blick war ihm alles klar geworden,- da vorne fuhr seine Braut und der Rotkopf. —
Er fiel in langsamen Trab, immer den Weg entlang, bis die Wut den Pfad zu seinem Kopf gefunden hatte. Dann warf er die Armee hinter sich und sauste davon mit brennenden Fußen, spranq quer übers Feld, riß sich durch Dornenhecken, flog wre ein Ball über Schollen und Stoppeln, schwamm durch den Fluß, der eben voll Mond und Duft um das Dorf ging, hüpfte über den Gartenzaun und hörte die Mutter in der Küche ausschreien, als er in zerfetztem Hemde die Bodentreppe hrnaufflog.
Es ging nun alles in einem. Er glitt in ein neues Gewand, kämmte sich, prasselte in den Hof hinunter und durcheilte ihn auf und ab so schnell, als wolle er ihn mit seinen Beinen emzaunen. Vater und Mutter gängelten um ihn herum und suchten ein Wort von ihm zu erhaschen, aber er rieb sich nur die Hände und sprach nichts. .
Ehe aber die Alten noch recht glauben mochten, ihr Sohn sei irrsinnig geworden, tauchte der Wagen aus der Brandung der Reiter gegen den Hof heran, der Rotkopf sprang vom Sitze, hob die Braut heraus und führte sie zu ihren neuen Eltern. Hierbei kreuzte er Peters Weg und erhielt von dessen warmgeriebenen Händen eine solch schallende Ohrfeige, daß der Zylinder von seinem Kopfe kerzengerade in die Höhe stieg und die Braut zur Seite geweht wurde.
Ueberraschend schnell begriff diese nun, welches der rechte Peter sei und nahm gegen den falschen Peter, der sie angeführt hatte, Stellung. Und es wäre vor versammeltem Dorfe noch zu einem kleinen Häuserkampf gekommen, hätte nicht der Vater Braut und Bräutigam ins Haus gezogen und alle, die an der Brautfahrt mitgewirkt hatten, zur Hochzeit eingeladen.
Die wurde nun auch bald gehalten. Danach ließ sich Peter vier Jahre Zeit, und seine Frau gebar ihm vier Mädchen: das fünfte aber wurde ein Bub, und er soll seinem Vater sehr ähnlich geworden sein.
250 Jahre Deutschtum in den Vereinigten Staaten.
Von Studienassessor Dr. Rudolf Freymann.
Am 6. Oktober 1933 kann das Deutschtum in den Vereinigten Staaten auf eine 260jährige Geschichte zurückblicken. Am 6. Oktober 1083 landete in Philadelphia das Schiff „Concord" mit 13 Familien aus Krefeld, die dann zwei Wegstunden von Philadelphia das Dorf Germantown (= Deutschenstadtj gründeten. German- town ist heute ein Stadtteil von Philadelphia. Den Tag der Landung betrachtet das Deutschtum in Nordamerika als feinen Geburtstag und feiert ihn alljährlich als „deutschen Tag".
Es sind zwar bereits vor 1683 deutsche Siedler nach Nordamerika gekommen, doch handelte es sich stets um Einzelne, und die Geschichte weiß nur wenig über sie zu berichten. Lediglich die Taten von wenigen sind uns heute bekannt. In Südkarolina sind einzelne deutsche Ansiedler bereits 1562 gelandet. Die Gründung der holländischen Siodlung Neu-Amsterdam, aus der sich das heutige Ncuyork entwickelt hat, ist von einem Deutschen aus Cleve mit Namen Christiansen unternommen worden. Christiansen ist 1614 mit seinem Schiff an die Mündung des Hudson- Flusses gekommen und hatte die günstige Lage der Südspitze von Manhattan sofort erkannt. Zehn Jahre später schickten die Holländer einen deutschen Gouverneur für die Siedlung, Peter Minnevit aus Wesel am Niederrhein. Für 60 holländische Goldgulden, einem Betrag, der nach heutigem Geld etwa 100 Mark entspricht, erwarb er von den Indianern die ganze Insel Manhattan. 38 Jahre später raubten die Engländer Neu-Amsterdam mitten im Frieden und gaben ihm seinen heutigen Namen Neuyork. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß auch unter englischer Herrschaft ein Deutscher, Jakob Leisler aus Frankfurt a.M., zwei Jahre lang an der Spitze der Stadt und Kolonie Neuyork gestanden hat. Neid und Mißgunst der Engländer brachte ihn jedoch um dieses hohe Amt.
Den Anstoß zu der deutschen Auswanderung im Jahre 1683, die man mit Recht als den Beginn der planmäßigen deutschen Kolonisation ansieht — handelte es sich doch nicht um einzelne Abenteurer, sondern um Auswanderer mit Familien — gab der englische Quäker William Penn. Er hatte vom englischen König große Gebiete in Nordamerika erhalten. Er wollte dort einen Staat begründen, der nur von christlicher Bruderliebe getragen sein sollte. Gemeinnutz und Glaube an Gott sollte die Grundlage dieses Staatswesens sein. Zu Ehren seines Vaters, des Admirals Penn, nannte er das Land Pennsylvanien. 1682 gründete er dort die Stadt Philadelphia. Penn hatte bei seinen früheren Reisen in Deutschland, die den Quäkern nahestehenden Sekten der Pietisten und Mennoniten besucht und in ihren Reihen begeisterte Anhänger für seine Pläne gefunden. Vor allem in Frankfurt a.M. und in Krefeld erklärtxn sich viele bereit, ihm zu folgen. Ein junger Rechtsgelehrter, Franz Daniel Pastorius aus Frankfurt, wird der Führer der deutschen Siedler.
Die eingangs genannten 13 Krefelder Mennonitenfamilien bildeten die erste Gruppe der Auswanderer. Es waren meistens Handwerker. Durch ihren ungeheuren Fleiß waren sie von Anfang an gleich in der Lage, durch Anbau ihren Bedarf an Lebensmitteln selbst zu deckest. Trotzdem war die Not in der ersten Zeit so groß, daß die deutschen Siedler statt von Germantown von Armeutown (= Armcnstadtf in bitterem Spott sprachen. Vor allem befleißigten sich die Deutschen, unter denen viele Weber waren, im Flachsbau und die blühende Webindustrie von Philadelphia
geht zum Teil noch auf die deutschen Ansiedler zurück. Bereits 1691 wurde die deutsche Ansiedlung zur Stadt erhoben; wenige Jahre später wurde die erste deutsche Schule gegründet. Die junge Gemeinde erhielt bald sehr starken Zuwachs aus Mcnnoniten- kreisen aus Deutschland und der Schweiz. Im 18. Jahrhundert nahm die Einwanderung besonders stark zu. Pietisten, Mennoniten und andere Sektenanhänger verließen die alte Heimat, in der damals starke religiöse Unduldsamkeit herrschte.
Aber nicht nur nach Pennsylvanien richtete sich der Zug der Auswanderer. Auch in die Gegend von Neuyork zogen viele hin. Die Verwüstung der Pfalz durch die Mordbaudeu Ludwig XIV. unter Mslac und die große Not der Heimat veranlaßte die Pfälzer Bauern zu MasseuauSwanderungen. Die Pfälzer zogen vor allem in die Gegend von Ncuyork. Aber die ungünstigen Verhältnisse zwangen sie bald wieder zum Weiterwandern. Ein Teil vereinigte sich mit den Pennsylvaniadeutschen. Der Zuzug nach Pennsylvanien war so groß, daß dort bereits 1793 in Gcrman- town eine deutsche Zeitung herausgegeben wurde, und als später der Antrag gestellt wurde, die deutsche Sprache zur Amtssprache dieses Staates zu erklären, wurde dieser Antrag nur mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. Im Jahre 1775, dem Jahre, in dem der nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach, betrug die Zahl der Deutschen in Nordamerika rund 225 000, das heißt: ein Zehntel der gesamten weißen Bevölkerung.
Die Siedlungen der Deutschen waren über das ganze Land verstreut, nur in Pennsylvanien, Neuyork und Virginia wohnten sie geschloffen. Ihrer Armut wegen mußten die Deutschen meistens im äußersten Westen des damals von Weißen besiedelten Gebietes wohnen, weil dort das Land außerordentlich billig oder umsonst zu haben war. Sie bildeten so einen lebenden Wall gegen die Indianer.
Etwa fünfundvierzig Jahre lang, zwischen 1775 und 1820, stockte die Einwanderung. In dieser Zeit begann schon die starke Angli- sierung der deutschen Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert setzte die Masseneinwanöerung in den Staaten wieder ein. Bis zum Jabre 1820 kamen rund 33 Millionen Einwanderer in das Land. Von ihnen waren mehr als 5 Millionen Deutsche. Das Jahr 1848 brachte viele politische Flüchtlinge und vor allem in den 80er Jahren schwoll die Einwanderung stark an. •
Es ist im Rahmen dieses Artikels unmöglich, die gesamte geschichtliche Entwicklung des Amerikadeutschtums auch nur in Stichworten wiederzugeben. Deshalb seien nur einige wenige Dinge hervorgehoben, die aber die ungeheure Bedeutung des deutschen Elements für die Entwicklung der Staaten erkennen lassen. Die erste Papierfabrik in Amerika war von einem Deutschen errichtet wordem 1743 wurde die erste deutsche Bibel gedruckt; die erste englische erst 40 Jahre später. Die ersten Glashütten, die ersten Eisenhütten errichteten Deutsche. Peter Hasenclever aus Remscheid war der erste Großindustrielle in Amerika. Die erste Zuckersiederei, die erste Eisengießerei, die erste Wollfabrik, die erste Dampfmühlc sind deutscher Hände Werk. Wer weiß heute in Deutschland, daß das Riesenunternehmen von Carnegie die Gründung von zwei Deutschen, Andreas und Anton K l o m a n n, ist?
Unter den bedeutendsten Amerikanern der Gegenwart ist ein nicht unbeträchtlicher Teil deutscher Abstammung, eine Tatsache, die in Deutschland auch heute noch viel zu wenig bekannt ist. Der weltberühmte Oelmagnat John. D. Rockefeller ist deutscher Herkunft. Der Name lautete früher Roggenfelder. Sein Urahne Johann Peter Roggenfelder ist 1735 aus dem Fürstentum Wied eiugewaudert. Der Schöpfer des modernen Warenhauses John Wauamaker entstammt einer deutsch-pennsylvanischen Familie, die früher Wanne macher hiest.' Die großen Studebaker- Automohilwerke, deren Erzeugniffe auch in Deutschland stark vertreten sind, sind das Werk eines Mannes deutscher Abstammung. Die Familie hieß früher Stutenbäcker. Der Schöpfer des amerikanischen Zuckertrusts Henry O. H a v e me y e r ist der Enkel eines aus Bückeburg eiugewanderten Zuckerbäckers.
Aber nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiete ist der Einfluß von Männern deutscher Abstammung sehr groß, auch im politischen Leben der Staaten sind Deutsche oder Männer deutscher Abstammung vielfach hervorgetreten. Der Amtsvorgänger des heutigen Präsidenten der Staaten Roosevelt, Henry Hoover, ist der Nachkomme eins 1740 aus der Pfalz ausgewanderten Müllers Andreas Huber. Aus der früheren Zeit seien nur zwei Männer genannt, die für die Entwicklung der Geschichte der Staaten von großer Bedeutung waren. Es sind Friedrich Wilhelm v. Steu- b e n und Karl Schurz.
Nicht zuletzt dem 1730 in Magdeburg geborenem Steuben, der unter Washington Generalinspekteur der amerikanischen Armee war, ist die siegreiche Durchführung des Unabhängigkeitskrieges zu verdanken. Nach ihm ist die Steubengesellschaft benannt, die nach dem Kriege begründet wurde und in der sich die Deutschen in den Staaten zusammengeschloffen haben. Karl Schurz, der revolutionäre Burschenschafter der 48er Jahre, hatte es bis zum amerikanischen Innenminister gebracht. Im Kampf um die Abschaffung der Sklaverei stand er an vorderster Stelle. Vor allem der Agitation von Schurz ist die Wahl Lincolns zum vram denten der Staaten zu verdanken gewesen. Im Bürgerkrieg naym er als Generalmajor auf selten der nordamerikanischen sagten teil. Während seiner Tätigkeit als Innenminister sind viele der wichtigsten noch heute gültigen Reformen entstanden
Leider ist der weitaus größte Teil der deutschen Einwanderer dem Deutschtum verloren gegangen. Der Abstammung nach sm 30 Millionen Bürger der Staaten Deutsche, d. h. ein Viertel oe gesamten weißen Bevölkerung. Der Sprache nach sind nur nom 8 Millionen Deutsche geblieben. In Neuyork wohnen über etm


