M
nicht doch eine Mystiftka-
schlimm der Lage, in
der
er sich befindet.
*
ein Gerücht sich in
Unsre Stadt ist nicht so groß, daß
Straßen verlieren könnte. Sie ist vielmehr so klein, daß ein
Name ist, den er dort liest, oder ob es tion sei. Dies alles widerspricht gar zu
den Ge
ste passen wie dafür. „Dar'
wie?"
Prozent, weil
und niemand bekommt sein Geld herein!"
Zu diesen Lamöschuhen rät Herr Rechmann zu, angegossen, Ersatz für Maß ist gar kein Ausdruck ich Ihnen mal den andern anprobieren?"
„Sie geben mir doch einen Freundschaftsrabatt,
„Nur bei Barzahlung, Frau Hugendubel, fünf Sie es sind."
Das liulb. Mbete iilebr ittum
Es tit la iines äroeigi -Ach itinbe; 81166
rücht nach allen Seiten durchdringt, und schon am Vormittag fragt der Schuhwarengeschäftsinhaber Rechmann die Frau seines Skatbruders Hugendubel, Chemikalien en gros, als er ihr eigenhändig ein paar Tanzschuhe verpaßt, Lamo, für den Weihnachtsball des Hausfrauenveretns: „Frau Hugendubel", fragt er und hält ihren zart aus den goldenen Riemen quellenden Fuß in der Hand, „hat der Doktor Wagenschanz nicht auch Schulden bei Ihrem Mann?"
„Ja, leider, es ist ein Kreuz mit dieser Zeit, alles geht kaputt,
„Wo denken Sie hin, bar! Wo der Doktor Wagenschanz uns doch — was meinten Sie denn vorhin mit dem Doktor Wagenschanz?"
„Ach so. Sie wissen es noch nicht? — Auguste", schreit Herr Rechmann die Treppe hinauf, die zur Wohnung führt, „bring doch mal das Blatt herunter!"
„Ist was passiert?" ängstet sich die Frau Hugendubel. Fün: Minuten später rennt sie mitder herausgerissenen Anzeigenseite quer über den Ikatsmarkt, unterwegs begegnet sie der Frau Karczinsky, Oele und Fette. „... Was sagen Sie dazu — hier — an den Hals in Schulden — arbeitet nicht mehr — Geld, unser gutes Geld — Fenster heraus, ja — muß gleich weiter."
Im Laufe der nächsten Stunden verwandelt sich die Fabrik des Doktor Wagenschanz in eine nahezu vollständige Gläubiger- versammlun i, einer nach dem andern trifft ein und überschüttet Anton mit denselben Vorwürfen, jeder will wissen, was dies Jn-
Oer Mann, der mit dieser Zeit fertig wird.
Roman von Walter Julius B l o e m (GDS.j.
(Fortsetzung.)
In der Frühe des Donnerstags erhebt sich Anton mit trägen Gliedern, vier Uhr, tiefe Nacht, Mitte November. Er zieht, tn einen Mantel gehüllt, mit krummen Schritten zum Bahnhof, durch den peitschenden Winterregen. Niemand, der ihn sieht, wurde ihm viele Aussichten zubilligen, aber zum Glück steht ihn niemand. An der Sperre wartet er, doch kein Besuch trifft ein. Guterzuge poltern aus der Finsternis in die Finsternis, Schnellzüge jagen mit kreischenden Bremsen daher, der Schall hallt an den weißen Ziegel- wänden des Bahnhofs und donnert in den Unterführungen.
Eine Schar unausgeschlafener Menschen findet sich ein, aus den einfachsten Ständen, Anton fällt in der Menge nicht auf. Sie kehren mit Geschrei aus der Sperre zurück, beladen mit ungeheuren Packen Zeitungen und Zeitschriften, Titelblätter werden ausgerusen und die Packen verteilt. Anton zieht seine Börse und kauft drei Zeitschriften, aus Berlin die eine, aus Hamburg die andere, aus München die dritte. Und während er auf dem Brettchen eines Fahrkartenschalters sitzt, blättert er mit zitternden Händen seine Journale auseinander.
„Das tägliche Fest", schreit es ganzseitig dreifach hervor, er springt von seinem Sitz herunter und breitet die Bogen nebeneinander auf die schmutzigen Bahnhofsfliesen. Niemand hat etwas davon gewußt, niemand konnte ihm in den Arm fallen, hier predigen drei verschiedene Rieseninserate die Vorzüge der Wagen- schanz-Erzengnisse, oder eigentlich nicht einmal das: sie schildern, jedes in völlig anderer Art unter dem gleichen Schlagwort, wie der Mensch des Morgens erwacht, Tag für Tag auf dieselbe Weise, eben lag er wie ein Toter da, nun regt er sich und gleicht einem müden Tier, das aus verquollenen Augen um sich blickt, unlustig zu jeder Unternehmung, unfroh, die Haut faltenreich selbst bei Jungen, das Haar zerwühlt. Die Inserate zeigen je eine Frau, einen Mann, ein Kind. Nun kann man es auf zweierlei Weise machen, man kann in Hast in seine Kleider fahren, oder man kann dem Tag einen aufmunternden Anfang geben. Jetzt gönnen sie sich die Wohltat des Wassers, das Fest der täglichen Menschwerdung beginnt mit der Wagenschanzseife — und schon endet das Inserat.
Es war das schwerste von allen vieren. Kieselbach hatte ursprünglich seiner Phantasie freien Lauf gelassen und sich ebenso drastisch wie unappetitlich ausgedrückt. Diese Entgleisungen waren aber der unerbittlichen Forderung des Fräuleins Reubold zum Opfer gefallen, die mit ihrem feinen Fingerspitzengefühl alles Häßliche aus den Texten hinanswarf und es sich in den Bildern verbat, bis eine vorsichtige und dennoch zutreffende Schilderung des „Halbmenschem beim Anfstehen" übrigblieb. Der Untergrund aller Texte zeigt aneinandergereiht den Namen Wagenschanz, in winzigen Buchstaben, Wagenschanz, tausendmal über die Seite gestrichelt: Wagenschanz.
Wie gesagt: die drei Blätter liegen ausgebreitet aus den schmutzigen Fliesen des Bahnhofs, und der Mann, der vor ihnen steht und sie betrachtet, in gebeugter und mutloser Haltung, das Kinn unrasiert, er faßt sich an die Stirn und fragt, ob dies fein
ferat gekostet habe, und zu allem Unglück stellt sich nach und nach heraus, daß es sich sogar um drei verschiedene Zeitschriften handelt. „Was wollen Sie eigentlich", versucht Anton jeden zu überzeugen, „Sie sollten sich freuen, daß ich meine Ware unter die Leute bringe, das liegt doch in Ihrem eigenen Interesse.
„Was kosten diese Anzeigen?"
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So und soviel.
„Sie sind wohl wahnsinllig, Mann!
Aus ihrem Arbeitszimmer in der Baracke spricht Rosemarie mit Schönlein. „Bitte kommen Sie sofort, Peter, es ,|t enstetzlich, ich halte das nicht mehr aus." Ihre Nerven flattern schon jetzt, und dabei sagte Doktor Wagenschanz nur: Es sangt erst an.
Schönlein nimmt eine Autodroschke und saust hinüber. Er wird von Rosemarie, Elli und dem Kandidaten abgesangen, sie fuhren ihn hintenherum über den Hof und legen ihm, als fet er der oberste Richter, die drei Blätter vor, er soll entscheiden: war das vernünftig oder nicht? Aber an Peters Stelle gibt Kieselbach die Antwort: „Ich hatte einen wunderbaren Text, saftig, verstehen Sie für das profanum vulgus, für die breite Maffe, aber diese Dame hier" — zeigt sein ausgestreckter Finger — „hat nur meine besten Gedanken herausgestrichen, es wird eine ungeheure Pleite, ich garantiere für nichts, ich übernehme keinerlei Verantwortung.
Zwischen Elli und dem Kandidaten entsteht eine Zankerei, mit Volkssprüchen reichlich gewürzt. Schönlein hält sich die Ohren zu. Dann läßt er sich von Rosemarie einen Bericht erstatten, sie pricht aufgeregt, sehr leise, aber wenigstens alle-, nacheinander. Sie muß sich beinah die Zunge abbeißen, aber genau nach Anton» Weisung erzählt sie nur von „diesen drei Inseraten .
.So kommt es', denkt Schönlein mit verkniffenen Lippen, .wenn einer sich übernimmt,' wenn er prahlt, mit dieser Zeit werde er chon fertig; wenn er unter allen Umständen aus der allgemeinen Reihe des Niedergangs tanzen will, er springt und bricht sich die Beine. — Es ist jetzt meine Ausgabe , folgert Schönlein weiter, .daß dieser unternehmende junge Mann, dieser Doktor Anton Wagenschanz, sich nur die Beine bricht und nicht auch den Hals.' In Peters Kopf marschieren die Paragraphen auf, BGB., Konkurs oder Liquidation? _ m .
Im Fabrikationsraum sitzt die Witwe Wagenschanz ganz allein. Sie kam, wie jeden Tag, beladen mit Gemusepaketen, mit Fleisch und mit Knochen voll fettem Mark, aber heute sind die Arbeiter von Anton nach Hause geschickt worden, die alte Mutter sitzt da und findet sich nicht mehr zurecht. Was wollen denn die Manner, die in den andern Räumen Krach schlagen? Denen schuldet ihr Sohn soviel Geld? Aber warum haben sie ihm denn soviel geliehen? Oder, wenn er soviel Gelb bekommen hat, dann kann er doch auch viel zurückbezahlen? Diese Sache geht in die Hundert- tausenöe, in Zahlen, die sich für die alte Wagenschanz in den Nebeln des Unbegreiflichen verlieren. . . r
Wie kommen denn die Leute dazu, ihrem Sohn soviel Geld zu geben, wo er doch ein ganz armer Mann ist? Ach so, ja, er besitzt eine Fabrik. Er besitzt sie, hat sie aber noch nicht bezahlt, doch sie gehört ihm trotzdem. Kurzum, sie wird mit den Problemen nicht mehr fertig. Vor allem aber versteht sie nicht, ivarum sie hier nicht kochen soll, Geld hin, Geld her, die vierzig Menschen und Menschlein müssen essen! ' „
So geht sie weg und lauft selber zu den paar Familien, sie kommt wieder mit den Frauen, und während in den Nebenzimmern das Geraufe ums Geld tobt, wird hier eine Dickebohnensuppe zubereitet. Gelegentlich steckt einer der Gläubiger feinen Kopf herein, um sich nach den Liquidationsmöglichkeiten umzu- feiien, und was er hier für ein Bild von trautem Familienleben findet, das macht allerdings einen besonders kreditwürdigen
Schönleins bloßes Eintreten in die versammelte --char der Gläubiger bringt Ordnung und System in den ferneren Ablauf, er taucht als ragender Fels ans dem aufgeregten Meer, er beruhigt nach rechts einen Schimpfenden und nach links einen Fragenden, er ist gleich mit Vorschlägen bei der Hand, und im Umsehen ist für heute abend, sieben Uhr, eine Gläubigerversamm- lung bei ihm, Rechtsanwalt Peter Schöulein, anberaumt. Er werde inzwischen die Bücher der Firma durchsehen, und Herr Doktor Wagenschanz werde heute abend jede gewünschte Auskunft erteilen. „Guten Morgen, meine Herren."
„Morgen, Herr Doktor Schönlein!"
' Der Anwalt ohne Titel zuckt leicht zusammen. „Empfehlung an die gnädige Frau, Herr Hugendubel."
„Danke. Danke vielmals. Werd's ausrichten. Schwere Zeiten!
„Ja, weiß Gott, sehr schwere Zeiten. Aber man hofft das Beste "
Die Räume teeren sich endlich, und nun kommt die Mutter Wagenschanz mit steinernem Gesicht und fordert zum Essen auf, ganz unerwarteterweise, niemand hat an Essen gedacht, plötzlich stöhnt man vor Hunger.
„Oh", sagt Anton später zu Rosemarie und schüttelt sich, „wenn ich doch bloß alles ganz alleine machen könnte! Tausend .Hände haben! Mit eigenem Geld arbeiten, das man getrost aufs optcl setzt. Nur nicht von so vielen abhängig sein. Sie wollen verdienen, sie fordern unsinnige Zinsen, aber riskieren wollen üe nichts. Sie werden ihre Waren nicht los und verlieren ihr Geld, aber in dem Augenblick, in dem jemand sich anstrengt und ihre Waren kauft und damit ein gutes Geld macht, genau in dem Augenblick fallen sie ihm in den Arm. — Zweifeln Sie,auch-' fährt er sie an, und antwortet sich selber: „Nun, es ist ganz einerlei, es genügt vollkommen, daß ich festhalte." ,
(Fortsetzung folgt.)
'LeraniworUichi Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Vuch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen
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