und
Ohren den Husarenbusch
'verantwortlich: l)r. Hans Thyriot. — Druck undDerlag:Drühl'jche UniverjitätS-Duch» und Steindruckerei. 2l. Lana«. Gießen.
vorüberkam, sah er stolz kameradschaftlich grüßen, sofort die Augen, die es
und war her,
und sie blieben lieber am Erdboden die sonst so gerne und so übermütig nippte, hing schlaff nach unten und
Die Hauptmannspferde bekamen wurden täglich gestriechelt, und ein
an den Freuden der Stunde watd täglich schwerer.
bessere Kost als Dauphin, jedes hatte einen Soldaten
Wahrscheinlich spürte er zwischen seinen schwanken, den er einst trug.
Wie er am ersten HanptmanNspferd zu istm auf, gleichsam, als wolle er es
Allein das Hauvtmannspferd wandte
im geradeausgestellten Kopf kaum merklich herübergedreht hatte, von Dauphin ab. ITnb aeuau so machte es das zweite Pferd und das dritte und daS vierte.
Znm fünften sab Dauphin selber nicht mefjr. ließ den Kopf tief sinken, die Augenlider und die Ohren und den Schweif.
Allein in Dauvdins Geist strömte ein dämmerndes Gefühl, baß er sich nicht vor diesen Gecken zu schämen brauche: er, Dauphin, der voller Kunst stark und voller Wissenschaft und voller Weisheit, und der von einer Königin geküßt war»
nicht weiter. Der aber band ihn los, führte ihn heraus spannte ihn kurzerhand in ein Wägelchen, das so schmutzig wie er selber, nahm ihn am Zaun und führte ihn hinter sich irgendwohin, zum Tor hinaus.
Kinder standen am Tor, arme zerlumpte Kinder mit guten
schönen Augen. Eins hielt ein rotes Glasstück vors Auge und betrachtete Dauphin.
„Ach!" riefen sie, „der Balthasar hat ein neues Gäulchen, und was für eins, Balthasar!"
Und die klatschten Dauphin auf den Schenkel, sprangen aufs Wägelchen, und Dauphin, der schon ganz niedergeschlagen den Kopf hatte hangen lassen, hob ihn wieder und freute sich plötzlich, da er Kinder sah, die ihm gut waren. Er zog sie wacker fürbaß, aber sie hüpften gemach eines nach dem andern von seinem Wagen: einige ließen Pfennige auf die Erde fallen und liefen ans Kasernentor zurück.
Baltbasar steckte an der alten Zigarre eine neue an und ließ sie zwischen den Lippen auf und ab pendeln.
Ins Schlachthaus giugs, ins Schlachthaus, mitten hinein ins Schlachthaus!
Einen halben Ochsen mußte Dauphin heimziehen, dessen hautloses Bein seitlich aus der braunen Zeltdecke hervorragte.
Das Bataillon rückte aus, die Straße her, Dauphin entgegen, mit Pauken und Trompeten! Dauphin zog die Nüstern hoch und die Augenbrauen, um alles genau zu sehen, und ließ den langen Schweif hin- und herschwingen. Er gehörte ja auch zu denen da!
zur Bedienung!
Dauphin aher stand hinten im Stall, wo kein Fenster war, keine frische Luft und kein Licht, und sein Fressen lag oft tagelang in der Krippe. Wenn Balthasar ein dünnes Getränk brachte, so leerte er die Krippe zuvor nicht aus, und Dauphin fraß fast nichts als Heu.
Auf seinem Rumpfe zeichneten sich bald die Nippen deutlich ab, und da das schwarze Fell gänzlich von Staub und Schmutz durch- gesetzt war, konnte bald kein Kind mehr Freude haben, das Gänl- chen zu streicheln und liebkosend zu tätscheln. Die Mähne, ehedem ein zartwelliges Gekrausel, ein Kindergelock und ein Fähnchen der Fröhlichkeit und des Uebermutes, hing wie ein Bündel Haberstroh übern Hals herab. Wenn die Sonne ans die Mähne schien, sah man Staubwölkchen drans emporwirbeln wie aus einem alten Sofa. Die Knochen der Hinterbacken traten hervor, und Balthasar hängte oft, wenn er schwitzte, seine verschmutzte Mütze dran. Die schweren Eisen der Hufe klapperten, die Rippen schoben sich unter der Haut hin und her.
Balthasar redete nie ein Wort mit Dauphin, und Dauphin empfand natürlich auch nie Lust, den mürrischen Alten etwas von seinem Können merken zu lassen. Niemand ahnte von Dauphins Fähigkeiten! Nicht einmal seinen Namen kannte man: Balthasar kannte ihn nicht, die Hauptleute nicht, die übrigen Wärter nicht! Niemand wußte, wen er da vor sich hatte! Selbst die Kinder riefen ihn nicht mit seinem Namen.
Einmal trottete er mit dem Mistwagen im Schatten der Linden ruitd um den Kasernenhof herum, indes Balthasar bei Soldaten stand, die höchst eifrig Strohfäcke stopften. Biennal trottete Dauphin so hinter dem Rücken Balthasars vorbei, nnd jedesmal wenn er an den Soldaten vorüberkam, hörte er Balthasar niesen und seinen Laut ausstoßen:
„Zigga, e Ziaga!"
Als er znm fünftenmal vorüberkam, sab er, wie einer der Soldaten dem Balthasar eine Zigarre in den Mund steckte, ein Streichholz am Schenkel anstrich und sagte:
„Nun mach' dich mit deinem Räppchen fort aus unferm Staub.
Die Soldaten erregten Dauphins Teilnahme fast nicht mehr. Ihr Trommelschlag, ihre Marschmusik, ihre bunten Kk^der, ibr Feldgeschrei, nichts erregte Dauphins Aufmerksamkeit. In sich gekehrt. tat er feine Pflicht, und die Erinnerung an glanzvolle Tage verblaßte in ibm.
Er wurde täglicher müder und verdroßener.
(Fortsetzung folgt.)
Er nickte nach links und nach rechts und wußte schon den Weg inS Kasernentor, wo die vielen Kinder standen.
Einige spielten mit Pfennigen, einige hielten Kasernenbrot int 9rm: alle aber kamen sie und lachten mit dem Gäulchen und streichelten es.
Au der Küche wurde der halbe Ochse abgeladeu. Köche mit aufgeschürzten Aermeln klatschten ihre roten, fleischigen Hände auf Dauphins Rücken Hals und Stirn, und Dauphin schob den Kopf waagrecht vor, um diese Hände von sich abzuschütteln. Aber die Köche lachten und liebkosten um so mehr, weil sie meinten, das gefiele dem schwarzen Gäulchen.
„Heut raucht aber der Balthasar ein gutes Kraut!" sagte ein Koch.
„Das ist", entgegnete ein anderer, „weil er ein neues Gäulchen hat!"
Große, offene Fässer, in denen eine zähflüssige Masse an die Wände klunkerte, wurden aufgeladen. Ein Koch griff in ein Faß, holte etwas heraus und hielt es Dauphin hin, daß er fresse, aber Dauphin fraß es nicht, obgleich er Hunger hatte, und der Koch warf die Handvoll in die Gosse.
Dauphin mußte die Fässer quer durch die ganze Stadt ziehen in eine Fabrik mit vielen hohen und niedrigen Schornsteinen, wo es fürchterlich stank, Balthasar begann in dem Gestank heftig zu niesen, nieste fünf- ober sechsmal und stieß dabei diese Laute von sich:
„E Zigga, e Zigga!" m r
Als sie wieder in der frischen Luft waren, sagte Balthasar etwas zu Dauphin, was diesen höchst erfreute:
„Das Leben ist eine Hühnerleiter!" sagte Balthasar zu Dauphin.
Nunmehr zog Dauphin täglich den Fleischwagen, den Spülicht- wagen und noch andere Wägelchen durch die volkreiche Stadt. Man kannte ihn nicht in dieser Stadt: niemand kannte ihn! Man blieb wohl einmal steheü, besah sich das schwarze Gäulchen mit der weißen Blesse und ging weiter. Nur die Kinder fanden es der Mühe wert, zu verweilen, mit dem kleinen Freunde zu laufen, ihm einen Bissen Brot zu reichen oder ein Stückchen Zucker.
Obwohl nirgends mehr an den Mauern, an den Plakatsäulen, in den Schaufenstern Dauphins Bild mit dem Purpurmautelett- cken hing, wußten die Kinder doch, daß das zarte Gäulchen kein gewöhnliches Kaserneutierchen war, denn sie liefen neben ihm her und beschenkten es mit Zucker und Liebkofungen!
O wenn Dauphin frei gewesen wäre! wenn er ledig seiner Siele, ledig des schweren Kummets gewesen wäre, ledig a!er Mühen und Sorgen! Kinder! Kinder!
So war das Leben eine Qual, so aber wollten die klaren
Auaen nicht aufblicken in den Tag, der fast stets Nacht war, - - -- - " ' ~ ' haften. Und die Unterlippe,
.Bürschken!" sagte der Direktor, „wenn du mir bett Samstag verdirbst, bist du gerichtet!" m
Der Samstag abend kam, und Dauphin sah eine Reihe Offiziere vorn fitzen und wußte wieder nichts und konnte nichts und ward wieder hinausgejagt. .
Und so geschah es noch zweimal, und dann sagte eines Tages der Direktor: ..
„Wart Blirschken, du kommst mir zum Militär!"
Hätte Dauphin diese Sprache des gehaßten Direktors verstanden, so hätte er sich sogleich aus die Hinterbeine gestellt — denn das konnte er — und hätte gelacht so taut, rote eine ganze Kompanie. „
Und siehe da, Dauphin ward beglückt: am andern Morgen kommen Soldaten, und alle Pferde werden wieder gemustert.
Wie die Reihe an Dauphin kommt, sagt der Offizier:
„Den da, den zarten Mann, können Sie behalten!"
Aber der Direktor entgegnet:
„Wat soll ich noch mit ihm machen? Nehmen Sie ihn doch ooch mit, er kann Handlangerdienste tun in der Kaserne. So schwach, wie er ausschaut, ist er nich!"
Und Dauphin durfte bei den Soldaten stehenbleiben und wurde auch sogleich von ihnen abgeführt. Biele Stunden lang durfte Dauphin dann in einem Kasernenhof bei den kriegsverwendungsfähigen Pferden stehen.
Dann ging ein Soldat mit ihm an den Bahnhof. Sie fuhren wieder viele Stunden, und dann in einer kleinen Stadt eilten sie schnurstracks auf die Kaserne zu.
Wie Dauphin die vielen Soldaten auf dem Kasernenhofe exerzieren sah, streckte er, Hurra! den Kopf steil hoch, ließ die Lippen hangen, daß die weißen Zähne zum Himmel aufbissen, und stieß einen Freudenschrei aus, der durchaus kein gewöhnliches Wiehern war. Das Echo dieses Schreies tief zwischen den hohen Bauten hin und her, und tausend Gesichter richteten sich auf Dauphin, den Ankömmling.
Er ward nun in einen Stall geführt zu sechs blank gefütterten Reitpferden und bekam zu fressen indes die Reitpferde ihm zuseheu mußten, wie er fraß.
Ein Hauptmann kam, klatschte Dauphin auf den Schenkel, der recht feist geworden war, und ging weiter.
Ein Soldat schlüpfte an seinem Halse vorbei, band den Apfelschimmel los, führte ihn hinaus, und der Hauptmann setzte sich darauf.
So geschah es noch fünfmal, und Dauphin stand allein int Stall und wartete auf den siebenten Hauptmann, auf „seinen" Hauptmann.
Ein Mann, ein ältlicher Zivilist kam mit beschmutzter, abgenutzter Dienstmütze, die einmal blau gewesen war. Eine Zigarre hing ihm schwer ans den Lippen und qualmte. Dauphin sah gerade durch die offene Tür über den Kasernenhof, wo, den ganzen Platz zwischen den grünen Linden erfüllend, sechs Kompanien in Kompaniekolonne ausgestellt waren. Die sechs Pferde standen mit ihren Hauptleuten, hochaus die Ohren, je in der Mitte hintereinander, und Dauphin beobachtete den beschmutzten Zivilisten
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