durchlebt, sich dann weiter entroiaelt unb im Weltkrieg eine neue Bereicherung erfahren, auf bte wir in biefer historischen Betrachtung aber nicht eingehen wollen.
Die Militärschriftsteller jener Zeit, bie Fronsperger, Wallhausen unb vor allem ber urwüchsig solbatisch schreibenbe Wenbelm Schilbknecht, bie Solbatenlieber unb bie Dichter gewahren uns einen Einblick in diese Feldsprache" des 16. unb 17. Jahrhunberts, bie eine kurze Zeit lang in eine seltsame Berührung mit bem Rotwelsch, der uralten Geheimsprache ber Gauner, sahrenben Leute unb Bettler, geriet. Wohl mögen bie Sohne bes Lanbsknechtsorbens in ben Tagen ihres Niederganges, da sie wie gemeine Strauchdiebe „auf die Gart", d. h. auf Raub und Plünderung gingen, sich wenig von den Vagabunden unterschieden und aiich hier unb ba ihren Dialekt aufgenommen haben. Trotzbem beruht die Vermischmig von Rotwelsch unb Felbsprache, wie sie sich besonbersin M o scher o s ch s Darstellungen aus dem Soldatenleben in seinem „Philander von Sitte- wald" findet, aus einer Verwechslung. Wie K l u g e dargetan hat, ist der Verbrecherjargon niemals znrn Alleinherrscher im Munde ehrlicher Soldaten geworden, sondern die Feldsprache hat, wenngleich sie manche Elemente der Gaunersprache annahm, doch ihre Eigenart bewahrt und manches von ihrem Wesen und ihren Ausdrücken in die moderne Soldatensprache hinübergerettet, die sich im 18. und 19. Jahrhundert selbständig ausbitbete und noch heute üppig blüht und gedeiht.
Nicht der Offizier, sondern der gemeine Soldat ist nn wesentlichen der Schöpser dieser Sprache, deren Eigenart freilich unbewußt den Vorgesetzten gleichsalls beeinflußt. Auch ein Leutnant, der sonst nur hochdeutsch spricht, wird bem Rekruten zurusen: „Was haben Sie zu feigen? unb wirb sagen: „Ihre Knöppe finb nicht geputzt". So stark 'st ber volkstümliche unb bialektische Einschlag in ber Solbatensprache, baß sich ihm keiner entziehen kann. Manche Wenbung ist bann aus ihr ins tägliche Leben übergegangen, ohne bah wir wissen, woher sie stammt,^ z. B. „Knall unb Fall", „Räbelsführer", „jemandem den Lauspaß geben , „auf den Hacken sein", „ins Gras beißen", „in Hellen Haufen" ufw. — alles Redensarten die in ihrer ursprünglichen Bedeutung bereits bie Lanbs-
Fragt man Touristen und Weltreisende, welche Städte sie am meisten lieben, so werden sie Paris, London, Wien, Rom, Rothenburg, Nürnberg, Washington, San Franzisko anführen. Fragt man aber mich, so nenne ich- Damaskus, Jerusalem, Samarkand, Bukhara, Isfahan, Benares, Peking, Soochow und Hangchow, obwohl ich mit vollen Zügen auch in Rom, Rothenburg, Nürnberg und Moskau genießen kann
lieber den alten mächtigen Städten in Asien schwebt die Pracht des Orients und glaubt man die dröhnenden Glockenschläge der Geschichte zu hören UeberaU befindet man sich auf klassischem Boden, und unzählige Denkmäler zeugen von den Ereignissen ber Vergangenheit. Ununterbrochen hat man bas Sausen ber Fittiche von Jahrtausenben tn ben Ohren. Man wirb von einer Zaubermacht gefangen, bte uns zum Bleiben zwingt, unb man sehnt sich zurück zu ben Plätzen, bie so tiefen Einbruck auf unsere Seele gemacht hat.
Eine ber Stabte, bie ich am meisten liebe, ist Peking. Peking hat m aelt. Peking war ber End- i 1893,97 unb Peking war


