Ausgabe 
3.2.1933
 
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Der Wagen ist erleichtert. Ich wünscht« nur, mich in einen Geist ver- tranbeln und am Steuer gewichtlos zu werden. Ein neuer Versuchl Mir l opst das Herz, wenn unter mir der Wagen bald fährt, bald gleitet, Wittert, oder, was das Schlimmste ist, im Leeren läuft aber mit t»rkelndem Wagen nach festem Grund suchend es gelingt! Eine Strecke ti-egab steht das Fahrzeug auf dem Harten! Das Gepäck wird Stück für ö-tück nachgetragen. Ein Stück kann im Sande nicht mehr gefunden »erden und must verloren gegeben werden.

lieber herrliche, doch scharfe Kurven fallen wir erlöst in das San­juan-Tal und kommen in das Städtchen Farmington...

Oer japanische Bolkscharakier.

Don Professor Dr. Karl Haushofer*.

Will man völkerpsychologische Grundzüge neben Rassen- t erkmalen verfolgen, so erkennt man unter einer scheinbar vollkommenen ! affeneinfjeit, ähnlich wie in England, so auch hier, die Fugen der luftigen Zusammensetzung und hat zunächst z» unterscheiden: was ist i-sprungliche Art der einzelnen Rassenzweige und was ist bewußter lchliff und Firnis, zum Teil in gewollter Gegenarbeit zur Bekämpfung ktannter Temperamentfehler anerzogen?

Ungestümer Freiheitsdrang,viriler Adel" find oftgerühmte Eigen- liaften des Malaien vorwiegend beherrschte, aber manchmal dämonisch «sbrechende Leidenschaft, nachtragende Gesinnung, zäh das Ziel ver­fügende Rachsucht finben sich sowohl bei Malaien wie bei Paläoasiaten, le beide in der Jnselrasse vertreten sind. Wenn sich dazu noch hoch- slhrende Züge des chinesischen Charakters gesellen, entschiedener geisti- ! r Hochmut unter höflicher Form, streng beherrschtes, die Ausbrüche lmg zurückhaltendes Zeremoniell, so tragen alle diese summierten Eigen- t mlichkeiten nicht dazu bei, eine solche Volkspersönlichkeit leicht durch- haubar, bequem im Umgang, kurzgemütlich " zu machen. Oft wird dem jnpaner gerade seine Feinfühligkeit, seine Achtung vor der persönlichen lAmosphäre des anderen, seine übersteigerte Höflichkeit und Form ts zu jenem Gipfel der Selbsterziehung, dem berühmten japanischen kücheln als Falschheit und Heimtücke gedeutet, während es sicher bei h chwertigen Menschen die Selbstüberwindung einer höchst verfeinerten kZelenkultur, freilich bei starker Verschlossenheit, bekundet. Aber es ist ticn vielfach eine Ueberroinbung ursprünglicher, starker und leidenschaft- liijer Triebe, die Verdrängungen schafft: und durch die scheinbare Be- sh'eidenheit wird tatsächlich unbändiger Stolz verschleiert.

In mancher Hinsicht scheint der ganze ferne Osten demokratischer im fefügc als irgendeines der freiheitlichsten Länder im Westen; aber da- hnter steht das Erbe einer sozialaristokratischen Vergangenheit, ein aus= zjsprochen selektiver Zug. Grausamkeit und Abstumpfung gegen fremdes C iben, aber auch klagloses Ertragen bes eigenen, ist ein allen Mischungs- h len der japanischen Rasse gemeinsamer unb beshalb auch natürlich in ifr selbst besonbers hervorstechender Zug. Sowohl Malaien als Paläo- a aten kennen die schon erwähnten Stuporzustänbe, bie noch durch Autosuggestion unb medizinische Hilfsmittel gesteigert werden können, u b von benen Hellseherei und Amoklaufen bekannte Exzesse sind. Rück- stztslose Tapferkeit unb unbegrenzte Opferfähigkeit für die Gesamtheit hingen mit dieser Gleichgültigkeit gegen individuelle Leiden und der A-ringschätzung der Einzelpersönlichkeit zusammen.

Feiner Naturflnn und bas Bebürfnis eines innigen Zusammenlebens nut der Natur sind über den Gesamtbereich der ostasiatischen Inselbogen verbreitet, wie auch die altangestammte Seetüchtigkeit der Malaien, Ver- diutheit mit dem Meer, aber auch mit dem Gebirge, die Fähigkeit des k-chzurechtfinbens mit einer üppigen Pflanzenwelt. Die Ablehnung ber Nebelung in der Ebene, besonders in der Hochebene, die Abneigung gigen weiträumige Kulturen, gegen dauernden Aufenthalt im Hoch'anb uib im nordischen Klima verraten den Südseeinstinkt ber feeroanbernben iDcataien. Der Bambus als Wanderpflanze ist von ihnen unzertrennlich uib ebenso kennzeichnen!! wie für den Paläoasiaten ber geschälte Weiden- |t- eig, das Inao, das noch heute in Japan vielfach in Sitte und Aber­glauben spukt.

Im Gegensatz zu diesen Instinkt-Erbschaften ist wohl der starke Fa- nnienfinn und die Verehrung des Alters durch chinesische Vorbilder li ordert worden, während die warme Liebe zu Kindern ursprüngliche ll.lage scheint, aber durch diesen Familiensinn noch stark gesteigert Diirbe. Seltsam ist, wie völlig die auf den Liukiu-Inseln noch nachweis­baren Züge des alten Mutterrechts, einer vorherrschenden Stellung te- Frau in der Familie, feit langem verschwunden sind. Japan ist einer !r ausgesprochensten Männer st aaten ber Erde, so ausgesprochen, An es vielleicht nur die alten griechischen Stadtrepubliken gewesen sind. De Frau ist bis zum 19. Jahrhundert in ihrer Eigenart und Persönlich­keit vollständig dem Staatszweck geopfert worden. Ihr blieb nur die kmhl zwischen ber Rolle ber Okusama, desverehrten Inneren (bes ijnifes)", d. h. ber völlig auf dieses Haus beschränkten Haushälterin und Sutter, und der Geisha oder Hetäre, als solche allerdings mit nicht je ingem Einfluß auf politisches und kulturelles Dasein. Also fanden sie ii:t nur in dieser letzten Eigenschaft als Geisha die Möglichkeit, ihr ticsnes Leben zu führen und, wenn auch indirekt, über den Familien- !rins hinaus zu wirken. Von einer Frauenfrage in unserem Sinn ist erst !ki dem jetzt lebenden Geschlecht bie Bebe; diese Frage wird freilich irmer akuter werden, je mehr die von moderner Bildung beeinflußten Mdchen nach der Verheiratung unter der von ber alten Sitte aus- <r roungenen Unterdrückung leiden.

Ungeheure Umformungen haben die letzten zwei Geschlechter niJapan erfahren unb viel Nervenkraft zur Anpassung an die Riesen- iiü|ga6e seiner Uebernahme ber westlichen Kultur aufgewandt; aber Wencharakter unb Rasseninstinkt haben sich weniger gewandelt, als

(Entnommen dem in zweiter, Derb, unb verm. Auflage erschienenen KcheJapan und die Japaner" (geh. 8 RM., geb. 9,60 RM), bas, mit «lin-enbem Abbildungsmaterial ausgestattet, ein großzügiges Landes- und ir ksporträt der wichtigen Großmacht bietet. (B. G. Teubner, Leipzig.)

der äußere Eindruck vortäuscht, und streben stchMch wieder Gleichgewicht», zuständen zu.

Hochspannung von leidenschaftserfüllter Kraft, stoßweises Ausbrechen und dann wieder träumendes Hindämmern, bis neue Energie angesam­melt ist solches Verhalten glaubte einst bie vergleichende Erdkunde bei den Bewohnern der vulkanischen Schüttergebiete zu erkennen und schrieb es dem Einfluß reichgesegneter, aber auch katastrophenbebrohter Landschaften zu. Es wäre bann Sache ber Selbstzucht, sich über die Erdraumgebunbenheit so weit zu erheben, als es Charakter, Wille und Erziehung ermöglichen...

Feinfühligkeit, Herzenstakt unb Rücksicht auf die persönliche Atmo­sphäre, namentlich auch in Dingen der Weltanschauung und in Kon­fessionsfragen, überhaupt die Achtung einer seelischen Grenze, die man nicht uneingelaben überschreitet, verbindet sich aber man ver­gesse bas nie! mit lang nachtragender, rachsüchtiger Gesinnung, einer Eigenart aller langlebigen aristokratischen Staatsordnungen, aber auch ber Rasse, ber eine solche Staatsorbnung so lange kongenial gewesen ist. Nur bie eiserne unb folgerichtige soziale Erziehung zur Form dieses Staatswesens machte eine andere Auswirkung im Volkscharakter er­träglich: bas Gefühl, gegenseitig füreinander verantwortlich zu sein, und die Tatsache, daß man auch wirklich Familie, Gemeinde, Gauzelle für Verstöße unb Entartung einzelner haftbar machte. Daraus entsprang eine immerwährende gegenseitige Ueberwachung, ein Beschnüffeln unb Bearg­wöhnen, bas nur daburch gemildert wurde, daß Takt unb Höflichkeit einen Firnis darüber breiteten. Wie die Familie, der Clan unb Stamm (han), für ben einzelnen eintritt, so verlangt er eben auch, daß dieser f!M selbstverständlich das Opfer seiner Persönlichkeit bringe; und der Ahnenhohepriester, der Kaiser, geht mit dem Beispiel bes unpersönlichen, ganz hinter seiner Rolle als nationales Symbol zurücktretenden Wirkens voraus.

Das Mangobaumwunder.

Roman von Leo P e ru tz und Pau! F ra nk.

Nachdruck verboten. Copyright by Albert Langen, München.

(Fortietzung.,

Die Baronesse trocknete die Tränen auf ihren Wangen.Rein", sagt« sie.Es ist so langweilig, wenn bie Leute sagen, daß ich hübsch frisiert bin ober ein schönes Kleid anhab'. Solche Leute laß ich stehn unb lauf weg."

Das ist aüerbings eine recht wirksame Methobe, ben Herrschaften ihr geliebtes Süßholzraspeln abzugewöhnen. Ich schätze diese Sorte Menschen auch nicht sehr. Ich sinde überhaupt, bah unsere Ansichten in vielen Punkten erfreulich übereinstimmen."

Ja", sagte bie Baronesse nachbenklich.Sie haben Hunde auch lieb. Sagen Sie mal: Liegen Sie früh auch gerne lang' im Bett?"

Ich möchte schon, aber ich kann mir dieses Vergnügen leider nicht immer gestatten. Ich bin mit Arbeit sehr überhäuft."

Ich auchl" sagte die Baronesse.Ich muß soviel wirklich unnütze Sachen lernen. Papa will es. Glauben Sie, daß mir Papa einen neuen Foxl kaufen wird?"

Ich glaube, daß er dazu geradezu verpflichtet ist."

Nicht wahr?" sagte die Baronesse eifrig.Aber diesmal einen stichel­haarigen. Adieu, Herr Doktorl Ich muß hinauf. Sie sind viel netter als ber andere."

Welcher andere?" fragte Dr. Kircheisen, beunruhigt darüber, daß es einen anderen gab unb doch froh, daß er jenem anderen vorgezogen wurde. Er hielt bie seine Hand bes jungen Mädchens fest in ber seinen.

Der andere Doktor, ber alte, brummige, lachte die Baronesse und riß sich los, und dem Doktor schien es, als schäme sie sich nun wieder des leisen, halbversteckten Geheimnisses. Er blickte ihr nach, glücklich, daß zwischen ihm unb biefem Mädchen etwas zu keimen begann, was sicher­lich mehr war, als bloße Sympathie, unb war entschlossen, sich die Achtung ber Baronesse burch eine tapfere Tat zu verdienen.

Philipp!" wandte er sich an ben alten Diener, ber eben eintrat. Nun wollen wir uns einmal bas Treibhaus von innen betrachten. Bor allem einmal bie Kammer bes Ulam Singh. Führen Sie mich hin, bitte."

Der Raum, ben ber inbifche Gärtner bewohnt hatte, lag in einem nieberen, schuppenartigen Vorbau, der ber Hinterfront des Treibhauses angegliebert war, und erwies sich als ein kahles, fensterloses Gelaß, das sein spärliches Licht durch die Scheiben ber Glastür empfing. Ein paar Matten lagen in einem Winkel, ein aus rohen Brettern vielleicht von Ulam Singh selbst zurechtgezimmerter Tisch bildete das einzige Mobiliar. Auf dem nackten Erdboden lag kunterbuntes Zeug verstreut, Kleinig­keiten, die ben dürftigen Hausrat bes Jnbers darstellten: Ein paar irdene Töpfe, ein großer Neismörser, ein Messingarmband unb ein Ge­betskranz aus roten Kügelchen. Auf bem Tisch lagen zwei Hände voll geschälter Walnüsse.

Sorgfältig durchsuchte Dr. Kircheisen die Kammer. Nichts jedoch war in bem Raum zu finden, was auch nur den leisesten Fingerzeig zur Lösung bes Rätsels hätte geben können, wo, wie und zu welchem Zweck ber Jnber seine geheimnisvolle Schlangenzucht betrieben hatte. Da war kein Korb, kein Gefäß, in welchem Ulam Singh bie gefährlichen Tiere verschlossen gehalten haben mochte, kein Futterrest, nicht die geringste Spur irgendeiner Lebenstätigkeit ber giftigen Reptilien. Kopfschüttelnd zog Dr. Kircheisen die Luft durch die Nase ein. Es roch hier nach allem möglichen, nach Fett vor allem, ober nach Talg, unb nicht zum besten. Aber von dem penetranten Geruch, den Schlangen zu verbreiten pflegen, war nichts zu spüren.

Wohin führen bie beiben Türen dort?" fragte er endlich den alten Philipp, der ängstlich wartend im (Eingang stand, bereit, in jedem Augen­blick ben gefährlichen Raum zu verlassen.

Die eine sührt zu den Heizanlagen, bie andere ur die Orchideen- abteilung."