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ries außer-ordentlichen Werkes war ein Vier-und- Delft am 31. Oktober 1632 geboren, war er 1653

ganz neuem Klang auf. Der Schöpfer trief

ftaltung darstellt. Man hat gesagt, der Maler habe seine Stadtmit einer Maurerkelle" gebaut, so -trief ist die Farbe aufgetragen. Aber weich' eine weiche, schimmernde Leuchtkraft -ist mit dieser körnigen, pastosen Technik erreicht! Dorr dem samtenen Gelb -des Vordergrundes schwingt das fließende Grüngrau des Wasserspiegels zu der monumentalen Silhouette der Stadt hinüber, -deren warmes Farbenbukett in roten, blauen, grünen, braunen, gelben Tönen von einem lichtgrau-en Wolkenhimmel über- fchimmert wird. Dieses B-ild geht an -einheitlicher Geschlossenheit über alles hinaus, was die erste Hälfte des Jahrhunderts geschaffen hatte. Es ist ohne Rembrandts Einfluß nicht denkbar, weist aber darüber hinaus. Rembrandtifches lebt -auch in -dem einzigen ^datierten Werk, das wir von Vermeer besitzen, dem sog.L -i e b e s h a n Ä e l" von 1656 in Dresden, von dem j-ede zeitliche Ordnung feines Schaffens ausgeg-ang-en ist. Die linken Figuren sind noch ein-gehüllt in das warme Helldunkel, aber auf der rechten Seite, auf der der Mann in dem kam-elienroten Rock dem hinter dem leuchtenden Teppich sitzenden Mädchen in zitronengelber Jacke das lockende Geldstück in die Hand fallen läßt, blitzt ein Farbenwunder von

ganz vermieden. Zus-ammengehalten werden diese Töne durch ein silbriges ficht, dessen zart schimmerndes Grau wie aus Perlenglanz oder Mond- - chein gewoben scheint. Di-ese Melodie, wie die einer gedämpften hohen Geige, tönt aus den aufs feinste abgestuften Wänden, gestaltet -die tiefen Räume zu beseelten Körpern. Das Höchste in dieser Kunst der monu­mentalen Stille, der von Licht und Farbe umflossenen Formen ist wohl dasAtelier" beim Grafen Czernin in Wien, zweifellos eins seiner reifsten Werke, bei dem die farbige Klarheit und die Reinheit der Linie noch nicht, wie in seinen letzten Arbeiten, zu einer fast gläsernen Kält« erstarrt ist. Die barocke Kraft einer mächtigen Flächen- und T-iefen-Wr- kung, die die Illusion eines dreidimensionalen Raumes gibt, ist durch dis läuternde und verklärende Wirkung der Farbe zu einer klassischen Har­monie gebändi-gt. Mit solchen Werken erhob sich derKleinme-ister" Jan V-ermeer zu einer Vollendung, wie sie nur dieGroßmeister" erreichen

Oer Kriegskommissar des Königs.

Roman von Friedrich F r e k s a.

Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. H., Berlin.

(Fortsetzung.)

Stettin machte auf den Cirzi-ehenden einen mächtigen Eindruck, ob­wohl er müde war und stark hinkte, weil er sich -die Füße durchgelausen. Wie hoch waren die Häuser, wie räumi-g und -gewaltig die Speicher) Un des herrschte «in Gewühl von Menschen, -daß er stillstehen mußte und aufschnaufen, so verwirrte ihn alles. Und der Mastenwald der vielen Schiffe, die auf der Od-er vor der Stadt lagen, war doch etwas anderes als der stille Ko-lberger Hafen. Aber die Straßen waren noch finsterer, die Luft noch kühler und mehr mit Gerüchen gesättigt als in Kolb-er-g, und noch enger saß alles in der hart befestigten Stadt bei­einander. So war ihm das Herz schwer, als er sich zu der kleinen Schifferherb-erge durchfragte, an die er empfohlen war. Sie lag am Hafen, und hier nächtigte auch der Küstenfahrer, der ihm das Gepäck übergeführt hatte.

Die Wirtin, eine hochgewachsene, breite Frau, schaute verwundert auf den schmalen Burschen, der bei ihr Herbergen wollte. Sonst kehrten bei ihr nur See- und Fuhrleute ein. Aber -die Grüße von mehreren bekannten Kolberger Schiftern machten die dicke Frau zutraulich. Da sie sah, daß Heinrich hinkte, nahm sie ihn einfach auf die Arm« und trug ihn -die Stiege hinauf, legte ihn in ein ftifchgemachtes Bett, wusch seine Füße mit Branntwein, bestrich sie mit Talg und brachte ihm das Nacht­essen, Erbsensuppe mit Speck, hinauf.

Von unten drang in die enge Kammer das dröhnende Gespräch, der laute Gesang der Seeleute, aber er war so müde, daß er alsbald ein« schlief und bis zum Hellen Mittag sich nicht rührte.

Der Sohn der Wirtin rüttelte ihn wach. Es war ein starker blonder Junge, der der Mutter schon zur Hang ging. Mit seiner Hilfe fand Hein­rich Wohnunterkunft, die für feine schmalen Verhältnisse paßte. Es war ein kleines Stüblein unweit des Hafens, -drei Treppen hoch, bei einer alten Witfrau. Er bezahlte für Frühstück und Wohnen das Vierteljahr -neun Taler. Freilich waren die Treppen so eng und steil wie eine Hühnersteige, und er mußte über viele Höfe und -durch lange Gänge laufen ehe er in seine Wohnung kam, die hoch gelegen war, wie ein Storchennest. Dafür hatte er aber aus zwei kleinen, runden Fenstern eine freie Aussicht über die Oder mit ihren vielen Schiffen, und fürs Wecken brauchte er sich nicht zu sorgen, denn die hell« Morgenfonne schien klar und freundlich in das Stübchen -hinein.

Nachdem das leibliche Wohl geordnet war, galt es noch, einen schweren Gang zu machen, vor dem er Angst in Magen und Nieren spürte. Er mußte den Rektor des Gymnasiums aufsuchen, . um das Examen rigorosum zu bestehen. Er durfte es feiner Mutter nicht antun, daß sie zu lange für ihn zahlen müßte, und all fein Sinnen und Trachten war darauf gerichtet, in die Prima zu kommen. Das Ex-amen war auch von Wichtigkeit wegen der Schenkung des halben Schulgeldes.

In einem einstöckigen Haufe unweit des Gymnasiums wohnte der Rektor. Eine helle Messin-gglock« meldete den Eintritt, lieber die mit Ziegeln belegte Diele kam ein langer, dürrer Mensch, der Famulus^ der das Empfehlungsschreiben abnahm und den Aufnahmeheischenden ins Vorzimmer führte, das von unten bis oben mit Bücherborden ongeftillt mar. Das sah gewaltig gelehrt aus, und Heinrich fiel das Herz in di« Hosen, da er nun -dacht«, -in welche der Wissenschaften er hinabgeworfen würde. , .

Nach einer geraumen Zeit, in der ihm -immer banger geworden war, kam der Famulus wieder und sagte griesgrämig:Der Herr Rektor hat den Brief gelesen, aber er hat jetzt feine Zeit, mit dem discipulo zu sprechen. Er läßt sagen, der Petent solle am andern Morgen pünktlich um sieben Uhr wieder hier fei, gewärtig der Prüfung!"

So war Heinrich noch eine Galgenfrist gegeben, und um sich die Brust freizumachen von -dem Examensdruck, lief er in der ganzen Staat herum um sie auswendig und inwendig recht zu besehen. Das Land war nun freilich ungleich schöner als das um Solberg. Wie breit war di« Oder und wie schön die Hügel bei Gollnow!

Am andern Morgen putzte er sich so gut heraus, wie er s nur konnte, wandte sogar zwei Groschen daran, um sich beim Friseur den ZoH neu flechten und das Haar frisieren und pudern zu lassen. Aeußerl-ich war er also aufs beste angetan, aber innerlich zerrissen vor Angst, als er mit dem Glockenschlag sieben wieder in das Haus des Ref. t°r52er<lt5amu[U5 verzog feinen zahnlosen grauen Mund zu einem höhnischen Lächeln.Er hat sich ja gewaltig herausgeputzt und ift pünktlich wie ein Militarius; aber das hilft beim Examen ngorosum nichts! Der Herr Rektor sehen nur auf die Wissenschaft und heben es, scharf auf den Zahn zu fühlen. Auch sind der gestrenge Herr heute morgen etwas verdrießlich nicht in aimabler und tonten ter Stim­mung. Irgendwo muß ja -die schlechte Laune hinaus. Petent wird einen harten Stand haben, und wenn Er die Sekunda erreicht, kann Er sich gratulieren!"

zwanzigjähriger. In Delft am 31. Oktober 1632 geboren, war er 1653 in die Delfter Malergilde aufgenommen worden. Er muß damals be­reits in feiner Heimatstadt einen gewissen Ruf gehabt haben, denn ein Lokaldichter, der den Tod des Malers Karel Fabritius bei der Ex­plosion des Delfter Pulver-Magazins am 12. Oktober 1654 beklagte, singt: Dem Feuer dieses Phönix ist zum Glück V-ermeer -enfttiegen, der meisterhaft feinen Spuren folgte". Fabritius, dessenSchildw-ache" in Schwerin wie ein wundervoller und einsamer V-orklang des neuen Kolorismus wirkt, bildet das Mittelglied in der Entwicklung von Rem­brandt und Vermeer. Von -ihm lernte fein Schüler -die Klarheit des inneren Aufbaus, die kühle, silbrig spielende Helligkeit -des Lichtes, di-e Zartheit einer sich in den feinsten Nuancen entfaltenden Ton-Skala. Der junge Vermeer muß also sehr früh seine Meisterschaft erreicht haben, denn aus feiner Jugendzeit stammen außer den beiden, in dunkleren Tönen gehaltenen, in seinem Oeuvre alleinstehenden Bildern in Glasgow und im Hang,Ehristus bei Maria und Martha und Diana im Bade", Meisterwerke, in denen sich feine Palette bereits eigenartig aufhellt, wie -dasSchlafende Mädchen (Neuyork), ein Meisterstück schärfster Beobachtung und harmonischer Beseelung -der toten Umwelt, die monumentale, Milch eingießende Magd in Amsterdam, das su-welenhafte leuchtende Ne-uyorker BildDer Soldat -und das lachende Mädchen" u.a. Auch dieAnsicht von Delft durfte fchon -um -diese Zeit enftt-anden fein, vielleicht selbst die in einer ©infame von bläulich-roten, weißlich-grünen Tönen schwebendeStraße die als unübertroffener Auftakt ein ganzes neues Genre emU-itete. Ob sich aber wirklich der größte Teil feines Schaffens in die Zett b-is 166a brangt, ob feine Kraft früh erschöpft war, wie Valentiner beweisen mochte, ist doch sehr fraglich. Seine Frau hat nach seinem Tode gesagt, er habe in den letzten Jahren wenig gemalt; vielleicht war er krank. Aber die Sorge für seine neunköpfige Familie wird -ihn doch zur Arbeit gedrängt haben denn er war in ärmlichen Verhältnissen und tonnte femer ganjen r nach nur langsam -schaffen. Am 15. Dezember 167o ast -er mit 43 Jahren

Vermeers Gröhe liegt -in der Eigenart, der Ursprunglichkett und der Intensität seines Sehens. Wie nur bei wenigen Genies der Malerei ist bei ihm Schärfe mit Feinheit gepaart. Wie wußte -er an allen Einzel­heiten das Muster eines Teppichs, eines Schals, einer Kanne wieder- zu-geben und doch organisch in die Harmonie des Ganzen ^zufugen. Unter allen, die von Rembrandts überragendem Einfluß ^slaßt wurden, ist er der Einzige, der selbständige Wege ging, nur feinen Meister Karel Fabritius ausgenommen, der ihm voranschritt. Statt des dramatischen Gewoges leidenschaftlich-er Farb-enklange, die ^us Damrnemng hervor- hcken treten -in feinem Stil scharf begrenzte plastifche Formen auf die das Einfache zum Monumentalen steigern. Die warme Vermahlung der Farben un/Fomr-en in einer aus Seelentiefen «u quellenden Stimmung weicht einer sehr bewußten Jfolierung, ^urch Melodik Raum eine ganz neue Tiefenwirkung, eine fein abgewo-g.ne uceiooic erhält. Vermeer war sicherlich keine weltumspannende mit den ewigen sind ost unbewÄ Im momentanen Ausdruck mit W^ter Irene

Dargestellt n bis zu Teppich, Kissen -und Sessel aber das Mckeu ver »«JySBs PSCAf'rSÄr!« ää Hinwendung zum Rokoko einleitet. Vor au I fjßanö»

lnng auch in seiner Farbengebung zu erkennen Man hat'e lung fernes Stils als einenÜBefl ,ÄfmÄ?^beteiAne5 3ebenfaUS Seidenen und dann zum Perlenhaft-Krastallen bez^ Striche

im Zu­hinhuschen, durch eine glatte, ema-lart ge » Palette,

sammenhang mit -einer kühnen Aufhellung uno Euyrung v Vermeer liebt Färbenzusamwenstellungen, ^^le haften; es

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löfchlichen Eindruck hinterließ. Diese einzige Landschaft im Werk Ver­ist allerdings ein Bild, -das einen Höhepunkt malerischer Ge- - darstellt. Man hat g-ef-agt, der Maler habe seine Stadtmit einer