Ausgabe 
3.7.1933
 
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q Männer, die an Stricken den Kolben herausziehen wollten, hinzu- !,ecken imstande war. Die dabei wirksamen Kräfte gibt Guericke aus ,»m von ihm nach Maßgabe der 20 Magdeburger Ellen (10 Meter) hohen Wassersäule berechneten Luftdruck richtig in Pfunden an; er kontrolliert ig aber auch durch Gewichte auf einer Waagschale und gibt an, wie man Danach leicht das Gesamtgewicht der Lust rings um die Erde berechnen !,nne, wenn man die gesamte Erdoberfläche richtig einsetzt.

Am bekanntesten wurden unter den Vorrichtungen der ebengedachten hrt dieM a gd e b u r g e rH a l b k u g e l n", bei deren kleinerer Aussüh- ing, mit % Magdeburger Ellen Durchmesser, beiderseits acht Pferde ur mit Mühe sie trennen konnten, wobei ein lauter Knall erfolgte, wiih- ;ni) sie bei einfachem Oeffnen eines Hahnes von selber auseinander jslen. Bei der größeren Ausführung, mit einer Elle Durchmesser, berech- iite Guericke zweimal 24 Pferde als notwendig.

Guerickes älteste Tage dürften vom bemerkenswerten Undank Wer Mitbürger getrübt gewesen sein; seine ohnehin geringen Einkünfte nb Vorrechte als Bürgermeister wurden ihm vielfach vorenthalten, Ehrend man dennoch ihm bis übers 74. Lebensjahr hinaus nicht Ruhe pnnen wollte. Es war offenbar niemand von gleichem Geschick und eicher Hingabe vorhanden zur Führung der fortdauernd schwierigen Verhandlungen, die der 30jährige Krieg mit sich gebracht hatte. Jeden- Uls hatte Guericke sein Leben lang das äußerste für seine Vaterstadt ptan, und zwar offenbar aus reinem Pflichtgefühl gegen das Gemein­wesen, dem seine Väter angehört hatten. Daß es ihm nicht gelang, Magde- iirg die Recht« einer reichsfreien Stadt nach dem Kriege wieder zu ver- haffen, lag nicht an ihm, wie die Urkunden zeigen. Er hatte sich sicherlich !Zfs beste bei den Habsburger Kaisern (Ferdinand III., Leopold I., der r 1666 in den erblichen Adelsstand erhob) eingesührt, die aber dann doch fe letzte Entscheidung zu Ungunsten Magdeburgs fällten; ebenso stand er tid) beim Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm in hohem Ansehen. Er hrb, 84 Jahre alt, bei seinem Sohne in Hamburg, der dort niedersächsi- herkurfürstlicher Resident" war, treu gepflegt im Kreise seiner Familie, (ein Begräbnisplatz, den er in Magdeburg sich gewünscht hatte, ist ver- tzollen.

Oie Türken vor Wien.

Von Hans Sturm.

Seltsame Unruhe liegt über der kaiserlichen Hofburg. Im verschlosse- nen Bibliotheksaal hält Kaiser Leopold Rat mit seinen Getteuen. «er sieben Tagen kam die Nachricht, der junge magyarische Rebellen- sirzog Tököly hetze seine Ungarn auf gegen den Habsburger, und Hute sprengte in aller Frühe ein Eilkurier auf den Schloßhof und brachte de Neuigkeit:Der Türke hat zu Konstantinopel den blutigen Roßjchweif usstecken lassen!" Der weißlockige Kanzler weiß:Es wird Krieg geben! iudwig XIV. hat es erwirkt im Diwan beim Großtürken." Der Kaiser ehebt sich, die Räte folgen ihm in die kleine Kapelle. Nach einem kurzen xmeinsamen Gebet tritt aus dem Schatten des Chorgestühls der uralte tot Cöleftinus:Kaiser Leopold mag ruhig fein höhere Mächte be- kohren sein Geschick vor dem Sonnenkönig und vor dem Halbmond.

Neue Unruhe bringt ein Arzt in die kaiserliche Hofburg, als er berich- 11 von dem großen Heer, das in Konstantinopel am Goldenen Horn N lammengezogen worden fei; man habe ihn gefangen genommen und der Libwache des türkischen Grohveziers als Wundarzt zugeteilt. In ungezahl- tn breiten Karren sei das Korn aus den fruchtbaren Ebenen Asiens m do Stadt gebracht worden. Beim Aufbruch des gewaltigen Heeres habe ran an die zweimal hunderttausend Mann gezählt ohne den riesigen üroß. Dor M u h a m m e d IV., dem Beherrscher des Halbmonds, feien de Truppen vorbeigezogen. Reiter mit runden Säbeln aus Diarbekr oischen Euphrat und Tigris, hohe, schlanke Gestalten aus dem alten Ägdad, lehmbraune Abenteurer aus den asiatischen Bergtälern, kraus­haarige Zeltbauern aus Mekka, der heiligen Stadt des Propheten, weih- «rhüllte Lanzenreiter auf hohen Kamelen und schnellen syrischen Rossen, iwnn Tataren, Kosaken, Janitscharen und dazwischen di« turbangeschmuck- hn wilden Schecks der gelben Wüste. Und der Großvezier Kara Mu- hipha nahm den Oberbefehl aus den Händen des Sultans mit den Porten:Wir wollen gegen Abend ziehen und Wien, die grofee Stadt am bauen Strom, gewinnen für die grüne Fahne de? Propheten! Die Kreuze wollen wir brechen von den Türmen der Christenkirchen und bm Halbmond aufgehen lassen über ihren Altären!

Dann erzählt der Arzt, wie er heimlich bei Nacht entwich und über Belgrad nach Wien gekommen sei, und überreicht dem Kaiser eine Rolle nit demEidschwur des Sultans", der willens sei, ,chie ganze Christen- hät auszutilgen". Der weißlockige Kanzler liest: ,^ch> Sultan Muham- rosb IV., von der Gnade des Propheten unüberwindlich, schwöre bei der Schöpfung und bei göttlicher Kraft, bei dem Firmament, bei Sonn und Bonb und Gestirn, bei meinem Haupt und Bart, bei meinen Dor­iern und bei dem mächtigen Mohammed, bei meinem Heben unb bei »einem Teil an der Seligkeit: daß ich den Kaiser und alle Teutschen lernt allem ihrem Anhang vernichten will, alle ihre Länder verwüsten, ihre Freunde und Kinder in die Dienstbarkeit fuhren und tue ganze ^Dristenheit in meine Gewalt bringen will von welchem Vorhaben i* nicht lassen werde, sollte auch alle meine Macht, meine Städte und Bäte zugrunde gehen oder mein Verstand zerrüttet werden. Sollte ich befen Eid brechen oder nicht halten, so falle der Zorn des höchsten Herrn ® f mein Haupt und verderbe mich ganz und alles, was ich anfasfe, rtige er in harten Stein verwandeln mich aber soll die Erde nicht bilden, sondern sich auftun und mein Seel und Leichnam verzehren. So

Kaiser Leopold läßt dem Fremden danken und zieht sich mit kmen Getreuen zurück. Am andern Tage werden Öie, Ausfahrten des h»ses und alle übrigen vorbereiteten Festlichkeiten abgesagt, und em östliches Edikt rüst die Wiener zum vierzigstündigen Gebet.

*

Unterdessen zieht das türkische Völkergewirr durch Adrianopel über Belgrad, durch die Landschaften Syrmiens in die ungarische Pußta. In dem Städtchen Esseg stößt der junge Tököly mit seinen Truppen zu dem bunten Heerbann und huldigt dem Großvater, von dem er Pelze und Teppiche, eine Streitaxt mit edelsteingeschmücktem Griff und eine Standarte aus seidenem Scharlach erhält. Nach kurzem Kriegsrat ziehen die gewaltigen Hausen den blauen Strom enlang bis vor die Festung Raab, die umzingelt und genommen wird.. Wie Heuschreckenschwärme fallen die wilden Horden in die reifenden Felder; in den Städten werden Tausende zu Sklaven gemacht, den sich Widersetzenden schießt man Spitz­bolzen in die Stirne. An großen Lagerfeuern brät das geplünderte Vieh, und brennende Gehöfte und Kirchen lodern wie Brandfackeln durch die Nacht weithin gegen Wien.

Bald brennen die Dörfer und Höfe weit umher. Es glühen und glimmen die Dachstühle in der Roßau, im Kroatendörfel, auf der Land­straße und nun auch schon auf der Wieden. Die Hofburg ist leer. Rüdiger Graf von Starhemberg steht mit dem Bürgermeister Lieben­berg hoch auf dem Glockenturm Sankt Stephan und sinnt den letzten kaiserlichen Karossen nach, die auf der Straße nach Linz in einer Staub­wolke verschwinden. In den engen Straßen und Gassen ist ein wimmeln­des Hin und Her. Unablässig ziehn durch den Roten Turm Kassen und Leiterwagen, Pferde, Esel und Maultiere, hochbepackt mit Menschen und Haurat, dazwischen Eilende, die ihren Besitz .in einem Sack auf dem Rücken schleppen. Den Flüchtenden begegnen hinkende Soldaten, Fahrende mit verbundenen Stirnen und weinende Frauen, die Grauenvolles be­richten von den Janitscharen. Die Tore werden geschlossen, in den Straßen wird es stiller, nur der harte Tritt der Marschierenden geht durch den Tag, dröhnt durch die Nacht. Mit vierzehntausend Mann soll Graf Starhemberg die Donaustadt retten; Mörser werden in Gärten und Höfen eingebaut, Pulverfäcke herangeschleppt, große Tiegel auf die Mauern geschasst, aus denen glühendes Fett auf die stürmenden Türken gegossen werden soll. Da, auf dem Josephsbera flammt im Abend das alte Kloster wie eine Riesenbrandfackel auf. Am andern Morgen steht Kara Mustapha vor den sieben Toren der Kaiserstadt. Abertausend weiße Zelte leuchten im Morgenlicht von Erdberg bis nach Döbling hin, über dem prächtigen Lagerzelt des Großveziers weht die grüne Fahne des Propheten, vor dem wohlbewachten Eingangstor die Blutstandarte. Am 14. Juli beginnt die Belagerung mit einer furchtbaren Kanonade gegen den Festungswall. Giftpfeile und Spitzbolzen Übersäen die Mauern, Feuerkugeln fallen auf die Dächer und Bomben krachen in den Straßen, Minenstollen bohren sich gegen die Basteien, und näher und näher kom­men die Zickzacklinien der feindlichen Laufgräben. Unheimliche Stille liegt über der Stadt am Abend, und nächtens steigen vom Stephans- turm rote Raketen auf, die Notrufe* der bedrängten Bürger.

Kanonade auf Kanonade! Attacke auf Attacke! So gehen die Tage, geht der Hochsommer hin. In den armierten Bollwerken klaffen breite Bre­schen, eine der Basteien ist bereits ein Schutthaufen. Schon werden in den Gassen der Stadt Gräben gezogen, die Straffen mit Sandsäcken und spanischen Reitern verbarrikadiert und die Tore mit Eisenketten ver­riegelt. In der Stadt beginnt die Not umzugehen. In den Mauern wer­fen die Soldaten schwere Steine, Brandkugeln, Stacheldrehtgitter und in siedendes Pech getauchte Schindeln hinab. Unermüdlich wehren sich die Belagerten, obwohl Graf Starhemberg siech barnieberüegt, viele Wochen schon.

Am 4. September setzt ein ungeheurer Ansturm der Türken em, auf dem bald genommenen Burgravelin wehen zwei blutige Roßschweife. Attacke, Kanonade, Sturm folgen einander fast ohne Unterbrechung, Tag für Tag. Die Wiener wehren sich mit verzweifelter Kraft, denken kaum an Schlaf und Essen.

In der Frühe des 12. September geht ein Jubelgeschrei über die Mauern der bedrängten Stadt, pslanzt sich wie ein Lauffeuer durch die Straßen und Gassen, als von den Höhen des Kahlenberges blaue und gelbe Raketen aussteigen. Nun wissen alle es, das ersehnte Christenheer ist da. Unter der Führung des Herzogs KarlvonLothringen.der Kurfürsten von Bayern und Sachsen und des Polenkönigs Sobieftg steigen 64 000 wohlausgerüstete Streiter in die Ebene hinab, verrichten das stille Gebet vor der Schlacht und tragen nach einem fürchterlichen Kampfe gegen Abend den Sieg über die Türken davon. Die Beute ist fast unübersehbar und die Freude der Sieger unermeßlich. Weit über zehntausend Türken blieben auf dem Schlachtfeld; was sich nicht retten konnte war gefangen. Vom Steptjansturm läuten alle Glocken und gaben es weiter von Turm zu Turm, daß der rote Halbmond zurückweichen mußte vor dem Kreuz der Christenheit.

Oie Oame mit dem Otterpelz.

Die Geschichte eines rätselhaften Falles von Caren. Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.

(Fortsetzung.)

Jensen glaubte mit aller Bestimmtheit, die Stimme aus der Bar wie- derzuerkennten. Er hätte gerne noch etwas gefragt, um sich darüber volle Gewißheit zu verschaffen. Ader die unsichtbare Partnerin hatte bereits eingehängt, und dem Polizeiagenten blieb nichts anderes übrig, als seiner­seits das gleiche zu tun und seine Neugierde noch zwei Stunden zu be­zähmen. 18

Ilm diese Stunde war die Nelson-Bar noch ziemlich leer. Nur hin und wieder kam ein Gast herein, der sich am Bartisch schnell ein Drink geben liefe und nach ein paar Minuten wieder ging. Ein sehr junges Pärchen flüsterte roeltentrüdt in einer Nische, und die Kellner standen gelangweilt f?er2Hs Jensen das Lokal betrat, saß Kommissar Kling bereits in einer der «einen Boxen vor einem Whisky-Soda. Er sah ziemlich niedergeschlagen aus. Die Sache mit Grau hatte ihn stärker mitgenommen, als er selbst es bei seiner gegen menschliche Krisen abgehärteten Natur für möglich