Ausgabe 
6.11.1933
 
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Und dann spricht er weiter mit Karl: wenn ich nach Hause

komme, zu meiner Fran!!--" Das Bugwasscr rauscht. Wir

vorn im Steven fahren Fahrstuhl und merken es kaum. Männer schnarchen, die Lampe blakt, laß sic blaken! es ist teuflisch heiß hier unten, Tönnes hat wieder zuviel Rum getrunken; jetzt so eine Apfelsine haben!" und darüber schläft man ein.

Zabonah.

Von Sven Hedin.

Der deutschen, im Insel-Verlag zu Leipzig erschie­nenen Ausgabe des RcisewerkesJabonah, Aben­teurer in der Mongolei" des Dänen Henning Has - lund-Chrtstenscn gibt Sven H e d i n das nach­folgende Geleitwort mit.

Nie werde ich den Januartag im Jahre 1927 vergessen, da Herzog Larson, grobknochig und sicher wie ein Kleinkönig in der Wikingcrzeit mit einem blonden, hübschen, aufgeweckten jungen Mann die Schwelle meiner Wohnung in Peking betrat.

Larson war schon zum Karawanenführer ernannt, und als er hörte, ich beabsichtigte, die Expedition in Gruppen einzuteilen, hatte er mindestens einen Gehilfen verlangt. Jetzt kam er mit dem jungen Nordländer, der vor allem in Betracht kommen sollte.

Nichts als mongolisches Ungeziefer kann diesem Burschen etwas anhaben", sagte Larson.Er ist der rechte Mann für uns. Ich bürge für ihn. Er wird mit jeder Karawane fertig. Mongo­lisch spricht er fließend, und er liebt die Mongolen. Er hat mär­chenhafte Abenteuer erlebt, tin übrigen heißt er Henning Has- lund und ist aus Kopenhagen."

Nach dieser feierlichen Vorstellung strahlte das neue Mitglied unserer Brüderschaft wie ein Sonnenaufgang über den mongo­lischen Steppen, reckte sich, schlug die Hacken militärisch zusammen, warf seinen blondlockigen Kopf zurück und sagte:

Herr Doktor, Sie haben mir einmal das Leben gerettet", worauf er eine spannende Episode aus seiner sibirischen Gefangen­schaft berichtete.

Donnerwetter!" dachte ich nach einem hohen Vorbild,habe ich das alles getan!" Natürlich war ich nach einem solchen Vorbild völlig geschlagen und nahm den jungen Dänen ohne Bedenken in die Dienste der Expedition.

Er hatte große hellblaue Augen, eine kecke spitze Stupsnase, war gut gewachsen, fröhlich, offen männlich und sah aus, als könnte er durch Feuer und Wasser, durch brennende Steppen und brausende Ströme gehen.

Er begleitete uns dann den langen Weg durch die Wüste Gobi bis zum Etsingol, wo er während der Fahrten auf dem Dondurgol und Soghonor mein Ruderer und Lotse war. Später, im Herbst und Winter, wurde er Führer einer der Gruppen, die auf dem Wege nach Hami in Sinkiang die westliche Wüste durchgucren mußten.

Er hatte einen schwierigen Auftrag bekommen; denn es ist eine ernste Geschichte, mitten im Winter 26 Kamele durch fast vegetationslose Wüstenflächen zu führen. Doch er bestand die Probe und rette im Gegensatz zum Herzog beinahe alle Kamele, die ihm anvertraut waren.

Im Frühling, Sommer und Herbst des Jahres 1928 nahm er an Volke Bergmanns umfassender Expedition nach Ostturkcstan und dem nördlichen Tibet teil und bewährte sich auch dort als ein Mann von rechtem Schlag.

Im Winter 1928/29 unternahm er Streifzügc in der Umgegend von Bagraschköl und schloß enge Freundschaft mit Sing Ching Gekcn Khan, dem Fürsten der Karaschahr-Torgutcn; diese Freund­schaft gipfelte in dem Wunsche des Khans, dem König von Schwe­den eine vollständig eingerichtete und ausgestattete Tempeljurte al« Genschcnk zu überreichen; sie wurde mit allem Zubehör in 21 Kisten verpackt und im Sommer 1929 nach Stockholm gebracht.

Diesen Besuch in Stockholm umstrahlte der Rosenschimmer eines Glücks, das für seine Zukunft entscheidend wurde; denn jetzt läuteten andere Glocken als die der Karawanen in seinem Ohr. Während die schwedische Braut in Stockholm auf ihn war­tete, unternahm er als Verlobter zusammen mit Montell, Hum­mel, Larson, Joel Eriksou und mir eine Winterexpedition in die innere Mongolei, wo wir für Stockholm und Chikago auf der Jagd nach Tempelhäusern waren. . , . .

Eine heftige Erkältung fesselte ihn an ein Krankenhaus in Tientsin. Nach seiner Genesung entschloß er sich, sein Leben künftig aut dem schwindelnd hohen Karawanenweg zwischen Indien und Ostturkestan zu verbringen mit dem Hauptquartier in Leh, Ladak.

Auf einer winterlichen Tour über den Himalaja wurde Ha»- lund von einem Unglück betroffen, das sicherlich jeden anderen zerschmettert hätte. Eine mörderische Lawine begrub ihn, und er wurde mit einem komplizierten Beinbruch geborgen. So kam er wieder nach Stockholm, um dort nach allen Regeln behandelt zu werden. Wie es mit der Heilung erging, darüber wollen wir lieber schweigen. Genug nach 1 % Jahren ist er noch nicht wieder herqestellt. , . , . ,.

Wie eine Schnecke schlichen ihm die Wochen und Monate dahin, und er sehnte sich nach den großen Ebenen und wilden Aben- teuern. Um die Zeit totzuschlagen, holte er feine alten Tagebücher wieder hervor und begann seine ersten asiatischen Erinnerungen niederzuschreiben. Weihnachten erschienen sie in Buchform unter dem Titel:Ja bona HI"Ausbruch".

f Iavonah! Aufbruch! Das ist der BefehlSruf der Karawanen­führer, wenn alle Kamele beladen uno die Pferde gesattelt sind, wenn die Mongolen sich auf ihre kleinen mageren Rosse schwingen und die Karawanenglocken wieder anfangen können, die tausend­jährige Melodie der asiatischen Wüsten und der endlosen Wege zu singen.Jabonah" ist das Wort, das während langer Jahre in öcr Mongolei und in den stillen, langsam dahinschleichenden Nächten des Krankenlagers an das Ohr des jungen Dänen klangen. Für den asiatischen Pionier istJabonah" das Wort, das bis zur äußersten Grenze mit Elektrizität geladen ist. Wenn er es über die sonnenbeschienene Steppe hallen hört, tn eisig kalten Winternächten, von dem Tosen des Schneesturmes oder dem Ge­heul der Wölfe begleitet, auf der Suche nach Weide und Wasser, beim Zusammentreffen mit gefährlichen Räuberbanden, o.der wenn freundliche, gastliche Mongolenzelte in der Ferne warten stets liegt tn diesem WortJabonah" eine Welt der Begeisterung, Sehnsucht und Erwartung neuer rätselhafter Abenteuer und wunderbarer Erlebnisse.

Alle, die daran gewöhnt sind, ihre Seelen an den einschläfern- ; den Tönen des Jazz und minderwertiger Musik zu laben, an schlechten Filmen, pöbelhaften sik»manen und anderer mäßiger, geschmackloser Kost aus Amerika, denen die vollen Fleischtöpfe Aegyptens allein wertvoll dünken, glauben vielleicht, daß das exotisch klingendeJabonah" der Name eines verführerisch schönen Mädchens aus Patagonien, Madagaskar oder Tonking ist. Es wäre nicht übel, wenn diese gedankenlosen Weltenwanderer zur Abwechslung einmal das Buch von Haslund zur Hand nehmen und sich über die Bedeutung des schwerwiegenden WortesJa­bonah" klar würden. Denn auch sie wandern ja im Zeichen dieses Wortes die dornigen Pfade des Lebens und auch für sie fängt jeder Tag mit einem Aufbruch an, bis sie schließlich, am letzten Tag, vor dem rätselhaftenJabonah" des Todes stehen.

In Henning H a s l n n d s Buch ruft der tüchtige, unter- ! nehmende Dr. Carl Krebs als erster zum Aufbruch, und er I macht sich am 18. März 1923 mit seinen drei Gefährten auf den Weg, um nach dem äußersten Osten zu ziehen.

In Kalgan werden sie mit Herzog Larson bekannt. In vier- undfünfzig Tagen durchkreuzten sie mit Teekarawanen, Ochsen­karren und Reitern die mongolischen Steppen und erreichen Bogdo

1 Kure, Urga, wo Bogdo Hutuktu Gegen, die dritte der großen Inkarnationen des Lamaismus, in seinem prachtvollen Tempel- palast residiert; jene Stadt, die heute den merkwürdigen Namen Ulan Bator Khoto oderdie Stadt der roten Helden" trägt.

Van Kure, Orchongol, Selenga, Borildje Kure, Egingol es wimmelt von asiatisch wohlklingenden Namen auf dem Wege nach ! dem Jaa-Hof, wo sie inBulguntal" oder derZobelebene" ihr ; neues Reich in Besitz nehmen.

j Und dann fängt diese wunderbare Robinsonade unserer Zeit an. Haslund berichtet davon mit einer Begeisterung, die ansteckt. Sie bauen solide Häuser aus sibirischem Holz, sie richten Schlas-

| räume ein, Gasträume, Wohnräume und Vorratskammern. Sie ! vergrößern ihre Herden, säen und ernten, fangen Pelzhandel an, ! machen höchst spannende Streifzüge bei 54 Grad Kälte, werden von Wölfen verfolgt und erleben eine ununterbrochene Reihe

' von wunderbaren Abenteuern. Die kommen mit Soyoten in Be- j rührung, hören die Sprache der Kiaekt-Burjäten, die dem Tor- ! gutischen ähnlich ist, sie retten durch das Satanische Gebirge, das sich vom Altaigebirge wellenförmig abdacht, und am Lagerfeuer ! lauschen sie gern den Erzählungen von dem großen Dschingis ' Bogdo Khan, dessen Riesengestalt noch im Steppenland spukt. . Das Ganze ist die Abenteuerkette einer echt astatischen Odyssee, | mit Leben und Farben und Geist eines nordischen Wikings erzählt.

Es wäre ein vergeblicher Versuch, auch nur einen Bruchteil von dem bunten Inhalt dieses prächtigen Ruches anzudeuten. Die Schamanen tanzen um uns zu den gedämpften Schlägen ihrer mystischen Zaubertrommel und in der Stunde des Hundes oder : desTigers schlingt sich der Beschwörungstanz zum Verderben der - Dämonen angesichts uralter Obos auf der höchsten aller Höhen in Urjanchai.

i Dann aber pfeift der Wind neuer Zeiten über Berge und ! Steppen. Die Stellung der dänischen Farm wird unhaltbar, und | ihre Mitglieder werden in alle Winde zerstreut. Nur Dr. Krebs bleibt imBulgun-Tal". Alles, was in diesem Buch geschieht, von

i dem ersten Jabonah bis zur letzten Seite, will gelesen werden man kann es nicht wiedergeben: es will in der echten unge­schminkten Ursprünglichkeit der Wüstenstimmuna gelesen werden.

Vielleicht bin ich nicht ganz unbefangen. Der Autor ist ja einer meinerlieben Jungens". Deshalb liegt mir fein Wohlergehen

; am Herzen, und deshalb freut mich fein Erfolg. Es war nicht bloß eine'symbolische Handlung an jenem späten Herbstabend, als wir am Strand des Etsingol im Schein des lodernden Lagerfeuers fiennirtfl Haslund feierlich zum schwedischen Bürger wählten. Wir taten cs, weil wir ihn alle liebten, und weil wir alle seinen unbändigen Mut liebten, fein frohes offenes Gemüt und seine heitere, optimisttsche Auffassung des Lebens und der feierlichen Rübe der Wüsten.

Jabonah ist wirklich glänzend eingeschlagen. Haslund hat sich j als der geborene Schilderer asiatischen Lebens erwiesen und sich mit derselben souveränen Sicherheit unter Tieren und Menschen wie unter Göttern bewegt; und in diesem Buch treffen wir zu­weilen Verwandte derblukbefpritzten Granitgestalt Jum»las", wenn die Beschwörer und Ränber im Walde umherstreifen und die Schamanen im Schein des Feuers tanzen.