grünen Blattern, ourcy oie Fülle von zarten, weißen
verbotenen Stadt gefesselt, deren eigenartige vornehme Architektur und nci.i mactaoUe Linien von einer alten, hohen Kultur zeugen! Man kann nie 'genug diese Tempel betrachten, die Buddha oder Konfuzius zugeeignet sind, auch die Lamatempel, den Himmelstempel und den Altar der Erde und des Himmels. Wie behaglich wölben sich diese charakteristischen Pai-lous oder Triumphbogen über die Straßen, auf denen es wimmelt von Menschen, Karren und Karawanen und von Zeit zu Zeit ein Leichenzug vorüberzieht! Und wie idyllisch gestaltet sich doch das Leben auf den zahllosen Huntungs oder engen Gassen, die in allen Dichtungen Peking durchkreuzen, aber stets dem geometrischen Gesetz folgen und in nordsüdlicher ober ostwestlicher Lage gezogen find!
Peking ist auch vor allem berühmt durch die in feiner Nahe gelegenen Zentren religiösen Lebens Chinas, die Tempelftadt Je hol und den „Wundergipfel" M i a u ■ f ö ng. Am eindrucksvollsten wirkt in der heiligen Tempelstodt Potola, der Riefentempel Ch'ien-lungs. Der vollständige Name des Tempels Potala lautet P'u-t'o-tsung-cheng-miao oder der Tempel der Lehre des P'u-t'o.
Schon der erste Eindruck von Potala ist gewaltig und berückend. Wohl ist der Glanz verblichen, die vielen Gotteshäuser zeigen Spuren des Verfalls, manche Kiefer ober Pinie ist ben Aexten ehrsurchtsloser Solbaten zum Opfer gefallen. Aber bie gewaltige Linienführung der Anlage, die mächtigen Baumassen, die auserlesene Vornehmheit trotzen der Zerstörung. Gebannt von soviel Schönheit, stehen wir staunend vor dem erhabensten Denkmal der Hochblüte chinesischer Kultur.
Der Haupteingang an der Südseite hat drei Torbogen, die von einem kunstvollen Torturm gekrönt sind. An der West- und Ostseite der im rechtwinkligen Viereck angelegten Mauer, die den ganzen Tempelbezirk umgibt, sind Tore mit nur je einem Bogen. Wir betraten den Tempelbereich durch das östliche Tor. Das kühn geschweifte Dach des Torturmes ist mit glänzend-gelben Platten gedeckt.
Der gewundene Pfad führt an einem gedrungenen Bau aus Steinen und Ziegeln im tibetischen Stil vorüber. Das Gebäude ist dreistöckig gegliedert und mit einfachen, aber wirkungsvollen Blendfenstern geziert, bie sich von unten nach oben etwas verjüngen. Wahrscheinlich biente bet Bau gleich anderem im Tempelbezirk verstreut liegenden Häusern den Lama-Mönchen als Unterkunft.
Das Tempelkloster Potala steht am Südhang eines der Hügel, die das Löwental gegen Norden begrenzen. Wir wenden uns nach Norden, durchwandern den schütteren Pinienhain und steigen dann auf flachen Stufen aus unbehauenem Schiefer den Hügel hinauf, ganz wie man es von den Tempeln Tibets her gewohnt ist.
Zwischen einzelstehenden Häusern im tibetischen Baustil, alle mit blinden Fenstern versehen, steigen wir über grob behauene, neu angelegte Stufen hinan. Bei zwei größeren Steingebäuden mit je fünf Tschorten (Religuienfchreinen auf dein Dach) macht der Weg eine Biegung. Auch biefc beiden Hauser enthielten Schlaf- und Wohnräume für die 85 Lamas, die zur Zeit des Kaisers Ch'ien-lung in Potala den Tempeldienst versahen. Andere Häuser dienten zu Versammlungen oder sie enthielten die Lehrstuben der Novizen, Gastzimmer für Wallfahrer, Teestuben und Spelferäume. Im großen und ganzen muß die Einrichtung ganz ähnlich gewesen [ein wie in den Klöstern Tibets und der Mongolei. Pater von Dbbergen berichtet, daß hier im Jahre 1911 noch 600 Lamas lebten. Zur Zeit meiner Anwesenheit sollen es kaum noch 100 Mönche gewesen jein Die meisten waren vermutlich auf der Wanderschaft, um ihren Unterhalt als Seelsorger in den Jurten der Nomaden zu verdienen. Die wenigen Mönche, die wir in Potala sahen, waren vernachlässigt und machten einen armseligen Eindruck. Die städtischen Behörden bewilligten ihnen 1,80 mexikanische Dollar je Kopf und Monat. Sie können unmöglich von diesem Hungerlohn leben, können sich nicht einmal mehr in die vorgeschriebenen Gewänder von der Farbe des Ochsenblutes und der Kirsche kleiden und unterscheiden sich in ihrem Aeußeren durch nichts von gewöhnlichen Bettlern. Niemand kümmert sich um sie, kein Mensch opfert auch nur einen Heller für bie Erhaltung dieses prachtvollsten aller chinesischen Baudenkmäler und wenn erst die Kriegsfurie durchgebraust ist, werden nur noch Ruinen übrig fein.
In dem schönen Gebirge nordwestlich von Peking befindet sich em Perg mit dem Namen Miau-föng, den Professor Dr. R. Lessing, ein Mitglied unserer Expedition beschrieben hat. Die ganze Gegend ist teme- nos heiliger Bezirk, in dem fromme Mönche taoistischer oder buddhistischer Richtung nebeneinander und nacheinander seit mehr als taufenb Jahren fiedeln. Es mögen etwa 300 Jahre oerfloffen fern, da entdeckte man daß, wenn man auf einem bestimmten dieser Gipfel bete und Gelübde tue, sich alle Wünsche rasch erfüllten, besonders wenn es sich um Kindersegen und Gesundheit handle. Die Urgöttin der bunten Wolka, die Tochter des Hochehrwürdigen Gottes des Erhabenen Berges Tai- fchan, war die Helferin. . , , . s
Seit 300 Jahren find alljährlich aus Peking und feiner nahen und fernen Umgebung Taufende von „Weihrauchgäften in Hellen Haufen zum „Wundertätigen Gipfel" hinaufgepilgert. Viele von ihnen gehen in Erfüllung ihres Gelübdes zu Fuß, viele taffen sich in Tragstuhlen von vier Trägern bis an den letzten Aufstieg befördern, aber ^tn «nb mieber sieht man treue Söhne und Töchter, bie, um von ber ßlottin Heilung fchwerkranker Eltern zu erzwingen, ben ganzen langen Weg von Peking bis zum Gipfel unter ftänbigem Kotau zurücklegen.
Viele Wege führen auf ben Miau-föng-fcan. bequeme und unbequeme, durch fromme Stiftungen werben sie m Dränung gehalten. Huf Taufenbe von Metern sind sie mit Steinplatten, ja mit richtigen Treppenstufen belegt. Zur Frühlingszeit, ber Hauptfestzeit Chinas, hort man aus dem verwirrenden Straßenlärm Pekings, in dem die Ausrufe und Instrumente ber Straßenhänbler bie größte Rolle spielen, eine anbere Note heraus, besonbers geformte helle Gongs und dunntonende Glöckchen locken die Neugierigen aus Höfen und Häusern vor die Haustür auj die Straße. Ein merkwürdiger Zug eilt beflügelten odjrittes vorüber Gongfchläger und Trompelenbläfer, bann Manner, bie an !Iragftangen runde, mit dreieckigen, meist gelben Fahnen verzierte Holzkastchen tragen, bie allerlei Geräte bergen. Hier und ba machen sie an den Türen halt. Man reicht ihnen eine Gabe, und sie kleben ein großes gelbes, meist
chlecht mit Platten gedrucktes Plakat an die Mauer des Hauses, gleich- am als Quittung. Aus dem Text geht hervor, daß wir es mit einer >er frommen Brüderschaften zu tun haben, bie sich bas Organisieren ber Pilgerfahrten zur Ausgabe gesetzt haben.
Von ben milben Gaben, bie sie sammeln, unterhalten sie auf ben Pilgerwegen bie Teezelte, bie in ihrer festen Bauart burchaus Tempeln gleichen unb vielfach, wenn nicht immer, in solchen untergebracht sind. Diese Vereine betreiben auch Suppenküchen, sorgen für Unterkunft ber Pilger, ja, als Akrobaten, Löwen- unb Drachentänzer, Tigerkämpfer unb Schauspieler sorgen sie für Unterhaltung. Manche blicken voll Stolz auf ein Bestehen von zwei- bis breihunbert Jahren zurück. Freilich, bie Verarmung Pekings seit ber Boxerzeit unb bas Eindringen des neuen Geistes ber Zeitungen, Schule, Missionen hat auch hier zerstörenb gewirkt.
In ben letzten Jahrzehnten hat Peking große Veränberungen durchgemacht, die in künstlerischer und malerischer'chinsicht keineswegs zum belferen ausgefallen find. An die abendlänbifche Kultur scheint sich ge- wifsermaßen ber Fluch zu heften, überall, wo sie hinkommt, bie Schönheit unb Echtheit zu zerstören. Peking war schöner unb echter, als ich im Jahre 1897 zum ersten Male als Gast in seinen Mauern weilte. Damals gab es nicht einmal Ritschen. Man fuhr in kleinen, blauen, zweiräbrigen Wagen einher, ober ließ sich in Tragftühlen tragen ober ritt zu Pferbe ober ging zu Fuß. Damals gab es feine breiten Straßen, unb zu Anfang bes Frühlings konnte man in bem Matsch versinken. Es gab auch nur ein paar einfache abendlänbische Hotels, sonst nur chinesische Gasthofe.
Jetzt finb bie Hauptstraßen breit, unb es wimmelt auf ihnen von Kraftwagen unb Straßenbahnen. Europäische Häuser und Fernsprech- stangen Derberben bas Straßenbild und entstellen bas asiatische Leben, das sich immerhin in seiner altertümlichen Schönheit erhalten hat. Wie lange noch?
Doch ich muhte schon mehr in einer Niederung (ein, denn die Luft wurde immer stiller; auch ging ich schon eine Zeitlang zwischen dichten Hagedornhecken. Ein paar Male, wenn sich ein Lufthauch regte, hatte ich einen starken, lieblichen Geruch verspürt, ohne daß ich ben Grunb bavon zu entbecken vermocht hätte; benn bas Gebüsch an meiner Seite verwehrte mir bie Aussicht. Da plötzlich sprang zur Rechten ber Wall zuruck, unb vor mir tag ein Fleckchen hügeligen Heibelanbes. Brombeerranken unb Bickbeerengesträuch bedeckte hie und da den Boden; in ber Mitte aber an einem schwarzen Wässerchen stanb vereinzelt im hellsten Sonnenglanz ein jchlanker Baum. Aus ben blenbenb grünen Blättern, burch bie er ganz belaubt war, sprang überall eine Fülle von zarten, weißen Blütentrauben hervor; unendliches Sienengefumme klang wie Harfenton aus seinem Wipfel. Weder in den Gärten der Stadt, noch in ben entfernteren Wölbern hatte ich jemals seinesgleichen gesehen. Ich staunte ihn an; wie ein Wunber staub er ba in biefer Einsamkeit.
Ein- Strecke weiter, nur durch ein paar dürftige Ackerfelder von mir getrennt, dehnte sich unabsehbar der braune Steppenzug der Heide; die äußersten Linien des Horizonts zitterten in der Luft. Kein Mensch, kein Tier war zu sehen, soweit bas Auge reichte. — Ick legte mich neben bem Wässerchen im Schatten bes schönen Baumes in bas Kraut. Ein Gefühl von süßer Heimlichkeit beschlich mich; aus ber Ferne horte id) bas fünfte, träumerische Singen ber Heibelerche; über mir in ben Bluten summte bas Bienengetön; zuweilen regte sich bie Luft und trieb eine Wolke von Duft um mich her; sonst war es still bis in bie tiefste yerne. Am Ranb bes Wassers sah ich Schmetterlinge fliegen; aber ich achtete nicht barauf, mein Ketscher lag müßig neben mir. — Ich gebanste eines Bilbes, bas ich vor kurzem gesehen hatte. In einer Gegend, weit und unbegrenzt wie diese, stand aufi,einen Stab gelehnt ein junger Hirte, wie wir uns die Menschen nach den ersten Tagen der Weltschopfung zu denken gewohnt sind, ein rauhes Ziegenfell als schürz um seine Husten, ,u leinen Füßen saß — er sah auf sie herab — eine schone Madchen- geftalt; ihre großen, dunkeln Augen blickten in seliger Gelassenheit in bie morgenhelle Einsamkeit hinaus. — „Allein auf ber Weit stanb barunter.--Ich schloß bie Augen; mir war, als müsse aus bem
feeren Raum dies zweite Wesen zu mir treten mit dem selbander jebes Bebistfnis 7ufhöre, alle keimende Sehnsucht gestillt sei. .Lore!" flüsterte ich und streckte meine Arme in die laue Lust.
Kraniche im Frühling.
Nach bem Chinesischen bes INahuang-Tfchung.
Von Hans Beihge.
Der Bach, an bem ich liege, murmelt leis; Wie Goldstaub flirrt bie Sonne auf bem Schilf Der Wasferlilien, bas im Lufthauch sich Mit Flüstern neigt, als atme es im Traum.
Ich seh bem langen Zug ber Kraniche Am Himmel zu. Ihr lärmenbes Geschrei Dringt wie Trompetenstöße burch die Lust, Die schon nach Frühling duftet. Mir ist bang. Schon wieder Frühling? Was hab ich gewonnen In dem vergangnen Jahr? Was ward aus mir? Arbeit und Sorge und ein wenig Liede, — Immer das gleiche. Wenn in vielen Jahren Ich wiederum den Zug der Kraniche Verfolgen werbe, was wirb bann aus mir Geworden (ein? Was hab ich bann gewonnen? Arbeit unb Sorge unb ein wenig Liebe, Immer bas gleiche, bis bas bimste Grab Uns einhüllt unb bie Blumen aus uns sprießen.
Auf der Universität.
Novelle von Theobor Storm.
(Forstetzung )


