Ausgabe 
6.2.1933
 
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wahrnehmen. ..

Das Wissen um diese Schwankungen ist aber sehr wichtig, weil die modernen Wissenschaftler bei der Längenbestimmung von Kontinent zu Kontinent sich selbstverständlich, könnte man sagen der Funken- telearaphie bedient. Früher, als man noch die recht umständliche Methode der Chronometerübertraguna übte, waren die Fehlerquellen weit häufi­ger. Damals prüfte man z. B. an dem Orte 3E den Stand und den Gang des Chronometers meistens waren es wegen der Kontrolle mehrere bestimm»» dessen Abhängigkeit von Druck, Temperatur und Feuchtigkeit. Hierauf reifte der Beobachter mit dem Chronometer und den übrigen Kontrollinstrumenten nach dem Ort V und bestimmte auch hier die Orts­zeit Die Differenz gegen die aus dem bekannten Verhalten oer Uhr abzuleitende Ortszeit in I lieferte nun den gesuchten Langenunterschied zwischen 2E und Y. Derartige Reisen mußten öfters unternommen werden und ergaben für damalige Verhältnisse schon ausgezeichnete Resultate.

Im Jahre 1844 nahm Wilkes die erste kabeltelegraphische Langen­vermessung vor, bei welcher die Beoback^ * ** n

aus kabeltelegraphischem Wege verglii

Bewegung.

Nun entspricht seüe Pendelschwingung, die zwischen 30 und 40 Grad umfaßt, einer geologischen Periode. In der Tertiärzeit pendelten wir polwärts und gelangten auf diese Weise zur diluvialen Eiszeit, letzt pendeln wir wieder vergnügt dem Himmelsäquator entgegen. Am stärksten ist der Pendelausschlag im Schwingungskreis, d.h. jenem Meri­diankreis, der in 10 Grad östlicher Länge von Greenwich verläuft und die Erde' in zwei Halbkugeln teilt, deren Mittelpunkt die Schwingpole, der Ost- und Westpol darstellen.

Infolge der Fliehkraft hat die (Efbe die Gestalt eines an den Polen abgeplatteten Rotationssphäroids. Pendeln die Pole hm und her, so wird das Wasser, das ja einen Großteil unserer Planeten bedeckt, infolge feiner molekularen Anpassungsfähigkeit die Form des Sphäroids ein­halten können. Das Festland dagegen muß, wenn es sich dem Pol zu bewegt, immer weiter aus dem Meer hervortauchen und umgekehrt, bei der Bewegung gegen den Aequator, unter den Meeresspiegel unter­tauchen. Diese rein mechanischen Verschiebungen rufen natürlich gewaltige Umwälzungen auf der Erdoberfläche hervor, beeinflussen die Verteilung von Land und Meer, Überhaupt das topographische Bild und selbstver­ständlich auch das Klima. Der Leser mag daraus ersehen, wieviele Probleme durch so eine dem Laien vielleicht sehr nebensächlich erscheinende Maßanprobe" der Erde aufgeworfen werden.

Um bei der Längenvermessung die auszustrahlenden Signale ein-

in Hand arbeiten, und obgleich die für die verschiedenen Untersuchungen zur Verwendung gelangenden Instrumente an Feinheit und Präzision nichts zu wünschen übrig lassen, so weiß man doch, daß Fehler nicht ganz vermieden werden können. Es sind Fehler, die man mit den kleinsten üblichen Blassen nicht ausdrücken kann. Aber in der großen Welt ist auch der minimalste Fehler von schweren Folgen.

Wie mißt man nun die Erde? Dem astronomisch Ungeschulten wird das äußerst verwickelte Verfahren nur schwer verständlich sein. Denn was muß bei einer solchen Maßanprobe unserer Erde nicht alles berück- sichtigt werden! Um nur einige Faktoren zu nennen: es ist der Einfluß der Polverlagerung festzustellen und der sogenannten Lateralreftaktion, ferner der Einfluß des barometrischen Druckes, des Schnees und der Vegetation, der jahreszeitlichen Schwankungen in den Wellenfortpflan­zungsgeschwindigkeiten und nicht zuletzt der Absolutbewegung der Erde durch den Raum und der sogenanntenLunisolattraktion' auf die Längen. , . ,,

Denn, um nur einen Fall herauszugreifen, die Fortpflanzungs- gefchwindigkeit der elektromagnetischen Wellen ist, wie M. R. S t o y k o nachwies, nicht immer gleich. Vielmehr zeigten sich in den Geschwindig­keiten tägliche und jahreszeitliche Perioden. Die ersteren hängen nach Stoyko davon ab, ob die Welle durch Tag- oder Nachtgebiete lauft, also von der Sonne bestrahlte Gebiete der Erde ober solche, Die im Schatten liegen. Bei der genauen Untersuchung der jahreszeitlichen Perioden konnte man dagegen eine Abhängigkeit der Fortpflanzungs- gefchwindigkeit von der Stärke des elektrischen Feldes der Atmosphäre

seinen Besitz ausgeboten, aber er fand keinen Käufer, so wohlfeil er 0U<eÄurd) ein Inserat fand er in Berlin einen Liebhaber; im vorigen Frühjahr holte er sein Geld bekommen, das Buch war gedruckt worden

Der Berliner Käufer aber hatte vor kurzem den größten Teil de Oedlandes im Zwergmoor äußerst günstig weiterverkauft an einen In­dustriellen dem es eingefallen war, ein Mustergut zu errichten mitten in der Heide, sruchtbaren Acker zu schassen aus der nutzlos wuchernden $$'llnb der Dichter? Nun, der wartete auf den Erfolg seines Buches, und über dieser Beschäftigung hatte er mit dem Rest seines Geldes die erste Hälfte des Winters in seiner Erdhöhle verbracht in der anderen Hälfte war er als Knecht beim Bauern Päse untergekrochen denn nut fo einem Buch, das ging nämlich manchmal nicht so schnell, rote man dachte, halte er erzählt. Jetzt wartete er wohl immer nod), aber berroeile hatte er sich andingen las en als Arbeiter in der Kolonne, die in der nächsten Woche beginnen sollte, das Tal der Zwerge umzubrechen und den morastigen Grund zu entwässern... ... ...

Das alte Mädchen hatte ein trauriges Gesicht bekommen über diese Erzählung, ihre Augen waren blank geworden. Ich zahlte und ging.

53n der folgenden Woche ging ich zum dritten Male ins Land der Zwerge Von weitem hörte ich die Stimmen vieler Manner setzt sah ick sie auch, sie zogen Gräben, das Grundwasser des moorigen Bodens abzuleiten. Einen sah ich ein wenig abseits stehen, er schien seinen Spaten in den Anstieg des Berges senken zu wollen.Holla... rief ihm em anderer zu, ein Vorarbeiter gewiß,weg da vom Berge Gy dendahl! Hier roerden keine goldenen Wiegen ausgebuddelt! Bleib unten,. zteh deinen Graben weiter!" Die anderen Arbeiter lachten. Gyldendahl richtete sich aus und kehrte zurück zu der Rotte. Er hatte langes graues Haar, tiefe Falten hatten sich in die schlaffen Wangen gegraben und verloren sich im Gewirr des dünnen Bartes. Die Augen roaren glanzlos und schauten nicht mehr... , ..

Zwanzig Jahre waren vergangen, seit em wohlgekleidefer Iunglmg die Sage von den Zwergen gelesen hatte, um hier sein Schicksal zu finden, zwanzig Jahre... r

Der Mann mit den Bindfäden im Schuhwerk ging langsam ans Werk er stach ein Stück torfigen Bodens los, das schwarze Wasser der Tiefe' wurde gestört in seinem tausendjährigen Traum und schoß in die Helle des Grabens von heute.

Ich wende um lebe wohl, du Land der Zwerge!

Unterer Erde wird Maß genommen.

Von Dr. Georg Strelisker.

Wir haben bis auf wenige kleine Gebiete die Oberfläche unseres Pla­neten völlig erforscht und genau vermessen. Unsere modernen Land- und Seekarten lassen an Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit der Maße kaum etwas zu wünschen übrig. Aber wie alles in der Welt bleibt auch die Erde von den unangenehmen Erscheinungen des Alterns nicht verschont. Sie dreht sich um ihre eigene Achse mit 464 Meter Geschwindigkeit in der Sekunde und macht nebenbei noch einen jährlichen Dauerlauf um die Sonne mit nur dreißig Kilometer Sekundengeschwindigkeit, von der Bewegung, die sie als Angehörige unseres Sonnensystems durch den Weltall unternimmt, ganz abgesehen. Soviel Regsamkeit hinterläßt Spu­ren und ruft Veränderungen aller Art hervor, von denen sich der Laie kaum richtige Vorstellungen zu machen vermag.

Daß durch Erdbeben, über deren Natur wir noch keine absolute Klar­heit besitzen, und durch die Tätigkeit der Vulkane die Erdkruste oft ganz gewaltige Veränderungen erfährt, dürfte allgemein bekannt sein. Ein tüchtiges Stück Arbeit leisten auch die Flüsse und Ströme, die unentwegt Land ab tragen, um es an einer anderen Stelle wieder aufzuwerfen. Dazu kommen die gewaltigen Leistungen der Meere und der verschiede­nen Luslströmungen, kurz: es tut sich allerhand auf unserer guten Erde. Auch die großen Landkomplexe, die sogenannten Weltteile, dars man sich nicht als angenagelt vorstellen. Auch sie bewegen sich zu- oder von­einander. Zwar sind ine Verschiebungswerte der einzelnen Kontinente nicht eben beträchtlich. So gab der deutsche Professor Wegener hier­für folgende jährliche Zahlen: Neufundland-Irland ungefähr einen Meter, Grönland-Schottland dagegen schon an 20 Meter, Madagaskar-Afrika un­gefähr 9 Meter. Hingegen beträgt nach der Theorie Wegeners die Ver­schiebung zwischen Indien und Südafrika bloß 0,4 Meter.

Solche "Werte mögen bei der Gröhe unseres Erdballs als sehr gering­fügig erscheinen, für den Geographen und Astronomen find sie es jedoch nicht. Denn um irgendeinen Standort der Erdoberfläche genau zu bestimmen, muß man die fortwährenden Verschiebungen berücksichtigen, damit die Karten dementsprechend berichtigt werden können.

Aus diesem und noch aus vielen anderen Gründen hat man im Jahre 1926 die erste internationale Längenvermessung vorgenommen, die sehr interessante Ergebnisse zeitigte. Aber seither hat die Erde nicht stillgestanden, und so ergab sich angesichts der oben erwähnten jährlichen Verschiebungen der Kontinente die Notwendigkeit, bereits sieben Jahre später, also 1933 eine neue Erdvermessung durchzuführen. So wird allo im Herbst 1933 unter der Leitung derCommissions des Longitudes de lUnion Astronomique et de LUnion Geophysique et Oäodesique auf Grund eines Beschlusses der Internationalen Astronomischen Union eine neue, über die gesamte Erdoberfläche sich erstreckende Längenvermessung Dorgenommen. Von besonderem Interesse ist dabei, daß sich an diesem Unternehmen zum er st en Male auch das Deutsche Reich beteiligen wird und zwar durch die Deutsche Seewarte in Hamburg, die Heidelberger Sternwarte und das Geodätische Institut in Potsdam.

Daß man sich den Herbst und nicht eine andere Jahreszeit für das ungefähr zwei Monate in Anspruch nehmende Messungsverfahren wählte, hat selbstverständlich seine guten Gründe. Vor allem ist es notwendig, daß alle in Betracht kommenden Stationen 1926 waren es 52 Ob­servatorien, dieses Mal werden es bereits achtzig sein! möglichst lange klare Himmelssicht bekommen, damit einwandfreie Sternbeobachtungen durchgeführt werden können. Astronomen und Geophysiker müssen Hand

>chtungsuhren der beiden Stationen auta.:d>en wurden. Aber eine absolute

Genauigkeit war durch diese Methode nicht zu erreichen, weil die Zeit, die der elektrische Strom benötigte, um bas Kabel zu durchlaufen, einen nicht zu unterschätzenden Unsicherheitsfaktor bilbete. Die Stromz?it lauft nämlich nicht linear mit ber Kabellänge, sonbern nimmt viel rascher zu als diese. Die funkentelegraphische Methode man wird sich aus ver­schiedenen Gründen der langen Wellen bedienen und die kurzen nur zur Kontrolle registrieren kommt dem Ideal schon bedeutend näher.

Das große Publikum kennt von der Radioübertragung her die Em- richtung der Zeitzeichen, die bei der Längenvermessung eine ausschlag- gebende Rolle spielen. Als Zentralstationen hat man für 1933 Paris und Washington gewählt. Die beiden schon 1926 vorhandenen Beobach­tungsstationen Zikawei (China) San Diego 2llgier, und Green- nnchTokioDankouverOttawa werden durch einen neuen, auf ber Südhalbkugel liegenden. Beobachtungskreis, der von Kapstadt über Adelaide nach Rio de Janeiro verläuft, unterstützt, so bah die neue Längenvermessung tatsächlich die ganze Erde umspannt. Aus diese Weise hofft man ein Netz geographisch exakt festgelegter Stationen zu schaffen und u. a. auch die Theorien von E. 21. Brown nachzuprüsen. Dieser Gelehrte versuchte nämlich,Pulsationen" unserer Erde mit einer elf- jähngen Periode nachzuweisen, die wohl mit den elfjährigen Perioden der Sounenfiecken in einem ursächlichen Zusammenhang stehen. Ferner behauptete er, daß die Erdoberfläche infolge verschiedener Rotatwns- geschwindigkeiten des Erdkerns und der oberen Schichten ständige Zu­sammenziehungen und Verschiebungen erfahre.

Wie die sogenannte Pendulationstheorie lehrt, führt die Erde außer der Rotation um ihre Achse, der Bewegung um die Erde und der Prä­zession ihrer Drehpole noch eine vierte Bewegung aus, nämlich die Pendulation zwischen zwei festen Polen: Sumatra im Osten und Ekuador im Westen. Man spricht von einer polaren Schwingungsphase, b. h. einer Pendelung gegen den himmlischen Nordpol, und von einer äquatorialen Schwingungsphase, b. i. einer gegen den Himmelsäquator gerichteten