bann wieder hell wie Kakaopuloer, zwischen lichtem, leicht rotem Violett und lichtem Braun. Die Linien der Aecker sind lang, lang hinge zogen, aufwärts und abwärts, großartig hochgewölbt bergan und großartig einaewölbt bergab: ihnen gleichen Linien und Flächen der Wiesen, die noch das letzte Weidegras geben. Es ist ein Land an bedeutender Form, nichts Kleinliches verstellt dem Blick den Weg ins Erhabene. Auf >der Hohe der Grasterrassen stehen die Kühe: frei gegen den Himmel stehend, scheinen sie enorm: die Zeichnung des K-alk-enz-cmns ist gegen den Himmel auf unbegreifliche Weife riesig, und ter Hütebub mit der klatschenden Peitsche vor der freien Luft wird ein Gigant. Pferde und Ochsen ackern neben trächtig weidenden Kühen. Auf fünfzig Meter von der Arbeit der Ge­spanne grasen Rehe vor dem Waldrand; ihre w-int-erweißen Spiegel locken den Blick. Am Rückweg gegen Abend -die schöne Rast. Ein Kruzifix, ausgewaschen, steht als Achse, ein wenig schief. Jur Linken draußen schmelzen die Berge in den Himmel hinein; nun sind sie nur noch ein glühender Schatten, nun bloß noch zwischen Rosa und Gold ein lichter Staub. Rechts droben, auf dem nahen Grasrücken mit den ab-ge-ernt-eten Apfelbäumen steht die Kirche von Oberzeismering mit der barocken Turm- zwiebel; neben der Kirche steht das Wirtshaus, breit, mit stumpfwink­ligem Dach; man ahnt, daß es hierzulande nicht weit ist von einer Welt, in der die Menschen lateinisch bauen von der Welt dort drüben hinter dem Jaun der Berge ... Das Kruzifix ist farblos; kösttiches altes Holz aus laufend Unwettern, nicht grau, nicht gelb. In dem Kreuzwinkel rechts, von dem Schild mit der AufschriftINRJ" sitzt ein verlassenes Vogelnest Der Herr neigt das Haupt nah der Seite des Nestes .. Die Pappelallee hinunter. Es riecht nach Erdboden und vom verwesten Laub auch etwas -branst-g.

Ich sitze daheim, vorm Haus. Es siecht nach Veilchen; sie blühen heuer tief hinein in den November! Die Rosen sind noch rot und ganz: ja, an der Südwand treiben sie noch immer! Die Astern drunten im Garten sind ein wenig faul. Die Sonnenblumenhäupter hängen an gebrochenen Hälsen, und wer den bienenbraunen Pelzgesichtern näher kommt, der weiß, daß sie räudig sind und traurig. Aber der Gärtner steckt schon die Tulpenzwiebeln in die frisch gehäufte Erde. Es ist der November, der Totenmonat, in dem die Tulpen ihr neues Leben anfangen ... In den Grasgärten der Nachbarn weiden die Kühe zwischen den teeren vbst- bäunten, und aus,einer überraschend intimen Nähe läuten sie mit ihren Glocken den hohl und stumpf klingenden Glocken, die sonst nur auf den Almen gehört werden, des Sommers, -oder draußen auf -den Triften. Sie läuten mir in die Ohren hinein. Die Welt zieht sich doch zusammen: wir sind schon beieinander wie in der Arche.

Cs ist Mittag. Die Sonne brennt wie im Juli. Am Efeu der alten Steinbalustrade ist ein Schwärmen von Dienen und Wespen und von Mücken wie auf der Maiwiese. Die bronzefarbenen Leiber -dicker Fliegen gleißen. Es ist das Leben wie je nur weiser, nur beständiger, nur friedlicher. Es ist ein wenig schon das Leben von Nachher, von jenseits des jüngften Gerichts.

Gefthichie eines jungen Mannes.

Von Karl L e r b s.

Man erzählte mir von einem jungen Mann, dem zu einer Jahrzehnte zurückliegenden Zeit, da in meiner hanseatischen Vaterstadt noch kein unterirdisches Vorzeichen die festgefügten Fundamente der patriz-schen Gesellschaftsordnung gelockert hatte, das scheinbar Unmögliche gelang: er durchbrach, selbst einer kleinbürgerlichen Familie in einer bescheidenen Landstadt des benachbarten Großherzogtums entstammend, in wohlvor­bereitetem Anlauf die starren Schranken, mit denen die patrizische Kaste sich sorgsam und unnahbar umhegte, und wußte sich durch zähes Fuß- faßen und unbeirrbares Wurzelschlagen in seiner neuen Umgebung so zu befestigen, daß nichts mehr ihn erschüttern konnte.

Dieser junge Mann, dem heimischen Kreise durch sein zielstrebiges Weiterwollen und mit durchdachter Bewußtheit gepaartes weitgreifendes Planmachen früh entfremdet, trat in ein großes Handelshaus ein und wußte durch umsichtigen Fleiß und von den ihm Gleichgestellten klug unterschiedenes äußeres Gebaren nach kurzer Jeit die Aufmerksamkeit des Chefs auf sich zu lenken. So kam es, daß er, der sich in einigen ihm von der überlegenen Berechnung des Handelsherrn gestellten selbständigen Aufgaben bewährte, allmählich aus den Niederungen feiner Arbeit auf- stieg und nach einigen Jahren versuchsweise nach China gesandt wurde, wo die Finna ein Zwei gu n te rnehmen hatte. Hier bot sich ihm nicht nur Gelegenheit, durch rasches Erfassen und sachgerechtes Handeln -die ihm zugedachte Aufgabe in einer für die Firma sehr nützlichen Weise zu lösen er konnte auch seinem an dem eifrigen Studium patrizischer Gepflogen­heiten geschulten Benehmen jenen so leicht erkennbaren und so schwer erwerbbaren weltmännischen Schliff des weitgereisten Mannes geben. Dies alles führte -dazu, daß er nach seiner Heimkehr zum Prokuristen ausrückte, und daß ihm von seinem Chef bis zu -den Grenzen der durch diese Stellung bedingten Möglichkeit der Zutritt zur Gesellschaft er­öffnet wurde.

Während nun freilich für jeden mit den Dingen betrauten Beurteiler damit der Endpunkt wenigstens des gesellschaftlichen Aufstiegs erreicht schien, fühlte sich der Ehrgeizige mit geheimem Ingrimm immer noch in der Stellung des Untergebenen, Angestellten, Geduldeten, der bei jedem Versuch zum weiteren Vorstoß gegen eine unsichtbare, aber un­erschütterliche Mauer prallte: -und wenn sich mittags zur Börs-enstunde die gemessenen Handelsherren nach dem Austausch geschäftlicher Mit- teilungen von ihm absonderten und sich wieder in ihre eigene Gebens« sxhäre zurückzogen, so loderte in ihm unter der Decke der Gleichgültigkeit ein wilder Zorn, und eine fressende Unzufriedenheit erfüllte ihn mit glühender Unrast. Zu dieser Zeit lernte er auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung die Tochter eines reichen Baumwollimporteurs kennen, die er sich mit jähem Entschluß zum Opfer ausersah. Es -gelang ihm, der alle dem Zwecke dienlichen Mittel -skrupellos und nach Überlegenem Plan anwandte, bei dem kühlen Mädchen ein tieferes Interesse zu erwecken;

und als er sich seiner Sache sicher wußte, berettete er unter beherrschten- Juwarten den Hauptschlag vor, der ihn zu einem Ziele bringen sollt-, dessen Erlangung trotz aller schon errungenen Erfolge uneryort und phantastisch schien. .

Er suchte an einem Vormittag den Vater der Dame rm Privatkonto, auf und wagte nach einem kurzen Hin und Her geschäftlicher Wort« plötzlich den entscheidenden Angriff. Von dem kühlen Loder des Kl-ut- fessels -in ungezwungener Haltung Besitz ergreifend und ohne unter dem Blick der schonungslos prüfenden stahlblauen Augen feines G-egeniibeis I auch nur einen Augenblick die mit ungeheurer Willenskraft behauptet« Fassung zu verlieren, stellte er die als vertraulich bezeichnete Frage: ob jener geneigt -sei, ihm unter -der Voraussetzung, daß er aus seiner gegen­wärtigen Stellung zum Teilhaber seines Chefs aufrücke, ihm die Tochter, deren Neigung er sich versichert habe, zur Fr-au zu geben. Er ftamm« aus der und der Umgebung, habe die und die Erfolge aufzuweif-en uni die und die geschäftlichen Pläne aus-gearbeit-et. Die so angcbahnte Der- einigung bet biiben Häuser unb fo weiter. Di>e entscheibun^svollen Minut-en, i>a ber anbere in einem Auf unb Ab im Kontor zu -einem Eni- schluss-e kam, verbrachte er, äußerlich unbewegt und in einer Zeitschrisi blätternd um sich bann, als er unter gedachtem Vorb-eha-lt die be­jahende Antwort erhalten hatte, ohne weitere Erörterungen zu empfehlen.

Unverwe-ilt begab er sich zu seinem Ehef und führte den zweiten Schlag: Er teilte sachlich mit, daß er auf seine Werbung.bei Henn Soundso einen zustimmenden Bescheid erhalten habe; -ob er im Hinblick auf seine dadurch so glücklich veränderten Leb-ensverhältnisse und den sin -die' Finna sich ergebenden praktischen Wert der Verbindung mit -der G- Währung der Teilhaberschaft rechnen könne, wobei er im Falle der bejahenden Bescheids -seine Mitgift in -dem Handelshaus-e, dem er so viel verdank-e, anzule-gen gedenke.

Es gab eine fast gleiche Wiederholung der äußeren Umstande jenen - ersten Unterredung; und nach dieser -abermaligen nervenspann-enden Ett:- scheidungspaus-e erlebte er, -der alles gewagt hatte, den Triumph, alles gui erringen. Reber die nun folgende Zeitspanne, da er das Errungene festigen und -die Hemmungen der neuen Sphäre Überwinden mußte, fejil er sich mit selbstverständlicher Gelassenheit und unfehlbarem Takt hd- weg: bis er, anerkannt und schließlich gleichg-oachtet, sich von den Herren -die mittags mit -dem spiegelnden Seidenhut über schmalen Rassegesichterir an -der Börse -den angestammten Platz einnahmen, in nichts mein unterschied.

Ian Vermeer van Delft.

Zum 300. Geburtslage des niedertändifchen Malers.

Von Dr. Paul Landau.

Rembrandt und Frans Hals sind ttotz der zu manchen Zetten ge? ringeren Beachtung stets als die führenden Maler Hollands anertamw worden. Aber der dritte Künstler, den man heute neben ihnen als @ro® meister dieser Blütezeit verehrt, Jan Vermeer van Delft, ist eG seit einem halben Jahrhundert mehr und mehr völliger V-er-gessenhr entrissen worden, und auch bevor er ins Dunkel versank, zählte er nut als einer der vielenKle-inm-e-ister", die das Stilleben und Jnteri« pflegten. Heute steht der Delfter Meister hoch über all den andern, dm Pi-eter de Hooch, Jan Steen, M-ieris, Metsu usw., die einstmals sem: Werkeverschluckt" hatten. Man hat erkannt, -daß die ganze Schönhn- -der Gestaltung des Jnnenr-aumes -im Tagesl-icht, der farbigen BertläruH des Alltags, der Beseelung des rein Stofflichen durch das Kolorit, te in -der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sich in einer Fülle von Künstlern und Bildern entfaltete, feiner Schöpfertat ihre EntstehM.z verdankt, -daß de-r früh verstorbene, solange bäum dem Namen nach be­kannte Maler nicht nur der größte Meister des Interieurs, sondern einet der größten Koloristen der holländischen Kunst gewesen ist.

Im Jahre 1866 veröffentlichte der französische Kunstkritiker Bürgen Thore in derGazette des Beaux-Arts" einen Aufsatz, in dem L- die Welt mit der Entdeckung einerSphinx" überraschte: er versuch»-'- das Werk eines Malers zusamm-enzustellen, dessen bahnbrechende W sönlichkeit sich ihm auf langen Reisen -und durch viele Studien erschlossen Van -der Meer war durchaus -nicht tot", schrieb er,und was er 8* schaffen hatte, war immer vorhanden, aber man hatte auf seinen strahlen­den Bildern seinen Namen getilgt. Ban der Meer war hinter Pieter ® Hooch verschwunden wie Hobbem-a hinter Ru-isdael. Jetzt hat Hodberm seine Individualität neben Ruisd-ael wieder erlangt. Nicht minder 9* bührt es sich, van der Meer den ihm zukommenden Platz neben W® de Hooch und Metsu, in der Nachbarschaft Rembrandts zur-ückzuerstatlem Seitdem hat die Forschung das kleine, aber unvergleichliche Lebensweg Vermeers, der früher sogar mit feinen zahlreichen Namensvettern ru­ber Meer verwechselt wurde, von vielen entstellenden Zuschreibungen 8** säubert und feine Ebenbürtigkeit mit dem Besten, was Hollands SDtelti'1, und damit alle Malerei hervorgebracht, erwiesen. Seine Bute gehören zu den am höchsten bezahlten, und wenn eins -dieser Werke den Besitzer wechselt, dann handelt es sich um solche Preise, ow in letzter Zeit allein -die amerikanischen Millionär mitreden konnten oM die Erwerbung zu einer nationalen Angelegenheit wurde, wie bei berühmtenStraße" der Sammlung Six, die jetzt im Ainst-erdaN« Rijks-Museum hängt. Allerdings versucht man, durch den hohen Man- wert dieses Namens verlockt, ihm immer wieder neue Werke sprechen. Allenthalben tauchtenVermeers" auf, und -das Dunkel, to über seinem Leben und -seiner Entwicklung liegt, läßt Vermutungen M Behauptungen weiten Spielraum. Aber -wie ein hervorragender Kennn- Wilhelm R. D a 1 e n t i n e r, soeben erst in einem Gedenk-Ausi-atz w Pantheon" betont, sind zu -den 37 Gemälden, die als eigenhändig 6 * erkannt waren, seit 20 Jahren nur noch zwei hinzu gekommen, und«"- wesentlicher Zuwachs ist nicht mehr zu erwarten. Es wird bei en- 40 Bildern bleiben, auf denen seine Unsterblichkeit beruht. .

Bürger-Thore ging bei seiner Entdeckung von -derAnsicht o Stadt Delft" im Haager Mauri tshuis -aus, die -ihm einen unw