Ausgabe 
2.10.1933
 
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fallen, die Hand auf dem Rücken, in eine Tasche rein, die am Boden stand. Und dieses Pech! ausgerechnet auf die Tasche hat es die Alte abgesehen, nimmt ste mit und schiebt damit ab Was war denn das eben?"

Ich hab nichts gehört." .

So? Na also jedenfalls, so war das

Du bist eine Gans, Vera! Mit dement albernen Schmuck riskierst du unseren ganzen Plan! Beim Verhör mutz rauskom­men, daß du hier warst ... damit bist du em für allemal ver­dächtig die Sittaford die hat ja schon m der Schmuckgeschtchte so ne unklare Rolle gespielt, heitzt es dann.

Daran hab ich wirklich nicht gedacht.

Das ist es ja eben! Na, nun Hilst nichts. Mussen wir eben noch heute loslegen. Watson fragt auch schon, er hat s satt, hier wochen­lang den Portier zu spielen. Ich werde ihm sagen: heute Abend steigt die Sache. Ist das Theater gut besucht?

N a" al"o Dann sind sechs-, siebentausend Greenbacks in der Kasse. Murphy ist in ner Viertelstunde mit dem Wagen da. ^ch werd gleich telephonieren Teufel noch mal, wer hat da denn geniest?"

Mer''halten Sie' s mal so lange hinter nem frisch gekampfer- ten Vorhang aus, ohne zu niesen!

Sie holten mich raus. .

Noslallen", sag ich,oder tdj schreie! .

Da hat der Mann aber schon ein Schießeisen in der Hand.

Und sein Gesicht sah noch viel gemerngesahrltcher aus als ^Sie" hat alles gehört", sagt er.Da haben wir den Salat. Ste mutz gleich weg. Wie kriegen wir ste bloß raus,/tößt die Sittaford hervor.In zehn Minuten ist die Lrrrrnt hier.

Wer sind Sie überhaupt", fährt der Kerl aus mich los.Was ^Bevmc^ich'was antworten kann, schreit die Sittaford:

Jack! Der Schmuck! Der Schmuck liegt da!

Jetzt endlich hatten sie ihn doch entdeckt.

was? Die Ehrliche Finderin und so weiter. Na, kommt uns ganz gelegen. Aber wie kriegen wir dich hier raus? Das ist jetzt die '^"unkmnttich machen", sagt die Sittaford.Wenn du weißt, "^,Das"we?ß ich. In Murphys Garage."

Gut. Halt ste fest sie darf sich nicht rühren können

Nun will ich d o ch schreien aber da schiebt mir dieser Lümmel sein dickes Taschentuch in den Mund, daß ich denke, ich ersticke und dann reiht er ein Stück Gardinenschnur ab und fesselt mtr

Die" Sittaford nimmt einen schwarzen Schminkstift vom Fri­siertisch und beginnt mir das Gesicht vollzuschmieren. .

(Was ich in diesen Minuten dachte, will ich lieber nicht sagens

Die Sittaford streicht mich über und über schwarz an und ich kann mich nicht wehren, nicht mal schimpfen kann tc^

Endlist ist sie fertig, mir gerade gegenüber ist em Spiegel.

Ich sehe unbeschreiblich aus mit meinem schwarzen Gesicht, das durch das Taschentuch im Mund doppelt so.dick wirkt.

Die"Sittaford hängt mir einen bunten Schal um, der mich von Kopf bis zu den Füßen einhüllt, sie lacht mir ins Gesicht.

©o dies ist eine Statistin, der schlecht geworden ist, ver­stehst du, Jack? Du bringst sie zum Arzt."

Versteh schon", grinst Jack. - . * ~4.

Dann ist's ja gut. Hau ab, mein Junge. Und daß Sie fr unterwegs nicht mausig machen, Sie Niggergirl! Jack versteht keinen Spaß." _ ,

Er verstand wirklich keinen Spaß. «

Auf dem Weg zum Auto trat er mich zweimal gegen die Schien­beine, daß ich dachte, ich brech zusammen.

Na, ich muckste nicht. m t .

Die Leute sahen uns natürlich nach, die Garderobenfrau und so weiter aber beim Theater ist man an Leute in seltsamem S1U$Bie wir^am Portier vorbeikommen, hält mich Jack an, er tut als wollte er mir was Beruhigendes zuflüstern und zischt dabei zum Portier rüber:

Alarm, Watson! Ruf Murphy an. Er soll gleich mit dem Wagen Herkommen. In ner Viertelstunde müßt Ihr den Kies haben, verstanden? Treffpunkt: zehn Uhr in der Garage. Los.

Der Portier nickte nur.

Jack verfrachtete mich in seinen Zweisitzer und nun kommt also tatsächlich der historische Moment, wo ich mit nem Taschen­tuch im Mund und nem halben Pfund schwarzer Farbe im Gesicht über den Broadway fahre ...

Jack steuert.

Ich mache wilde Anstrengungen, um den Knebel herauszu­bringen.

Aber alles, was ich erreiche ist, daß mir ein Zipfel des Taschen­tuchs aus dem Munde hängt.

An der Ecke der neunundsiebzigsten Straße steht ein Paddy und regelt den Verkehr.

Jack muß abstoppen.

Und da passiert es.

Ich angele mit dem rechten Vein und gebe Gas, der Wagen rnckt nach vorn und prallt dem Paddy gegen die rundliche Kehr­seite, daß er vornüberfällt

Jack brüllt etwas.

Sofort ist der Paddy wieder auf, und mit einem Sah auf meinem Trittbrett.

Er schimpfte solange, bis er den weißen Taschentuchzpifel in meinem Munde sah, und mein beschwörendes Augenrollen.

Dann zog er seine Dienstpistole und sagte:

Kommt mal raus, Ihr Beiden."

Na, ob ich raus kam.

Er zog mir das Taschentuch aus dem Mund, und ein ganzer Wortstrom kam hinterher.

Jack versuchte zweimal zu sagen, ich sei verrückt, und er bringe mich in ne Anstalt, aber der Paddy war nicht dämlich genug, es zu glauben ...

Der Nest ging furchtbar schnell.

Der Paddy pfiff Hilfe herbei.

Sie holten Jack den Schmuck der Lorini aus der Tasche.

Zwei brachten ihn auf die Wache.

Die anderen vier und ich rasten zum Theater, wir nahmen den Portier und Murphy fest, grade als sie in den Kasienraum einörangen, wir holten uns noch die Sittaford dazu, und die Lorini bekam ihren Schmuck wieder und gab mir einen Kutz, ob­wohl ich noch immer schwarz war.

Die Direktion engagierte mich für das Büro und Ma war glänzend rehabilitiert alles das in ner halben Stunde.

Sehen Sie, so kann so was passieren.

Aber wenn mir das einer vorher gesagt hätte (siehe oben!).

Tragödien in der Tierwelt.

Von Karl Rudolf Fischer.

Im Laufe der Jahrtausende und Jahrmillionen erdgeschicht­licher Vergangenheit hat nicht nur der Untergrund und Ausbau unserer Erdoberfläche, haben nicht nur Länder und Meere, Ge­birge und Täler, Seen und Ströme gewaltige Veränderungen und tiefeinschneidende Umwälzungen erfahren, sondern auch, und zumeist in innigem Zusammenhänge damit, die Tierwelt, die un­seren Erdball bevölkert. Manche Tiergeschlechter, die einst der Landschaft ihr charakteristisches Gepräge gaben, in mehr oder minder hohem Maße die Lebewelt regierten und beherrschten, sie find längst versunken und verschollen, und nur noch in den Mu­seen kann unsere Zeit ihre imposanten versteinerten Ueberreste bewundern. Gegen dieses Aussterben, das sozusagen allen erd­geschichtlichen Zeitläuften das Geleit gab, sozusagen von selbst geschah, oft unterstützt und vollendet durch gewaltige Naturkata­strophen, denen die Vergangenheit ja viel mehr als unsere Tage ausgesetzt war, vermochte weder eine grauenhafte Bewaffnung noch riesenhafter Wuchs aufzukommen. Selbst die gigantischen Dinosaurier, jene vorweltlichen Ungeheuer, die zu den gewaltig­sten Reptilien gehören, die die Erde je hervorgebracht hat, die eine Länge von mehr als 35 Metern erreichten, sind solchen Verände­rungen erlegen. Viel seltener haben sich die Tiere selbst infolge ihrer Kämpfe um die gleiche Nahrung und das gleiche Wohngebiet aufgerieben. Ein treffendes Beispiel dieser Art ließ uns die Ver­drängung unserer deutschen Hausratte durch die aus Osten er­folgte Einwanderung der grauen Wanderratten erleben. Sonst aber hat die Natur im Nahmen und Sinne der von der Schöp­fung vorgesehenen harmonisch-gleichmäßigen Einteilung alles Erdenlebens ein lebensfähiges Gleichgewicht zu halten gewußt und Raum für alle geschaffen, denen ihr Schicksal eine Bestim­mung auferlegte.

Das ist anders geworden, seit der Mensch entscheidend und bestimmend in den Kreis der Lebewesen trat. Bedeutungsvoll war für die neue Gestaltung der Tierwelt sein Eingriff in das Landschaftsbild seiner Wohngebiete, die in der Gefolgschaft des Menschen erscheinende Kultur. So werden absichtlich oder unab­sichtlich fremde Formen in neu erschlossene Länder eingeführt, die die einheimische Tierwelt verdrängen und vernichten. Noch heute wird man sich erinnern, welch große Verwüstungen die Einbürge­rung europäischer Hunde in Neuseeland zur Folge hatte, weil die dort eingesessene Tierwelt sich nicht verteidigen' konnte gegen ein fremdes Raubtier.

Besonders schlimm aber ist es solchen Tieren ergangen, die seit altcrsher in menschenleeren Gegenden hausten und nichts von menschlicher Tücke und Vernichtungsweise wußten, deshalb auch keine Scheu vor jenen ersten Menschen hatten, die das Land entdeckten. Ein klassisches Beispiel dieser Art bietet die Stellersche Seekuh, ein großes, wehrloses, seehundartiges Geschöpf, das erst zu Beginn des vorigen Jahrhundert entdeckt wurde und schon um die Jahrhundertmitte ausgestorben war, weil es seines Speckes wegen schonungslos von den Matrosen verfolgt wurde. Ein ähnliches Schicksal hat schon eine Zeitlang zuvor die Drorste ereilt, von der wir heute nur noch ein paar Knochen und spärliche Reste von Eierschalen kennen. Nicht viel bester ist es dem Rie­se n a l k ergangen, der noch vor hundert Jahren an der Kni" Island ausgedehnte Brutplätze bevölkerte und besten Wohnge­biete gewinnsüchtige Händler so gründlich ausgeräubert haben man benutzte seine Eier jahrzehntelang zu Küchenzwecken, i» selbst zur Schweinemast, datz heute von großen Museen fiir ein Ei dieses Vogels glatt 10 000 Mark bezahlt werden, und nur ein­zelne große Sammlungen ein gestopftes Exemplar dieses vc- dauernswerten Tiergeschlechtes aufzuweisen haben. Den blutigsten Naturfrevel, den wir kennen, stellt jedoch jener unglaublich vru- tale und mordsüchtige Vernichtungsfeldzug bestialischer Menschen gegen die Millionenheere der nordamerikanischen .Wanoer­tauben dar, die innerhalb weniger Jahrzehnte bis auf gant kiimmerliche Reste zusammengeschmolzen sind. Noch in der erst Hälfte des vorigen Jahrhunderts konnte man in Berichten me ,