Einzelheiten Ser Technik genau wiedergeben. Wundervolle Jagdschilderungen, die die ganze im Nibelungenlied oder in Gottfrieds „Tristan" so reich geschilderte Herrlichkeit dieses echt ritterlichen Sports atmen, sind in einem der schönsten Miniaturwerke, dem „Breviarium Grimani" in der Marcus-Bibliothek zu Venedig, enthalten,' da bläst z. B. auf krummem Horn ein Jäger das Halali, während die wütende Meute sich auf den verendenden Eber stürzt und vergebens von den Knechten zurückgcdrängt wird.
Einzelne Jagdbilder sind auch schon im 12. und 18. Jahrhundert als passender Schmuck an die Wände von Schlössern gemalt worden: ein wirklicher großer Künstler behandelte das Thema wohl zum ersten Mal, als Mantegna in dem alten Schlosse der Gonzaga zu Mantua den Jagdzug des Ludovico Gonzaga an die Wand der Camera degli posi malte. Es ist die erste Huldigung, die die Kunst der Renaissance dem Waidwerk darbringt. Sonst wird die Schilderung der Jagd vielfach zum Preis des Schutzpatrons der Jäger, des heiligen Hubertus oder Eustachius gestaltet. P i s a n e l l o stellt den frommen Jägersmann dar, mitten unter dem Getier des Waldes, den schnellen Windhunden, Baren, Hirschen, Hasen, Rehen und Wildenten und wird in diesem intimen Tieridyll nur von Dürer übertroffen, der auf seinem Kuperstich auch die Ausrüstung des Jägers bis ins Kleinste wiedergibt, während P at i n t r die romantische Schönheit eines Waldinneren als erster mit Jägeraugen ansieht. Wie die Früh- renaissance den Heiligen Hubertus, so liebt die Spätrenaissance die heidnische Diana, um Jagdstimmungen zu erwecken.
Eine künstlerisch hochstehende und fachmännische Wiedergabe von Jagdszcnen wurde in Deutschland durch den „letzten Ritter" Kaiser Maximilian, der ein begeisterter Jäger war, angeregt. Der „Weißkunig" enthält viele derartige Bilder,' B u r km a i e r entwarf seine trefflichen Federzeichnungen von Bären-, Sau- und Hirschjagden und Falkenbeizen. Das vom Kaiser beabsichtigte Jagdbuch kam nicht zustande. Erst Jost Ammann schuf ein solches in tüchtigen Holzschnitten. In Gemälden aber feierte die Jagdtaten seiner sächsischen Lanöesherrn Lucas Cranach, der so schön das Leben im deutschen Wald gepriesen hat. Er hat viele Jagdbilder geschaffen, u. a. eine Hetzjagd mit eingestellten Netzen und die beiden großen Hetzjagden, die Johann Friedrich von Sachsen 1544 im Park von Moritzburg veranstaltete, Kcsseljagden, wo die Hirsche in ein stark strömendes Wasser getrieben wurden, in deren Üfergcsträuch die Fürsten mit ihren Armbrüsten zum Schuß bereit stehen. Solche Bilder aus Cranachs Atelier kamen weit herum, in Schlösser jagdliebender Herren, nach dem Jagdschloß Prado des Königs von Spanien.
Hier hat sie V e l a s q u e z gesehen, der seinen für Philipp IV. gemalten Jagdbildern die höchste malerische Schönheit zu verleihen wußte. Dieser große Meister hat nicht nur in seinen Jägerbildnisseu des Königs, der Jnfanten und Jägermeister die vornehmste Schilderung stolzer Waidmänner geboten, sondern in zwei farbensprühenden Gemälden die großen Sau-Jagden des spanischen Hofes verewigt, bei denen dje Tiere in eine dicht umstellic Arena gehetzt und dann erlegt wurden, die also eine Art Vorläufer der Tiergefechte waren.
In der Liebe und Darstellung der Jagd begegnet sich Velas- quez mit seinem größten Kunstgenossen, mit Rubens, der in seinen zahlreichen Bildern des Kampfes zwischen Mensch und Tier die glühende Leidenschaft des Jagens, die stolze Kraftentfaltung, die majestätische Wildheit hinreißender als irgend ein anderer Künstler verherrlicht hat. Selbst Jäger wie Velasqucz, ein Freund von Hunden und Pferden, gibt Rubens in seinen Diana-Stücken den unaufhaltsam daherstürmenden Zug, dann in seinen Sau- Jagden den dramatisch erregten Moment, wo sich die Speere in das Fleisch des wütenden Ebers bohren. Grimmig setzen sich Bär und Wolf gegen die Hunde zur Wesir. Dämonisch wild wirken Löwenjagden und exotisch bunt die Angriffe auf Nilpferd und Krokodil durch berittene Mauren.
Diese furchtbar gewaltige Jagdwelt lebt auch in den besten Werken seiner Schule, vor allem in den Arbeiten seines größten Nachfolgers, Franz S n y d e r s, die überall hin verbreitet waren und wieder Nachahmung weckten, so daß das Jagdstück des späteren 17. und 18.Jahuhunderts hauptsächlich unter Rubens'Einfluß steht.
Gegenüber dieser heroisch grandiosen Auffaffung der Jagd verfolgen die großen Antipoden der Vlamen, die Holländer, eine mehr behaglich idyllische Darstellungsart. Wird die Jagd hier zumeist vom Standpunkt des Genießers und Feinschmc ers betrachtet, so herrscht im 18. Jahrhundert die fachmännische Beurteilung vor, wie sie der Engländer Morland und der Deutsche Ridinger betonen. Ihnen schließen sich Franz Krüger und die anderen Meister der Biedermeierzeit an. Im 19. Jahrhundert sind ein paar ganz große Jagdmaler erstanden, die den höchsten Zauber dieses naturnahen Sports gestalteten. Vor allem ragen die leidenschaftlichen Jäger hervor, die Herz und Seele 'n das BUS hineinlcqcn: Courbet, der große Nimrod, der em Buch über die Jagd schreiben und illustrieren wollte, der koloristische Wunder aus dem herbstlichen Glanz des Waldes, dem leuchtenden Braun der Rehe, dem bunten Gefieder der Vögel und dem Rot der ; Schnitzeljäger aufbaut: — und der Deutsche Ferdinand von , Nayski, ebenfalls Waidmann mit Leib und seele, der über - das mit Acrger angefangene Porträt einer Dame mit Entzücken . ein Paar wuchtige Wildschweine malt und allen Enthusiasmus , der Auerhahn- oder Virkhahnbalz auf seinen Bildern airnkostet Ein getreuer Jünger St. Hubertt war auch Wilhelm L er b l, em Homer der Jägerei, deren Helden und Schauplätze er mit seinem Jagd- und Malgenoffcn Sperl zusammen in bcdachtiamer Wucht und in farbiger Fülle zu großen Kunstwerken gestaltete.
wiesele.
Die Geschichte eines kleine« Pferdes.
Von Nikolaus Schwarzkopf.
jNachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Es erwachte wieder, blieb aber liegen, hob den schwarzen Kopf aus dem roten Feuer und nieste einmal kräftig in den Tag hinein.
Sogleich, wie es genießt hatte, hörte es seine Mutter wiehern.
Es duckte sich wieder zwischen die Halme, guckte aber doch nach allen Seiten um sich und sah schließlich den Kops auftauchen, wie er eine Last, die noch nicht zu sehen war, hinter sich hernickte. Die Mutter erschien ganz, die Last erschien: es war der leichte, überdächelte Stuhlwagen, den sie zu ziehen hatte.
Riesele blieb liegen und duckte den Kopf. Als aber die Mutter wieder wieherte und nochmals, konnte es sich nicht halten und sprang auf und ihr entgegen.
Die Mutter aber war durchaus nicht lieb zu ihm! Sie sah mit einem fernen Blick, der keine Liebkosung heischte, nach ihm hin, und Riesele getraute sich deshalb gar nicht so nahe zu ihr. Der Bauer nahm sogar die Peitsche, die am Kummet der Trudel stak, schwang sie hoch und riß dem Niesele die dünne Schmicke über die Ohren, daß es sich rasch herumwars und heimwärts lief.
Als es einmal stehen blieb und sich nach der Mutter umsah, war das Fuhrwerk verschwunden.
Im Stall des Großbauern brüllten etliche Kühe, deren Euter zu schwer geworden waren, nach den Mägden, Allein Riesele hörte den Peitschenknall und trippelte heim. Es sah sich nicht mehr nach den Gäulen um, nicht mehr nach den kleinen Kindern, und selbst am Schulhof, wo gerade Pause war, raste es vorbei und mißachtete des Brotes und der lauten Rufe.
Je näher es seinem Stalle kam, um so rascher sprang es. Es hörte den Peitschenknall an den Ohren, und vielleicht vermeinte es, die Peitsche schwebe noch über ihm. Es rannte, rannte und sah nicht auf, nicht um: ja, der junge Mund, der schlaff nach unten hing, füllte sich mit schaumigem Geifer, und ein weißer Fetzen troff herab und klatschte auf den gelben Huf.
Ein Kind stand da und sah mit Schrecken das Riesele den Wes baherrasen. Es trug einen irdenen Krug, mit Milch gefüllt in der Hand und es staunte vor solcher Kinöeswut im kleinen Gäulchen, konnte nicht ausweichen und blieb stehen mitten auf dem Weg.
Jedoch das Niesele konnte heute nicht bei dem Kinde verweilen wie sonst, konnte überhaupt nicht achtgeben auf ein Kind. Es rannte das Kind an, daß der Milchkrug fiel, daß er zerbrach, und daß die Milch sich weithin ergoß.
Der Schlag schreckte aber nun das Niesele auf aus seinen Träumen. Es drehte sich um, blieb einen Augenblick stehen, kam zaghaft näher an das Kind und besah sich die Milch, die in Rinn- seln nach den Geleisen floß. Einen Augenblick nur, wohl bis es sich überzeugt hatte, daß es diese Milch doch nicht trinken könne, besah es sich das Unglück. Dann drehte es wieder, schlug sich überaus leichtfertig mit dem lichten Schwänzchen über die Hinterbacken und ging gemächlich weiter.
Ein blütenweißer Gänserich stand da auf einem Vein und schielte zu den Gänsefrauen, die einen Steinwurf entfernt im Sande lagen. Er stand da und träumte und Riesele tappte auf ihn zu, daß er ganz verschreckt die Flügel aufriß und halb flog, halb hopste und heftig dem Gäulchen nachschimpfte.
Die Hühner hockten vor dem Stall. Sie standen auf, als Niesele kam, und setzten sich wieder, als hätten sie nur grüßen wollen. Sapperlot, der Hasenvater, saß auf der Schwelle und hopste langsam zurück. Drei junge Schwalben zwitscherten auf der nach innen aufgedrehten Tür eifrig wie alte.
Riese legte sich seitab von den Hühnern an das Wässer- chen, leckte, erhob sich, ging an den Trog, versuchte mit der Zunge zn lecken wie ein Hund und trank dann regelrecht wie ein erwachsenes Pferd. Aeußerst stolz sahen die großen Augen rings auf das Geziefer herab. Das Waffer tat ihm gut; es hätte schier nicht mehr aufhören mögen zu trinken!
Ein Fuhrwerk, mit zwei Kühen bespannt, schob sich in dem tiefgleistgen Weg vorbei. Riesele, das großen Hunger hatte, begann aus irgendeinem Grund, vielleicht aber auch ohne jeden Grund, hinter dem Wagen herzulaufen, bis es die Entenschar öaherkommen sah. Der Enterich, dessen Gefieder schillerte, wie wenn er's frisch für einen Feiertag geölt hätte, warf den Kopf rückwärts zur nächsten Ente, sagte: „Wack wack", drehte den eitlen Kopf wieder vor, und eine Ente sagte der andern dieses Wort, das sicher eine mißliebige Bemerkung gegen Riesele war; denn eine jede zog, nachdem sie gesprochen, den Unterschnabel zurück und lachte auf diese Weise, wie es Enten tun, und wackelte weiter.
Riesele schien von diesem verschmitzten Lachen beleidigt zu sein, tappt in die Schar, zerstreute sie und freute sich seiner Tat so sehr, daß es in wilden Sätzen auch die Hühner aus ihrem trägen Brüten aufjagte und wunder meinte, was für ein Held es sei! Denn es turnte wieder an den Wassertrog, tunkte ungestüm den Kopf bis fast zur Hälfte hinein und schüttelte die Wassertropfen über die Hühner hin, die schon wieder beisammen saßen.
Riesele war größer und kräftiger als das Federvieh zusamt den Gänsen, aber es war auch jünger! Die Gänse und die Hühner und die Enten hatten sich ihren Lebenskreis schon lange gezogen und waren fertige Leute! Niesele aber fing erst an, sich sein Leben zu zimmern, und es wäre eine schöne Sache, wenn berichtet werden könnte, daß aus diesem Grund das Federvieh, wie es reifen Leuten zukommt, die Quertreibereien des Gäulchens ge-


