Million Deutsche,- Neuyork kann fomtt, als die örittgrötzte deutsche Stadt bezeichnet werden. In Chikago leben 580 000 Deutsche, in Philadelphia und St. Louis je 250 000, in Milwaukee 200 000. In der zuletzt genannten Stadt sind es rund 45 Prozent der gesamten Einwohnerschaft. In fünf weiteren Städten wohnen jeweils mehr als 100 000 Deutsche. Nach den Einzelstaaten gerechnet, bilden sie in 12 mehr als 25 Proz. der Bevölkerung. Trotz der großen Zahl der Deutschen war ihr Einfluß jederzeit nur gering und ihr Deutschtum war stets sehr gefährdet. Vor allem ist das durch die Lauheit der Amerikadeutschen in kulturellen Dingen zu erklären. Die Kirche fing an, sich der englischen Sprache zu bedienen, die Schulen der lutherischen Gemeinden vernachlässigten die deutsche Sprache, oder ließen sie ganz aus ihrem Lehrplan fallen. Die Zahl der Schüler, die sich am deutschen Unterricht der öffentlichen Lehranstalten beteiligten, ging immer mehr zurück. ■
Den furchtbarsten Schlag erlebte das Amerikadeutschtum durch den Weltkrieg. Man internierte nicht nur deutsche Reichsangehörige, sondern verfolgte auch die Deutschen amerikanischer Staatsangehörigkeit. Der Unterricht im Deutschen wurde durch Gesetz verboten. In vielen Staaten wurden deutsche Bücher eingestampft oder verbrannt. Kinder üeutschamerikanischer Eltern wurden als Hunnenkinder beschimpft. Diese Aufzählung der Leiden der Deutschen ließ sich beliebig fortsetzen. Vor allem das Verbot de^c deutschen Zeitungen wirkte sich schwer aus. Einer der besten Kenner des Deutschtums in den Staaten, I. Eiselmeier, sagt: Das Deutschamerikanertum hat im Augenblick der höchsten Gefahr vollständig versagt, denn sonst hätte es solche Zustände verhindern können.
Nach dem Kriege ist eine langsame Befferung eingetreten. Einige deutsche Theater haben ihre Tore wieder geöffnet. In den Mittelschulen nimmt die Beteiligung am Deutschunterricht wieder langsam zu. Es erscheint wieder eine größere Anzahl deutscher Zeitungen. Das deutsche Vereinsleben ist zwar sehr rege — es gibt in den Staaten mehr als 5000 deutsche Vereine — aber die Bedeutung der Vereine ist im Vergleich zu ihrer Zahl sehr gering. Allerdings sind gerade in der letzten Zeit Bestrebungen im Gange, durch die Vereine Beziehungen zu der alten Heimat wieder aufzunehmen.
Es sei nur an die Beteiligung von deutschamerikanischen Vereinen am Deutschen Turnfest, am Deutschen Sängerfest usw. erinnert. Von ungeheurer Bedeutung ist auch die Tatsache, daß die nationalsozialistische Idee, die Gedanken Adolf Hitlers langsam aber sicher in den Kreisen der Amerikadeutschen Fuß fasten. In reichsdeutschen deutsch-amerikanischen Kreisen sind schon vielerorts Zellen und Ortsgruppen der NSDAP, gegründet worden. Von da aus wird ohne Zweifel eine Belebung des völkischen Bewußtseins der Amerikadeutschen eintreten können.
In den nächsten Jahren werden die Deutschen in den Staaten zeigen müssen, ob sie nur gewillt sind, wie es leider so viele Jahre war, Kulturbünger für fremde Staaten und Völker zu sein, oder ob sie durch Festhalten an ihrem Deutschtum dazu beitragen wollen, auch in Nordamerika dem deutschen Ansehen den ihm gebührenden Platz zu verschaffen. Hoffen wir, daß das letztere der Fqll sein wird!
Dämonie der Maschine.
Der Zauberlehrling in der Wirtschaft.
Von Dr. Wilhelm Gemperle.
Noch in seiner letzten programmatischen Rede hat der Wirtschaftssachverständige der nationalsozialistischen Bewegung, Gottfried Feder, mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß die deutsche Volkswirtschaft nicht dem selbstsüchtig - privatwirtschaftlichen Rentabilitätsstreben Einzelner als oberstem Grundsatz unterstellt werden dürfe, sondern den gesunden Bedürfnissen des Volkes. Diesem Gesetz habe sich auch die Technik zu beugen, damit sie nicht zum Fluch, sondern zum Segen unserer Kultur werde.
Der hemmungslose Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten der Technik, für den uns Amerika das falsch verstandene Beispiel und die Schlagworte geliefert hat, ist auch in Deutschland mit Beginn der Wirtschaftskrise, also seit 1929, einer tiefen Enttäuschung gewichen, die sich häufig genug zu einer technikfeindlichen Haltung moderner Maschinenstürmer zu steigern drohte. Hatte man früher die Technik in einer Art neuen Fortschrittwahns vergöttert und geglaubt, aus ihr und mit ihr alle Leiden der Welt kurieren zu können, so machte man sie jetzt für alles geistige und materielle Ungemach verantwortlich, das die Nachkriegsjahre uns so reichlich beschert haben. In dieser Stimmung von Resignation und Erbitterung war die Gefahr groß, daß der Mensch die letzten Reste seiner geistigen Freiheit verlor, daß er den Gang der Entwicklung in Technik und Wirtschaft als unabwendbares Schicksal hinnaym und vor der ihm unfaßbaren Dämonie der Maschine zurückwich. Die Technik war nahe daran, aus der Rolle einer Dienerin der Menschheit, in der sie bescheiden ihren Weg in die Welt angetreten hatte, zu der ihrer Herrin und Despotin abzugleiten. Sie schien aus eigenen und durch den Menschen nicht mehr beeinflußbaren Gesetzen jenen unheilvollen Kreislauf „Wettbewerb — Rationalisierung — Arbeitslosigkeit — Ueberproduktion" mit der Gewalt eines gigantischen Schwungrades zu immer rasenderem Tempo beschleunigen zu wollen. Dem Menschen aber fiel in dieser Nor wie Goethes Zauberlehrling das rettende Wort nicht ein, um diesen Spuk unseres Volkes und unserer Wirtschaft zu bannen.
Die Geschichte erzählt uns viele Beispiele für den Zusammenstoß zwischen Mensch und Maschine, berichtet von abergläubischen Vorstellungen, gegen die sich technische Erfindungen durchsetzen mußten, und schildert den Ingrimm der durch sie sich bedroht suhlenden Menschen und das Elend, das sie zeitweilig tatsächlich über breite Schichten gebracht hat, bis sich ihre Einordnung in das soziale Leben allmählich vollzogen hatte und ihre segensreichen Wirkungen spürbar zu werden begannen. — Schon die mönchischen Abschreiber führten heftige Klage gegen die Erfindung des Buchdrucks, ohne den wir uns unsere Kultur nicht mehr denken können. Die Zünfte, denen vor allem an der Sicherung des „standesgemäßen Lebensunterhaltes" lag und die das sorgsam ausgeglichene Verhältnis zwischen Erzeugung und Verbrauch durch technische Neuerungen erschüttert sahen, haben sich schon früh gegen die Einführung von Maschinen gewehrt. Als z. B. gegen Ende des 10. Jahrhunderts die Bandmühlen aufkamcn, durch die sich das Posamentiergewerbe in der alten Form bedroht fühlte, verbot der Rat von Danzig ihre Anwendung und ließ den Erfinder ertränken, so groß war die Furcht vor diesem Unruhestifter in einem Leben überkommener Anschauungen und einer behaglichen Gesittung. Der Hamburger Senat ließ derartige Bandmühlen durch den Henker verbrennen, ein Verfahren, das die tiefgehende Erregung grell beleuchtet. In Kursachsen wurde ihre Einführung erst 1765 gestattet. — William Lee, der Erfinder der Strumpfwirkmaschine, wurde Ende des 16. Jahrhunderts von den aufgeschreckten Strickern so bedrängt, daß er nach Frankreich ging, wo Heinrich IV. sich seiner annahm. Selbst in den für die damaligen Verhältnisse so außerordentlich fortgeschrittenen Niederlanden wurde die 1633 erfundene Wtnbsägemühle verboten, was allerdings gerade uns verständlich erscheint, wenn wir erfahren, daß die Maschine nur einen Mann und einen jungen Burschen zur Bedienung brauchte, dagegen aber 20 Handsäger auf die Straße setzte. Bekannt ist Colberts Ausspruch, daß er „den Arbeitern mehr Beschäftigung geben, nicht aber den früheren Verdienst rauben wolle". Und doch war Colbert, der große Wirtschaftsreformator Frankreichs, Neuerungen zugänglicher als die meisten seiner Zeitgenossen. — Häufig auch hat der Staat die Eigentümer gegen die Zerstörung ihrer Maschinen schützen müssen. Im 18. Jahrhundert hat die englische Regierung manchesmal für die Vernichtung neuer Maschinenanlagen durch die aufgebrachten Handwerker und Arbeiter einen Ersatz aus der Staatskasse leisten müssen. Den eigentlichen Begründer der englischen Baumwollindustrie, Hargreaves, den Erfinder der sog. spinning-Jenny, trieb die Empörung der Handspinner von Lancashirc aus der Heimat.
Noch im 19. Jahrhundert entging Jacquard, der Erfinder der nach ihm benannten Webmaschine, dreimal knapp der Ermordung,- sein Webstuhl wurde in Lyon auf Veranlassung des Rats der Weißen zerbrochen. Die Einführung von Maschinen in der englischen Textilindustrie war zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Anstoß zu den mehrfachen großen Aufruhrbewcgungen der „Maschinenstürmer",- die soziale Frage tauchte damit in England in ihrer modernen Form zum ersten Mal in der ganzen Tragweite auf. Die Gefahr der Revolution mutz sehr nahe gewesen sein, denn 1812 wurde die Zerstörung von Textilmaschinen mit dem Tod und 1813 mit langjähriger Deportation bedroht. — Während der spanischen Staatsumwälzung im Jahre 1854 mußte die neueingesetzte Junta von Barcelona versprechen, alle Maschinen, die zuviel Handarbeit überflüssig machen, abzuschaffen. Wir kennen für Deutschland aus Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber" die furchtbare Not der schlesischen Weber, ihre dumpfe und ohnmächtige Wut gegen die neuen Maschinen, die sie wie den leibhaftigen Teufel hassen und in dem sie den Quell alles irdischen Leidens sehen. — So ist im Laufe der Geschichte immer wieder die blinde Opposition gegen bas Maschinenwesen aufgestiegen und hat sich in gefährlichen Explosionen Luft gemacht, sobald der Mensch von der Technik Not erfuhr, wo er Wohlstand und Befreiung erwartete. Blind aber ist diese Wut, weil sie bas Kind mit dem Bade ausschüttet und die großen Segnungen der Technik verkennt, die eintreten, wenn sie Dienerin bleibt und nach einem Gemeinschaftsgedanken und nicht nach den Gewinnintereffen des Einzelnen geleitet wird. Dann gilt heute wie immer der Satz des Grafen DuchLtel: „Die Arbeiter, welche augenblicklichen Uebelstänben dadurch entgehen wollen, baß sie Maschinen zerstören, sind Schiffern zu vergleichen, die bei Windstille oder Gegenwind ihr Schisf verbrennen und weiter schwimmen wollen. Sie glauben eine Rivalin zu vernichten und vernichten ihre notwendigste Hilfe."
„Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht." So ist es auch mit ber Technik. Auch bei ihrer Anwendung müssen der Mensch und das Volk wieder in das Zentrum des Handelns gerückt werden. „Was nützt eine blitzblanke Maschine, wenn Arbeiter dadurch brotlos werden!" So einfach dieser Satz klingt, so berechtigt ist sein Inhalt. Die Technik, die von einer chaotisch und wildgewordenen Wirtschaft gehetzt, aus dem Gehege ausgebrochen ist, das die Gemeinschaft des Volkes und seiner Bedürfnisse ihr aufgerichtet hatte, muß wieder von starker Hand eingefangen werden. Wir haben das Walten dieser starken Hand schon in den ersten Monaten des Neuen Reiches verspürt. In der Zigarrenindustrie hat man z. B. die Einführung von Handarbeit sparenden Maschinen bis aus weiteres untersagt. Das ist nur ein Beispiel für viele. Die Bändigung des Dämons Maschine ist gewiß eine der wichtigsten Aufgaben in dem großzügigen Arbcitbeschaffungsprogramm, das die Regierung zu verwirklichen begonnen hat.


